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42. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 16. bis 20. Oktober 2023
Der Kapitalmarkt blieb auch in dieser Woche ein Spielball der geopolitischen Entwicklung, was angesichts der Geschehnisse im Nahen Osten wenig verwunderlich war. Eine Bodenoffensive der israelischen Armee scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein und die Reaktion von Staaten wie Syrien, Iran und dem Libanon sind weiter unklar. Westliche Staaten versuchen hier händeringend zu vermitteln, was bei ihrer zugleich ausgesprochenen Solidarität mit Israel und der erklärten Absicht der Hamas, den Staat Israel zu vernichten, kein leichtes Unterfangen ist. An eine Entspannung war nicht zu denken. Mitte der Woche wurde ein Krankenhaus im Gazastreifen beschossen, am Donnerstag folgte dann ein Drohnenangriff auf eine US-Militärbasis im Süden von Syrien. Darüber hinaus hatte ein US-Kriegsschiff Raketen in der Nähe vom Jemen abgefangen. Dementsprechend war die Risikobereitschaft der Anleger gering und es kam vor allem an den Aktienmärkten zu weiteren Kursverlusten.
Noch keine Einigung im US-Repräsentantenhaus
Mit Blick auf die USA hat Jim Jordan auch im zweiten Wahlgang die nötigen Stimmen für den Posten als Sprecher im Repräsentantenhaus verfehlt. Der Vertraute des früheren US-Präsidenten Donald Trump hat dabei vor allem in seiner eigenen Partei nicht die erforderlichen Stimmen einsammeln können. Jordan will die Gespräche mit seinen republikanischen Parteikollegen nun fortsetzen und strebt einen dritten Wahlgang an. Es bleibt jedoch fraglich, ob ihn ausreichend Abgeordnete unterstützen werden. Alternativ wurde eine Übergangslösung angestrebt, bei der der geschäftsführende Vorsitzende Patrick McHenry – auch ein Republikaner –bis Januar mit mehr Befugnissen ausgestattet werden soll. Diese Lösung blockierte wiederum die Unterstützer Jordans, die seine Ernennung gern sofort und nicht erst im Januar sehen würden. Die moderaten Republikaner fordern hingegen den kompletten Rückzug Jordans. Derweil hat US-Präsident Biden ein Hilfspaket vorgelegt, dass sowohl die Ukraine als auch Israel unterstützen soll. Doch solange kein Sprecher für das US-Repräsentantenhaus gefunden ist, kann das Paket nicht verabschiedet werden.
US-Zahlen fallen erneut besser als erwartet aus
Für die von niedrigen Zinsen verwöhnte US-Wirtschaft stellen Leitsätze von mehr als fünf Pro-zent eine gewisse Belastung dar, so zumindest die einhellige Meinung vieler Volkswirte. Doch Woche für Woche erweist sich die konjunkturelle Entwicklung in den Vereinigten Staaten als ausgesprochen robust. Auch in dieser Woche fielen die präsentierten Daten besser als erwartet aus. So legte die Industrieproduktion im Monatsvergleich überraschend um 0,3 Prozent zu. Aufgrund der Streiks im US-Automobilsektor war man von einem Nullwachstum ausgegangen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen dreimal so stark wie erwartet an. Perspektivisch dürfte sich der US-Verbraucher zwar als weniger ausgabefreudig erweisen, doch der robuste Arbeitsmarkt wirkt sich aktuell noch stützend aus.
Kein großer Handlungsdruck für die Bank of England
Im Vereinigten Königsreich setzte sich die Abschwächung am Arbeitsmarkt fort. Die Beschäftigung nahm im September um 11.000 Stellen ab. Auch der Lohndruck gab leicht nach, ist aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Darüber hinaus wurden die Inflationsdaten veröffentlicht. Diese zeigten sich gemischt. Zwar liegt die Teuerungsrate weiterhin bei 6,7 Prozent, die Kerninflation sinkt hingegen um 0,1 Prozent auf 6,1 Prozent. Die Zahlen sind für die Bank of England kein Grund zur Entspafnnung, jedoch besteht damit auch kein unmittelbarer Handlungsdruck.
