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40. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 02. bis 06. Oktober 2023
An den Finanzmärkten gab in der Berichtswoche in erster Linie die Zinsentwicklung den Ton an. Wie schon in der Vorwoche herrschte große Unsicherheit. Viele Marktteilnehmer wurden hinsichtlich der Erwartung baldiger Zinssenkungen von den Aussagen aus den Notenbanken auf dem falschen Fuß erwischt. Der Zinsanhebungsgipfel gilt mittlerweile als erreicht. Allerdings scheint sich zunehmend die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Leitzinsen länger als erwartet auf dem aktuell hohen Niveau verharren dürften. „High for longer“ lautet derzeit die Devise am Finanzmarkt. Zahlreiche Anleger, die auf baldige Zinssenkungen gesetzt hatten, lösten in der Berichtswoche ihre Positionierungen auf. Vor allem in den langen Laufzeitbereichen kamen dabei die Anleihekurse unter Druck. Zehnjährige Bundesanleihen überschritten zeitweise die Drei-Prozent-Renditemarke, bei den laufzeitgleichen US-Staatspapieren ging es in Richtung fünf Prozent. Den Aktienmärkten bekam die Zinsentwicklung gar nicht gut, der DAX-40 etwa fiel in der Berichtswoche zwischenzeitig unter die 15.000er-Marke. In Richtung Wochenende konnten sich die Märkte aber wieder etwas fangen.
Politische Turbulenzen in den USA…
In den USA waren aus politischer Sicht einige Turbulenzen zu vernehmen. Zunächst wurde am Wochenende vorerst der Shutdown abgewendet. Die für den 1. Oktober befürchtete Schließung vieler US-Bundesbehörden wurde mittels einer Übergangsfinanzierung abgewendet, zumindest bis zum 17. November. Dann wird das Haushaltsdrama eine Fortsetzung finden. Es folgte dann in einem wohl historisch einmaligen Vorgang die überraschende Abwahl des Sprechers der Republikanischen Mehrheit im Kongress, Kevin McCarthy. Damit ist es im Gesetzgebungsverfahren in Washington zu einem Stillstand gekommen, wenngleich der Kongress damit nicht zur Gänze handlungsunfähig ist. Am 10. Oktober wollen die Republikaner nun über einen Nachfolgekandidaten beraten.
…aber solide Konjunkturdaten
Die in der Berichtswoche veröffentlichten US-Konjunkturdaten bestätigten einmal mehr die robuste Verfassung der amerikanischen Wirtschaft. Der vielbeachtete ISM-Index (Institut für Supply Management) für das verarbeitende Gewerbe stieg im September zum dritten Mal in Folge an und erreichte den höchsten Stand seit November 2022. Die dann folgend veröffentliche Komponente für den Dienstleistungssektor schwächte sich hingegen etwas ab, was erwartet wurde. Zumal diese aber über den Schätzungen lag. Insgesamt passen die Daten in unser Konjunkturbild für die USA, dass eine Stabilisierung in der Industrie und ein „soft landing“ der US-Wirtschaft vorsieht. Die Entwicklung wurde auch von den Auftragseingängen gestützt, die im August um 1,2 Prozent etwas stärker als erwartet zulegen konnten. Am US-Arbeitsmarkt stiegen zudem die offen Stellen (JOLTS) von 8,9 auf 9,6 Millionen an. Allerdings konzentrierte sich der Anstieg auf nur einen Sektor. Die volatilen JOLTS-Daten sollten daher nicht überbewertet werden. Überraschend hoch war dann die zum Wochenschluss veröffentlichte Anzahl der im September neu geschaffenen Stellen (non farm payrolls) in der US-Wirtschaft. Mit 336.000 neuen Jobs lag der Zuwachs erheblich über den Schätzungen der Analysten, der Konsens hatte bei 170.000 gelegen.
Ölpreis verliert deutlich
Der Ölpreis ist in den vergangenen Handelstagen deutlich eingebrochen. Die Notierung für das Barrel der Sorte Brent lag am Freitagmittag nur noch bei etwas mehr als 84 US-Dollar. Kurz zuvor schien die 100-Dollar-Marke noch greifbar nahe. Im Wesentlichen sorgte die in der Berichtswoche erfolgte Veröffentlichung hoher US-Lagerbestände für eine deutliche Korrektur. Zudem war die saisonale Nachfrage zuletzt so schwach wie seit 25 Jahren nicht mehr. Zahlreiche Positionierungen am Terminmarkt mussten liquidiert werden, was insgesamt zu einem „sell off“ am Ölmarkt führte.
In China stiegen die offiziellen Einkaufsmanagerindizes durch die Bank weg an, während die über Caixin ermittelten Einkaufsmanagerindizes leicht rückläufig waren. Der Index für das verarbeitende Gewerbe erhöhte sich im Durchschnitt leicht und behauptete sich über der expansiven 50er-Marke. Insgesamt entsprechen die Indizes unserer Erwartung einer zyklischen Erholung der chinesischen Wirtschaft auf niedrigem Niveau.
Zuletzt hatten wir noch die Auftragseingänge in der deutschen Industrie im August. Diese stiegen - auch ohne Großaufträge - um 3,9 Prozent zum Vormonat an und lagen deutlich über den Erwartungen. Insgesamt zeigt sich die Datenreihe sehr volatil. Wir schätzen, dass das Schlimmste für die deutsche Industrie nun hinter uns liegt.
