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41. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 09. bis 13. Oktober 2023
Unter dem schockierenden Eindruck der Eskalation im Nahen Osten starteten die Finanzmärkte nervös in die abgelaufene Handelswoche. Gleichwohl: Einen prägenden Einfluss auf das globale Börsengeschehen entwickelten die Ereignisse im weiteren Verlauf nicht, die Reaktion war insgesamt eher moderat. In Summe kam es im Wochenverlauf zu leichten Kursanstiegen an den Aktien- und Rentenmärkten. Lediglich beim Ölpreis war ein Rückgang zu verzeichnen.
Terrorangriff auf Israel
Am Samstagmorgen, dem 7. Oktober 2023, griff die radikalislamische Hamas vom Gaza-Streifen aus Ziele in Israel an. Die Kämpfe dauerten das gesamte Wochenende an und waren auch beim Handelsstart am Montag noch nicht beendet. Im Verlauf der Woche kam es dann immer wieder zu israelischen Bombardierungen von Stellungen in Gaza und Raketenangriffen der Hamas auf Südisrael. Eine Bodenoffensive der Israel Defense Force (IDF) wird von vielen Beobachtern erwartet, hat aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht begonnen. Vom Zeitpunkt her kam die Attacke in eine Phase scharfer innenpolitischer Spannungen in Israel und der Annäherung Tel Avivs mit Saudi-Arabien.
Die Kapitalmärkte reagierten bislang moderat auf die Eskalation im Nahost-Konflikt. An den Rohstoffmärkten kam es in einer ersten Reaktion zu einem zu einem Ölpreisanstieg um rund fünf Prozent, der sich aber im weiteren Verlauf zunehmend abschwächte. Zum Wochenausklang kostete ein Fass der Nordseesorte Brent rund 89 US-Dollar und damit fast fünf US-Dollar mehr als zum Schlusskurs der vergangenen Woche. Auf der Währungsseite wertete der israelische Schekel ebenfalls nur leicht ab, auch wegen der Intervention der israelischen Zentralbank. Aktienseitig waren kaum Auswirkungen zu beobachten. Am ehesten reagierten noch Papiere von Rüstungsunternehmen auf die Entwicklung, indem sie Kursanstiege verzeichneten. Die Aktie der im deutschen Leitbarometer DAX 40-Index notierten Rheinmetall kletterte beispielsweise um rund 16 Prozent. Auch am Rentenmarkt sind keine größeren Bewegungen auszumachen, die auf die Eskalation zurückzuführen sind. Anleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften (Emerging Markets) handelten mit Ausnahme der direkt betroffenen Emittenten insgesamt recht stabil.
Rolle des Irans entscheidend für globales Risikoumfeld
Die wichtigste Frage für die Wirkung der Eskalation auf die Kapitalmärkte ist nach Einschätzung von Analysten, ob es zu einer weiteren Ausbreitung des Konflikts kommt. Dafür ist die Rolle des Irans entscheidend. Für Experten gilt als sicher: Sowohl die Hamas als auch die libanesische Hisbollah-Miliz werden von dort mit Waffen, Finanzhilfe und Know-How unterstützt. Sollte sich darüber hinaus herausstellen, dass Teheran in die Planung des Angriffs auf Israel eingebunden war, könnte dies zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts führen. Dafür gibt es zwar unbestätigte Anhaltspunkte, allerdings bislang keine bewiesene Einbindung. Insofern spricht derzeit viel dafür, dass die Auseinandersetzungen auf Israel und Hamas begrenzt bleiben sollte.
Mit Blick auf die weltweite Ölversorgung gehen Analysten nach aktuellem Stand von keiner Veränderung des Angebots-Nachfrage-Mix aus. Am ehesten könnte noch eine Verschärfung des westlichen Sanktionsregimes gegen den Iran die Ölversorgung beschränken. Das Land exportiert rund 1,5 Mio. Barrel pro Tag und hat dabei seit 2020 seine Ausfuhren um rund 1 Mio. Barrel gesteigert. Hier könnte es also ggf. zu einer Verknappung kommen. Allerdings: Vermutlich würde eine solche Angebotsverringerung eine Kompensation durch andere Ölländer, allen voran Saudi-Arabien, nach sich ziehen. Ob bzw. wie die globale Ölversorgung durch die Eskalation beeinträchtigt werden könnte, ist also im Ergebnis derzeit sehr fraglich.