Chinas Wachstum bleibt begrenzt
Am Mittwoch wurden die BIP-Zahlen aus China veröffentlicht. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Das Wachstum des BIPs ist zu einem Großteil auf eine erhöhte Inlandsnachfrage zurückzuführen. Diese wurde zudem durch staatliche Programme zusätzlich angeheizt. Die unterliegende Dynamik in anderen Sektoren ist aber gering und sieht lediglich im Vergleich mit dem durch Corona und den damit verbundenen Beschränkungen eher schwachen Vorjahr gut aus. Weiterhin belastend auf Chinas Konjunktur wirkt der schwächelnde Immobilienmarkt.
Nachdem in der vergangenen Woche die Berichtssaison mit den ersten Daten aus dem US-Bankensektor recht vielversprechend begonnen hatte, folgten nun eher gemischte Unternehmensergebnisse. So gab es zwar durchaus sehr positive Nachrichten, wie etwa von Netflix. Der Streamingdienstanbieter meldete im dritten Quartal neun Millionen neue Nutzer. Viele von ihnen dürften zwar schon vorher den Dienst genutzt haben, doch seit einiger Zeit geht das Unternehmen gegen das Teilen des Zugangs strenger vor. Darüber hinaus wurden Preiserhöhungen angekündigt, was perspektivisch für ein Umsatzplus spricht. Ferner möchte Netflix Themenlokale zu seinen Serien anbieten. So will man stärker präsent sein und mehr Kunden für sich gewinnen. Die Aktie reagierte auf die Nachrichten mit einem unmittelbaren Kursgewinn von 16 Prozent.
Auf der anderen Seite enttäuschten aber auch Unternehmen und blieben hinter den Erwartungen zurück. Hierzu zählte etwa der Automobilbauer Tesla. Der E-Auto-Pionier bekommt die wachsende Konkurrenz aus China zu spüren. Mit Preissenkungen kann Tesla zwar seinen Vorsprung behaupten, doch das geht zulasten der Profitabilität. Darüber machen sich die hohen US-Zinsen in steigenden Kreditkosten bemerkbar. Beim Bau eines neuen Werkes in Mexiko will man daher auf die Bremse treten. Die Teslaaktien musste daher einen Abschlag von neun Prozent nach Vorlage ihres Zahlenwerks hinnehmen.
Aus dem DAX legte das Schwergewicht SAP seine Quartalszahlen vor und diese kamen bei Anlegern gut an. Die Walldorfer bestätigten ihren optimistischen Ausblick und hoffen auf einen Umsatzanstieg durch KI-Anwendungen. Auch das Cloudgeschäft soll weiter kräftig zum Wachstum beitragen. Nach Vorlage des Zahlenwerks kletterte die Aktien sieben Prozent nach oben und näherte sich seinem Jahreshoch. Später ging ein Teil der Gewinn wieder verloren
Europa mit etwas größeren Wochenverlusten
Auf Wochensicht verlor der marktbreite S&P 500-Index 1,2 Prozent an Wert. Für den technologielastigen Nasdaq-Index ging es 1,4 Prozent abwärts. In Europa fielen die Verluste etwas größer aus. Der DAX-Index gab bis Freitagmittag zwar 1,7 Prozent nach, doch der STOXX Europe 600 büßte 2,6 Prozent ein. Schlusslicht aus Branchensicht war der Immobiliensektor mit einem Verlust von mehr als sechs Prozent. Hier belasten die hohen Zinsen erneut. Aber auch Industriewerte und Titel aus dem Gesundheitssektor verloren mehr als vier Prozent. Leicht im Plus handelte lediglich der Öl- und Gassektor. Aktien aus den Schwellenländern gaben, gemessen am MSCI Emerging Markets Index, 2,2 Prozent nach.
