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49. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 4. bis 8. Dezember 2023
Die Erwartungshaltung der Anleger gegenüber den Zentralbanken hinsichtlich kommender Leitzinssenkungen ist unvermindert hoch. Wie schon in der Vorwoche beflügelten auch in den vergangenen Handelstagen geringer ansteigende Inflationsdaten und verhaltene Wirtschaftsdaten die Spekulation auf deutliche Zinssenkungen im kommenden Jahr. Zudem wurden Kommentare bzw. deren Tonfall aus der US-Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank zur Zinspolitik als ausgewogener bewertet. An den Aktienmärkten erzielte der DAX 40 in der Berichtswoche ein Rekordhoch. Europäische Dividendentitel schnitten bis Freitagmittag insgesamt besser ab als ihre amerikanischen Pendants. Euro-Staatsanleihen tendierten ebenfalls freundlich, deren Renditen fielen weiter. Zum Wochenauftakt verzeichnete zudem der Goldpreis ein Rekordhoch.
US-Indizes: ISM-Komponenten uneinheitlich
Der in der Berichtswoche veröffentlichte amerikanische ISM-Index für November zeigte sich in Bezug auf seine Unterkomponenten uneinheitlich. Die Entwicklung beim Verarbeitenden Gewerbe lag mit 46,7 Punkten klar im kontraktiven Bereich und stand damit im Widerspruch zu harten Daten wie etwa der Industrieproduktion. Denn diese legte im bisherigen Jahresverlauf - bis zum Streik im Automobilsektor - zu. Die Dienstleistungskomponente lag hingegen mit 52,7 Punkten über den Bloomberg-Erwartungen und konnte mit leichten Verbesserungen in der Breite aufwarten. Diese Entwicklung sollte gegen eine baldige Rezession sprechen und bestärkt uns in unserer Prognose bezüglich eines „Soft-Landing“ der US-Wirtschaft.
Gleichzeitig gingen aber die US-Auftragseingänge im Oktober zurück und fielen mit minus 3,6 Prozent stärker als erwartet. Wir erachten deren Daten aufgrund auftretender deutlicher Schwankungen als schwer zu interpretierende Zeitreihe und erwarten perspektivisch eine Stabilisierung bzw. leichte Verbesserung der US-Industrieproduktion.
Abbau des Ungleichgewichts am US-Arbeitsmarkt
Am US-Arbeitsmarkt fiel die Zahl der offenen Stellen im Oktober auf das niedrigste Niveau seit zweieinhalb Jahren. Dies unterstreicht den von uns erwarteten Abbau des Ungleichgewichts am amerikanischen Arbeitsmarkt. Die am heutigen Freitag veröffentlichten neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) lagen im November mit 199.000 etwas über dem Bloomberg-Konsens. Die Beendigung des Streiks im US-Automobilbau und auch in Hollywood sollten hierzu beigetragen haben. Die Arbeitslosenquote fiel von 3,9 auf 3,7 Prozent.
Deutsche Auftragseingänge auf den zweiten Blick etwas besser
Die Auftragseingänge in der deutschen Wirtschaft im Oktober zeigten sich an der Oberfläche schwach, mit Blick in die Details aber besser. Die Gesamtrate ergab mit minus 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat - ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen - immerhin ein Plus von 0,7 Prozent. Wir erwarten eine Stabilisierung der deutschen Industrie, zumindest auf niedrigem Niveau. Die deutsche Industrieproduktion startete im Oktober mit minus 0,4 Prozent schwächer in das letzte Quartal des laufenden Jahres und sollte die deutsche Wirtschaftsleistung bis Jahresende belasten.
Bank of Japan bereitet geldpolitische Anpassungsschritte vor
Darüber hinaus bereitete die Japanische Zentralbank (BoJ) in der Berichtswoche die Finanzmärkte kommunikativ auf weitere Anpassungsschritte bezüglich ihrer Geldpolitik vor. Mit dem Hinweis, dass ein Ausstieg aus dem Negativzinsumfeld wenig volkswirtschaftlichen Einfluss habe, setzt sich die restriktive Tonalität der letzten BoJ-Sitzung fort. Weitere Schritte aus der geldpolitisch ultraexpansiven Geldpolitik sind im kommenden Jahr zu erwarten. Der Japanische Yen konnte gegenüber dem US-Dollar aufwerten. Nach 147 Yen mussten am Freitag nur noch rund 143 Yen je US-Dollar aufgewendet werden. Der Aktienmarkt geriet hingegen unter Druck, weil eine Währungsaufwertung Exporte aus Japan für Ausländer teurer macht.
