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35. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 28. August bis 1. September 2023
Zu Beginn dieser Woche galt es, die Geschehnisse des Notenbanktreffens in Jackson Hole einzuordnen. Viele neue Erkenntnisse gab es allerdings nicht. Die großen Zentralbanken wollen weiterhin datenabhängig agieren und sich alle Optionen offen halten. An Datenpunkten mangelte es ihnen dazu in dieser Woche nicht: Inflationsdaten aus dem Euroraum, Daten zum US-Konsumenten (Verbrauchervertrauen und Konsumausgaben) sowie dem US-Arbeitsmarkt (Offene Stellen und Arbeitslosenquote) trieben die Marktteilnehmer um. Unterm Strich konnten Aktien leicht zulegen und bei Rentenanlagen kam es zu rückläufigen Renditen.
Jackson Hole: Notenbanker halten sich bedeckt
Ende der vergangenen Woche blickten die Marktteilnehmer gespannt nach Jackson Hole. Im US-Bundesstaat Wyoming fand von Donnerstag bis Samstag das jährliche Treffen der großen und wichtigen Notenbanken statt. Drei Tage lang diskutierten sie über die weitere geldpolitische Ausrichtung. Doch am Ende brachte das Treffen wenig neue Erkenntnisse: Wie erwartet hielten sich die Notenbankchefs mit Aussagen über ein Ende des Zinserhöhungszyklus zurück. Sie wollen weiterhin datenabhängig agieren und behalten sich große Flexibilität in ihrem Handeln vor.
Laut Jerome Powell, dem Chef der Federal Reserve, sei die Inflation in den USA weiter zu hoch und der Weg in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Zentralbank noch weit. Zudem halte sich die US-Wirtschaft robuster als erwartet. Konkrete Aussagen zum weiteren Vorgehen, etwa ob daher nun mit einer Zinserhöhung auf der kommenden Sitzung zu rechnen ist, blieben aber aus. Seine EZB-Kollegin Christine Lagarde schlug dieselben Töne an – auch sie ließ sich bezüglich der nächsten geldpolitischen Schritte nicht in die Karten schauen und betonte die Datenabhängigkeit.
Hartnäckige Inflation im Euroraum
Ein Datenpunkt, den sich die Europäische Zentralbank diese Woche besonders genau angeschaut haben wird, ist die Inflation: Die Teuerung im Euroraum stagnierte im August bei 5,3 Prozent. Experten hatten mit einem leichten Rückgang auf 5,1 Prozent gerechnet. Starke Preistreiber waren nach wie vor die Nahrungsmittelpreise, die um fast neun Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat anstiegen. Zudem fiel der Rückgang bei den Energiepreisen mit minus 3,3 Prozent etwas schwächer aus als in den Vormonaten. Ein Lichtblick ist allerdings die um die schwankungsanfälligen Komponenten Lebensmittel und Energie, bereinigte Kernrate. Im Monatsvergleich verzeichnete diese einen Rückgang um 0,2 Prozent auf 5,3 Prozent.
Regional zeigen sich jedoch große Unterschiede: Die niedrigste Inflation der Euro-Länder hatten zuletzt Belgien und Spanien (jeweils 2,4 Prozent). Auch in den Niederlanden lag die Teuerung mit 3,0 Prozent unter dem Schnitt der Euro-Staaten und auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Ein anderes Bild zeigt sich hingegen in Deutschland. Hier war die Inflationsrate fast doppelt so hoch und auch im August war keine klare Besserung in Sicht. Die Teuerung sank nur leicht von 6,2 auf 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Kerninflation stagniert im 12-Monats-Vergleich bei 5,5 Prozent.
US-Daten liefern gemischte Signale
Auch die US-Notenbank dürfte eine Menge an Datenpunkten in dieser Woche mit einem besonderen Augenmerk verfolgt haben. So gaben das Verbrauchervertrauen und die privaten Konsumausgaben Aufschluss über den US-Konsumenten: Konkret sank das vom privaten Institut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen im August auf 106,1 Punkte, was deutlich unter den Markterwartungen von 116,0 Punkten lag. Die US-Bürger setzen sich erneut mit steigenden Preisen auseinander. Dies machte sich allerdings noch nicht in den Konsumausgaben der privaten Haushalte bemerkbar. Diese stiegen nämlich im Juli um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat an.
