Source: https://www.union-investment.de/unsere-services/news-abonnements/marktticker/marktrueckblick-kw37-2023
[...]
Startseite Abonnements Marktrückblick und -ausblick Marktrückblick und -ausblick 37. Kalenderwoche
37. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 11. bis 15. September 2023
In der Berichtswoche stand die Europäische Zentralbank (EZB) im Blickpunkt der Anleger. Hinsichtlich der Zinspolitik bestand im Vorfeld eine große Unsicherheit. Letztlich erhöhte die EZB zum zehnten Mal in Folge die Leitzinsen. Damit dürfte nunmehr der aktuelle Zinserhöhungszyklus beendet sein. An den Aktienbörsen setzte nach abwartender Haltung zum Wochenschluss eine Erholung ein, die Märkte tendierten ins Plus. Staatsanleihen aus dem Euroraum und aus den USA hatte hingegen leichte Einbußen zu verzeichnen.
EZB-Einlagenzins auf Rekordhöhe – das war‘s
Die EZB hat in ihrer Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte erhöht. Mit der zehnten Erhöhung in Folge erreicht der Einlagensatz mit 4,0 Prozent ein historisches Niveau. Im Vorfeld der Sitzung waren zunächst zahlreiche Marktteilnehmer skeptisch, ob die EZB angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten und der Uneinigkeit im EZB-Rat eine weitere Erhöhung vornehmen würde. Ein kurz vor der Sitzung lancierter Bericht über eine Anhebung der EZB-Inflationserwartungen für 2024 durch deren Volkswirte auf über drei Prozent ließ die Anzahl derer, die mit einer Erhöhung rechnen, dann in die Höhe schnellen. So wurden denn auch die Inflationsprognosen der EZB für 2023 von 5,4 auf 5,6 und für 2024 von 3,0 auf 3,2 Prozent erhöht. Für 2025 fand etwas optimistischer eine Abwärtsrevision von 2,2 auf 2,1 Prozent und damit eine Annäherung an den Zielwert von 2,0 Prozent statt. Darüber hinaus fielen die Konjunkturprognosen der Zentralbank für 2023 bis 2025 etwas pessimistischer aus.
Die Aufmerksamkeit der Finanzmarktteilnehmer galt neben dem eigentlichen Zinsschritt den Hinweisen auf den weiteren geldpolitischen Pfad der EZB. Wenig überraschend vermied die EZB, sich auf den künftigen geldpolitischen Pfad festzulegen. Die Daten werden auch künftig die nächsten Schritte der EZB stark beeinflussen.
Gleichzeitig deutete die EZB aber so klar wie nur eben möglich in den weiterhin unsicheren Zeiten an, dass der Zinsschritt vom Donnerstag der letzte in diesem Zyklus gewesen ist . In der offiziellen Pressemitteilung ihrer geldpolitischen Entscheidungen findet sich ein Satz, den EZB-Präsidentin Lagarde während der Pressekonferenz häufig wiederholte: „Auf der Grundlage seiner derzeitigen Einschätzung ist der EZB-Rat der Ansicht, dass die Leitzinsen der EZB ein Niveau erreicht haben, das, wenn es für einen ausreichend langen Zeitraum beibehalten wird, einen wesentlichen Beitrag zur rechtzeitigen Rückkehr der Inflation zum Zielwert leisten wird".
Die Überraschung über den Zinsschritt hielt sich am Markt in Grenzen. Wir hatten mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte gerechnet und sind nach der Entscheidung der EZB und dem Auftritt von Frau Lagarde in der Pressekonferenz noch überzeugter als zuvor, dass die EZB nunmehr das Ende ihres Zinserhöhungszyklus erreicht hat.
US-Verbraucherpreise im August leicht über Erwartung
Die mit Spannung von den Anlegern erwarteten US-Inflationsdaten für August lagen leicht über den Erwartungen. Der breite Index steig im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent an. Gegenüber dem Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 3,7 Prozent (nach 3,2 Prozent im Juli). Hier machten sich vor allem erhöhte Energiepreise, die um 5,6 Prozent zulegten, bemerkbar. Die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate lag im Monatsvergleich mit 0,3 ebenfalls leicht höher als erwartet. Allerdings ließ dort die Aufwärtsdynamik mit einem Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (plus 4,7 Prozent) weiter nach. Der Höhepunkt der US-Inflation sollte mit dem fortgesetzten Abflauen der Kernrate hinter uns liegen. Wir halten an unserer Einschätzung bezüglich der US-Notenbank Fed fest und gehen davon aus, dass der Zinsgipfel in den USA nunmehr mit der aktuellen Fed Funds Rate von 5,25 bis 5,50 Prozent erreicht ist und die Fed die Zinsen auf ihrer kommenden Sitzung nicht erhöhen wird.