US-Inflation höher als erwartet
Öl bzw. Energie war auch ein wichtiger Aspekt bei einem weiteren Hauptthema der vergangenen Woche, nämlich der US-Inflation. Entgegen der Markterwartungen stieg die Teuerung in der größten Volkswirtschaft der Welt im Monatsvergleich um 0,4 Prozent. Der Konsens der Analystenschätzungen hatte im Vorfeld bei 0,3 Prozent gelegen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat erhöhte sich das Preisniveau damit um 3,7 Prozent. Die stärksten Treiber für die Entwicklung waren dabei die Subkomponenten Wohnen (plus 0,6 Prozent im Monatsvergleich) und Energie (plus 1,5 Prozent gegenüber August). Insbesondere Benzin trug mit einem neuerlichen Anstieg um 2,1 Prozent zu dem Anstieg bei. Die Preise für Nahrungsmittel kletterten um 0,2 Prozent und damit genauso stark wie im Vormonat.
Zieht man die besonders schwankungsstarken Bereiche Energie und Nahrung ab, so zeigt sich jedoch ein deutlich entspannteres Bild. Diese sog. „Kerninflation“ stieg zwar ebenfalls, und zwar um 0,3 Prozent im Monats- bzw. 4,1 Prozent im Jahresvergleich. Aber: Vor wenigen Monaten fielen die Anstiege noch deutlich höher aus. Im September 2022 hatte der Wert beispielsweise noch bei 6,6 Prozent gelegen.
In Summe sind damit sowohl Inflation als auch Kerninflation auf dem Rückzug, die Teuerung lässt nach. Dies eröffnet der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Spielraum, von weiteren Zinsanhebungen abzusehen. Gleichwohl: Die Verlangsamung im Inflationsrückgang ließ die Marktteilnehmer nicht unbeeindruckt und führte sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite in den letzten zwei Tagen der Handelswoche zu Abschlägen.
Denn: Nach den schwachen Vorwochen kam es an den internationalen Aktienmärkten in der Berichtswoche zu einer deutlichen Erholung. Zeitweise stiegen die Börsenbarometer deutlich, der DAX 40-Index zum Beispiel konnten in den ersten drei Handelstagen mehr als 400 Punkte zulegen. Erst die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten am Donnerstag stoppte die Bewegung.
Letztendlich stieg der MSCI World-Index in der Berichtswoche um 1,4 Prozent. In den USA überwogen die positiven Impulse. Sowohl der marktbreite S&P 500-Index also auch das Tech-Barometer Nasdaq 100 notierten mit 1,0 und 1,4 Prozent leicht höher in der Vorwoche. Auch an den europäischen Märkten konnten Gewinne verzeichnet werden. Der breit gestreute STOXX Europe 600-Index gewann in der Berichtswoche 1,2 Prozent an Wert. In Frankfurt konnte der DAX 40-Index ebenfalls leicht mit 0,5 Prozent an Wert zulegen. Japans Nikkei 225 überzeugte mit 4,3 Prozent Zuwachs im Wochenvergleich.
Kleidungs- und Luxusgüterhersteller im Minus
LVMH, der Luxusanbieter aus Frankreich, veröffentlichte am Dienstagabend Zahlen für das dritte Quartal und konnte dabei die hohen Markterwartungen nicht erreichen. Das zweitwertvollste Unternehmen Europas erzielte zwar ein Umsatzwachstum von neun Prozent, die Mehrheit der Analysten hatte aber mit einem deutlicheren Zuwachst gerechnet. Die Anleger reagierten überwiegend negativ auf die Meldung und die Aktie verlor über acht Prozent an Wert und unterschritt dadurch die 700-Euro- Marke. Die Nachricht zog auch den Konkurrenten Hermès in Mitleidenschaft. Nach anfänglichen Verlusten konnte sich die Aktie aber wieder stabilisieren.