Am Arbeitsmarkt ging die Zahl der offenen Stellen zuletzt weiter zurück und signalisierte damit eine weiter nachlassende Arbeitsnachfrage seitens der Unternehmen. Die sogenannten JOLTS lagen mit 8,827 Millionen Ende Juli deutlich unter den Erwartungen der Experten von 9,465 Millionen. Alles in allem deuten die Daten auf eine weiter robuste US-Wirtschaft hin. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Zinserhöhungen der Fed ihre Spuren hinterlassen: Der Konsum dürfte in den nächsten Monaten nachlassen und auch der Arbeitsmarkt schwächt sich langsam ab. Bis zum nächsten Zinsentscheid in drei Wochen dürfte die Fed die kommenden Datenpunkte daher genaustens analysieren.
Mit der abgelaufenen Handelswoche ist ein erneut schwankungsstarker Aktienmonat zu Ende gegangen. War die erste Augusthälfte noch von in Summe eher schwächeren Aktienmärkten geprägt, so setzte ab Monatsmitte eine Erholung ein. Insbesondere die Aussicht auf ein nahes Ende des Zinserhöhungszyklus der Zentralbanken stützte dabei die Notierungen. Vor diesem Hintergrund verlief auch die Berichtswoche ab dem 28. August überwiegend freundlich.
In Frankfurt konnte der DAX 40-Index um rund ein Prozent zulegen. Ausgehend von einem Stand bei 15.756 Zählern zu Wochenbeginn übersprang der deutsche Leitindex zwischenzeitlich sogar die Marke von 16.000 Punkten, konnte dieses Niveau aber nicht ganz halten. Ein ähnliches Bild ergab sich auf europäischer Ebene. So legte der EURO STOXX 50-Index insbesondere zu Wochenbeginn deutlich zu, gab aber im Anschluss einen Teil der Gewinne wieder ab. Ein Grund für den Dämpfer waren die anhaltend hartnäckigen Inflationszahlen für die Eurozone. Sogar noch etwas besser handelten US-amerikanische Aktien. Hier kletterte der S&P 500 Index von 4.432 auf über 4.500 Zähler. Besonders stark zeigten sich Technologiewerte. Entsprechend deutlich stiegen die Notierungen an der Technologiebörse NASDAQ.
Künstliche Intelligenz macht weiter Schlagzeilen
Neben der allgemeinen Zinsentwicklung waren auch Nachrichten aus dem Zukunftsfeld der Künstlichen Intelligenz (KI) ausschlaggebend für diese Entwicklung. Die Google-Mutter Alphabet veranstaltete beispielsweise in der vergangenen Woche unter dem Namen „Cloud Next“ ein mehrtägiges Event, in dem die Perspektiven der Technologie für das eigene Geschäft beleuchtet wurden. So sollen die KI-Anwendungen Vertex AI und Duet AI bald allgemein verfügbar gemacht und damit die Abhängigkeit vom Suchmaschinengeschäft verringert werden. Zudem gab das Unternehmen weitere Partnerschaften bekannt, unter anderem mit dem Chip-Hersteller NVIDIA. Sowohl die Alphabet- als auch die NVIDIA-Aktie konnten von der Bekanntgabe profitieren und legten im Wochenverlauf zu.
Herausforderungen in der Windkraft-Branche
Die Windkraft-Branche hat hingegen weiter mit Herausforderungen zu kämpfen. So gab der dänische Energiekonzern Ørsted am Dienstagabend bekannt, massive Wertberichtigungen auf seine US-amerikanischen Windkraftprojekte auf hoher See (Offshore) vornehmen zu müssen. Insgesamt muss der Weltmarktführer für Offshore-Windparks bis zu 16 Milliarden Dänische Kronen – rund 2,1 Milliarden Euro – abschreiben. Als Grund gab das Unternehmen Lieferkettenprobleme sowie die gestiegenen Zinsen an. Zudem bestehen Unsicherheiten über möglicherweise anfallende, künftige Steuergutschriften in den Vereinigten Staaten. Dort hatte die Regierung mit dem „Inflation Reduction Act“ eine massive Unterstützung der Erneuerbaren Energien, inkl. steuerlicher Vorteile, angekündigt. Bislang sind die Details dazu aber noch unklar. Die Aktie reagierte mit einem Kurseinbruch auf die Nachricht und sank auf den tiefsten Stand seit 2019.
Auch andere Titel reagierten mit Abschlägen auf die Nachricht. Die Aktie des deutschen Energieversorgers RWE, der ebenfalls stark im Offshore-Geschäft engagiert ist, handelte ebenso leichter wie das Papier der spanischen Iberdrola. Die Investorenstimmung gegenüber dem Sektor gilt als ohnehin eingetrübt. Bereits Ende Juni hatte beispielsweise der Windturbinenhersteller Siemens Gamesa von Qualitätsproblemen bei Onshore-Anlagen berichtet.
