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38. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 18. bis 22. September 2023
Nachdem die Europäische Zentralbank bereits in der vergangenen Woche tagte, folgten in dieser Woche etliche Sitzungen weiterer Notenbanken. Auch wenn weitere Währungshüter andeuteten, dass man das Ende des Zinserhöhungszyklus bereits erreicht habe oder sich unmittelbar davor befinde, blieb die große Euphorie an den Finanzmärkten aus. Die Botschaft, dass der Leitzins länger auf höherem Niveau bleiben dürfte, wurde vielmehr mit großer Enttäuschung aufgenommen und führte zu umfangreichen Kursverlusten sowohl am Aktien- wie auch am Rentenmarkt.
US-Notenbank Fed erteilt schnellen Zinssenkungen eine Absage
Wie erwartet hat die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am Mittwoch den Leitzins unverändert belassen. Darüber hinaus dürfte auch niemanden überrascht haben, dass Fed-Chef Powell seine Entscheidung mit der Bereitschaft zu grundsätzlich weiteren möglichen Zinsschritten verknüpfte. Damit auch die Inflationserwartungen der Anleger zurückkommen, ist es üblich, weitere Handlungsbereitschaft zu signalisieren. Powell beschrieb den Zustand der US-Wirtschaft als solide und trug damit den immer noch überraschend starken US-Konjunkturdaten Rechnung. Seit Juni entwickelt sich die Wirtschaft dynamischer als von der Fed erwartet. Passend dazu veröffentlichte die Fed auch ihre neuen Makro-Prognosen. Dabei wurden die Erwartungen an das Wachstum im Schlussquartal 2023 recht deutlich von plus 1,0 Prozent auf plus 2,1 Prozent angehoben. Gleichzeitig rechnen die Mitglieder des geldpolitisch entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) mit einer deutlich geringeren Arbeitslosenquote – und das über den gesamten Prognosezeitraum hinweg. Alles in allem erwecken diese Makro-Projektionen den Eindruck, dass ein „soft landing“ der US-Wirtschaft nunmehr das Basisszenario der Fed ist, auch wenn Powell auf der Pressekonferenz dies auf Nachfrage so nicht bestätigen wollte.
Der positive Blick der Währungshüter sorgte dann auch für eine Überraschung bei den „Dot Plots“, der Leitzinserwartungen der einzelnen Notenbankmitglieder. Demnach hält zwar der Median Zinssenkungen im kommenden für möglich, allerdings in wesentlich geringem Maße als von den Marktteilnehmern erwartet. Ende nächsten Jahres wird ein Leitzinsniveau von 5,1 Prozent (nach 4,6) gesehen und für Ende 2025 von 3,9 Prozent (nach 3,4). Damit scheint klar zu sein, dass die Fed die Leitzinsen nicht so schnell wieder senken wird, was sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte mit großer Enttäuschung und dementsprechend mit Kursverlusten aufnahmen.
Bank of England erreicht wohl Ende des Zinserhöhungszyklus
Am Donnerstag folgte die Bank of England. Entgegen den Erwartungen der meisten Analysten blieb der Leitzins unverändert. Innerhalb des Monetary Policy Committees fiel die Entscheidung äußerst knapp aus: Während sich fünf Mitglieder gegen einen Zinsschritt aussprachen, plädierten vier für eine weitere Anhebung. Noch bis zur letzten Woche wurden noch mehrere weitere Zinsschritte für möglich gehalten. Zwar spricht das nachlassende Wachstum gegen weitere Erhöhungen, doch das hohe Lohnwachstum und die weiteren Preissteigerungen ließen zusätzliche Anhebungen notwendig erscheinen. Am Mittwoch aber überraschten die jüngsten britischen Inflationsdaten nach unten. Die Kernrate fiel mit einem Anstieg um 6,2 Prozent wesentlich geringer aus, erwartet worden war ein Anstieg um 6,9 Prozent. Die Notenbanker begründeten ihr Stillhalten damit, dass die Geldpolitik bereits einen dämpfenden Effekt auf den Arbeitsmarkt und die konjunkturelle Entwicklung haben würde. Es scheint daher möglich, dass die Bank of England ihren Zielzins im aktuellen Erhöhungszyklus bereits erreicht hat. Ähnlich wie bei der US-Notenbank Fed ist aber nicht so schnell mit Zinssenkungen zu rechnen.