Am Mittwochnachmittag ging der deutsche Schuhhersteller Birkenstock an die New York Stock Exchange. Dabei blieb der Börsenstart hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 46 US-Dollar, die Erstnotiz jedoch mit 41 US-Dollar deutlich niedriger. Am Abend schloss die Aktie mit 40 Dollar pro Aktie und musste am ersten Handelstag einen Verlust von knapp 13 Prozent verkraften. Auch der weitere Wochenverlauf blieb schwierig für den Debütanten.
Studienerfolg von Novo Nordisk lässt Konkurrenz schwächeln
Das (noch vor LVMH) derzeit wertvollste Unternehmen Europas, Novo Nordisk, veröffentlichte vergangene Woche Studienergebnisse zu einer Untersuchung über die Wirksamkeit des Medikaments Ozempic zur Behandlung von Nierenversagen. Das Überraschende dabei: Diese Studie wurde ein Jahr früher als gedacht abgebrochen, da sehr positive Ergebnisse beobachtet wurden hat. Entwickelt wurde das Mittel eigentlich zur Behandlung von Diabetes. Es enthält den gleichen Wirkstoff wie Wegovy, Novo Nordisks Medikament zur Gewichtsreduktion.
Darauf reagierten die Aktien der meisten Dialysegerätanbieter stark negativ. Der im DAX 40-Index notierte Konzern Fresenius verlor nach der Mitteilung zeitweise prozentual zweistellig an Wert, da die Bad Homburger 32 Prozent der Anteile am großen größten Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC) halten. Die FMC-Aktie wurde mit über 20 Prozent Verlust noch härter von den Anlegern abgestraft. Die Aktie von Novo Nordisk konnte hingegen, seit Bekanntgabe, deutlich zulegen.
Die internationalen Rentenmärkte waren vergangene Woche zweigeteilt. Die ersten Handelstage zeigten sich dabei von einer freundlichen Seite und es kam zu einem spürbaren Rückgang der Renditen (und im Umkehrschluss zu Kursanstiegen). Auslöser waren vor allem verschiedene Stimmen von Mitgliedern der US-Notenbank Fed, wonach weitere Leitzinsanhebungen vor dem Hintergrund der zuletzt stark angestiegenen Marktzinsen zunehmen unnötig werden könnten. Wichtige Anleihesegmente wie US-Treasuries oder deutsche Bundesanleihen reagierten auf die Wortmeldungen mit Renditerückgängen und entfernten sich von den Hochs der vergangenen Wochen.
Mit der Bekanntgabe der unerwartet hohen US-Inflationsdaten kam diese Bewegung ab Donnerstag zu einem Ende und die Renditen stiegen wieder etwas. Gegen Freitagmittag wurden Stände bei zehnjährigen US-Staatsanleihen von 4,6 Prozent verzeichnet, während ihren bundesdeutschen Pendants gleicher Laufzeit bei 2,7 Prozent handelten. In beiden Fällen verblieb damit auf Wochensicht ein Renditerückgang und damit ein Wertzuwachs.
Bereits am heutigen Freitag eröffnen die US-Banken die Berichtssaison zum dritten Quartal 2023. In der kommenden Handelswoche folgen weitere Schwergewichte und versprechen Aufschluss darüber, wie die Gewinnsituation bei den Konzernen einzuschätzen ist. Von der Ko Konjunkturseite her stehen in Deutschland der ZEW-Index sowie die Erzeugerpreise zur Veröffentlichung an. In den USA dürfte das Hauptaugenmerk der Markteilnehmer auf dem Arbeits- sowie dem Häusermarkt liegen. Am Mittwoch dominiert der Datenkranz aus China die Agenda.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 13. Oktober 2023, soweit nicht anders angegeben.
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