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45. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 6. bis 10. November 2023
Nach einem vergleichsweise ruhigen Start in die Handelswoche sorgte am Donnerstag eine Rede von Fed-Chef Jerome Powell für Unruhe unter den Anlegern. Mit dem Hinweis, bei Bedarf die Geldpolitik der US-Fed weiter zu straffen, brachte Powell den Marktteilnehmern den nach wie vor restriktiven Kurs der US-Notenbank in Erinnerung. Die Bondmärkte reagierten etwas verschnupft mit Kursverlusten bei den Staatsanleihen. An den Aktienmärkten setzte sich in der Berichtswoche bis Freitagmittag hingegen eine leicht positive Tendenz durch. Der Ölpreis kam deutlich unter Druck, während konjunkturseitig eher zweitrangige Daten veröffentlich wurden.
Deutschland: Industrie fällt als Wachstumstreiber weiterhin aus
Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland legten im September um 0,2 Prozent leicht zu. Darin sind allerdings die schwankungsanfälligen Großaufträge enthalten, weswegen der Wert mit Vorsicht zu genießen ist. Bereinigt um die Großaufträge sanken die Auftragseingänge nämlich um 2,2 Prozent und liegen damit 6,6 Prozent unter dem Vor-Pandemieniveau des Jahresendes 2019. Betrachtet man die Zahlen über einen etwas längeren Zeitpunkt, sieht das Bild jedoch etwas besser aus. Denn vom zweiten zum dritten Quartal, sowie um Großaufträge bereinigt, ist nur ein leichter Rückgang zu vermerken. Positiv ist, dass der Lagerabbau im Verarbeitenden Gewerbe demnächst ein Ende finden dürfte. Auch Frühindikatoren wie etwa der Ifo-Index und die Einkaufsmanagerindizes haben in den vergangenen Wochen eine Stabilisierung signalisiert, wenn auch auf niedrigem Niveau. Darüber hinaus fiel die deutsche Industrieproduktion im September um 1,4 Prozent und damit stärker als erwartet. Dies war der vierte Rückgang in Folge, die Jahresrate liegt damit deutlich im Minus. Die Rückläufige Entwicklung war vor allem bei den Konsumgütern zu beobachten, Investitionsgüter zeigten sich gegenüber dem Vormonat hingegen stabil.
Zum Wachstumstreiber dürfte die Industrie in Deutschland aber erst im Verlauf des kommenden Jahres werden. Für den Rest des Jahres deuten die Daten noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung an.
Einzelhandelsumsätze im Euroraum rückläufig
Die Einzelhandelsumsätze im Euroraum zeigten sich im September rückläufig. Der Rückgang war allerdings weniger prägnant als noch im August. Zusammen mit einem im Oktober sich stabilisierenden Verbrauchervertrauen besteht Hoffnung, dass die Talsohle bald durchschritten sein könnte. Der ehemalige italienische EZB-Chef Mario Draghi hat sich in der Berichtswoche weniger optimistisch gezeigt und sei sich nach Presseberichten fast sicher, dass sich der Euroraum bis Jahresende in einer Rezession befinden wird. Wir erwarten ein schwaches Winterhalbjahr, sehen im Verlauf 2024 aber unter anderem bezüglich des Konsums wieder Verbesserungen.
China mit mauen Daten
In dieser Woche wurde bekannt, dass die ausländischen Direktinvestitionen in China im dritten Quartal rückläufig und damit zum ersten Mal seit Mai 1998 negativ waren. Die geopolitischen Spannungen und ein wohl schwindendes Vertrauen in Chinas staatlich gelenktes Wirtschaftsmodell bewog ausländische Unternehmen, ihr Geld dort abzuziehen. China ist, im Vergleich zu früher, aber mittlerweile weniger auf ausländische Investitionen angewiesen. Dennoch dürfte man dort nicht herumkommen, die Attraktivität für ausländische Investitionen zu verbessern.
Mit den Inflationsdaten im Oktober kehrt China zudem zur Deflation (minus 0,2 Prozent im Jahresvergleich) zurück. Auch befanden sich die Produzentenpreise auf dem Rückzug. Die Inlandsnachfrage scheint nur wenig oder gar kaum auf die jüngsten politischen Unterstützungsmaßnahmen regiert zu haben. Wir gehen davon aus, dass der Tiefpunkt dort aber bereits erreicht wurde und die Preise im Laufe der nächsten Quartale wieder etwas ansteigen dürften.
