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47. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. November 2023
Gute Nachrichten gab es diese Woche von geopolitischer Seite, denn es wurde ein viertägiger Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas ausgehandelt, der Freitagmorgen in Kraft trat. Die Marktreaktion darauf fiel verhalten aus. Zu groß ist die Gefahr, dass es dennoch jederzeit zu einem weiteren Zwischenfall kommen könnte. So waren es dann doch die Kommentare der Notenbanken und die Konjunkturdaten, die letztlich eine Marktbewegung auslösten, allen voran die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes. Diese fielen in Europa besser als erwartet aus und sorgten so für wieder steigende Renditen auf der Rentenseite. Aktien handelten aufgrund der Feiertage in den USA in sehr engen Handelsspannen. Am Donnerstag etwa betrug der Unterschied zwischen dem Höchst- und dem Tiefstkurs im DAX 40-Index lediglich 0,3 Prozent.
Einkaufsmanagerindizes
In dieser Woche wurden die Umfragewerte unter den Einkaufsmanagern veröffentlicht. Diese sind ein wichtiger und verlässlicher Frühindikator und genießen daher stets große Beachtung. Die Chefeinkäufer in den Firmen haben einen guten Überblick über die zukünftige Auftragslage und daher lassen sich aus dem Index Erwartungen für die kommenden Monate ableiten. Im Euroraum fiel Index mit 47,1 Punkten im verarbeitenden Gewerbe leicht besser aus als erwartet (46,8) und lag damit auch über dem Vormonatswert. Im Dienstleistungssektor wurden die Schätzungen ebenfalls leicht übertroffen und es kam zu einem Anstieg von 47,8 im Vormonat auf nun 48,2. Werte unter 50 deuten jedoch auf eine schwache Entwicklung hin. Insofern dürfte uns ein schwaches Quartal bevorstehen. Gleichzeitig gewinnt die Bodenbildung aber an Kontur. Bei der Frage nach der Entwicklung der Herstellungskosten berichteten wieder mehr Firmen von steigenden Preisen. Dies dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu anhalten, das aktuelle Zinsniveau noch eine Weile beizubehalten.
Wahlen in Taiwan sorgen für Aufmerksamkeit
Am 13. Januar finden in Taiwan die Präsidentschaftswahlen statt. In den vergangenen Jahren fand dieses Ereignis keine große mediale Aufmerksamkeit. Doch nun, wo Taiwan im Zentrum der angespannten amerikanisch-chinesischen Beziehungen steht, kann der Urnengang weitreihende Bedeutung für die ganze Region des westlichen Pazifiks haben. Der aktuellen Regierungspartei DPP mit ihrem Kandidaten Lai Ching-te werden derzeit die größten Erfolgschancen beigemessen. Zwischen 30 und 40 Prozent der Taiwaner wollen eine Fortführung der aktuellen Politik, die für mehr Unabhängigkeit vom chinesischen Festland steht. Man habe zwar eine gemeinsame Sprache und teile auch die Kultur, sei aber in erster Linie Taiwaner und nicht Chinese, heißt es. Die Taiwanische Volkspartei (TPP) und die Führung der Kuomintang (KMT) plädieren hingegen für mehr Nähe zu China. Beide Parteien starteten einen Versuch, einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. Dieser hätte das Rennen um das Präsidentenamt offen gestalten können. Anfang der Woche scheiterten diese Gespräche jedoch. Dennoch ist nun anzunehmen, dass China seinen Einfluss geltend macht, um „seine“ Kandidaten im Wahlkampf doch noch zu unterstützen. Die Notwendigkeit dafür wird Peking auch umso mehr sehen, weil die DPP ihrerseits mit Hsiao Bi-khim die bisherige Botschafterin in den Vereinigten Staaten zur Stellvertreterin von Lai ernannte. Die 52-jährige Hsiao gilt als bestens vernetzt in die USA. Gegen sie verhängte China bereits mehrfach Sanktionen und bezeichnet sie als „Unabhängigkeitsfanatikerin“. Die geopolitischen Spannungen zwischen China und Taiwan dürften also in den kommenden Wochen wieder zunehmen.
Nach den vorangegangenen starken Wochen, mit einer spürbaren Stabilisierung an den Aktienmärkten, kam es in der aktuellen Handelswoche zu einer deutlichen Beruhigung. Die Berichtssaison ist nahezu beendet und fiel als Treiber weg. Einige Unternehmen ließen mit ihren Zahlen aber dennoch aufhorchen. Hiobsbotschaften gab es etwa von Bayer und Thyssenkrupp. Darüber hinaus richtete sich der Blick in die USA auf NVIDIA.
