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43. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 23. bis 27. Oktober 2023
Die Kapitalmärkte wurden in der vergangenen Woche vor allem von verschiedenen Wirtschaftsdaten, der EZB-Sitzung sowie den Quartalsergebnissen im Rahmen der Berichtssaison beeinflusst. Zudem hängt weiterhin der Nahost-Konflikt über den Märkten. Die Lage im Nahost-Konflikt bleibt weiterhin angespannt. Der Markt wartet auf eine Bodenoffensive Israels im Gaza-Streifen, die nach wie vor als sehr wahrscheinlich gilt. Positiv einzuordnen ist der Einfluss der USA auf Israel. Die diplomatischen Gespräche scheinen zu wirken, da Israel die Bodenoffensive noch nicht gestartet hat. Außerdem hat die Hamas zwei weitere Geiseln freigelassen, wodurch die Hoffnung steigt, dass noch mehr Gefangene befreit werden können.
Neuer Speaker gefunden
In den USA wurde in dieser Woche ein neuer Sprecher für den Kongress gewählt, nachdem der zweite Kandidat der Republikaner, Jim Jordan, am Wochenende aufgrund innerparteilichen Widerstands ebenfalls gescheitert war. Infolgedessen musste ein neuer Kandidat gefunden werden. Tom Emmer, der eigentliche Favorit, scheiterte am Widerstand von Donald Trump und seinen Anhängern. Letztendlich wurde Mike Johnson gewählt. Dieser unterstützte Trump nach der Präsidentschaftswahl 2020 bei seinen Bemühungen, die Wahl von Joe Biden anzufechten. Bereits im ersten Wahlgang konnte Johnson alle Stimmen der Republikaner für sich gewinnen und wurde zum neuen Speaker gewählt. Hierdurch ist die Wahrscheinlichkeit eines Regierungsstillstands gesunken und die finanzielle Unterstützung für Israel gesichert. Die Ereignisse zeigen: Die Republikaner richten sich durch die Wahl von Johnson noch stärker auf eine Kandidatur Trumps in Hinblick auf die Wahlen im Jahr 2024 aus.
US-Wirtschaft weiterhin robust
Die Wirtschaftsdaten aus den USA, allen voran der Einkaufsmanagerindex, überraschten zuletzt positiv. Auch das Bruttoinlandsprodukt in den USA übertraf mit einem positiven Wert von 4,9 Prozent die erwarteten 4,5 Prozent. Dies lag unter anderem an einem starken privaten Konsum und dem hohen Staatsverbrauch. Die Investitionen schwächelten hingegen. Wir gehen allerdings weiterhin davon aus, dass das zyklische Hoch erreicht ist und sich die US-Konjunktur bald abkühlt.
Viele Neuigkeiten aus dem Euroraum
Im Euroraum hat die Europäische Zentralbank wie erwartet das Zinsniveau beibehalten. Alles deutet nun darauf hin, dass der Zinsgipfel erreicht ist und eine weitere Zinserhöhung nicht mehr nötig ist. Zudem fielen die Daten zum Verbrauchervertrauen im Euroraum trotz der Sorgen um höhere Energiepreise und der Verunsicherung im Rahmen des Nahost-Konflikts besser als erwartet aus. Allerdings sind diese Zahlen vorsichtig zu betrachten, weil nur ein geringe Verbindung zwischen der Stimmung der Verbraucher und ihren tatsächlichen Ausgaben besteht. Die Geldmenge M1 blieb nach einem starken Rückgang in den letzten 12 Monaten stabil. Auch die Kreditmenge erwies sich weitestgehend als konstant. Der Einkaufsmanager-Index präsentierte sich insgesamt schwächer, insbesondere im Dienstleistungssektor.
Mit Blick auf Japan bleiben die Spekulationen auf eine Änderung der Geldpolitik der Bank of Japan bestehen. Dies ist vor allem auf den schwachen Yen-Wechselkurs und die hohen Renditen von US-Anleihen zurückzuführen. Der Verbraucherpreisindex zog im Oktober überraschend an. Gründe hierfür waren gestiegene Energienotierungen sowie höhere Preise im Dienstleistungssektor. Es wird daher nun durchaus mit Spannung auf die kommende Sitzung der Bank of Japan gewartet.