Bank of Japan zeigt sich weiter abwartend
Am Freitagmorgen beendete dann die Bank of Japan (BoJ) den Reigen der großen Notenbanken. Nachdem die japanische Zentralbank auf ihrer Juli-Sitzung den ersten Schritt aus der ultraexpansiven Geldpolitik gegangen ist, nahm sie nun keine Änderungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vor. Der Leitzins verharrt bei minus 0,1 Prozent und im Rahmen der Yield Curve Control bleibt das tolerierte Renditeband für 10-jährige Staatsanleihen bestehen. Des Weiteren hält die BoJ ihre volkswirtschaftliche Einschätzung bei: Die konjunkturelle Entwicklung und der Fortgang der Inflation seien von extremer Unsicherheit gekennzeichnet. Auch beim Lohn- und Preissetzungsverhalten der Unternehmen bestünden Unsicherheiten. Dieses verhaltene Konjunkturbild führt unsere Volkswirte zur Einschätzung, dass die Bank of Japan noch weitere Datenpunkte abwarten wird, um beurteilen zu können, wie nachhaltig der unterliegende Inflationsdruck tatsächlich ist. Das bedeutet auch, dass sich die BoJ Zeit lassen wird, bevor sie den nächsten Anpassungsschritt aus der ultraexpansiven Geldpolitik heraus geht. Konkret gehen wir nicht vor Frühjahr 2024 von einer weiteren Änderung der geldpolitischen Ausrichtung aus. Zu diesem Zeitpunkt sollten erste Indikationen hinsichtlich der Frühjahrslohnverhandlungen vorliegen.
Diesel verteuert sich deutlich
Öl der Sorte Brent handelte Mitte der Woche kurzfristig oberhalb der Marke von 95 US-Dollar pro Barrel und setzte damit seinen seit einigen Wochen bestehenden Aufwärtstrend fort. Der Preisanstieg ist weniger nachfrageinduziert, sondern vielmehr dem begrenzten Angebot geschuldet. Noch deutlich stärker stiegen jedoch die Preise für Diesel, was sich in diesen Tagen auch wieder an den Tankstellen bemerkbar machte. Grund hierfür ist eine sehr angespannte Angebotslage am Gasölmarkt. Einer robusten Nachfrage steht keine Ausweitung des Angebots gegenüber. Dies ist wetterbedingten Einschränken und Wartungsarbeiten geschuldet. So gab es in Italien Probleme mit der Kühlung der Destillate und in den USA waren zwei großen Anlagen für Reparaturen außer Betrieb. Darüber hinaus schränkte Russland seine Exporte ein. Das dortige schwere und mittelschwere saure Rohöl eignet sich besonders gut für die Herstellung von Diesel. Hinzu kommt eine hohe Nachfrage nach Kerosin. Der Reiseboom ist ungebrochen. Hier sehen wir weiterhin Nachholeffekte nach der Pandemie. In den letzten Wochen ist daher die Marge für die Raffinerien so stark gestiegen wie bei keinem anderen Ölprodukt, was aber auch dazu führt, dass weniger Diesel hergestellt wird.
Höhere Energiepreise könnten dazu führen, dass sich der Rückgang der Inflation verlangsamt oder sogar wieder umkehrt. Offen bleibt, ob dieser dann auftretenden Teuerungsdruck als besonders nachteilig interpretiert und von den Notenbanken bekämpft werden müsste. Denn zeitgleich dürften die hohen Energiepreise schließlich auch das Wachstum dämpfen. Wir erwarten, dass der Ölpreisanstieg nicht von Dauer sein wird, und erwarten derzeit keine großen Auswirkungen auf die Geldpolitik.
Die Aktienmärkte reagierten verschnupft auf die Aussagen von Fed-Chef Powell. Viele Anleger waren bislang davon ausgegangen, dass die US-Notenbank im kommenden Jahr gleich mehrere Zinssenkungen durchführen würde. Dies hätte sich stützend auf Aktien ausgewirkt, doch die jüngsten Projektionen der Fed-Mitglieder sehen bestenfalls in einem Jahr den Beginn eines möglichen Zinssenkungspfad gegeben. Marktteilnehmer preisten daher die Zinssenkungen, die sie zuvor erwartet hatten, wieder aus. Dies belastete Risikoanlagen wie Aktien. In den USA verzeichnete der S&P 500-Index am Donnerstag den größten Tagesverlust seit März. Im Wochenvergleich büßte das US-Börsenbarometer 2,7 Prozent ein. Noch größere Verluste fuhr der technologielastige Nasdaq-Index ein. Die Aussicht auf weiter hohe Leitzinsen belastete Wachstumswerte besonders stark. So kam es gerade bei den Schwergewichten wie Amazon und Nvidia zu Gewinnmitnahmen.
Der breit gefasste MSCI World-Index gab um 2,5 Prozent nach. Auf Wochensicht verlor auch der DAX-Index per Freitagmittag 2,2 Prozent an Wert. Dagegen hielt sich der STOXX Europe 600 mit einem Rückgang von 1,7 Prozent etwas besser. Schaut man sich hier die Entwicklung der einzelnen Branchen an, dann beendet lediglich der Bankensektor die Handelswoche mit einem Plus. Viele Kreditinstitute profitieren derzeit von steigenden Zinsmargen. Länger anhaltende Hochzinsphasen könnten auch weiterhin für stabile Erträge sorgen. Die Verliererliste wurde vom Reisesektor angeführt. Hier dürfte es nach einer guten Wertentwicklung in den letzten Monaten zu Gewinnmitnahmen gekommen sein. Darüber hinaus büßten Werte aus der Industrie etwas stärker ein.
