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5. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 29. Januar bis 02. Februar 2024
Die US-Notenbank Fed ließ in der ersten Sitzung im neuen Jahr wie erwartet den Leitzins unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent. Hoffnungen der Anleger auf eine baldige Leitzinssenkung wurden enttäuscht. Die Fed wartet auf weitere Daten, um zu entscheiden. Erfreulich entwickelte sich zuletzt die deutsche Teuerung. Mit 2,9 Prozent bzw. 3,1 Prozent (EU-harmonisiert) war die Inflation im Januar geringer als vom Markt erwartet. Hiervon konnten deutsche Bundesanleihen profitieren. An den Aktienmärkten setzte sich zum Wochenauftakt der Höhenflug noch fort, dann enttäuschte die zinspolitisch abwartende Haltung der US-Fed die Anleger. Im Anschluss an die Notenbanksitzung gaben die Aktienkurse nach. Im Rahmen erfreulicher Quartalsergebnisse setzte ausgehend von den US-Börsen aber dann in Richtung Wochenschluss eine Erholung ein.
US-Fed-Vorsitzender Powell schließt Zinssenkung im März nahezu aus
Einmal mehr lag der Fokus der FOMC-Sitzung am Mittwoch weniger auf der Zinsentscheidung selbst, als auf der anschließenden Fragerunde. Wie erwartet beließ die Fed den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent. Deutlich interessanter war vielmehr, welche Signale die US-Notenbank bezüglich des Weiteren zinspolitischen Kurses senden würde.
Die Botschaft der jüngsten FOMC-Sitzung fiel dann insgesamt recht klar aus: Die Fed sieht weiterhin gute Fortschritte in der Inflationsentwicklung. Diese möchte aber noch weitere „gute Daten“ sehen, bevor sie damit beginnt, die Zinsen zu senken. Sie hat es mit einem ersten Zinsschritt also nicht eilig. Zudem bestärkt die bis zuletzt sehr robuste wirtschaftliche Entwicklung die Fed in ihrer Sichtweise.
Das FOMC-Statement enthält einige wesentliche Änderungen. Der „tightening bias“ wurde wie erwartet gestrichen und durch eine eher vage Forward Guidance bezüglich des Zeitpunkts einer ersten Zinssenkung ersetzt. Die Fed möchte also noch mehr Beweise für die Nachhaltigkeit des Inflationsrückgangs sehen. Eine Zinssenkung bereits im März kann demzufolge zwar grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, lässt diese aber doch sehr unwahrscheinlich erscheinen. Auf der Pressekonferenz hielt Powell auf Basis der aktuellen Datenlage es dann nicht für wahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen im März senkt, denn dies sei nicht das Basisszenario.
Wir halten an unserer Einschätzung zur US-Zinspolitik fest und rechnen mit dem Beginn des Zinssenkungszyklus im Juni. Für den Fall, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiterhin nach unten überraschen sollte, dürfte die Fed unseres Erachtens aber bereits auf ihrer Mai-Sitzung erstmals die Leitzinsen senken. Ende 2024 sehen wir das Zielband für die Fed Funds Rate weiterhin bei 4,25 bis 4,5 Prozent.
Deutsche Inflation steigt im Januar geringer als erwartet an
Die Inflation in Deutschland ist im Januar von 3,7 Prozent auf 2,9 Prozent gesunken. Zu Jahresbeginn haben eine Vielzahl von Sonderfaktoren einen kräftigeren Rückgang der Inflation verhindert. Beispiele hierfür sind das Ende der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie, die Erhöhung der CO2-Steuer auf Benzin und Heizöl oder höhere Nutzungsentgelte für Stromnetze. In Summe wirken diese Sonderfaktoren preistreibend. Somit ist die Inflation ohne diese Faktoren stärker gesunken, als es der Wert von 2,9 Prozent auf den ersten Blick suggeriert.