Am US-Rentenmarkt sind die Trends der letzten Wochen ungebrochen. Es kam daher auch in dieser Woche zu einem erneuten Renditeanstieg bei langlaufenden Papieren, der mit einer weniger inversen Zinsstrukturkurve einherging. Größere Bewegungen löste vor allem am Donnerstag eine Rede von US-Notenbankchef Powell vor dem Economic Club of New York aus. Powell betonte, dass die US-Währungshüter in den letzten Monaten eine deutliche Straffung der Finanzierungsbedingungen beobachten würden. Anleger interpretierten diese Aussage dahingehend, dass es keine Notwendigkeit für weitere Zinserhöhungen gäbe. Die Renditen kurzlaufender Anleihen kamen daher etwas zurück und die Zinserwartungen wurden wieder ausgepreist. Darüber hinaus betonte Powell aber auch, dass die Auswirkungen der hohen Zinsen auf die Wirtschaft noch nicht voll sichtbar wären. So liege das Wachstum noch immer über dem Trend und am Arbeitsmarkt sehe man noch nicht die erhoffte Entspannung. Diese eher positiven Kommentare zum Wachstum sorgten dann vor allem am langen Ende für einen Renditeanstieg. Unmittelbar nach der Rede stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen um 12 Basispunkte auf zwischenzeitlich fast fünf Prozent. Gleichzeitig gaben zweijährige Papiere sieben Basispunkte ab. Inzwischen ist die US-Zinsstrukturkurve damit kaum noch invers und dürfte vielmehr als flach bezeichnet werden.
Bundesanleihen konnten sich diesem Trend nicht entziehen und vollzogen eine ähnliche Kursbewegung. Zehnjährige Staatsanleihen näherten sich der Marke von drei Prozent, während es am vorderen Ende der Zinsstrukturkurve ebenfalls zu Kursgewinnen kam. Sichere Staatsanleihen erwiesen sich in einem schwierigen Marktumfeld mit größeren geopolitischen Risiken also nicht als sicherer Anlagehafen.
Transatlantikspread steigt wieder auf 200 Basispunkte
Der starke Renditeanstieg in den USA seit einigen Monaten hat auch dazu geführt, dass der Renditeunterschied zehnjähriger US-Staatsanleihen zu laufzeitgleichen Bundesanleihen auf wieder 200 Basispunkte angestiegen ist. Seit Anfang 2020 war dies stehts eine Marke gewesen, an der sich die Bewegung wieder umkehrte. Auslöser der Bewegung waren die besser als erwarteten Wachstumszahlen in den USA. Sollte sich das hohe Leitzinsniveau von mehr als fünf Prozent jedoch als Dämpfer für die US-Wirtschaft erweisen, dann ist hier wieder mit einer geringeren Differenz zu rechnen.
Ratingüberprüfung von Italien
Am heutigen Freitag steht die turnusmäßige Ratingüberprüfung von Italien an. Eine Herabstufung der Bonitätsnote durch S&P gilt zwar als sehr unwahrscheinlich, ein negativer Ausblick ist aber durchaus möglich. Mit den steigenden Renditen kommen immer mehr Sorgen auf, wie tragfähig der italienische Haushalt ist. Der Risikoaufschlag italienischer Papiere ist seit Juni von 156 auf mehr als 200 Basispunkte angestiegen.
In der kommenden Woche stehen die Umfrageergebnisse unter den Einkaufsmanagern zur Veröffentlichung an. Diese sind stets ein wichtiger Frühindikator und geben Aufschluss über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Für die USA wird ein leichter Rückgang erwartet. Im Euroraum dürften sich die Daten auf niedrigem Niveau stabilisieren. Am Mittwoch wird der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland veröffentlicht. Darüber hinaus trifft sich die EZB am Donnerstag zu ihrer Oktober-Sitzung. Nach der Zinserhöhung im Vormonat erwarten unsere Volkswirte keine weitere Erhöhung mehr.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 20. Oktober 2023, soweit nicht anders angegeben.
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