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4. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 22. bis 26. Januar 2024
Die zahlreichen Konjunkturdaten in dieser ereignisreichen Woche zeigen: Die US-Wirtschaft hält sich weiterhin äußerst stabil, während die Wirtschaft hierzulande schwächelt. Neben zahlreichen Datenpunkten standen auch diverse Notenbanksitzungen und -entscheidungen auf dem Programm. Die Europäische Zentralbank (EZB) drehte wie erwartet nicht an der Zinsschraube. In ihrem Ausblick äußerte sich die Notenbankchefin Christine Lagarde allerdings bewusst vage. Der Rentenmarkt reagiert daraufhin mit fallenden Renditen und auch die Leitzinserwartungen haben sich verschoben. Über die Aktienmärkte schwappte besonders in dieser Woche wieder die KI-Welle. Zahlreiche Tech-Unternehmen öffneten im Rahmen der Berichtssaison ihre Bücher und beflügelten damit die Kursfantasien der Anleger. Sowohl der Nas-daq 100-Index als auch der Dow Jones konnten neue Allzeithöchststände markieren.
US-Politik: Trump vs. Biden scheint gesetzt
Im Rennen um die Präsidentschaft kristallisierte sich in dieser Woche heraus, dass es zu einer Neuauflage des Duells Trump gegen Biden kommen dürfte. Bei den Vorwahlen in New Hampshire musste die sich Republikanerin Nikki Haley klar Donald Trump geschlagen geben. Nachdem bereits Ron DeSantis seine Aufgabe bekannt gegeben hat, nimmt nun auch der Druck auf Haley zu. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihre Kandidatur zurückzieht. Da sich Trump immer klarer als Spitzenkandidat herauskristallisiert, werden auch offener seine Pläne (Handelspolitik, Einwanderungspolitik, Steuerpolitik und Außenpolitik) besprochen. Bei den Demokraten gab es weiterhin eine breite Unterstützung für Joe Biden. Obwohl bei den Vorwahlen in New Hampshire sein Name auf den Stimmzetteln fehlte und von den Wählern selbst eingetragen werden musste, erhielt Biden eine Zustimmung von rund 70 Prozent.
USA: Wirtschaft wächst und wächst und wächst
Dass eine „sanfte Landung“ der US-Wirtschaft in diesem Jahr gelingt, war verbreiteter Konsens. Doch diese Woche überraschte das BIP (Bruttoinlandsprodukt) der US-Wirtschaft deutlich nach oben. Demnach wuchs die amerikanische Wirtschaft im vierten Quartal 2023 um annualisiert 3,3 Prozent. Es zeichnet sich ab, dass eine Rezession und womöglich sogar das „Soft-Landing“ ausbleiben. Das solide Wachstum zeigt sich in allen Sektoren: Der private Konsum und auch die Exporte konnten einen positiven Wachstumsbeitrag leisten. Zudem senden auch die Einkaufsmanagerindizes die klare Botschaft eines robusten Wirtschaftswachstums sowie einer stark abnehmenden Inflation. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - stieg im Januar um 1,4 auf 52,3 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Juni 2023. Das Barometer blieb damit deutlich über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Und auch das Verbrauchervertrauen ist in der Breite so stark gestiegen wie seit 2005 nicht mehr. Damit befindet es sich auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2021.
Europa: Mehr Licht als Schatten
Im Euroraum war die Nachrichtenlage eher gemischt. In Summe verzeichneten die Einkaufsmanagerindizes für Januar einen kleinen Anstieg von 47,6 auf 47,9. Das Verarbeitende Gewerbe lieferte trotz der gestiegenen Lieferzeiten durch die Angriffe im Roten Meer einen positiven Beitrag. Denn: Die Orderkomponente liefert gute Signale und der Ausblick ist ebenfalls positiv – das Schlimmste liegt also hinter uns. Die Ergebnisse aus dem Dienstleistungssektor verschlechterten sich allerdings. Insgesamt liegt der PMI (Purchasing Manager Index) für die Eurozone weiter unter der 50-Punkte-Marke und signalisiert damit weiterhin eine rückläufige Wirtschaftsleistung. Eine Stabilisierung im Laufe des Quartals scheint aber wahrscheinlich. Innerhalb der Eurozone zeigt sich allerdings eine starke Divergenz: Besonders die Peripherieländer fallen positiv auf, die französische Wirtschaft dürfte im ersten Quartal stagnieren – in Deutschland deutet alles auf eine anhaltende Rezession hin.
