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39. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 25. bis 29. September 2023
In den letzten Monaten war die zentrale Frage stets: Wann sind die Notenbanken am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angelangt? Mitte des Monats erhielten Anleger hierüber Gewissheit, denn nach der US-Notenbank Fed deuteten auch die Europäische Zentralbank und die Bank of England an, den Zinsgipfel erreicht zu haben. Nun richtete sich die Aufmerksamkeit daher auf die Frage, wann die Leitzinsen wieder sinken könnten. Dabei dürfte sich in der abgelaufenen Handelswoche nun vielfach die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass die Währungshüter ihren Worten wohl Taten folgen lassen werden und vorerst nicht gewillt sind, die Leitzinsen so schnell wieder abzusenken. Dies führte sowohl am Aktien- wie auch am Rentenmarkt zwischenzeitlich zu großen Kursverlusten.
Inflation weiter rückläufig
Der Inflationsdruck im Euroraum hat im September weiter nachgelassen. Gegenüber dem Vorjahr fiel die Teuerungsrate auf 4,3 Prozent zurück. Auch die wichtige Kernrate ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ging von 5,3 auf 4,5 Prozent zurück. Damit ebbte der Inflationsdruck sogar stärker ab als im Vorfeld von Analysten erwartet. Lebensmittel waren noch immer deutlich teuer als im Vorjahr. Vielen Markenherstellern ist es in den vergangenen Monaten gelungen, deutlich höhere Preise für ihre Produkte zu verlangen.
Auch in Deutschland nahm der Inflationsdruck weiter ab. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex ist nach ersten Schätzungen ebenfalls um 4,3 Prozent gefallen. Grund hierfür waren unter anderem auch Basiseffekte aus der Einführung des 9-Euro-Tickets. Zumindest in Deutschland, wo der Wettbewerb innerhalb der Lebensmittelbranche sehr groß ist, forderten erste Händler nun auch Preisanpassungen nach unten, wenn wichtige Vorprodukte billiger werden. Messlatte hierfür sind die Produzentenpreise. Diese waren in Deutschland zuletzt um 12,6 Prozent zurückgegangen, so stark wie noch nie seit Aufzeichnung der Zeitreihe.
Haushaltsstreit in den USA sorgt für Verunsicherung am Markt
In den USA tobt, mal wieder möchte man sagen, ein Haushaltsstreit. Für die Kapitalmärkte ist dies nicht Ungewöhnliches, doch je näher der Termin für eine Einigung rückt, desto nervöser werden die Marktteilnehmer dann doch immer. Bis zum 30 September muss eine Einigung erfolgen, andernfalls droht eine Haushaltssperre und damit die Schließung zahlreicher öffentlicher Einrichtungen wie Museen und Parks, sowie der Zwangsurlaub von hunderttausenden Staatsbediensteten. Zur Wochenmitte hatten deshalb die gemäßigten Republikaner und Demokraten im Senat einen Kompromiss aushandeln können. Diese Übergangslösung würde zumindest bis Mitte November die Finanzierung der Bundesbehörden sicherstellen. Doch eine Zustimmung im mehrheitlich von Republikanern dominierten Repräsentantenhaus ist fraglich, auch weil deren Vorsitzender Kevin McCarthy den rechten Flügel seiner Partei nicht zu sehr verärgern darf. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass es kurzfristig zu einem „Shutdown“ kommen kann, dieser aber nicht von langer Dauer sein dürfte. Kurzfristig bleibt davon jedoch die Stimmung am Kapitalmarkt belastet.
Aktienanleger hatten in dieser Woche eine schwere Kost zu verdauen, bestehend aus schwachen Konjunkturdaten und steigenden Renditen. Im Umfeld einer allgemein abnehmenden Risikobereitschaft gingen die großen Indizes auf Talfahrt. Als belastend erwies sich auch hier, dass die Leitzinsen wohl länger als bislang angenommen auf dem aktuell höheren Stand verharren könnten und so womöglich eine schwere Bürde für die weitere konjunkturelle Entwicklung darstellen. Der DAX-Index fiel bis auf 15.138 Zähler zurück, den tiefsten Stand seit den Sorgen um den Bankensektor im März. Erst mit den schwächeren Inflationsdaten am Donnerstag setzte eine Kehrtwende ein. Der nachlassende Inflationsdruck ließ Hoffnungen aufkommen, dass die Notenbanker womöglich doch schon früher die Leitzinsen wieder senken könnten.