US-Einzelhandelsumsätze leicht erhöht
Der Anstieg der amerikanischen Einzelhandelsumsätze im August um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat war hauptsächlich auf die höheren Benzinpreise zurückzuführen. Der Anstieg der Benzinpreise um elf Prozent gegenüber dem Vormonat führte zu einem Anstieg des Wertes der Tankstellenverkäufe um 5,2 Prozent - ohne diesen Anstieg hätten die Einzelhandelsumsätze nur um 0,2 Prozent zugelegt. Darüber hinaus wurde dieser Zuwachs durch einen geringen Anstieg der Kraftfahrzeugverkäufe um 0,3 Prozent gestützt.
Deutscher ZEW-Index im September: Gute und schlechte Nachrichten
Der Konjunkturindex des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) spiegelt mit der September-Veröffentlichung die derzeitigen Moll-Töne für die deutsche Wirtschaft wider. Der Umfrage unter 400 Analysten und institutionellen Anlegern zufolge fiel die Einschätzung der aktuellen Lage unerwartet um 8,1 auf minus 79,4 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit 2020. Bessere Aussichten gab es hingegen von der Erwartungskomponente. Diese stieg um einen knappen Punkt auf minus 11,4 Zähler. Die Daten unterstreichen einmal mehr das Risiko einer rückläufigen deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr. Gleichzeitig sollte sich die Lage im Laufe des kommenden Jahres aber bessern.
Mit Blick auf weitere Konjunkturdaten zeigte sich in China eine Erholung beim Kreditwachstum. Der Anstieg war hauptsächlich durch höhere Staatsanleihen getrieben und zeigt, dass das Kreditwachstum einen Teil der staatlichen Bemühungen darstellt, die Wirtschaft zu stabilisieren. Wir rechnen mit einem anhaltenden Wachstum bis zum Jahresende. Mit den Preisdaten im August scheint die kurze Deflation bei den Verbraucherpreisen mit einem Anstieg von 0,1 Prozent überwunden. Auch stiegen die Produzentenpreise im negativen Bereich etwa an. Wir gehen für die kommenden Monate von einer leicht steigender Inflation aus. Zum Wochenschluss veröffentlichte Konjunkturdaten wie Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion zeigten sich für August teils deutlich über den Erwartungen der Analysten. Wir gehen von einer fortgesetzt leicht zyklischen Erholung der chinesischen Wirtschaft aus.
Am britischen Arbeitsmarkt war zuletzt eine Abkühlung zu beobachten. Da sich dies bislang jedoch noch nicht auf den Lohndruck auswirkte, dürfte die Bank of England im September erneut den Leitzins um weitere 25 Basispunkte erhöhen.
Die Aussicht auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus der EZB führte zum Wochenschluss zu einer erhöhten Risikobereitschaft der Anleger. Nach einer zunächst abwartenden Haltung vor der Notenbanksitzung kam es am Freitag zu merklichen Zugewinnen. Bis Freitagmittag gewannen die großen europäischen Indizes zwischen 1,3 Prozent (DAX 40) und 3,2 Prozent (FTSE 100) hinzu. Der breite STOXX Europe 600-Index verbuchte einen Zugewinn in Höhe von 2,1 Prozent. Vor dem Handelsstart in den USA lagen S&P 500- und der Nasdaq 100-Index sowie der Dow Jones Industrial Average mit jeweils etwas über einem Prozent im Plus. In Asien ging der Nikkei 225-Index mit plus 2,8 Prozent aus der Handelswoche.
Mit Blick auf die im STOXX Europe 600 gelisteten Branchen legten Aktien aus dem Grundstoffsektor mit knapp sieben Prozent am deutlichsten zu. Der in der Vorwoche unter Druck geratene Bankensektor konnte sich mit einem Plus von 5,0 Prozent in der Berichtswoche erholen. Die im DAX 40 vertretenen Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank gehörten mit einem Anstieg um 6,8 bzw. 6,5 Prozent zu den fünf größten Wochengewinnern im deutschen Leitindex. Platz eins im Wochenvergleich belegte die Rheinmetall-Aktie, die 7,3 Prozent hinzugewann. Negative Analystenkommentare und Herabstufungen gab es laut Presseberichten bei Bayer und bei BMW. Während der bayerische Automobilproduzent im Rahmen der allgemeinen Erholung mit 1,5 Prozent dennoch leicht ins Plus tendierte, gab die Bayer-Aktie zwischenzeitlich deutlich ab und lag Freitagmittag trotz allgemeiner Erholung noch mit 1,5 Prozent im Minus. Den höchsten Wochenverlust verzeichnete die Aktie der MTU Aero Engines, die um rund 16 Prozent nachgab.
Chipdesigner Arm geht erfolgreich an die Nasdaq
Das britische Chipdesigner-Unternehmen Arm ist am Donnerstag an die New Yorker Börse gegangen. Der japanische Finanzinvestor Softbank hat zehn Prozent seiner Anteile an die Nasdaq gebracht. Der Ausgabepreis lag mit 51 US-Dollar je Aktie am oberen Ende der Preisspanne. Daraus ergab sich eine Marktkapitalisierung von rund 55 Milliarden US-Dollar, der US-Börsengang war der größte seit zwei Jahren. Mit einem ersten Börsenkurs von 56,10 US-Dollar lag die Aktie zehn Prozent über dem Ausgabepreis.