Die Chancen für eine geringere Teuerung bleiben intakt. Angebot und Nachfrage sind bei Gütern und Dienstleistungen weitgehend ins Gleichgewicht gekommen, womit der Preisdruck nachlässt. Daran ändert auch die Beeinträchtigung der Container-Schifffahrt im Roten Meer wenig. Zwar würde eine dauerhafte Störung die Lieferkosten nachhaltig erhöhen und somit auch die Güterpreise etwas anheben. Anders als während der Corona Pandemie dürfte dies aber nur einen geringen Einfluss auf die Preise haben. Wir erwarten im Jahresverlauf einen Rückgang der Kerninflation auf 2,5 Prozent. Die Europäische Zentralbank kann damit im Juni mit Zinssenkungen beginnen. Auch im Euroraum lies der Preisdruck im Januar etwas nach. Der Schnellschätzung von Eurostat zufolge sank die Inflationsrate um 0,1 auf 2,8 Prozent. Darüber hinaus war die Kernrate ebenfalls um 0,1 auf 3,3 Prozent gefallen.
BIP-Daten aus dem Euroraum - Konjunktur stagniert im 4. Quartal
Darüber hinaus wurden Daten zum Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2023 veröffentlicht. In der Europeripherie läuft es konjunkturell derzeit besser als in Kerneuropa. Es gab eine positive Überraschung in Spanien (+0,6 Prozent), positives Wachstum in Italien (+0,2 Prozent). Frankreich stagnierte hingegen, während die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,3 Prozent schrumpfte. Eine Schwäche in der Binnennachfrage wird auch nach vorne gehend bestätigt, da der Economic Sentiment-Indikator der EU-Kommission im Januar wieder leicht gesunken war. Es zeigte sich insbesondere ein schwacher Konsumwille (aufgrund bestehender Verunsicherung) trotz solider finanzieller Situation der Haushalte. Damit bestätigt sich unser aktuell schwaches Konjunkturbild für Europa. Die Wachstumsschere zwischen den USA und Europa ist groß. Dabei stechen Kerneuropa und insbesondere Deutschland mit Schwäche heraus.
Starker US-Arbeitsmarkbericht
Die Zahl der in der US-Wirtschaft im Januar neu geschaffenen Stellen (außerhalb der Landwirtschaft) war mit 353.000 überraschend hoch und lag weit über den Erwartungen der Analysten. So lagen die Reuters-Schätzungen im Durchschnitt bei 180.000 neuen Stellen. Die Arbeitslosenrate betrug 3,7 Prozent.
Nach der Fed-Sitzung verstimmte zunächst die Aussicht auf anhaltend hohe US-Zinsen die Anleger ein wenig. Die Aktienbörsen in den USA und in Europa tendierten nach einem sehr freundlichen Wochenauftakt etwas schwächer. Im Rahmen der laufenden Berichtssaison zum 4. Quartal konnten sich die Märkte aber in Richtung Wochenschluss wieder erholen. Im Euroraum nahm die Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse an Fahrt auf. Folgend einige Highlights aus der Berichtswoche:
Meta und Amazon überraschen positiv nach Börsenschluss
In den USA konnten am Donnerstagabend nach Börsenschluss bei den Großunternehmen sowohl Meta Platforms als auch Amazon die Anleger positiv überraschen. Bei Meta Platforms übertraf der Ausblick des Unternehmens die Erwartungen, zudem plant das Unternehmen Aktienrückkäufe im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus wird beabsichtigt, im März erstmals eine Dividende auszuschütten. Die Marktkapitalisierung stieg wieder über die Marke von einer Billion US-Dollar. Zudem übertraf das Unternehmen Amazon seine Gewinnprognose und vermeldete robuste Umsätze. Mit den guten Nachrichten konnte hingegen Apple nicht mithalten, ein schwächeres China-Geschäft mit rückläufigen Marktanteilen belastete zuletzt.
SAP mit höchster Marktkapitalisierung im DAX 40
Mit Blick auf den DAX 40, der am Freitagmittag mit 17.004,55 Punkten ein neues Hoch erreichte, war die SAP-Aktie weiterhin gefragt. Diese setzte mit einem Rekordkurs von etwas über 165 Euro ihren Höhenflug fort. Der Umbau des Konzerns und KI als Wachstumstreiber rückten die Aktie verstärkt ins Blickfeld der Anleger. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist damit an die Marke von 200 Milliarden Euro geklettert. SAP ist damit im DAX 40 das Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung.
