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36. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 04. bis 08. September 2023
In der Berichtswoche belastete vor allem die Unsicherheit über die weitere Zinspolitik der EZB die Märke. Darüber hinaus schlugen eher schlechte Konjunkturdaten, vor allem aus China, auf die Stimmung der Anleger. Zahlreiche Kommentare seitens einiger EZB-Ratsmitglieder im Vorfeld der für die kommende Woche anberaumten Notenbanksitzung lassen auf Uneinigkeit im EZB-Rat schließen. An den Aktienmärkten gaben die Notierungen unter dem Eindruck gemischter Konjunkturdaten nach. Die jüngsten Zahlen aus China enttäuschten, ebenso jene aus Deutschland. In den USA zeigte sich die wirtschaftliche Entwicklung etwas robuster. Gleichzeitig mit den Aktien fielen aber auch die Staatsanleihekurse. Der damit einhergehende Renditeanstieg war neben der kommenden Zentralbanksitzung auch den vor allem im Euroraum zahlreichen Neuemissionen geschuldet. Eine Verlängerung der Ölförderkürzungen durch Saudi-Arabien und Russland ließ zudem den Ölpreis steigen, was angesichts der verhaltenen Konjunkturaussichten zusätzlich belastend wirkte.
EZB-Falken melden sich zu Wort
Presseberichten zufolge hat das niederländische EZB-Ratsmitglied Klaas Knot die Anleger davor gewarnt, die Wahrscheinlich einer Zinserhöhung durch die EZB in der nächsten Woche nicht zu unterschätzen. Vor der am Freitag eintretenden Schweigephase des EZB-Rates (Sitzung am kommenden Donnerstag) machten sich nach zunächst eher beschwichtigenden Kommentaren noch einmal die Hardliner (Falken) innerhalb EZB bemerkbar. Marktteilnehmer hatten zuletzt angesichts schwacher Konjunkturdaten eine weitere Leitzinserhöhung, im Gespräch sind 25 Basispunkte, zunehmend in Zweifel gezogen. Der Einlagenzins würde dann bei 4,0 Prozent liegen. Anhand der zuletzt recht unterschiedlichen Auffassungen zahlreicher EZB-Mitglieder scheint im Rat große Uneinigkeit hinsichtlich der weiteren Zinspolitik zu bestehen. Auch ist die Analystengemeinde bei ihrer Zinseinschätzung völlig gespalten. Die Commerzbank schreibt am Freitagmorgen in ihrem Marktbericht, dass einer Bloomberg-Umfrage zufolge 20 von 39 Analysten in der nächsten Woche keine Zinserhöhung erwarten. Die knappe Mehrheit rechnet dann mit einem letzten Zinsschritt erst im Oktober. Am Markt wurde zuletzt nach den jüngsten Inflationsdaten aus dem Euroraum für August und nach den Kommentaren weniger restriktiv eingestellter EZB-Ratsmitglieder (Tauben) die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von 60 auf 30 Prozent deutlich ausgepreist. Wir gehen davon aus, dass die EZB am Donnerstag einen weiteren Zinsschritt in Höhe von 25 Basispunkten vornehmen wird.
Auch aus der US Notenbank Federal Reserve waren in der Berichtswoche einige Kommentare zu vernehmen. Dort mangelte es ebenfalls an Einheitlichkeit, die Spannweite der Interpretation der aktuellen Entwicklung der US-Konjunktur und der daraus abgeleiteten zinspolitischen Folgen war sehr hoch. Allerdings war keine Forderung nach einem weiteren Zinsschritt zu vernehmen.
US-Konjunkturdaten zwingen nicht zu einer weiteren Zinserhöhung
Der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitagnachmittag der Vorwoche überraschte nur auf den ersten Blick nach oben. Zwar wurden im August 187.000 neue Jobs geschaffen (170.000 erwartet). Allerdings gab es deutliche Abwärtsrevisionen der Vormonate, die hier und da die Frage aufkommen lassen, wie valide die veröffentlichten Daten eigentlich sind. Durch die höhere Erwerbsrate stieg die Arbeitslosigkeit in den USA zudem unerwartet an. Darüber hinaus verlieren die durchschnittlichen Stundenlöhne als wichtiger Indikator an Dynamik. Insgesamt bestätigen die August-Daten, dass der US-Arbeitsmarkt mehr und mehr ins Gleichgewicht kommt. Wir gehen davon aus, dass sich die US Federal Reserve durch die geringe Lohndynamik bestätigt sieht und keinen weiteren Zinsschritt mehr vornehmen dürfte.
