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51. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 18. bis 22. Dezember 2023
Die Börsianer hatten sich die letzten Handelstage so kurz vor Weihnachten sicherlich anders vorgestellt. Nachdem Aktien in den vergangenen Wochen äußerst freundlich tendierten, kam aufgrund einer größeren Handelstransaktion mit Verkaufsoptionen auf den S&P 500-Index zur Wochenmitte spürbarer Stress am Aktienmarkt auf. Kräftige Kursabschläge waren die Folge. Das Rentensegment präsentierte sich hingegen weiterhin freundlich, dort kehrte tatsächlich die erhoffte vorweihnachtliche Ruhe ein. Es wurden noch einige Konjunkturdaten veröffentlicht, zudem tagte am Dienstag die Bank of Japan (BoE). Trotz der jüngsten Störfeuer am US-Optionsmarkt blicken wir damit auf ein gutes Börsenjahr zurück. So stieg der MSCI Welt-Index in diesem Jahr um knapp 23 Prozent.
Deutscher Ifo-Index zeigt weiterhin Schwäche
Nachdem zum Ende der Vorwoche bereits ein schwächerer PMI-Index (Produzentenpreis-Index) für Deutschland veröffentlicht wurde, fiel am Montag auch der Ifo-Index für Dezember enttäuschend aus. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen der deutschen Unternehmen gingen zurück, während der Markt mit einer Verbesserung gerechnet hatte. Nach zwei Anstiegen in Folge war der ifo-Geschäftsklimaindex im Vergleich zum November um 0,8 Punkte auf 86,4 Punkte gefallen. Damit verdichtet sich unser Bild einer anhaltend schwachen Konjunktur in Deutschland im weiteren Verlauf des Winters. Der Frühling lässt also noch auf sich warten, auch konjunkturell.
Am Dienstag verlief die Sitzung der Bank of Japan (BoJ) recht unspektakulär, die Notenbanker lassen die geldpolitische Ausrichtung „noch“ unverändert. Der Ausblick blieb ebenfalls stabil. Wir halten an unserem geldpolitischen Bild fest. Angesichts des fundamentalen Marktumfelds in Japan wird die BoJ ihren Kurs der geldpolitischen Normalisierung im Jahr 2024 weiter fortsetzen. Wie wir es von den japanischen Notenbankern kennen, setzen sie ihre vorsichtige und schrittweise Vorgehensweise fort. Der Markt setzt aber darauf, dass eine Zinserhöhung in Japan früher oder später kommen wird, wobei der April als wahrscheinlichste Option gilt. In Reaktion auf die BoJ-Sitzung gab der Yen-Wechselkurs nach und japanische Aktien verbuchten Zuwächse.
Am Mittwoch überraschten die britischen Inflationsdaten positiv. So ging die Teuerung in Großbritannien im November merklich auf 3,9 Prozent zurück, nach 4,6 Prozent im Oktober. Dies lag deutlich unter den Prognosen. Nicht nur die Headline-Inflation, sondern auch die Kerninflation (bei der die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden) fielen schwächer als erwartet aus. Insbesondere in den Bereichen Transport und Reisedienstleistungen fielen die Preise deutlich. Damit hat auch die Bank of England (BoE) nun den Zinsgipfel erreicht. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Inflation dort im kommenden Jahr hartnäckiger zeigen wird als in der EU oder den USA. Der Pfund-Sterling-Kurs fiel gegen den US-Dollar und die Renditen britischer Staatsanleihen kamen spürbar zurück.
Die 27 EU-Finanzminister haben sich am Mittwoch auf neue EU-Fiskalregeln geeinigt. Die drei wichtigsten Änderungen: Der Schulden- und Defizitabbau soll flexibler gestaltet werden, der Fokus soll verstärkt auf der Struktur der Ausgaben und nicht nur auf den Defiziten liegen. Zudem werden strategische Investitionen bevorzugt. Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind zunächst begrenzt, wenngleich sie für Länder mit hohen Schulden und/oder Defiziten marginal positiv sind. Im Jahr 2025, wenn die Reform zum ersten Mal gilt, wird sich zeigen, ob die EU-Kommission die neuen Regeln auch durchsetzen kann.
Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA sind mit 205.000 weniger stark gestiegen, als vom Markt erwartet wurde. Die Schätzung lag bei 215.00 Erstanträgen. Wir sehen dies als weiteres Indiz für die Robustheit der US-Wirtschaft an.
Der Brent-Ölpreis stieg im Wochenverlauf an, da es zu Unterbrechungen der Öllieferungen im Roten Meer kam. Der Schiffsverkehr ist dort um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Die USA wollen eine neue Marine-Task-Force zum Schutz von Handelsschiffen einrichten. Immer mehr Schifffahrtsunternehmen meiden die Route durch Rote Meer, da die militanten Houthi-Milizen ihre Angriffe aus dem Jemen verstärken. Darüber hinaus lässt aufhorchen, dass Angola aus der OPEC ausgetreten ist. Dies zeigt, wie stark die Spannungen innerhalb der OPEC sind. Die kleineren Mitglieder scheinen nicht mehr bereit zu sein, sich von Saudi-Arabien die (für sie oft ungünstigen) Bedingungen diktieren zu lassen. Damit dürften die Schwankungen am Ölmarkt hoch bleiben.
Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen legten die Aktienmärkte zuletzt eine Verschnaufpause ein. Dazu passte, dass die Handelsvolumina überall deutlich zurückkamen. Viele Marktteilnehmer betonten, dass die Rally bereits weit fortgeschritten sei und ein Großteil der erwarteten Zinssenkungen nun schon in den Kursen eingepreist sind. Darum ist auch das Rückschlagspotenzial gestiegen. Am Mittwochabend kam es an der Wall Street zu einem ungewöhnlichen Kurseinbruch im S&P 500-Index um 1,5 Prozent, für den es keine fundamentale Begründung gab. Für den Rückgang verantwortlich gemacht wurde der großvolumige Kauf von Zero-Day-Optionen in einem illiquiden Markt mit niedrigem Handelsvolumen. Diese Transaktion löste weitere Verkäufe von systematischen Investoren aus. Da diese Aktion eine bewusste Kursmanipulation zu sein scheint, könnte es zu einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht kommen. Die Marktvolatilität in den USA schoss nach diesem Ereignis entsprechend nach oben, während sie in Europa stabil blieb. Darüber hinaus sind die Handelsvolumina am Aktienmarkt aber auch gestiegen, weil einige professionelle Marktteilnehmer traditionell ihre Portfolios gegen Jahresende bereinigen.
Die US-Regierung plant scheinbar eine weiter Erhöhung der Zölle auf ausgewählte chinesische Produkte, darunter Elektrofahrzeuge und Solarprodukte. Die Ergebnisse der Überprüfung sollen Anfang des neuen Jahres veröffentlicht werden. Die asiatischen Aktienmärkte sowie der Chinesische Yuan tendierten daraufhin schwächer.
Die Aktie des Halbleiterspezialisten Micron Technology verzeichnete Mitte der Woche einen Kurssprung. Das Unternehmen gab eine unerwartet gute Umsatzprognose ab, die auf eine solide Nachfrage der Rechenzentren hindeutet.
Die Titel von Toyota stürzten hingegen ab, nachdem das Unternehmen rund eine Million Fahrzeuge in den USA zurückrufen musste und das Büro der Tochtergesellschaft Daihatsu in Osaka durchsucht worden war.
In Deutschland gab die Commerzbank bekannt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr geplantea neues Aktienrückkaufprogramm genehmigt hat. Das Volumen soll 600 Millionen Euro betragen und der Start ist für Anfang Januar 2024 vorgesehen.
Gegen Ende der Woche brachen in China die Aktienkurse der Online-Spieleanbieter Tencent und NetEase ein, nachdem die dortige Regulierungsbehörde neue Maßnahmen zur Eindämmung der Ausgaben für Online-Spiele und deren Inhalte vorgestellt hatte. Der Schritt vernichtete etwa 54 Milliarden US-Dollar Marktwert bei Tencent und der Kurs von NetEase gab um 28 Prozent nach. In Europa verlor die Aktie der Holdinggesellschaft Prosus, die große Anteile an Tencent hält, rund 13 Prozent.