Die erhofften Impulse durch das Notenbanktreffen in Jackson Hole blieben aus. Der Rentenmarkt nahm die Rede von Fed-Chef Jerome Powell anfangs noch falkenhaft auf und es kam zu wieder steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen. Seine Aussagen, dass der Weg zum Inflationsziel von zwei Prozent noch weit sei und sich die Konjunktur besser als erwartet halte, führten dazu, dass ein Teil der Marktteilnehmer eine Zinserhöhung auf der kommenden Sitzung im September annahm. Aber im Wochenverlauf setzte sich der Konsens durch, dass es zu keinem Zinsschritt im September kommen dürfte. Die veröffentlichten Konjunkturdaten zur Wochenmitte stützten diese These und führte zu sinkenden Renditen am langen Ende der Kurve. So sank die Rendite von zehnjährigen US-Papieren von 4,2 auf 4,1 Prozent. Laufzeitengleiche Bundesanleihen verzeichneten ebenfalls einen Renditerückgang um 10 Basispunkte auf 2,47 Prozent.
Primärmarkt leicht überreizt
Kürzlich kehrte der Primärmarkt für Covered-Bonds aus der Sommerpause zurück und das sogar früher als in den Vorjahren. Besonders kurze Laufzeiten waren weiterhin bei den Investoren aufgrund der invertierten Zinskurven in sicheren Staatsanleihen wie Bundesanleihen beliebt. Das massive Neuemissionsvolumen führt allerdings dazu, dass Emittenten eine höhere Neuemissionsprämie (rund zehn Basispunkte) zahlen müssen als noch vor der Sommerpause (rund fünf Basispunkte). Im Zuge dessen kommen etwas weniger Emittenten auch im Credit-Segment an den Markt. Von der Nachfrageseite her ist der Primärmarkt allerdings weiterhin gut unterstützt.
Entwicklung in den Emerging Markets im Blick behalten
In China bemühen sich die Regierung und die Notenbank weiter um Stützungsmaßnahmen für die heimische Wirtschaft. Vor allem der Immobilienmarkt erfuhr weitere kleine Unterstützungsmaßnahmen, die aber in Summe nicht ausreichen dürften, um eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung einzuleiten. Dennoch wirken sich die chinesischen Bemühungen weiterhin positiv auf das Risikosentiment der Schwellenländer aus. Im Auge zu behalten gilt vor allem die Entwicklung rund um den Immobilienentwickler Country Gardens. Dieser warnte angesichts von Verlusten in Milliardenhöhe vor einem Zahlungsausfall bei einigen Anleihen. Der Konzern sucht nach Lösungen, um die verbleibenden Schulden zu tilgen. Daher versucht er eine Verlängerung der „Grace Period“ (Zahlungsfrist) um 40 Tage zu erreichen.
Weitere Nachrichten aus den Schwellenländern kommen aus Afrika: Nach dem Putsch in Niger stürzte diese Woche das Militär auch die Regierung in Gabun. Die durchgeführten Wahlen wurden von ihnen als „nicht frei“ und das Wahlergebnis als „Betrug“ deklariert. Gabun ist der fünftgrößte Ölproduzent in Afrika und reich an Bodenschätzen. Der Militärputsch wirkte sich auf das Risikosentiment aus und hat auch Auswirkungen auf andere afrikanische Länder wie Nigeria und Ägypten. Es gilt die weitere Entwicklung in Afrika im Auge zu behalten. Der JP Morgan EMBI Global Diversified-Index verzeichnete in Summe in dieser Woche ein Plus in Höhe von 0,75 Prozent.
In der kommenden Woche dürften einige Datenpunkte Aufschluss über die deutsche Wirtschaft geben. Zu Beginn der Woche werden Zahlen zum deutschen Außenhandel veröffentlicht. Experten erwarten einen Rückgang der Exporte um 1,5 Prozent im Juli im Vergleich zum Vormonat. Im Juni hatten die Exporte noch leicht um 0,4 Prozent zulegen können. Schwächere Exportzahlen würden das aktuelle Bild einer schwächelnden Konjunktur in Deutschland vervollständigen. In der Wochenmitte werden zudem noch die Auftragseingänge und die deutsche Industrieproduktion veröffentlicht. Nach einem kräftigen Auftragsplus im Juni um 7,0 Prozent, gehen Experten im Juli von einem Rückgang der Aufträge um 5,5 Prozent aus. Und auch die Industrieproduktion dürfte weiter schrumpfen.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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