Deutschland: Weiterhin negative Signale für die Wirtschaft
Diese Einschätzung wird auch durch die sich weiter eintrübende Stimmung in Deutschlands Unternehmen gestützt. Entgegen den Markterwartungen fiel der ifo-Geschäftsklimaindex im Januar auf 85,2 Punkte nach 86,3 Zählern im Vormonat. Höhere Frachtkosten und Lieferengpässe durch die Krise im Roten Meer dämpfen das Geschäftsklima der industrie- und exportabhängigen deutschen Wirtschaft zu Beginn des Jahres. Auch die Einkaufsmanagerindizes fielen im Januar erneut auf 47,1 Punkte und entfernen sich weiter von der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Hinzu kommen die fallenden Auftragseingänge und die sinkende Industrieproduktion. Die Frühindikatoren deuten in Summe darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal erneut schrumpfen dürfte.
EZB hält sich alle Optionen offen
Zahlreiche Notenbanken tagten in dieser Woche. Den Auftakt machte dabei die Bank of Japan. Die Ergebnisse der Sitzung waren wenig überraschend: Die geldpolitische Ausrichtung bleibt unverändert. In ihrem Ausblick betonte die Zentralbank die steigende Zuversicht beim Erreichen des Inflationsziels. Ganz anders ist die Situation in der Türkei. Dort hat die Notenbank mit einer Inflation in Höhe von 65 Prozent zu kämpfen. Daher hob die Notenbank erneut ihre Zinsen um 2,5 Prozentpunkte auf 45,0 Prozent an. Es ist die achte Erhöhung in Folge. Nun stellte die Notenbank ein Ende der Zinsanhebungen in Aussicht.
Der größte Fokus lag allerdings auf der EZB: Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer Sitzung diese Woche zum dritten Mal in Folge ihre Leitzinsen beibehalten. Die Abbaupläne des Anleihebestandes und das Auslaufen der letzten 3-jährigen Liquiditätsfazilitäten bis Ende des Jahres blieben ebenfalls unangetastet. Auch die Hinweise zum weiteren Zinspfad ließ sie unverändert. Für das weitere Vorgehen wären weiterhin drei Kriterien – der Inflationsausblick (ihr eigene mittelfristige Inflationsprognose), die Dynamik der unterliegenden Inflation und die Stärke der Transmission – von Bedeutung. Bevor man Zinsen senkt, will man zudem mehr Fortschritte bei Lohnwachstum, Produktivität und Gewinnmargen sehen. Weil allein die Daten entscheiden, vermied es die EZB wie gehabt, sich auf die nächsten geldpolitischen Schritte festzulegen.
Der KI-Boom an den US-Börsen geht weiter. Die großen Tech-Schwergewichte trugen dazu bei, dass die führenden US-Aktienindizes im Laufe der Woche neue Rekordhochs verzeichnen konnten. So übersprang der Dow Jones Industrial, das Börsenbarometer der Standardwerte, erstmals die Marke von 38.000 Punkten und markierte damit ein neues Allzeithoch. Auch der breit gefasste S&P-500-Index stürmte in dieser Woche auf ein frisches Allzeithoch von 4.903 Punkten, nachdem er bereits am vergangenen Freitag eine Bestmarke erklommen hatte. Besonders die Technologiebörse Nasdaq profitiert derzeit von der KI-Euphorie. Sowohl der Composite-Index als auch der Auswahlindex Nasdaq 100 erreichten neue Bestmarken. Der DAX40-Index kann allerdings nicht mit dem gleichen Tempo anziehen, wie dies derzeit an der Wall Street der Fall ist, denn dem Index fehlen die KI-Schwergewichte der US-Börsen. Unterm Strich bleibt in dieser Woche ein Plus von 1,7 Prozent für den deutschen Leitindex.