Der Außenhandel ist eine der wenigen verbliebenen Wachstumsquellen der chinesischen Wirtschaft. Die, vor allem von Preiseffekten getriebenen, zuletzt rückläufigen Exportvolumina vom Oktober zeigen aber auf, dass die Bäume dort auch nicht in den Himmel wachsen. Dies bestätigt unser derzeit verhaltenes Konjunkturbild für die chinesische Wirtschaft.
Ölpreis auf dem Rückzug
Der Ölpreis ist in der Berichtswoche deutlich zurückgekommen. Waren Ende September noch Preise für ein Barrel der Sorte Brent in Richtung 100,-- US-Dollar zu zahlen, so fiel die Notierung zur Mitte der Berichtwoche vorübergehend unter die Marke von 80 US-Dollar. Anleger sorgten sich zuletzt weniger um die Lage in Nahost, sondern preisten eher das hohe Angebot bei schwacher Nachfrage ein. Der starke Anstieg der US-Lagerbestände und eher schwächere Wirtschaftsdaten aus China deuteten zuletzt auf eine abnehmende Nachfrage hin, was den Rohölpreis drückte. Berichte der Weltbank, die im Falle von kriegs- oder boykott-bedingten Lieferausfällen von einem Anstieg des Ölpreises auf bis zu 157 US-Dollar ausgehen, traten zuletzt in den Hintergrund bzw. fanden keine Beachtung. Am Freitag lag die Notierung dann mit rund 81 US-Dollar wieder über 80er-Marke.
Nach turbulenten Wochen, geprägt von wichtigen Ereignissen wie der Berichtssaison, die sich nun langsam dem Ende nähert und geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken, konnten die Anleger etwas aufatmen. Denn die Aktienmärkte erlebten in der vergangenen Woche eine Phase der Ruhe. Zudem lieferten einige deutsche Konzerne noch ihre Zahlen für das dritte Quartal.
Blick auf die globalen Märkte
Der MSCI World-Index verzeichnete in der Berichtswoche ein kleines Plus von 0,2 Prozent. Die US-amerikanischen Märkte beruhigten sich zur Vorwoche ebenfalls. Der marktbreite S&P 500-Index stieg leicht um 0,3 Prozent, das Tech-Barometer Nasdaq 100 konnte hingegen 1,3 Prozent nach oben gutmachen. Der europäische STOXX Europe 600-Index trat auf der Stelle. In Frankfurt stieg der DAX 40-Index um 0,4 Prozent. An den asiatischen Märkten entwickelte sich die Woche in unterschiedliche Richtungen. Japans Nikkei 225-Index gewann zwei Prozent an Wert hinzu, der chinesische HSCEI-Index fiel hingegen um 2,5 Prozent.
Deutsche Konzerne liefern solide Zahlen zum Ende der Berichtssaison
Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat in der vergangenen Woche seine endgültigen Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, nachdem bereits Ende Oktober starke vorläufige Ergebnisse veröffentlicht wurden. Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 1,76 Milliarden Euro, mit einer operativen Marge von 10,8 Prozent. Die Aktie gewann in der Berichtswoche 1,4 Prozent an Wert hinzu.
Airbus berichtete ebenfalls für das vergangene Quartal. Der Luft- und Raumfahrtkonzern verzeichnete einen Umsatzanstieg von zwölf Prozent auf knapp 15 Milliarden Euro. Dieser Anstieg war hauptsächlich der Flugzeugsparte zu verdanken. Die Einnahmen bei Helikoptern sowie im Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft lagen hingegen unter dem Vorjahresniveau. Der Nettogewinn betrug 806 Millionen Euro im Vergleich zu 667 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen blieben jedoch leicht hinter den Erwartungen der Anleger und Analysten zurück, daher fiel die Aktie in der Berichtswoche um 1,1 Prozent.
Nach einer zunächst eher ruhigen Handelswoche sorgte die Rede von Fed-Chef Powell am Donnerstag für einiges an Marktbewegung. In seiner Rede auf einer Konferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellte Powell klar, dass die Fed nicht zögern werde, bei Bedarf die Geldpolitik weiter zu straffen. Zudem ist Powell nicht zuversichtlich, dass diese restriktiv genug sei. Damit hat der Fed-Vorsitzende den Anlegern in Erinnerung gerufen, dass die Fed nach wie vor auf dem geldpolitisch restriktiven Pfad unterwegs ist und hat damit bezüglich aufkommender Zinssenkungsfantasien für Ernüchterung gesorgt. Wir halten es für wenig wahrscheinlich, dass sich die Fed im Dezember für eine erneute Zinserhöhung entscheiden wird. Eigentlich war die Kommunikation der Fed unverändert, die Interpretation des Marktes war aber nun eine andere als zuvor.