Vergangene Woche lief die Berichtssaison auf vollen Touren. Die Stimmung am Aktienmarkt war vor allem durch die großen Tech-Giganten wie Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon geprägt und erwies sich insgesamt als angespannt. Gewinner der Woche war Microsoft. Der Software-Gigant veröffentlichte am Dienstag überzeugende Zahlen, sodass die Aktie einen Kurssprung von rund vier Prozent machte. Microsoft konnte im dritten Quartal einen Umsatz von 56,5 Milliarden US-Dollar erwirtschaften und ihn somit um 13 Prozent steigern. Alphabet lieferte ebenfalls solide Zahlen, verfehlte aber die Markterwartungen im Cloud-Geschäft. Daraufhin verlor der Titel in der Berichtswoche etwa neun Prozent an Wert. Die Quartalszahlen von Meta fielen deutlich besser als erwartet aus, der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 34,2 Milliarden US-Dollar. Die Aktie gab im Wochenvergleich trotzdem rund sechs Prozent ab. Amazon präsentierte ebenfalls einen Umsatzanstieg im dritten Quartal von 13 Prozent und die Aktie gewann am Donnerstag nachbörslich circa fünf Prozent.
Blick auf die globalen Märkte
Der MSCI World-Index schloss die Berichtswoche 1,8 Prozent schwächer ab. Die US-amerikanischen Märkte befanden sich aufgrund der großen Anzahl an eher enttäuschenden Quartalsergebnissen im Abschwung. Sowohl der marktbreite S&P 500-Index also auch das Tech-Barometer Nasdaq 100 notierten mit 2,1 und 3,1 Prozent niedriger als in der Vorwoche. Die europäischen Märkte blieben hingegen von größeren Verlusten verschont. Der breit gestreute STOXX Europe 600-Index büßte nur 0,3 Prozent an Wert ein. In Frankfurt fiel der DAX 40-Index ebenfalls um 0,3 Prozent. An den asiatischen Märkten sah es ähnlich aus. Der japanische Nikkei 225-Index gab 0,9 Prozent ab, nur der chinesische HSCEI-Index konnte mit 1,8 Prozent leicht zulegen.
Licht und Schatten im europäischen Luxussegment
In den vergangenen Wochen geriet die europäische Luxusbranche nach enttäuschenden Zahlen von LVMH unter Druck. Nun lieferte Hermès jedoch starke Ergebnisse und setzte sich damit von der Konkurrenz ab. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz im dritten Quartal um 15,6 Prozent steigern. Die Aktie stieg daraufhin in der Berichtswoche um rund sieben Prozent. Kering präsentierte hingegen Ergebnisse, die die Erwartungen verfehlten. Der Umsatz ging im dritten Quartal um 13 Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro zurück, die Aktie rutsche um etwa fünf Prozent ab.
Siemens Energy schockt die Märkte
Die Siemens Energy-Aktie befand sich am Donnerstag erneut im freien Fall. Grund für den Absturz sind Verhandlungen mit dem Bund über Milliardenbürgschaften. Die Aktie verlor 37 Prozent und notierte zum Ende der Woche bei knapp sieben Euro. Mercedes-Benz enttäuschte ebenfalls am Donnerstag mit den Zahlen für das dritte Quartal, der Konzerngewinn ging um sieben Prozent auf 3,72 Milliarden Euro zurück. Der Titel verlor in der Berichtswoche 7,5 Prozent. Die Deutsche Bank konnte hingegen überzeugen - im vergangenen Quartal stieg der Vorsteuergewinn um sieben Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Des Weiteren kündigte das Institut eine Dividendenerhöhung an. Die Aktie legte in der Berichtswoche um zehn Prozent zu.
Am US-Rentenmarkt setzte sich der Trend zu höheren Renditen zunächst weiter fort. Grund hierfür war einmal mehr die unerwartet robuste US-Konjunktur. Nicht nur die PMI-Daten und der Häusermarkt haben in dieser Woche nach oben überrascht. Die annualisierte Wachstumsrate des BIP lag im dritten Quartal mit 4,9 Prozent über den Markterwartungen. Zudem übte die Entwicklung im Nahen Osten erneut Druck auf die Ölpreise aus, was ebenfalls auf den Anleihen lastete. Die US-Renditen lagen zum Wochenanfang bei einem Niveau von etwa fünf Prozent im Zehnjahresbereich noch auf einem 16-Jahres-Hoch.