Die Titel von Nike büßten am Donnerstag etwa 12 Prozent ein. Das Unternehmen erwartet aufgrund der schwächelnden Nachfrage in China und den EMEA-Ländern einen leichten Umsatzrückgang im kommenden Quartal. Das Unternehmen will bis zu zwei Milliarden US-Dollar einsparen. Die Aktien der anderen Sportartikelanbieter wie Adidas, Puma, Under Armour, Foot Locker und Dick's Sporting Goods kamen ebenfalls unter Druck.
Insgesamt geht damit ein freundliches Börsenjahr zu Ende. Der deutsche Leitindex DAX40 gab diese Woche leicht ab, aber seit Anfang dieses Jahres gewann er 19,9 Prozent. Der EuroStoxx 50-Index stieg im Jahresverlauf um 23,3 Prozent. In den USA konnte der S&P 500-Index um 25,6 Prozent zulegen und der Technologieindex Nasdaq 100 lag mit stolzen 54,5 Prozent im Plus. In Japan verbuchte der Nikkei 225-Index gleichzeitig einen Zuwachs von 29,5 Prozent (Stand: 21.12.2023, Performance in Lokalwährung). Alleine die chinesischen Börsen mussten im Jahr 2023 Verluste hinnehmen.
Die Rentenmärkte blickten in der abgelaufenen Woche schon auf die nahenden Feiertage und bewegten sich in engen Spannen seitwärts bis leicht freundlich. In diesem Umfeld gönnte sich auch der Neuemissionsmarkt Ruhe. Am Sekundärmarkt war die Liquidität zwar eher niedrig, aber der Handel funktionierte reibungslos. Genau wie in der Vorwoche ließ die Aussicht auf Zinssenkungen im kommenden Jahr die Marktteilnehmer erneut Käufe tätigen. Entsprechend tendierten die Renditen weiterhin leicht abwärts. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten Freitagmittag knapp unterhalb der Zwei-Prozent-Marke. Zum Vergleich: Anfang Oktober lag die Rendite noch bei drei Prozent.
Sowohl aus den Reihen der US-Fed als auch der EZB äußerten sich mittlerweile einige Notenbanker skeptisch über die Kursrally am Rentenmarkt in dem Versuch, die doch sehr hohen Zinssenkungserwartungen für das kommende Jahr etwas zu dämpfen. So hat der Markt inzwischen im Euroraum bereits sieben Zinsschritte nach unten in Höhe von insgesamt etwa 165 Basispunkten eingepreist. Trotz der mahnenden Stimmen sind die Marktteilnehmer bisher erstaunlich optimistisch geblieben.
Risikobehaftete Papiere ebenfalls in ruhigem Fahrwasser
Unternehmensanleihen und Papiere aus den Schwellenländern zeigten sich in den vergangenen Tagen in einem ruhigen Marktumfeld ebenfalls freundlich. Das betraf nicht nur gute Bonitäten, auch hochverzinsliche Papiere verbuchten nochmals leicht rückläufige Risikoaufschläge. Schwellenländeranleihen beenden das Jahr auf Total Return-Basis auf einem Jahreshoch. Dort liegen die Risikoaufschläge unter der Marke von 400 Basispunkten zu US-Staatsanleihen. Für Rückenwind sorgte ebenfalls eine unerwartet hohe Nachfrage aufgrund des anhaltenden Optimismus.
Zwischen den Jahren werden so gut wie keine relevanten Konjunkturdaten veröffentlicht. In der ersten Januar-Woche geben uns die Caixin-PMI-Daten einen kleinen Einblick in den Zustand der chinesischen Wirtschaft. In den USA folgen weitere Arbeitsmarktdaten sowie der ISM Manufacturing- und der ISM Services-Index. Die Märkte werden dort auch auf die Auftragseingänge in der Industrie schauen. Am Donnerstag und Freitag werden dann die Konsumentenpreisindizes für Deutschland und den Euroraum veröffentlicht, die weiteren Aufschluss über die Inflationsentwicklung – und damit auch über die Zinspolitik der EZB – geben.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 22. Dezember 2023, soweit nicht anders angegeben.
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