Goldpreis steigt zwischenzeitlich auf Rekordhoch
Der Goldpreis erzielte gleich zu Wochenbeginn mit 2.130 US-Dollar je Feinunze ein Allzeithoch. Die Notierung konnte sich auf diesem Niveau aber nicht dauerhaft halten, im Anschluss setzten rasch Gewinnmitnahmen ein. In erster Linie sorgten auch hier die Erwartungen auf niedrigere Zinsen für Zuspruch zum Edelmetall. Zudem sollen laut Presseberichten umfangreiche chinesische Goldkäufe zum Preisanstieg geführt haben.
In der Berichtswoche setzte sich die Rekordjagd beim führenden deutschen Aktienbarometer DAX 40 fort. Am Mittwoch erzielte der Index mit zwischenzeitlich 16.727 Punkten einen historischen Höchststand. Zum Vergleich: Noch am 1. November notierte der Index knapp unterhalb der Marke von 15.000 Zählern, damit setzte der DAX 40 seine beeindruckende Aufwärtsbewegung weiter fort und legte in der Berichtswoche per Freitagmittag knapp zwei Prozent zu. Aus den erwarteten Leitzinssenkungen hervorgehende geringere Refinanzierungskosten sollten den Unternehmen zugutekommen, so das Kalkül der Marktakteure. Insgesamt wiesen in der Berichtswoche die europäischen Aktienindizes eine bessere Wertentwicklung als ihre US-Pendants auf. So legte neben dem DAX 40 auch der EuroStoxx 50-Index per Freitagmittag um zwei Prozent zu. US-Indizes wie der S&P 500 oder der Dow Jones Industrial Average konnten dieser Entwicklung in den vergangenen Handelstagen nicht folgen und verloren hingegen leicht. Der Technologieindex Nasdaq 100 lag leicht im Plus.
Die asiatischen Märkte gaben hingegen deutlich ab. In Japan drückte der sich anbahnende Ausstieg der BoJ aus der ultraexpansiven Geldpolitik auf die Kurse, der Nikkei 225-Index verlor in der Berichtswoche 3,4 Prozent. In China gab der HSCEI-Index weitere 2,8 Prozent ab, dort verstimmte zuletzt wohl auch ein negativer Ratingausblick.
Im STOXX Europe 600-Index (plus 1,1 Prozent) konnten sich Aktien aus der Freizeit- und Reisebranche sowie der Automobilsektor mit 4,6 und 4,0 Prozent deutlich absetzen. Öl- und Gaswerte sowie Grundstoffe lagen hingegen mit 1,9 und 1,5 Prozent im Minus. So waren Volkswagen, Daimler Truck, Mercedes-Benz sowie Porsche mit Zugewinnen von 7,2 bis 4,3 Prozent die fünf führenden Titel im DAX 40. Mit Abstand größter Verlierer war im Wochenvergleich die Aktie des Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmens Merck KGaA.
Merck – Abbruch von Studie enttäuscht die Anleger
Merck hatte in der Berichtswoche einen herben Rückschlag bei der Entwicklung eines Arzneimittels hinnehmen müssen. Das zur Behandlung von Multiple-Sklerose in der Entwicklung befindliche Medikament Evobrutinib konnte in der klinischen Phase 3-Studie leider nicht das primäre Therapieziel erreichen. Das Mittel galt als aussichtsreiches Medikament zur Schubkontrolle dieser Erkrankung. Presseberichten zufolge wurde das Umsatzpotenzial des Medikaments auf mehr als zwei Milliarden Euro veranschlagt und galt als eine der aussichtreichsten Neuentwicklungen. An der Börse geriet die Aktie in der Folge deutlich unter Druck. Zum Handelsauftakt am Mittwoch gab der Kurs zunächst um 14 Prozent auf 139 Euro nach. Per Freitagvormittag erholte sich die Notierung ein wenig. Mit 142 Euro betrug der Wochenverlust aber immerhin noch 10,6 Prozent.
Ölpreis gibt weiter nach
Einiges an Bewegung war auch wieder beim Ölpreis zu beobachten. Denn dieser gab in der Berichtswoche zunächst von 79 auf etwas weniger als 74 US-Dollar je Barrel weiter nach. Es gab zuletzt marktseitig Zweifel an der Fähigkeit des Kartells der OPEC+ zur Senkung der Förderquoten. Die in der letzten Woche angekündigte Kürzung der täglichen Förderung um 2,2 Millionen Barrel ließ die Marktteilnehmer kalt. Darüber hinaus bestehen Sorgen hinsichtlich der weltweiten Nachfrage nach Rohöl, vor allem wegen der erwarteten Konjunkturabschwächung in den USA und den schwachen Wirtschaftsdaten im Euroraum. Am Freitag konnte sich die Notierung bis auf 76 US-Dollar wieder etwas erholen.