Einige Einzelwerte punkteten auch mit positiven Nachrichten
Rückenwind erhielten zwischenzeitlich Titel, die ihre Quartalszahlen präsentierten. So konnte etwa das Logistikunternehmen FedEx zulegen. Obwohl die Umsätze konjunkturbedingt zurückgingen, erhöhten sich dankeines Kostensenkungs- und Effizienzprogramms der letzten Monate die Margen, und dies stärker als erwartet. Darüber hinaus kam mit Instacart ein weiteres Unternehmen an die Börse. Der Online-Anbieter für Liefer- und Abholservices für Lebensmittel wurde am Montag an der US-Börse Nasdaq für 30 US-Dollar pro Aktie gelistet. Ein sehr erfolgreicher Börsengang, denn am Dienstag legte die Notierung um zwölf Prozent zu. Zum Ende ebbte die anfängliche Euphorie aber wieder und die Aktie fiel zurück auf den Ausgabepreis.
Der Netzwerk-Spezialist Cisco plant die Übernahme des Softwarespezialisten Splunk und will damit zu einem der größten Software-Unternehmen weltweit aufsteigen. Das Vorhaben lässt sich Cisco voraussichtlich 28 Milliarden US-Dollar kosten. Viele Anleger halten das für einen stolzen Betrag. Die Cisco-Aktie fiel daher nach der Veröffentlichung der Nachrichten um fast fünf Prozent. Splunk hingegen profitierte deutlich und legte um 21 Prozent zu.
Die Notenbankentscheidung der Fed sorgte auch am Rentenmarkt für Unbehagen. Vor allem am langen Ende kam es zu einem deutlichen Renditeanstieg. Zehnjährige US-Schatzanweisungen handelten bei mehr als 4,5 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2007. Auch die Rendite von Bundesanleihen strebte weiter aufwärts und durchbrach wichtige Marken. Mit mehr als 2,7 Prozent erreichten die Papiere das höchste Niveau seit 2011. Kurzlaufende Anleihen waren hiervon weniger betroffen, sodass die Zinsstrukturkurven deutlich weniger invers wurden. In Deutschland beträgt die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen nur noch rund 50 Basispunkte. In den USA sind es jetzt noch etwa 64 Basispunkte. Zum Vergleich: Anfang Juli waren es dort noch fast 110 Basispunkte.
Bank of England erhöht den Bilanzabbau und sorgt so für weiteres Angebot
Im Rahmen ihrer Sitzung beschloss die Bank of England einstimmig eine Ausweitung des Bilanzabbaus. In den nächsten zwölf Monaten sollen Staatsanleihen in einem Gesamtwert von 100 Milliarden Pfund abgebaut werden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Erhöhung des Abbauvolumens von 20 Milliarden Pfund. Mit den Plänen der Bank of England steigt das Angebot am langen Ende, was zusätzlich auf den Renditen lastete. In diesem Zusammenhang wurde Anlegern auch klar, dass auch die EZB noch reichlich Bestände abbauen muss. Schwächere Konjunkturdaten sollten zwar perspektivisch das lange Ende stützen, doch die Ausweitung des Angebots darf nicht unterschätzt werden. Vor allem auch deshalb, weil die Nachfrage nach langen Papieren vergleichsweise gering ist. Viele Anleger greifen lieber bei Kurzläufern zu. Hier locken höhere Renditen bei zugleich geringeren Zinsänderungsrisiken.
Interesse an Unternehmensanleihen ist ungebrochen hoch
Der Markt für Unternehmensanleihen zeigt sich hingegen weiterhin gut unterstützt. Die Nachfrage nach Papieren war zuletzt so hoch wie vor zwei Jahren. Damals war allerdings noch die Europäische Zentralbank als zusätzlicher Käufer am Markt aktiv. In dieser Woche nahm die Neuemissionstätigkeit etwas ab, was den Sekundärmarkthandel zusätzlich stützte.
In der kommenden Woche wird sich die Aufmerksamkeit der Marktakteure wieder auf die Fundamentaldaten richten. Gleich zu Wochenbeginn wird der ifo-Index veröffentlicht. Die befragten Unternehmen dürften die aktuelle Lage wohl erneut schlechter einschätzen. Im weiteren Wochenverlauf werden dann die Inflationsdaten wichtig. Am Donnerstag werden zunächst die Zahlen auf nationaler Ebene, so auch aus Deutschland, präsentiert. Kurz vor dem Wochenende folgt dann noch der Wert für den gesamten Euroraum. Hier ist trotz der wieder gestiegenen Energiepreise mit einer weiteren Entspannung zu rechnen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 22. September 2023, soweit nicht anders angegeben.
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