Eine erfreuliche Entwicklung zeigte sich in dieser Woche auch am chinesischen Aktienmarkt. Dieser war besonders im vergangenen Jahr deutlich von den Anlegern abgestraft worden (minus 10,5 Prozent). Die Nachrichten über ein „Rettungspaket“ für den chinesischen Aktienmarkt in Höhe von umgerechnet 278 Milliarden US-Dollar und verschiedenen Stabilisierungsmaßnahmen (u.a. Restriktionen beim Short-Selling) sorgten für Hoffnung. Positive Impulse kamen zudem auch von der chinesischen Notenbank. Um die holprige Erholung der Wirtschaft zu stützen, will die Zentralbank ab dem 5. Februar die Menge an Bargeld reduzieren, die Banken als Reserven halten müssen. Damit haben sie mehr Spielraum für Kredite. Der SSE Composite-Index konnte in dieser Woche um circa drei Prozent zulegen (Stand: Freitagmittag).
Technologie-Sektor: Künstliche Intelligenz-Trend ist ungebrochen
In dieser Woche berichteten vor allem Unternehmen aus dem Technologie-Sektor. Für besonders positive Stimmung sorgte der deutsche Softwarekonzern SAP. Der Quartalsbericht fiel sehr solide aus: Das wichtige Cloud-Wachstum konnte sich auf 27 Prozent gegenüber 25 Prozent aus dem Vorquartal beschleunigen. Wichtiger war aber der Ausblick: Europas größter Softwarehersteller kündigte einen Großumbau an, um die Geschäfte mit Künstlicher Intelligenz (KI) voranzutreiben. Von dem Vorhaben sind rund 8.000 Mitarbeiter betroffen. Der Fokus auf das Trendthema KI sorge bei den Anlegern für gute Stimmung. So konnte die Aktie ein neues Rekordhoch markieren.
Auch bei ServiceNow, einem Anbieter von Cloud Computing Plattformen, läuft alles rund. Das Unternehmen konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8,68 Milliarden US-Dollar erwirtschaften, was einem Wachstum von 25,5 Prozent entspricht. Allerdings sorgten die Zahlen für wenig Reaktion am Markt. Das dürfte daran liegen, dass die Aktie bereits in den letzten drei Monaten um fast 40 Prozent zulegen konnte. Auf der KI-Erfolgswelle surft derzeit auch Microsoft. Der US-Softwarekonzern konnte in dieser Woche als zweites Unternehmen nach Apple die Marke von drei Billionen US-Dollar Marktwert knacken. Apple liegt damit im Ranking der wertvollsten Unternehmen nur noch knapp vorne. Microsoft profitiert derzeit von seinen frühen Investitionen in den ChatGPT-Hersteller Open AI mehr als andere Tech-Konzerne vom Boom rund um das Thema Künstliche Intelligenz.
Auch der Streaming-Anbieter Netflix konnte punkten. Im vergangenen Quartal konnte der Marktführer 13,1 Millionen neue Kunden gewinnen. Analysten waren nur von 10 Millionen Neukunden ausgegangen. Dies verhalf dem US-Konzern zu einem deutlichen Anstieg des Umsatzes auf 8,8 Milliarden US-Dollar. Zudem hob Netflix seinen Margenausblick für das Gesamtjahr 2024 auf 24 Prozent an. Die Aktie konnte daraufhin um rund zehn Prozent zulegen.
Halbleiter-Sektor: Gemischte Ergebnisse
Eindeutig den Vogel abgeschossen hat in dieser Woche der niederländische Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie – ASML. Der Zulieferer der Chipindustrie konnte dank eines Nachfrage-Booms in China seinen Nettogewinn um neun Prozent auf 2,0 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 7,2 Milliarden steigern. Im Vergleich zum dritten Quartal verdreifachten sich die Auftragseingänge auf 9,2 Milliarden Euro – Analysten hatten mit 3,5 Milliarden Euro gerechnet. Durch die hohen Orders stehen dem Branchenprimus aussichtsreiche Jahre bevor. Anleger belohnten diese starken Zahlen mit einem Kursplus von rund neun Prozent.