Ölpreis überspringt Marke von 90 US-Dollar
Der Ölpreis setzte in der Berichtswoche seinen Anstieg weiter fort. Der Preis für die Sorte Brent kletterte über die Marke von 94 US-Dollar je Barrel (Vorwochenschluss 90,65 US-Dollar). Die Opec hatte mit einer Nachfragewachstumsprognose die Märkte überrascht. Saisonal war der Markt mit dem Ende der Ferienzeit von einer rückläufigen Nachfrage ausgegangen. Die Nachfrage soll sich der Opec zufolge 2024 täglich um 2,25 Millionen Barrel erhöhen - mit dem Verweis auf ein robustes Wirtschaftswachstum trotz steigender Zinssätze. Darüber hinaus wird auf die anhaltenden Förderkürzungen und auf den Ausfall libyscher Fördermengen nach dem dort verheerenden Unwetter in den vergangenen Tagen verwiesen.
Am Euro-Staatsanleihemarkt waren per Freitagmittag nur geringe Renditeveränderungen zu beobachten. Zunächst belasteten die Spekulationen über die Anhebung der Inflationsprognosen für 2024 durch die EZB die Anleihenotierungen. Mit der EZB-Entscheidung und der Aussicht auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus setzte eine Erholung ein, die sich aber nicht bis Freitagmittag hielt. Letztlich überwog ein geringer Renditeanstieg. Die bundesdeutsche Zinskurve verschon sich leicht nach oben. Vor allem stieg der kurzlaufende Bereich um bis zu 13 Renditestellen an. Der Rest der Kurve wies Renditeanstiege von drei bis vier Basispunkten auf. Der Renditeabstand (Spread) italienischer Zehnjahrespapiere zu laufzeitgleichen deutschen Bundesanleihen legte leicht auf 176 Basispunkte zu, war zwischenzeitlich bis auf 180 Basispunkte angestiegen. Am US-Staatsanleihemarkt zeigte sich eine parallele Entwicklung zu den Bundespapieren. Der Renditeanstieg auf der dortigen Zinskurve fiel mit bis zu sechs Basispunkte allerdings etwas geringer aus.
Emittenten werden höhere Neuemissionsprämien bieten müssen
Am Euro-Primärmarkt waren erste Ermüdungszeichen festzustellen. Nach den zahlreichen Neuemissionen in den vergangenen Wochen war zuletzt nicht jede Platzierung ein Selbstläufer. Konnte in der Berichtswoche noch eine neue Anleihe der EU mit sieben Jahren Laufzeit problemlos platziert werden, war dies im Falle eines Titels des Freistaats Sachsen nicht der Fall. Der 500 Millionen Euro schwere Bond rief angesichts der für die Anleger eher unattraktiven Preisgestaltung, denn es war so gut wie keine Neuemissionsprämie vorhanden, nur eine schwache Nachfrage hervor. Nach den umfangreichen Neuemissionen der letzten Wochen scheinen nunmehr bei den Anlegern Sättigungstendenzen aufzukommen. Diese achten nunmehr bei der Investition verstärkt auf attraktivere Renditen. Vor allem dürften jene Emittenten, die nicht zur ersten Reihe an den Primärmärkten gehören, den Investoren künftig höhere Neuemissionsprämien und damit kräftigere Renditeaufschläge bieten müssen.
Ähnlich zeigt sich die Lage im Euro-Unternehmensanleihesektor. Angesichts der jüngsten Neuemissionswelle mehren sich unter den Brokern die Stimmen, die den Höhepunkt der Primärmarktaktivität bereits hinter uns sehen. So hat die Neuemissionstätigkeit bei den Investment Grade-Papieren zuletzt deutlich nachgelassen. Insgesamt zeigte sich der Euro-Unternehmensanleihemarkt in der Berichtswoche, vor allem den Kassemarkt betreffend, sehr stabil.
Nach der EZB rückt nun in der neuen Woche die US-Notenbank Fed in den Blickpunkt der Anleger. Die Fed dürfte im Gegensatz zur EZB am Mittwoch stillhalten und die Fed Funds Rate bei 5,25 bis 5,50 Prozent unverändert beibehalten. Darüber hinaus tagt am Donnerstag die Bank of England, von der wir eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwarten. Am Freitag tritt dann die japanische Notenbank zusammen. Hinsichtlich der Konjunkturdaten dürften am Freitag die Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum, den USA sowie Japan für September von größerer Bedeutung sein.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
Ihr Portfoliomanagement
Union Investment Privatkunden
Disclaimer
Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.
Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.
Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.
Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.
Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 15. September 2023, soweit nicht anders angegeben.
Ihre Kontaktmöglichkeiten
Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main
Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de
Drucken Nach oben