Auch die US-Indizes gingen bis Donnerstag auf Talfahrt. Der marktbreite S&P 500-Index liegt seit Jahresbeginn zwar noch zwölf Prozent im Plus. Der Eindruck täuscht aber, denn der Zuwachs ist lediglich einigen wenigen Werten zu verdanken und steht nicht auf besonders breiten Füßen. Schaut man sich den Index in einer anderen Berechnungsmethodik an, nämlich dann, wenn alle Werte gleichgewichtet sind, fällt das Fazit ernüchternd aus. Hier weist der Index seit Jahresbeginn lediglich einen Zuwachs von 0,6 Prozent auf.
Durch die Erholung am späten Donnerstag und der Fortsetzung am heutigen Freitag fällt das Wochenminus jedoch gering aus. Wichtige US-Indizes gaben rund ein Prozent nach, der STOXX Europe 600 handelt sogar weitgehen unverändert. Größere Verluste gab es hingegen bei Titel aus den Schwellenländern mit Einbußen zwischen zwei und drei Prozent, je nach Region.
September wird seinem schlechten Ruf gerecht
Heute endet der September, zum Glück, scheint man einige Anleger rufen zu hören. Der September genießt schließlich den Ruf, der schlechteste Börsenmonat im Jahr zu sein. Zumindest diesmal fand diese Meinung erneut Bestätigung. Seit Ende August verlor der MSCI World-Index 3,7 Prozent. Auffallend ist, dass sich die europäischen Indizes etwas besser hielten. Während der STOXX Europe 600 nur 2,1 Prozent nachgab, ging es für den S&P 500-Index 4,6 Prozent abwärts. Hierbei dürften vor allem die steigenden Renditen die Wachstumswerte belastet haben. Abzulesen ist das an einem Kursverlust von knapp sechs Prozent im technologielastigen Nasdaq-Index.
In dieser Woche kam es vor allem bei langlaufenden Bundesanleihen zu deutlichen Kursverlusten. Nachdem die Renditen schon in der vergangenen Woche leicht gestiegen waren, nahm die Dynamik nun weiter zu. Am Donnerstag schienen die Anleger förmlich zu kapitulieren: Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte zwischenzeitlich auf bis zu 2,98 Prozent. Dabei fanden die rückläufigen Inflationsdaten aus Deutschland überhaupt keine Beachtung. Der Ausverkauf fand zudem bei hohem Volumen auf der Derivate-Seite statt. Anscheinend fällt es Anlegern derzeit schwer, gute Argumente für ein Investment in längere Laufzeiten zu finden.
Der Renditeanstieg der letzten beiden Wochen lässt sich kaum mit fundamentalen Daten erklären, da diese in Summe eher schwächer ausfielen. Offenbar müssen sich die Aussichten für das Wachstum wohl erst noch weiter eintrüben und die Inflation noch deutlicher zurückgehen, bevor Anleger wieder das lange Ende der Zinsstrukturkurve für sich entdecken. Bis dato scheinen kurzfristige Anlagen weiter von besonderem Interesse zu sein, denn hier winken höhere Renditen bei geringen Zinsänderungsrisiken. Wenn jedoch der Punkt kommt, an dem die Notenbanken ihren Kurs ändern und die Leitzinsen wieder senken wollen, dürften Anleger sich das aktuelle Zinsniveau für längere Zeit sichern wollen und dementsprechend auch wieder länger laufende Anleihen erwerben. Zweijährige Bundesanleihen rentierten in dieser Woche weitgehend seitwärts. Damit wurde die Zinsstrukturkurve deutlich weniger invers. Inzwischen beträgt der Renditeunterschied nur noch knapp 38 Basispunkte.