Die schwachen Rentenmärkte drückten in der Berichtswoche weiter auf die Stimmung der Anleger. Die Erkenntnis bezüglich eines länger als erwartet anhaltenden hohen Zinsniveaus hat neben dem Bondmarkt auch auf die Aktienbörsen gedrückt. Per Freitagvormittag verlor in Europa der marktbreite STOXX Europe 600-Index 1,5 Prozent. Der DAX 40 fiel zeitweise unter die Marke von 15.000 Punkten und gab bis Freitag letztlich um 1,4 Prozent nach. Bei den Einzeltiteln führten im deutschen Leitindex die Aktien von Siemens Energy (minus 7 Prozent), RWE (minus 6,4 Prozent) und Adidas (minus 5,9 Prozent) die Verliererliste an. Die Infineon-Aktie konnte mit plus 3,7 Prozent etwas dagegenhalten. Immerhin konnten die Börsen zum Wochenschluss hin ihre Verluste etwas eindämmen. In den USA überwogen bis zum Börsenstart am Freitag mit 1,2 und 0,7 Prozent die Minuszeichen beim Dow Jones Industrial Average und beim S&P 500-Index. Der Nasdaq-Index blieb bis dahin hingegen unverändert. In Asien fielen die Verluste etwas höher aus, der japanische Nikkei 225-Index beendete die Handelswoche mit einem Minus in Höhe von 2,7 Prozent.
Die aktuelle Unsicherheit unter den Anlegern spiegelt sich in der Berichtswoche auch deutlich am Primärmarkt wider. Ein in letzter Minute abgesagter Börsengang (IPO) des Panzergetriebeherstellers Renk zeigt, wie stark sich das Marktumfeld zuletzt eingetrübt hat. Die in einer Preisspanne von zunächst 15-18 Euro angebotene Aktie rief wenig Interesse seitens der Anleger hervor. Selbst der finale Ausgabepreis von 15 Euro am unteren Ende der Ausgabespanne vermochte die Investoren nicht zu begeistern. Presseberichten zufolge sei die Emission zwar leicht überzeichnet gewesen, dennoch hätte am ersten Handelstag ein Kurseinbruch gedroht. So hat der Finanzinvestor Triton das IPO dann in der Nacht zum Donnerstag platzen lassen. Dies hat ein wenig überrascht, zumal Rüstungshersteller aufgrund des Krieges in der Ukraine derzeit Sonderkonjunktur haben. Insgesamt stehen die Zeichen für Börsengänge vor dem Hintergrund des angeschlagenen Marktumfelds derzeit nicht zum Besten.
An den Bondmärkten setzte sich die Schwäche aus der Vorwoche weiter fort. Viele Investoren hatten sich in der Hoffnung auf ein schnelles Ende des Zinsgipfels zunächst entsprechend positioniert und mussten nun angesichts zunehmender Abwärtsdynamik bei den Anleihekursen ihre Positionen auflösen. Vom damit einhergehenden Renditeanstieg waren in erster Linie die längeren Laufzeiten betroffen, dort wurden die Zinssenkungsfantasien am deutlichsten ausgepreist. Dies traf sowohl für amerikanische Treasuries als auch europäische Staatsanleihen zu. Die Zinsstrukturkurven sind zwar mit Blick auf die Laufzeiten 2/10 Jahre weiterhin invers, also Kurzläufer verzinsen sich höher als ihre langlaufenden Pendants. Allerdings ist die Tendenz der Rückkehr zur „gewöhnlichen“ Struktur, in der die langfristigen die kurzfristigen Renditen übersteigen, auf dem Rest der Kurve nicht zu übersehen.
Mit einer Verzinsung von 3,02 Prozent in der Spitze ging es in dieser Woche beim Bund zu neuen Höhen. Zuletzt war ein solches Renditeniveau 2011 zu beobachten gewesen. Mit 2,89 Prozent legte die Verzinsung per Freitagmittag im Wochenvergleich um fünf weitere Basispunkte zu. In der Euro-Peripherie zogen die Renditen ebenfalls an. Italienische Zehnjahrespapiere rentierten zeitweise mit etwas mehr als fünf Prozent. Stand Freitagmittag lag die Rendite bei 4,9 Prozent. Der Renditeaufschlag (Spread) italienischer zu deutschen Staatsanleihen kletterte im Zehnjahresbereich auf 202 Basispunkte. Das Thema Schuldentragfähigkeit dürfte im Falle Italiens angesichts des mittlerweile erreichten Zinsniveaus verstärkt in den Fokus der Märkte geraten. Auf Gesamtmarktebene verlor der iBoxx Euro Sovereign-Index bis Donnerstagabend 0,5 Prozent.
Am US-Staatsanleihemarkt tendierte die dortige Zinskurve in der Tendenz parallel zur deutschen Zinskurve. Zehnjährige US-Treasuries bewegten sich mit 4,88 Prozent in Richtung Fünf-Prozent-Marke. Zum Vergleich: Auf diesem Renditeniveau wurden US-Bonds zuletzt im Jahre 2007 gehandelt. Im Wochenvergleich legten die Papiere 16 Basispunkte auf 4,73 Prozent zu.
Am Donnerstag der neuen Handelswoche werden die US-Inflationsdaten für September veröffentlicht. Angesichts einer stark von Datenabhängigkeit geprägten US-Zinspolitik wird die ame-rikanische Notenbank hier wieder besonders deutlich hinschauen. Mit Blick auf die Konsens-Schätzungen dürfte die Preiserhöhungsdynamik sowohl bei der Gesamt- als auch der Kernrate gegenüber dem Vorwert ein wenig nachgeben. Zu einer klaren Entspannung der Lage dürfte es aber nicht kommen. Am Montag wird die deutsche Industrieproduktion im August von übergeordnetem Interesse sein, wenngleich mit einer eher verhaltenen Entwicklung zu rechnen ist. Am Mittwoch wird zudem das Protokoll der Fed-Sitzung vom 20. September veröffentlicht.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. Oktober 2023, soweit nicht anders angegeben.
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