Ganz anders gestaltet sich die Lage bei der Konkurrenz: Texas Instruments und ST Microelectronics lieferten schwache Zahlen für das abgelaufene Quartal. Texas Instruments stellt hauptsächlich Halbleiter für die Industrie und Automobilbranche her. Besonders die schwache Nachfrage im Autogeschäft bremste den Umsatz. Dieser sank im Jahresvergleich um 13 Prozent auf rund vier Milliarden US-Dollar. Der Gewinn brach sogar um 30 Prozent auf 1,37 Milliarden US-Dollar ein und auch der schwache Ausblick für das erste Quartal 2024 enttäuschte die Anleger. Die Aktie gab in Folge 2,4 Prozent ab. ST Microelectronics, ein Halbleiterhersteller aus Europa, berichtete einen Umsatzrückgang von 16 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und auch die Bruttomarge war schlechter als erwartet. Auch bei STM zählt die Automobilindustrie zur größten Kundschaft. Es zeigt sich: Ein einheitliches Bild im Halbleiter-Sektor gibt es derzeit nicht. Unternehmen mit Verbindungen zum Auto-Sektor haben es dieser Tage schwer – Unternehmen, die vom KI-Boom profitieren, gehen durch die Decke.
Tesla enttäuscht massiv
Der amerikanische Autobauer enttäuschte mit seinen Zahlen für das vierte Quartal 2023. Der Umsatz betrug rund 25,2 Milliarden US-Dollar, was zwar einem Plus von drei Prozent im Vorjahresvergleich entspricht, allerdings bleibt Tesla damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück, welche mit einem Umsatz von 25,9 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten. Auch der Betriebsgewinn (vor Steuern und Abgaben) enttäuschte mit 2,1 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis brach damit im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent ein. Die operative Marge schrumpfte auf 8,2 Prozent. Was aber vor allem die Anleger enttäuschte, war der vage Ausblick für das angelaufene Jahr. Darin erklärt der Autobauer, dass das Auslieferungswachstum niedriger ausfallen könnte als zuletzt. Begründet wird dies mit der zunehmenden Konkurrenz aus Fernost. So musste der US-Konzern im vierten Quartal seinen Platz als führender Hersteller von Elektrofahrzeugen nach Verkaufszahlen an BYD aus China abgeben. Der Aktienkurs gab nach der Veröffentlichung der Zahlen um sieben Prozent nach.
Auch wenn der Monat noch nicht ganz beendet ist, steht schon jetzt fest, dass es in puncto Neuemissionen für einen neuen Rekordstand reichen wird. Noch nie war die Flut an neuen Papieren in einem Januar in Europa so groß gewesen. Der bisherige Rekord aus dem Vorjahr mit 292,7 Milliarden Euro wurde bereits am 23. Januar überschritten. Zu den großen Emittenten zählten Italien und Spanien. Aber auch die Europäische Union beschaffte sich neue Mittel. In den letzten Wochen nahm die Neuemissionstätigkeit allerdings schon recht deutlich ab. Viele Emittenten dürften ihre Mittelbeschaffung nach dem starken Renditerückgang in den Schlusswochen des vergangenen Jahres nach vorn gezogen haben. Dafür sprechen die anhaltende Unsicherheit über das Ausmaß der Leitzinssenkungen und die Geopolitik. Mit den nun wieder höheren Anleiherenditen wurde die Ausgabe neuer Papiere offenbar weniger attraktiver. Die Nachfrage ist aber weiterhin hoch und so nutzen in den vergangenen Tagen verstärkt Firmen aus dem High Yield-Bereich das anhaltende Interesse. Bei Covered Bonds war zudem zu beobachten, dass die Emittenten nun kaum noch bereit sind, nennenswerte Neuemissionsprämien zu zahlen. Wer kann es ihnen verdenken, wenn sich die Papiere dank der hohen Nachfrage auch so platzieren lassen.
