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48. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 27. November bis 01. Dezember 2023
Schnee und Eis hatten Deutschland in dieser Woche fest im Griff. Deutlich besseres „Wetter“ herrschte hingegen am Kapitalmarkt. Dort war es ausgesprochen freundlich und sonnig, wie eigentlich auch im kompletten November schon. Vor allem an den Rentenmärkten kamen die Renditen deutlich zurück, allen voran in den USA. Der Bloomberg US Bond Aggregate Index verzeichnete ein Plus von 4,53 Prozent. Dies war der größte monatliche Zuwachs seit Mai 1985! Hauptreiber dieser positiven Entwicklung waren die rückläufigen Inflationsdaten und -erwartungen der letzten Wochen und die damit veränderte Rhetorik der Notenbanken.
Inflationsdruck nimmt stärker ab als erwartet
In dieser Woche kamen mit den jüngsten Inflationsdaten aus Deutschland und dem Euroraum weitere positive Nachrichten hinzu. Vor einem Jahr legten die Teuerungsraten noch zweistellig zu. Doch seit einigen Wochen überraschen die vorgelegten Zahlen und fallen weniger hoch als erwartet aus. In Deutschland verminderte sich die Inflation im November von 3,8 Prozent im Vormonat auf noch 3,2 Prozent im Jahresvergleich. Die monatliche Veränderung fiel mit -0,4 Prozent statt der erwarteten -0,1 Prozent ebenfalls deutlich geringer aus. In der EU-harmonisierten Berechnungsweise lag der Teuerungsdruck sogar nur noch bei 2,3 Prozent. Für die erfreuliche Entwicklung war ein geringerer Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise verantwortlich. Am Donnerstag folgten dann noch die Werte für den gesamten Euroraum. Auch hier ist der Abwärtstrend weiter intakt. Nach 2,9 Prozent im Oktober fiel die Inflation zuletzt auf 2,4 Prozent.
Im Dezember dürfte sich dieser positive Trend wohl nicht fortsetzen. Viele Euro-Länder hatten im vergangenen Jahr diverse Unterstützungsprogramm auf den Weg gebracht, um mit Subventionen wie die Energie- und Gaspreisbremse den Preisanstieg für die Verbraucher abzumildern. Teilweise laufen diese Programme nun wieder aus und sorgen für Verzerrungen. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn die Preise im Euroraum im Dezember wieder um mehr als vier Prozent steigen würden. In den Folgemonaten dürften sich diese Verzerrungen aber wieder glätten. Wichtig ist aber, dass der unterliegende Inflationsdruck, gemessen an der Kernrate auch weiter rückläufig sein dürfte.
Die Aussichten für China bleiben mau
Der schnelle Rückgang der Inflation ist vielerorts auch den schwachen Konjunkturdaten geschuldet. Die in dieser Woche präsentierten Daten sprechen für eine eher weiter nachlassende Dynamik in den kommenden Monaten. Mitte der Woche ging der Blick nach China, doch die Hoffnung auf eine Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft musste in diesen Tagen schnell wieder begraben werden, als die jüngsten Umfrageergebnisse unter den Einkaufsmanagern veröffentlicht wurden. Sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor schwächten sich die Umfragewerte ab. Statt der erwarteten 50,9 Punkte im Dienstleistungssektor lag der Wert mit 50,2 Punkten nur noch marginal oberhalb der Wachstumsschwelle. Am Freitag fiel der Caixin-Index zwar wesentlich besser aus, dem offiziellen Einkaufsmanagerindex wird aber mehr Beachtung beigemessen. Darüber hinaus deuten alternative Daten wie die Stahl- und Autoproduktion eher auf eine leichte Abschwächung hin.
OPEC-Meeting war eine Farce
Auf den ersten Blick liest sich das Ergebnis des Treffens der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) positiv. Das Gremium konnte sich auf weitere Produktionskürzungen einigen und begrüßte zudem mit Brasilien ein neues Mitglied in den eigenen Reihen. Tatsächlich hat das Ölkartell aber eine sehr schlechte Figur abgeben. Keines der großen Förderländer beabsichtigt seine Produktion zu senken. Die Last wurde vielmehr auf viele kleine Länder verteilt. Auch der Irak soll angeblich täglich 400.000 Barrel weniger fördern, gab aber erst kürzlich bekannt, die Produktion im kommenden Jahr ausweiten zu wollen. Die Pläne sind daher wenig glaubwürdig. Parallel dazu gaben die USA noch eine neue Rekordfördermenge bekannt und so verwunderte es nicht, dass der Ölpreis letztlich sogar weiter nachgab. Für die kommenden Wochen scheint der Ölpreis nur wenig Potenzial nach oben zu haben. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass die Produktionsmenge dann doch nach oben überrascht und so die Notierung noch weiter nach unten drückt. Damit dürfte auch der Inflationsdruck weiter nachlassen.