Im Bankensektor berichtete die Deutsche Bank von einem steigenden Umsatz. Wegen einer höheren Steuerlast fiel der Nachsteuergewinn Presseberichten zufolge um 14 Prozent. Eine Dividendenerhöhung und weitere Aktienkäufe wurden angekündigt. Die Aktie legte in der Berichtswoche rund sechs Prozent zu.
Bayer-Aktie unter Druck
Weniger erfreulich war der Kursverlauf bei Bayer. Die Aktie setzte ihren Abwärtstrend fort und verlor in der Berichtswoche weitere 12 Prozent. Presseberichten zufolge hat das Urteil eines US-Geschworenengerichts mit einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 2,2 Milliarden US-Dollar um glyphosathaltige Unkrautvernichter zu einem erneuten Kursrutsch auf zuletzt 28,40 Euro geführt. Anders als noch vor einem Jahr gedacht, konnten die Glyphosat-Klagen durch die außergerichtliche Vereinbarung nicht eingeschränkt werden. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als ob das Ganze wieder von vorne losgehe.
Darüber hinaus enttäuschte Adidas mit rückläufigem Umsatz und Ergebnis. Negative Wechselkurseffekte dürften nach Unternehmensangaben die Profitabilität belasten. Der negative Ausblick sorgte am Donnerstag für einen deutlichen Kursrückgang um bis zu 15 auf 160 Euro. Am heutigen Freitag konnte sich die Aktie aber wieder auf 176 Euro erholen.
An den Euro-Staatsanleihemärkten wurden die in der Berichtswoche veröffentlichten Inflationsdaten für Januar sehr positiv aufgenommen. Der zum Jahresauftakt verminderte Preisauftrieb hält trotz der Fed-Entscheidung die Fantasie für umfangreiche Zinssenkung in diesem Jahr aufrecht. So wurden am Euro-Rentenmarkt in der Berichtswoche bezüglich der Europäischen Zentralbank Zinssenkungserwartungen im Umfang von 145 Basispunkten bis zum Jahresende eingepreist.
Renditeniveau fällt
Entsprechend der freundlichen Stimmung verminderte sich das Renditeniveau am deutschen Rentenmarkt. Die richtungsweisende Zehnjahresrendite fiel in der Berichtswoche von 2,3 auf 2,16 Prozent. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich bei zahlreichen Laufzeiten um bis zu 15 Basispunkten nach unten. Bei den kürzen Fälligkeiten war der Renditerückgang sogar noch etwas ausgeprägter.
Am US-Markt war die Renditeentwicklung ebenfalls teils deutlich nach unten gerichtet. Trotz der Fed-Sitzung gaben die zehnjährigen US-Treasury-Renditen um 25 Basispunkte nach. Deren Rendite rutschte mit rund 3,9 Prozent unter die Vier-Prozent-Marke. Auch die US-Zinskurve hat sich in der Berichtswoche parallel über alle Laufzeiten nach unten verschoben.
Neben Staatsanleihen erfreuen sich unvermindert Euro-Unternehmenspapiere eines regen Zuspruchs durch die Anleger. Auch in der Berichtswoche konnte der Unternehmensanleihesektor weitere Zugewinne verbuchen. Die große Neuemissionswelle aus der Jahreswende hat mittlerweile deutlich abgenommen. Neue Papiere am Primärmarkt verzeichnen aufgrund des Zinsaufschlags fortgesetzt eine große Nachfrage durch die Anleger. Die Risikoaufschläge (Spreads) zeigten sich in jüngster Vergangenheit trotz des teils sehr hohen Angebots erstaunlich stabil.
In der neuen Berichtswoche stehen wenig neue Daten zur Veröffentlichung an. Am Dienstag und am Mittwoch dürften für Deutschland die Auftragseingänge und Industrieproduktion im Dezember im Blickunkt stehen. Darüber hinaus wird aus den USA der ISM-Index für den Dienstleistungssektor von größerem Interesse sein.
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