Der Kursaufschwung im Anleihesektor setzte sich in der Berichtswoche fort. Die vor dem Hintergrund des deutlich geringeren Inflationsanstiegs und verhaltener Wirtschaftsdaten mittlerweile weit verbreiteten Erwartungen hinsichtlich einer Zinswende durch die Zentralbanken ließ die Anleger – vor allem im Euroraum - weiter beherzt zu Anleihen greifen. Auch wurde in der Berichtswoche der eine oder andere Kommentar seitens der Notenbanken in geldpolitisch weniger restriktiver bzw. freundlicher Sichtweise interpretiert. Zeitweise wurden marktseitig etwa bei der EZB für das kommende Jahr Zinssenkungen im Umfang von bis zu 130 Basispunkten am Markt eingepreist. Der Einlagensatz läge demnach Ende 2024 bei rund 2,7 Prozent.
Zinskurven weniger invers
Bei den US-Staatsanleihen war die Renditeentwicklung allerdings uneinheitlich. Längere Laufzeiten wiesen per Freitagvormittag und damit vor den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten leichte Renditerückgänge auf, Kurzläufer verzeichneten hingegen Verluste und damit leicht ansteigende Renditen. Die US-Zinskurve tendierte daher in der Berichtswoche etwas weniger invers.
Bei den Euro-Staatsanleihen zeigten sich die Renditerückgänge etwas ausgeprägter. Zehnjährige Bundesanleihen verzinsten sich mit 2,22 nach 2,36 Prozent gegenüber Vorwochenschluss. Auch bei den zweijährigen Fälligkeiten war ein Renditerückgang zu beobachten, der sich über die gesamte Zinskurve hinweg erstreckte. Auch diese tendierte letztlich etwas weniger invers. Mittlerweile hat sich ein deutlicher Renditerückgang am Euro-Rentenmarkt vollzogen. In der Berichtswoche (per Donnerstagabend) gewann der iBoxx Euro Sovereign-Index 1,4 Prozent hinzu. Im Rahmen der hochgestochenen Leitzinserwartungen hat sich allerdings mittlerweile großes Korrekturpotenzial am Rentenmarkt aufgebaut. So sollte eine Gegenbewegung nicht allzu überraschen.
Ratingagenturen im Blickpunkt
Darüber hinaus gab es im Euroraum gute Nachrichten von der Ratingseite: Griechenland erhielt aufgrund seiner verbesserten Verschuldungslage von der Agentur Fitch ein Upgrade. Griechenland wird mit seinen Staatsanleihen zum 1. Januar 2024 wieder in den Indizes vertreten sein. Kursseitig ist hiervon schon viel vorweggenommen. Ende September lag die griechische Zehnjahresrendite noch bei 4,4 Prozent. Per heutigen Freitag liegt die Verzinsung mit mittlerweile 3,4 Prozent rund 100 Basispunkte tiefer.
Die Agentur Moody’s stufte hingegen den Ausblick für die Verschuldung Chinas von stabil auf negativ. Somit droht möglicherweise eine Abstufung der aktuellen Note mit A1. Unsicherheiten über Chinas Konjunkturentwicklung, die wenig erfreuliche Verschuldungslage auf lokaler Regierungsebene und die Krise am dortigen Immobilienmarkt wurden Pressemeldungen zufolge als Gründe angeführt.
Die kommende Handelswoche steht ganz im Zeichen der Notenbanken. Am Mittwoch startet zum Auftakt die US-Federal Reserve, am Donnerstag folgen die Europäische Zentralbank und auch die Bank of England. Zentraler Punkt sind die massiven Leitzinserwartungen der Märkte, mit denen sich die Zentralbanker mittlerweile konfrontiert sehen. Deren Reaktion dürfte mit großer Spannung erwartet werden. Des Weiteren stehen in den USA mit den Verbraucherpreisen und den Einzelhandelsumsätzen (beide November) wichtige Konjunkturdaten an. Zum Wochenschluss werden die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum für den Dezember veröffentlicht.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 8. Dezember 2023, soweit nicht anders angegeben.
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