Der ISM-Index für die Industrie hat sich im August stabilisiert. Der zweite Anstieg in Folge fiel etwas stärker aus als erwartet. Der Tiefpunkt in der US-Industrie scheint durchschritten, doch mehr als eine Stabilisierung sehen wir derzeit im Industriesektor nicht. Deutlich besser zeigte sich dann im weiteren Wochenverlauf der ISM-Index für Dienstleistungen. Mit unerwarteten 54,5 Punkten erreichte der vielbeachtete Konjunkturindikator den höchsten Stand seit Februar. Dabei vollzog sich der Anstieg in allen Sub-Komponenten. Insgesamt spiegelt sich im ISM-Index die Resilienz der US-Wirtschaft wider. Eine Rezession ist dort derzeit nicht in Sicht. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung sehen wir sehr begrenzt, solange der Trend bei den US-Löhnen und der Inflation weiter in die richtige (Abwärts)Richtung geht.
China enttäuscht
Der chinesische Caixin Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen enttäuschte im August. Mit einem Rückgang auf 51,8 Punkte wurde der tiefste Wert seit acht Monaten erreicht. Der Konsens der Erwartungen lag bei 53,5 Punkten. Für den Rückgang war in erster Linie ein unterdurchschnittlicher Anstieg der Neuaufträge, auch aus dem Ausland, verantwortlich. Darüber hinaus ist der Preisdruck in China weiterhin gering. Der Datenpunkt bestätigt die schwache Dynamik der chinesischen Konjunktur. Während sich die Industrie im August etwas stabilisiert hat, setzt sich die Schwäche im Dienstleistungssektor fort. Darüber hinaus fielen im August die Exporte um 8,8 Prozent und damit den vierten Monat in Folge. Allerdings war im Vorfeld ein noch größerer Rückgang erwartet worden.
Deutsche Industrie mit schwachen Daten
Mit Blick auf die deutsche Industrie ergab sich bei der Produktion im Juli mit minus 0,8 Prozent der dritte monatliche Rückgang in Folge. Damit bestätigt sich, dass die Industrie zunächst als Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft ausfällt. Wir sehen aber keinen Einbruch, da die hohen Auftragsbestände weiterhin stabilisieren.
Der Auftragseingang hingegen hat sich nach zwei starken Vormonaten im Juli mit einem Minus von 11,7 Prozent normalisiert. Zuvor waren durch die Luftfahrtmesse mit vielen Aufträgen für Airbus Sondereffekte angefallen. Ohne Großaufträge lag die monatliche Veränderung bei plus 0,3 Prozent. Wir gehen davon aus, dass die Industrie erst im kommenden Jahr wieder zum Wachstum beitragen dürfte. Ein negatives drittes Quartal 2023 ist nunmehr wahrscheinlich.
Die Aktienmärkte tendierten in der Berichtswoche vor dem Hintergrund von Konjunktursorgen einheitlich schwächer. Dabei ging es seit Wochenbeginn kontinuierlich bergab. Der MSCI World-Index gab 1,4 Prozent ab. In Europa verlor der DAX 40 bis Freitagmittag 1,3 Prozent. STOXX Europe 600 und der EURO STOXX 50-Index notierten 1,4 bzw. 2,0 Prozent schwächer. Bis zur Freitagseröffnung lagen in den USA S&P 500- und der Nasdaq 100-Index jeweils rund 1,5 Prozent im Minus. Der Dow Jones Industrial Average lag mit einem Prozent im roten Bereich. Die asiatischen Börsen mit Nikkei 225- und HSCEI-Index verbuchten mit jeweils minus 0,3 Prozent etwas geringere Verluste.
Bankensektor unter Druck
Mit Blick auf die Branchen kamen vor allem die Banken in der Woche unter Druck. Der im STOXX Europe 600 gelistete Bankenindex verlor in der Berichtswoche 3,5 Prozent und führte zusammen mit den Aktien aus der Haushaltsgüterbranche die Verliererliste an. Die derzeit alles andere als rosige Aussicht auf die Konjunkturentwicklung führte in den vergangenen Tagen bei den Anlegern zu einer pessimistischeren Einschätzung des Bankensektors. In den Fokus geriet die künftige Entwicklung der Zinserträge, die weniger positiv eingeschätzt wurde sowie die generell starke Abhängigkeit der Institute von der Konjunkturentwicklung. Am deutschen Aktienmarkt führte dies bei deutschen Großbanken zu höheren Einbußen. Die Aktie der Deutschen Bank verlor 5,3 Prozent, die der Commerzbank sogar 9,3 Prozent. Dem schwächeren Trend konnten sich lediglich Medienaktien (plus 1,7 Prozent), Öl- und Gaswerte sowie Telekommunikationsaktien (jeweils plus 0,4 Prozent) entgegenstemmen. Der Automobilsektor stand im Zeichen der diesjährigen IAA in München, die in der Berichtswoche eröffnet wurde. Mit minus 0,6 Prozent für die Branche gab es aber keinen Ausreißer aus dem insgesamt schwachen Marktumfeld.