Kreditnachfrage im Euroraum verbessert sich wieder
Im Euroraum war die Renditenentwicklung in dieser Woche zunächst weiter aufwärtsgerichtet. Als stützend erwiesen sich dabei die besseren Umfragewerte unter den Einkaufsmanagern und der einen Tag zuvor veröffentlichte Bank Lending Survey. Hierbei werden die Banken im Euroraum hinsichtlich ihrer aktuellen Kreditkonditionen und -nachfrage befragt. In den letzten Monaten fiel das Ergebnis zumeist schwach aus. Die Erwartung immer höherer Leitzinsen sorgte für steigende Kreditzinsen und somit auch gleichzeitig für eine rückläufige Nachfrage. Die Sicherheit darüber, dass der Zinsgipfel nun erreicht ist, der Ausblick auf bald wieder niedrigere Leitzinsen und die in Summe fallenden Kapitalmarktrenditen über die letzten drei Monate haben nun zu einer spürbaren Verbesserung geführt. Die Kreditnachfrage ist zwar noch immer rückläufig, aber deutlich weniger als in den Monaten zuvor, was auch daran liegt, dass die Kreditkosten wieder gefallen sind. Viele Banken blicken jetzt optimistischer in die Zukunft. Das ist deshalb so interessant, weil eine hohe Korrelation zwischen der Kreditvergabe und der tatsächlichen Wirtschaftskraft besteht. Somit deutet die Umfrage auf eine konjunkturelle Belebung in der zweiten Jahreshälfte hin – passend zu unserem Konjunkturausblick. Ebenso wie bei den Einkaufmanagerindizes fiel auf, dass die Peripherieländer etwas besser abschnitten.
Marktteilnehmer preisen wieder frühere Leitzinssenkungen ein
Für die Europäische Zentralbank bedeuten wieder lockere Kreditkonditionen hingegen, dass die Leitzinsen länger auf dem aktuellen Niveau bleiben dürften, weil die Geldpolitik damit weniger restriktiv wirkt. Dementsprechend stieg die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bis zur Wochenmitte auf 2,37 Prozent. Mit der EZB-Sitzung drehte sich die Stimmung der Marktteilnehmer jedoch deutlich. Grundlage hierfür waren diesmal nicht die Worte, die EZB-Chefin Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz verlor, sondern jede, die sie nicht in den Mund nahm. So gab es keinen konkreten Hinweis auf eine Leitzinssenkung im Juni. Vielmehr wiederholte Lagarde, dass es noch zu früh sei, einen Zinsschritt ins Auge zu fassen und man vielmehr datenabhängig agieren wolle. Da jedoch zuletzt einige Konjunkturdaten besser als erwartet ausfielen, halten es nun einige Marktteilnehmer für möglich, dass die EZB schon früher die Leitzinsen senken könnte. Dementsprechend kam es nicht nur zu fallenden Renditen, auch die Leitzinserwartungen haben sich wieder verschoben. Per Freitagmittag wird eine erste Zinssenkung im April mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent eingepreist. Zu Wochenbeginn waren es noch 65 Prozent. Zweijährige Bundesanleihen rentierten per Freitagmittag bei 2,61 Prozent, 13 Basispunkte niedriger als noch zum Vorwochenschluss.
Europäische Unternehmensanleihen profitierten ebenfalls vom rückläufigen Renditetrend. Da zuletzt die Neuemissionstätigkeit etwas abebbte, konzentrierte sich die weiterhin hohe Nachfrage wieder stärker auf den Sekundärmarkt. Dementsprechend führten rückläufige Risikoaufschläge zu einem zusätzlichen Kursplus.
In den USA beendeten Staatsanleihen die Woche weitgehend unverändert. Zur Wochenmitte zogen die Renditen etwas an, in der zweiten Wochenhälfte konnten die Verluste aber ebenfalls wieder aufgeholt werden. Per Freitagmittag lag die Rendite für zehnjährige US-Schatzanweisungen bei 4,10 Prozent und damit zwei Basispunkte tiefer als noch vergangenen Freitag.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte am Dienstag den deutschen BIP-Zahlen für das vierte Quartal 2023 zuteilwerden. Nach den ernüchternden Konjunkturdaten in dieser Woche rechnen die Marktteilnehmer erneut mit einer schrumpfenden deutschen Wirtschaft (-0,1 Prozent). Weiteren Aufschluss über die heimische Wirtschaft sollten dann am Mittwoch die Einzelhandelsumsätze und der Verbraucherpreisindex liefern. Des Weiteren steht am Donnerstag der Zinsentscheid der Bank of England an. Am Markt rechnet man zwar damit, dass der Leitzins bei 5,25 Prozent belassen wird. Zugleich hofft man aber auf Hinweise darauf, wann die ersten Zinssenkungen anstehen. Aufschluss darüber sollte der aktuelle Inflationsbericht der Notenbank geben, der zeitgleich vorgelegt wird.
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