In dieser Woche konnten die Aktienmärkte erneut zulegen. Größere Zuwächse verbuchte dabei der Deutsche Leitindex (DAX). Dieser bewegt sich derzeit wieder in Richtung Allzeithoch und ist, mit Stand per Freitagmittag, davon nur noch etwas mehr als ein Prozent entfernt. Die Stimmung in den USA war hingegen gemischt. Die jüngsten Konjunkturdaten haben eher enttäuscht, deshalb erwartet inzwischen ein Teil der Marktteilnehmer bereits im März eine erste Zinssenkung. Dies würde jedoch bedeuten, dass die US-Notenbank einen solchen Zinsschritt schon im Januar kommunikativ vorbereiten müsste, bei einer Inflation, die im Dezember noch bei drei Prozent sein dürfte. Der Aktienmarkt wird also noch etwas länger auf die Unterstützung durch die Geldpolitik warten müssen. In Summe ging es für den DAX im Wochenvergleich knapp zwei Prozent aufwärts, während der S&P 500-Index mit einem leichten Zuwachs von 0,2 Prozent weitgehend auf der Stelle trat. Europäische Aktien legten, gemessen am STOXX Europe 600-Index, rund ein Prozent zu. Mit Blick auf die einzelnen Sektoren zählen Immobilienwerte in der Berichtswoche in Erwartung bald wieder fallender Finanzierungskosten zu den Gewinnern. Auch Technologiewerte und Grundstofftitel legten zu. Leichte Einbußen mussten die als defensiv geltenden Gesundheitswerte und Aktien aus der Nahrungsmittelbranche hinnehmen.
Salesforce im Aufschwung
Salesforce lieferte am Mittwoch überzeugende Zahlen, das Softwareunternehmen aus San Francisco konnte seinen Umsatz im Jahresvergleich um elf Prozent auf 8,72 Milliarden US-Dollar steigern. Zudem kletterte der Gewinn von 210 Millionen US-Dollar vor einem Jahr auf nunmehr 1,22 Milliarden US-Dollar. Die Anleger reagierten sehr positiv auf die Zahlen und die Aktie konnte in der Berichtswoche um 12,8 Prozent zulegen.
Adidas und Puma profitieren von Foot Locker Zahlen
Die US-Handelskette Foot Locker konnte mit ihren Zahlen für das dritte Quartal die Anleger etwas beruhigen. Nachdem die letzten Quartale allesamt schlecht liefen, übertraf das Unternehmen dieses Mal die Erwartungen. Der Umsatz lag bei 1,99 Milliarden US-Dollar, erwartet waren hingegen 1,96 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie in Höhe von 0,30 US-Dollar konnte man die Prognosen ebenfalls um 0,08 Dollar übertreffen. Die Anleger gaben der Aktie nach den Nachrichten einen deutlichen Schub, die Aktie konnte in der vergangenen Woche um 16 Prozent zulegen. Dieser Aufschwung übertrug sich auch auf die Aktien der deutschen Werte Adidas und Puma. Adidas stieg in der Berichtswoche um 5,0 Prozent, Puma gewann um 6,3 Prozent hinzu.
Abbvie übernimmt Immunogen
Der Pharma-Riese AbbVie hat die Übernahme von Immunogen angekündigt und will damit seine Onkologie-Sparte stärken. Den Wirkstoffen gegen Krebs wird viel Wachstumspotenzial zugesprochen. Erst kürzlich hatte sich Pfizer mit dem Kauf von Seagen in eine bessere Wettbewerbsposition gebracht, nun zog AbbVie nach. Dies war wohl auch nötig, weil der Konzern derzeit auf wenig Neuzulassungen von Medikamenten hoffen kann und es daher an einer gewissen Umsatzfantasie mangelte. Für die Übernahme greift das Unternehmen tief in die Tasche. AbbVie bietet den Immunogen-Anteilseignern 31,26 US-Dollar je Aktien. Das ist ein Aufschlag auf den Schlusskurs von 16,06 US-Dollar vom Vortag von knapp 95 Prozent! Dementsprechend legte der Kurs von Immunogen im gestrigen Handel um 84,2 Prozent zu.