Für Aufmerksamkeit sorgte in den USA gegen Wochenschluss die Apple-Aktie. Meldungen über Einschränkungen bei Erwerb von Apple-Produkten seitens behördlicher und staatseigner Unternehmen in China haben zu deutlichen Verlusten in der Berichtswoche geführt. Die Aktie verlor bis zur Markteröffnung am Freitag 6,3 Prozent an Wert.
Spekulationen über eine anhaltende Verknappung der Fördermengen sorgten in der Berichtswoche zudem für höhere Öl-Notierungen. Sowohl Saudi-Arabien als auch Russland hatten am Dienstag bekanntgegeben, ihre freiwilligen Ölkürzungen bis zum Jahresende zu verlängern. Dies hat den zuvor schon zu beobachtenden Preisanstieg einen nochmaligen Schub versetzt. Das Barrel der Sorte Brent notiert aktuell bei 90,20 US-Dollar und hat damit die obere Bandbreite der diesjährigen Handelsspanne von 70 bis 90 US-Dollar erreicht. Die beiden Länder wollen ihre Entscheidung monatlich überprüfen und den Marktgegebenheiten anpassen. Dies sorgte im Nachgang für etwas Entspannung.
Renditen steigen weiter an
An den Staatsanleihemärkten waren trotz rückläufiger Aktienbörsen ebenfalls Verluste zu beobachten. Im Euroraum führten die Unklarheit über das weitere Vorgehen der EZB und auch zahlreiche Neuemissionen zu Druck auf die Anleihenotierungen. Mehrere Länder wie etwa Frankreich und Spanien hatten in der Berichtwoche Neuemissionen mit langen Laufzeiten emittiert, was im von Unsicherheit geprägten Marktumfeld eher belastete. Weitere Papiere aus den Niederlanden und Italien wurden angekündigt. Allerdings gehen wir davon aus, dass in den kommenden Wochen die Neuemissionstätigkeit im Staatsanleihesektor rückläufig sein wird.
Die aufwärtsgerichtete Renditebewegung im Euroraum hat sich gegen Wochenschluss zwar etwas abgemildert, auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereign) war dennoch ein Verlust in Höhe von 0,6 Prozent zu verzeichnen. Die deutsche Zinskurve verschob sich komplett um bis zu acht Basispunkte (Zweijahresbereich) nach oben. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 2,6 Prozent sechs Basispunkte höher als in der Vorwoche. Die Renditedifferenz (Spread) zwischen der deutschen Bundesanleihe und der italienischen Staatsanleihe war im Zehnjahresbereich leicht um sechs auf 174 Basispunkte angestiegen. Für Griechenland steht am Freitag eine Rating-Entscheidung bevor.
Am US-Staatsanleihemarkt war die Entwicklung ähnlich. Der Renditeanstieg war etwas geringer als im Euroraum ausgeprägt, der Verlust auf Indexebene betrug 0,3 Prozent. Die US-Zinskurve verschob sich gleichmäßig um bis zu fünf Basispunkte nach oben. Zweijährige US-Treasuries kletterten zwischenzeitlich über die Fünf-Prozentmarke. Zehnjahrespapiere verzinsten sich am Freitagvormittag mit 4,23 Prozent.
Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen ging die Neuemissionstätigkeit in der Berichtswoche weiter. Zahlreiche Neuemissionen, von eher bonitätsschwächeren Unternehmen, waren gut nachgefragt. Der Kassemarkt zeigte sich insgesamt sehr stabil. Die Unsicherheit der Anleger war eher im synthetischen Marktbereich zu beobachten, der entsprechend schwächer notierte.
Der Zinsentscheid der EZB am Donnerstag ist das zentrale Ereignis in der kommenden Woche. Bezüglich der Erwartungen besteht insgesamt große Uneinigkeit. Darüber hinaus werden die US-Verbraucherpreise für August, die am Mittwoch bekanntgegeben werden, von übergeordnetem Interesse sein. Nach eher günstigen Inflationsberichten für Juni und Juli dürfte es im August wieder zu höheren Preissteigerungen, in erster Linie aufgrund gestiegener Benzinpreise, gekommen sein. Bei der Kernrate geht der Konsens immerhin von einem Rückgang aus. Darüber hinaus stehen in der neuen Woche zahlreiche Daten aus China auf der Agenda.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 8. September 2023, soweit nicht anders angegeben.
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