In den USA war ein ähnliches Bild zu beobachten. Auch hier stiegen die Renditen weiter an und erst am Freitag kam es zu einer Gegenbewegung. Zehnjährige US-Schatzanweisungen handelten bei mehr als 4,5 Prozent, dem höchsten Niveau seit der Finanzkrise im Jahr 2007. Auch dort wurde die Zinskurve weniger invers. Betrug die Zinsdifferenz Anfang Juli knapp 110 Basispunkte, so waren es Freitagmittag lediglich noch 49 Basispunkte.
Hohes Zinsniveau und Haushaltspläne belasten Italien
Die allgemein steigenden Renditen stellten in dieser Woche eine besondere Belastung für Anleihen aus den Peripherieländern dar. In Italien rückte die Fünf-Prozent-Marke für zehnjährige Papiere wieder in greifbare Nähe. In der Vergangenheit war dies stets der Punkt, an dem Sorgen bezüglich der Schuldentragfähigkeit des Landes aufkamen. Der Risikoaufschlag zu Bundesanleihen bewegte sich dabei auf die wichtige Marke von 200 Basispunkte zu. Ein Niveau, das auch schon des Öfteren kritisch beäugt wurde. Die rechtspopulistische Regierung unter Ministerpräsidentin Meloni trat lange Zeit sehr moderat auf, verunsicherte aber den Kapitalmarkt bereits im August mit der Einführung einer Übergewinnsteuer für Banken. Seitdem stiegen die Risikoaufschläge stetig an. Nun sorgen die italienischen Haushaltsplanungen für Verstimmung bei den Anlegern. Sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr wird die Neuverschuldung höher als erwartet ausfallen. Jüngsten Schätzungen nach könnte die Neuverschuldung in diesem Jahr um mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Gut möglich, dass diese Prognosen sogar noch zu optimistisch ist. Gleichzeitig trüben sich die konjunkturellen Aussichten weiter ein. Noch ist der EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt ausgesetzt, doch die EU-Kommission könnte der Regierung in Rom perspektivisch Sparmaßnahmen aufzwingen. Die Beziehungen zwischen Rom und Brüssel dürften dann wohl als weniger harmonisch beschrieben werden. Gleichzeitig überlegt die Europäische Zentralbank die Reinvestitionen aus dem PEPP-Ankaufprogramm schon früher zu beenden. Dann würde ein wichtiger Käufer für italienische Staatspapiere am Markt wegfallen.
Risikoaversion führt auch bei EM-Anleihen zu Mittelabflüssen
Die allgemein hohe Risikoaversion am Markt, steigende Renditen und ein fester US-Dollar sind mindestens ein Grund zu viel, der in diesen Tagen gegen eine Anlage in Anleihen aus den Schwellenländern spricht. Dementsprechend kam es in den vergangenen Tagen zu einigen Mittelabflüssen. In diesem Zusammenhang stiegen die Risikoaufschläge auf 438 Basispunkte. Das sind zwar deutlich mehr also noch im Juni, als man kurzzeitig bei weniger als 400 Zählern lag, aber immer noch weniger als zu Jahresbeginn.
In der kommenden Woche steht die „Golden Week“ in China an. Beginnend mit dem 1. Oktober soll die Feiertagswoche Verwandtschaftsbesuche auch über weite Strecken ermöglichen, so wie das auch beim Chinesischen Neujahrsfest der Fall ist. Darüber hinaus stehen auch in anderen Ländern Feiertage an, so etwa in Deutschland. Dementsprechend ist mit einem geringeren Handelsvolumen zu rechnen.
Konjunkturseitig richtet sich das Hauptaugenmerk der Marktteilnehmer am Freitag auf den US-Arbeitsmarktbericht. Hier wird mit einem geringeren Stellenaufbau als im Vormonat gerechnet. Die aktuellen Prognosen würden das Bild eines sich langsam abkühlenden, aber nicht wegbrechenden Arbeitsmarkts bestätigen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 29. September 2023, soweit nicht anders angegeben.
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