Blick auf die globalen Märkte
Der MSCI World-Index verzeichnete in der Berichtswoche ein kleines Plus von 0,8 Prozent. Die US-amerikanischen Märkte handelten ebenfalls leicht im Plus. Sowohl der marktbreite S&P 500-Index als auch der technologielastige Nasdaq 100 kletterten 1,1 Prozent nach oben. In Europa fielen die Zuwächse geringer aus. Für den STOXX Europe 600-Index ging es in dieser Woche um 0,5 Prozent aufwärts. In Frankfurt verzeichnete der DAX 40-Index einen Anstieg um 0,4 Prozent. An den asiatischen Märkten konnte Japans Nikkei 225-Index ein minimales Plus von 0,1 Prozent aufweisen und der chinesische HSCEI-Index stieg um 1,1 Prozent.
Innerhalb des STOXX Europe 600-Index gab es mit Blick auf die einzelnen Branchen eine sehr homogene Entwicklung. Das Schlusslicht bildete der Automobilsektor mit einem Verlust von 1,1 Prozent. An der Spitze stand die Medienbranche mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent. Doch die meisten Sektoren entwickelten sich weitgehend indexnah.
Bayer immer stärker unter Druck und Thyssenkrupp vermeldet Milliardenverlust
Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer erlebte am Montag einen der schwärzesten Tage seiner Börsengeschichte und musste einen starken Kursrückgang von 19,5 Prozent verkraften. Damit fiel die Aktie auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2006. Ausgelöst wurde der Abverkauf durch die Verurteilung durch ein US-Geschworenengericht zur Zahlung von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in einem noch offenen Glyphosat-Prozess. Zudem teilte der Konzern mit, dass die Phase-III-Studie des Blutverdünners Asundexian vorzeitig abgebrochen wurde. Das Medikament sollte das Schlaganfallrisiko deutlich reduzieren. In den Tests konnte aber nur eine schwache Wirkung festgestellt werden. Im Verlauf der Woche gab es keine Erholung. Die Bayer-Aktie lag Freitagmittag bei 32,76 Euro, etwa halb so hoch wie noch im Februar dieses Jahres.
Schlechte Nachrichten kamen auch von Thyssenkrupp. Der deutsche Stahlhersteller veröffentlichte seine Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr und wies einen Jahresverlust von rund zwei Milliarden Euro aus. Grund dafür waren Abschreibungen von rund 2,1 Milliarden Euro, insbesondere auf das Anlagevermögen der Tochtergesellschaft Steel Europe. Die Wertberichtigung war aufgrund des gedämpften Konjunkturumfelds und der gestiegenen Kapitalkosten notwendig geworden. Trotz dieser Nachricht reagierten die Anleger positiv und die Aktie konnte in der Berichtswoche um fünf Prozent zulegen.
NVIDIA unaufhaltbar
Am vergangenen Dienstag lieferte Nvidia seine Zahlen für das dritte Quartal, der Chiphersteller übertraf erneuert die schon sehr hoch gesteckten Erwartungen der Analysten. Der Konzernumsatz lag im letzten Quartal bei 18,1 Milliarden US-Dollar. Vor allem das Data Center-Geschäft lief wie erwartet wieder hervorragend und steuerte 14,5 Milliarden US-Dollar zum Gesamtumsatz bei. Auch die Erwartungen beim Gewinn je Aktie konnten mit 4,02 Dollar je Aktie um 0,66 US-Dollar übertroffen werden. Die im kommenden Quartal bevorstehenden Exportbeschränkungen nach China lassen jedoch zukünftige Umsatzrückgänge erwarten. Hierauf reagierten die Anleger ein wenig verschnupft, weshalb die Aktie trotz des sehr guten Zahlenwerks im Wochenvergleich mit einem leichten Minus von einem Prozent abgestraft wurde.
Anleger erhielten in dieser Woche wieder mehr Gewissheit darüber, dass der Zinsgipfel in den USA erreicht ist. Aus dem veröffentlichten Protokoll der letzten Notenbankensitzung ging hervor, dass die US-Notenbank erste Erfolge ihrer restriktiven Geldpolitik beobachtet und nun behutsam weiter vorgehen wolle. Aus dem Zentralbanker-Fachchinesisch übersetzt heißt das nichts anderes, als dass man die Leitzinsen vorerst unverändert lassen möchte. US-Staatsanleihen handelten daher im Wochenvergleich weitgehend unverändert.