Auf der Angebotsseite treibt das anhaltend hohe Angebot an US-Treasuries die Renditen generell nach oben. Der US-Haushalt benötigt sehr viel Geld für die vielen Ausgabenprogramme, zum Beispiel für den Inflation Reduction Act, aber unter anderem auch für die Ukraine- und Israel-Hilfen. Es fehlen auf der anderen Seite die Käufer. Diese verlangen mittlerweile höhere Laufzeitprämien. Solange die Zinskurve invers ist und somit die Renditen in den kürzeren Laufzeiten höher ausfallen als in den längeren Laufzeiten, bevorzugen die Anleger das kurze Ende. Gleichzeitig halten sich die ausländischen Käufer von US-Treasuries zurück. Für die Japaner lohnt sich die Anlage nicht mehr, aufgrund der hohen Absicherungskosten legen sie lieber in heimischen Anleihen an. Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen China und den USA will das Reich der Mitte seine Währungsreserven auch aus geostrategischen Gründen stärker diversifizieren. Hierdurch durch fällt ein weiterer wichtiger Investor in US-Anleihen weg.
Volatile Rentenmärkte
In der vergangenen Woche waren die Rentenmärkte von deutlichen Wertschwankungen geprägt, deren Ausmaß nicht immer erklärbar war. Am Dienstag kam es vorübergehend zu einer Entspannung, als der Ölpreis sank und China ein kleines Fiskalpaket präsentierte. Am Mittwoch zogen die Renditen dann wieder an. Am Donnerstag drehte sich das Bild komplett, die US-Renditen kamen deutlich zurück. Grund hierfür war der unerwartet starke Rückgang der Inflation, gemessen am PCE-Deflator. Dieser lag nur noch bei 2,4 Prozent. In Reaktion hierauf fiel die Rendite zehnjähriger US-Treasuries am Donnerstag um mehr als zehn Basispunkte auf 4,86 Prozent zurück, am Montag hatte sie noch bei rund fünf Prozent gelegen. Die US-Zinskurve verschob sich im Wochenvergleich (Stand Freitagmittag um 13.00 Uhr) in den längeren Laufzeiten ab zwei Jahren nach unten, wobei die Rendite 20jähriger Papiere mit über 80 Basispunkten am stärksten sank (auf 5,2 Prozent).
Im Euroraum verlief die EZB-Sitzung am Donnerstag so unspektakulär wie erwartet. Die Zentralbank beließ die Leitzinsen erstmals nach zehn Zinserhöhungen unverändert bei 4,5 Prozent. Die Märkte reagierten dennoch erleichtert, vor allem da der Tonfall von EZB-Chefin Lagarde insgesamt versöhnlich ausfiel. Der Euro-Rentenmarkt tendierte daraufhin freundlich. So sanken die Renditen von Bundesanleihen in fast sämtlichen Laufzeiten spürbar. Zehnjährige Bundesanleihen fielen am Donnerstag um mehr als 40 Basispunkte auf 2,83 Prozent per Freitagmittag, in den Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren kamen die Renditen im Wochenvergleich sogar um mehr als 85 Basispunkte zurück. Bei den längeren Laufzeiten ab 15 Jahren tat sich hingegen wenig, entsprechend bleibt die Bund-Kurve weiterhin invers. Einjährige Papiere rentieren mit 3,7 Prozent immer noch weit höher als die zehnjährigen Bundesanleihen.
Entspannung auch in der Euro-Peripherie
Besonders wichtig für die Marktstimmung war die Aussage der EZB, dass sie an den Reinvestitionen im Rahmen des PEPP-Programms vorerst festhalten will. Anfang 2024 würde man darüber nochmal sprechen. Auch wurden die Mindestreserveanforderungen für den Bankensektor nicht erhöht. EZB-Chefin Christine Lagarde sagte, dass hierdurch eine zu starke Fragmentierung des Euro-Rentenmarkts verhindert werden soll. Dies Aussage war insbesondere auf das „Sorgenkind“ Italien gerichtet. Daraufhin engten sich die Spreads zwischen der Euro-Peripherie und den Kernländern ein. Insbesondere italienische Staatsanleihen konnten sich spürbar erholen, ihre Rendite fiel um 6,5 Basispunkte auf 4,85 Prozent. Besonders erfreulich verlief die Entwicklung auch für die „Musterländer“ Griechenland und Portugal. Deren Rendite-Spreads gegenüber Bundesanleihen engten sich weiter ein.
In der kommenden Woche werden wieder zahlreiche Konjunkturdaten veröffentlicht. Für den Euroraum sind die Inflationsdaten in Deutschland, die am Montag veröffentlicht werden, besonders wichtig. Wir gehen hier von einem deutlichen Rückgang der Teuerung aus (von 4,2 auf etwas über drei Prozent). Mit Spannung erwartet werden aber auch die Notenbanksitzungen der Bank of Japan, der US-Fed und der Bank of England. Wir erwarten, dass alle drei Institute an ihrer Geldpolitik vorerst festhalten.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 27. Oktober 2023, soweit nicht anders angegeben.
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