Angesichts einer Teuerungsrate von nur noch 2,4 Prozent im Euroraum scheint das gesteckte Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits in greifbare Nähe zu rücken. So scheinen es zumindest viele Marktteilnehmer zu sehen. Inzwischen sind mehrere Zinsschritte für das kommende Jahr eingepreist. Der erste Zinsschritt der EZB wird bereits im April erwartet. Dies dürfte so manchen Notenbanker ein Dorn im Auge sein. Vermutlich wollen die Währungshüter zunächst noch die Lohnverhandlungen im Frühjahr abwarten. Mitte des Jahres dürfte die erste Zinssenkung aber auf die Agenda rücken. Bislang verweisen die EZB-Mitglieder noch darauf, dass man nicht davon ausgehen dürfte, dass sich der Preisrückgang 2024 im gleichen Tempo fortsetzen würde. Gern werden dieser Tage auch sportliche Metaphern herangezogen. Demnach käme die Inflationsbekämpfung einem Marathon gleich. Bei diesem seien auch die zweite Hälfte wesentlich schwerer als die ersten 20 Kilometer. Fakt ist, der Markt hat hier schon viel eingepreist. Schwer vorstellbar, dass sich die EZB noch lange weigern kann, zumindest über einen möglichen Termin für eine erste Zinssenkungen nachzudenken.
Größter monatlicher Zuwachs seit Jahren
Euro-Staatsanleihen handelten in dieser Woche entsprechend freundlich und legten in der Breite zu. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen ermäßigte sich im Wochenverlauf von 2,64 Prozent auf 2,43 Prozent. Kurzlaufende Papiere kamen sogar noch stärker zurück. Hier ermäßigte sich die Rendite um 29 Basispunkte auf 2,78 Prozent. Damit wurde die deutsche Zinsstrukturkurve wieder weniger invers, diesmal aber vom kurzen und nicht vom langen Ende her. In den USA war eine ähnliche Bewegung auszumachen. Dort ermäßigten sich die zehnjährigen Renditen von 4,47 Prozent auf 4,32 Prozent. Zweijährige US-Staatspapiere rentierten bei 4,67 Prozent und damit 27 Basispunkte niedriger als in der Vorwoche. Schaut man sich den kompletten Markt an, dann war es der beste Handelsmonat für den globalen Rentenmarkt seit Dezember 2008.
Jahresendrally bei risikobehafteten Anleihen
Ein allgemein rückläufiges Renditeniveau, verbunden mit einer abnehmenden Inflationsdynamik, hat in dieser Woche für ein großes Interesse der Anleger nach risikobehafteten Anlageklassen gesorgt. Eine Anleger scheinen schon fast das Gefühl zu haben, noch schnell in den Markt zu müssen, bevor die Renditen noch weiter sinken. So waren Unternehmensanleihen – wie schon in der Vorwoche – besonders gesucht. Die Risikoaufschläge kamen in diesem Umfeld weiter zurück und der ein oder andere Marktteilnehmer fragt sich, welches Potenzial der Markt im sonst oft freundlichen Januar noch haben wird. Seit Jahresbeginn erzielten europäische Unternehmensanleihen, gemessen am ICE BofA Euro Corporate Index, einen Zuwachs von 5,6 Prozent. Trotz aufkommender Konjunktursorgen erfreuten sich auch hochverzinsliche Papiere in den vergangenen Handelstagen großer Beliebtheit. Der ICE BofA Euro High Yield Index legte seit Jahresbeginn bereits um 9,7 Prozent zu.
Darüber hinaus waren auch Anleihen aus den Schwellenländern gesucht. In den vergangenen Monaten gab es kaum Zuflüsse in diese Anlageklasse. Das änderte sich nun. Vor allem über Investments in börsengehandelte Fonds (ETF) bauten Anleger Positionen auf. Die Risikoaufschläge von Hartwährungsanleihen nähern sich bereits wieder der Marke von 400 Basispunkten. Seit Jahresbeginn handeln in US-Dollar denominierte Staatsanleihen aus den Schwellenländern somit 6,6 Prozent höher.
In der kommenden Woche richtet sich der Blick der Anleger wieder auf den US-Arbeitsmarkt. Bereits am Dienstag wird die Zahl der offenen Stellen veröffentlicht. Hier wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Am Freitag folgt dann der umfangreichere Arbeitsmarktbericht mit den neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Der Wert könnte etwas höher als im Vormonat ausfallen, doch der übergeordnete Abwärtstrend dürfte weiter intakt bleiben. Im Euroraum folgen nach den Verbraucher- nun die Produzentenpreise. Hier wird von einem deutlichen Rückgang im Jahresvergleich von fast 10 Prozent ausgegangen. Dies dürfte dann perspektivisch auch weiteren Druck von den Verbraucherpreisen nehmen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 1. Dezember 2023, soweit nicht anders angegeben.
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