US-Zweijahresrendite klettert über Fünf-Prozent-Marke
Hinzu kam, dass am Donnerstag die Auktion neuer amerikanischer Staatsanleihen mit Laufzeit von 30 Jahren sehr schlecht lief. Zusammen mit Powells Statement geriet der US-Rentenmarkt unter Druck. Die Zehnjahresrenditen steigen zwischenzeitlich in Richtung 4,8 Prozent. Am Freitagvormittag betrug der Renditeanstieg im Zehnjahresbereich noch sechs Basispunkte (4,63 Prozent). Deutlicher war der Renditeanstieg bei den kurzen Laufzeiten. Die Zweijahresrendite stieg um knapp 20 Basispunkte und damit wieder über die Fünf-Prozent-Marke (5,02 Prozent). Somit tendierte die US-Kurve im Wochenvergleich über die Kurzläufer wieder etwas inverser. In den ganz langen Fälligkeiten tat sich renditeseitig wenig.
Deutsche Bundespapiere im Sog des US-Marktes
Im Sog des US-Marktes tendierten auch die Euro-Staatsanleihemärkte etwas schwächer. Darüber hinaus gab es zudem Stimmen aus der Europäischen Zentralbank, die den Hoffnungen auf baldige Leitzinssenkungen ebenfalls den Wind aus den Segeln nahmen. So hat sich Presseberichten zufolge EZB-Vize de Guindos in einem Interview vor dem Hintergrund der unsicheren Inflationsaussichten skeptisch gegenüber Zinssenkungen geäußert bzw. diesen eine Absage erteilt. Vom Renditeanstieg auf der Bund-Kurve waren alle Laufzeiten betroffen. Die zweijährigen Titel überschritten die Drei-Prozentmarke (3,04 Prozent), während sich Zehnjahrespapiere mit 2,72 Prozent (plus acht Basispunkte) verzinsten. Langläufer (30 Jahre) verzeichneten mit vier Basispunkten den geringsten Renditeanstieg. In den Peripherieländern waren im Zehnjahresbereich ebenfalls Renditeanstiege in einer Größenordnung von acht (Italien) bis zehn (Spanien) Basispunkte zu beobachten.
Der als Transatlantikspread bezeichnete Renditeabstand zwischen zehnjährigen US-Schatzanweisungen und laufzeitgleichen Bundesanleihen hat sich zuletzt wieder etwas eingeengt. Nach einer Ausweitung der Differenz bis auf rund 210 Basispunkten hat der Trend gedreht und der Abstand sich zuletzt bis auf 190 Basispunkte verringert.
Unternehmensanleihen sehr stabil
Trotz restriktiver Geldpolitik und Konjunktursorgen zeigten sich die Euro-Unternehmensanleihemärkte weiterhin stabil. Vor dem Hintergrund attraktiver Renditen waren Firmenanleihen weiterhin gesucht. Der Primärmarkt für Neuemissionen läuft weiterhin gut. Mittlerweile ist die Neuemissionswelle dort abgeebbt, ein verringerter Angebotsdruck stützt den Sekundärmarkt. Auffällig bei der Ausgabe neuer Papiere war, dass die Emittenten mit dem Aufschlag zu umlaufenden Anleihen geizten. Angesichts der aber ohnehin schon hohen Renditeniveaus ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar. Die Risikoaufschläge liegen stabil oder haben sich zuletzt, wie im Falle hochverzinslicher Papiere (High Yield) merklich verringert. Eine nachlassende Risikoscheu der Anleger und die (vor der Powell-Rede) Entspannung auf der Zinsseite kam dem High Yield-Sektor zugute.
In der neuen Handelswoche stehen datenseitig die US-Verbraucherpreise im Blickpunkt. Der Konsens der Analysten rechnet am Dienstag mit einer leicht geringeren Gesamtrate, die auf niedrigere Benzinpreise zurückzuführen sein dürfte. Die Kernrate wird unverändert bei 4,1 Prozent erwartet. Für den deutschen Wirtschaftsraum dürfte der ZEW-Index, der ebenfalls am Dienstag erwartet wird, von größerem Interesse sein.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 10. November 2023, soweit nicht anders angegeben.
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