Korrektur bei Renditen von Bundesanleihen
Im Euroraum kletterten die Renditen nach dem starken Rückgang in der Vorwoche hingegen wieder leicht nach oben. Auch dort wurde das Protokoll der letzten EZB-Sitzung veröffentlicht. Hier zeigten sich die europäischen Notenbanker zwar pessimistisch, was die weitere konjunkturelle Entwicklung angeht, machten aber auch klar, dass eine nochmalige Zinserhöhung möglich sei. Zwar gab es hier die Einschränkung, dass hierfür der Inflationsdruck anhalten müsste. Die bereits erwähnte Preiskomponente aus der Umfrage unter den Einkaufsmanagern lieferte der Spekulation über weitere Zinsschritte zumindest wieder etwas Nahrung. EZB-Chefin Lagarde sagte, es sei noch zu früh, den Sieg über die Inflation auszurufen. Man müsse also die Leitzinsen vorerst auf dem aktuellen Niveau belassen, auch wenn Wachstumssorgen die Marktteilnehmer schon über mögliche Zinssenkungen spekulieren lassen. Bundesbankpräsident Nagel spracht davon, dass es ein Fehler wäre, die Geldpolitik zu früh zu lockern. Zum Ende der Woche dürfte auch die deutsche Haushaltspolitik ihren Anteil am Renditeanstieg gehabt haben. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte vergangene Woche den Haushalt für 2023 für verfassungswidrig erklärt. In Erwartung von Sparmaßnahmen und einer geringeren Schuldenaufnahme waren die Renditen von Bundesanleihen gesunken. Am Donnerstag wurde nun bekannt, dass die Regierung auch für das laufende Fiskaljahr eine Aussetzung der Schuldenbremse plant. So sind die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen vor allem in der zweiten Wochenhälfte wieder etwas angestiegen und kletterten im Wochenvergleich von 2,59 auf 2,64 Prozent.
Größere Bewegungen gab es im Vereinigten Königreich. Ausgelöst hatten diese die Mitglieder der Bank of England. Der Markt lege zu viel Gewicht auf die jüngsten Konjunkturdaten, hieß es dort. Diese waren mehrheitlich schwächer als erwartet ausgefallen, weshalb Anleger davon ausgingen, dass die Notenbank früher als Fed und EZB die Zinsen senken könnte. Mit diesen Aussagen besteht nun das Risiko, dass es womöglich zu einer nochmaligen Zinserhöhung im Vereinigten Königreich kommen könnte. Dementsprechend stiegen die Renditen von zehnjähren Gilts von 4,10 Prozent in der Vorwoche auf zuletzt 4,29 Prozent an.
Spreadmärkte
Wesentlich freundlicher sah es in dieser Woche bei risikobehafteten Papieren aus. Unternehmensanleihen profitierten zu Wochenbeginn noch von weniger Gegenwind von Seiten der Staatsanleiherenditen, gepaart mit einem abnehmenden Inflationsdruck bei immer noch leichtem Wachstum. Das freundliche Umfeld sorgte für eine rege Neuemissionstätigkeit. Die neuen Anleihen konnten bei einer hohen Nachfrage alle problemlos platziert werden. Darüber hinaus war die Liquiditätslage bei umlaufenden Anleihen am Sekundärmarkt ebenfalls ausgesprochen gut. Man könnte fast schon von einer Art Jahresendrally sprechen. Seit Jahresbeginn verteuerten sich europäische Unternehmensanleihen, gemessen am ICE BofA Euro Corporate Index, um 4,5 Prozent. Das Thanksgiving-Fest in den USA lies die Umsätze dann aber recht abrupt einbrechen. Auch wenn der Kalender noch November anzeigt, kündigt sich hier und da bereits der Jahreswechsel an. Deutlich wurde das vor allem bei Covered Bonds. Traditionell schließt der Neuemissonsmarkt bei Pfandbriefen recht früh. In dieser Woche taten sich einige Emittenten daher schon schwerer, neue Anleihen zu platzieren. Ab Anfang Dezember dürfte der Markt hier wohl zum Erliegen kommen. Anfang Januar ist dann hingegen wieder mit einer Vielzahl an neuen Papieren zu rechnen.
Auch im Bereich der hochverzinslichen Anleihen kamen neue Papiere an den Markt. Im Unterschied zu den bonitätsstärkeren Pendants blieb es bei einer geringen Emissionstätigkeit. Auffallend ist zudem, dass entweder Kandidaten an der Schwelle zu einem Investment Grade-Rating an den Markt drängen und somit den Interessenten eher niedrige Kupons bieten. Oder andererseits Firmen mit einem CCC-Rating Papiere begeben, für die sie dann sehr hohe Kupons bieten müssen. Die klassische Mitte aus diesem Marktsegment hält sich hingegen zurück.
Die kommende Woche wird etwas Aufschluss darüber geben, wie es um den US-Konsumenten steht, wenn am Dienstag das Verbrauchervertrauen des Conference Board veröffentlicht wird. Bislang haben sich die schwachen Umfragewerte aber kaum in einer geringeren Ausgabefreude niedergeschlagen. Mehr Aufschluss könnten da schon mögliche Umsatzzahlen vom heutigen Black Friday geben. Am Donnerstag folgen dann die Einzelhandelsumsätze aus Deutschland. Kurz vor Wochenschluss wird noch der vielbeachtete ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA präsentiert. Hier ist, wie schon bei den Einkaufsmanagerindizes in Europa, mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu rechnen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 24. November 2023, soweit nicht anders angegeben.
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