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34. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 21. bis 25. August 2023
Diese Woche mehrten sich die Zeichen, dass die Zinserhöhungen der Notenbanken ihre Wirkung in der Wirtschaft entfalten: Die veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes zeigen eine Abschwächung der Wachstumsdynamik an. Ein besonderer Blick gilt daher dem jährlichen Notenbanktreffen in Jackson Hole. Die Marktteilnehmer erhoffen sich dort vor allem neue Signale für die weitere geldpolitische Ausrichtung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Im Vorfeld des Treffens fand ein Abverkauf am Rentenmarkt statt, sodass die Renditen am langen Ende zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit 2007 anstiegen.
Einkaufsmanagerindizes sinken im August deutlich
Sowohl im Euroraum als auch in den USA sinken die PMIs (Purchasing Managers Index) weiter. Firmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor berichten also von sich verschlechternden Geschäfts- und Branchenbedingungen im Vergleich zum Vormonat. Im Euroraum ist es der vierte Rückgang in Folge: Das Verarbeitende Gewerbe konnte sich zwar auf niedrigem Niveau leicht verbessern und steht jetzt bei 43,7 Punkten. Der Dienstleistungssektor fiel aber spürbar unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Diese Bewegung ist vor allem durch die Berichte aus Deutschland und Frankreich getrieben. Das Risiko für ein negatives Wachstum der Eurozone und insbesondere in Deutschland im dritten Quartal ist daher hoch. Aber mit einem nachhaltigen Einbruch der Konjunktur ist nicht zu rechnen, vor allem wenn sich die Erholung im Verarbeitenden Gewerbe fortsetzt.
In den USA trübt sich der Frühindikator ebenfalls ein: Das Verarbeitende Gewerbe befindet sich auch hier noch weit unter der 50-Punkte-Marke; der Dienstleistungssektor kann sich noch etwas darüber behaupten, sinkt aber kontinuierlich. Alles in allem bringt dieser Datenpunkt vor allem eine Erleichterung für die Federal Reserve: Die US-Wirtschaft schwächt sich in Richtung einer Stagnation ab und die Preissetzungsmacht der Unternehmen schwindet. Die Zinserhöhungen der Notenbank scheinen also zu wirken und eine sanfte Landung der Wirtschaft wird immer wahrscheinlicher. Daher dürfte auf der nächsten Sitzung der Fed keine weitere Zinserhöhung mehr beschlossen werden – im Gegensatz zur Eurozone.
Gemischte Signale aus Asien
Die japanischen Einkaufsmanagerindizes konnten nach jeweils zwei Rückgängen in Folge wieder einen Anstieg in beiden Sektoren verzeichnen. Das Verarbeitende Gewerbe bleibt mit 49,7 Punkten knapp unter der Wachstumsgrenze, der Dienstleistungssektor wächst wieder stärker (54,3 Punkte). Zudem ist eine Verschiebung des Inflationsdrucks von Gütern zu Dienstleistungen zu beobachten. Es ist somit aktuell vor allem der Dienstleistungsbereich, der in Japan das Bild beim Wachstum und der Preisdynamik bestimmt. Die Verbreiterung des Inflationsdrucks wird allerdings noch nicht ausreichen, damit die Bank of Japan interveniert. Mit einer geldpolitischen Normalisierung ist vor 2024 nicht zu rechnen.
In China agieren die Regierung und die Notenbank lediglich mit halbherzigen Stützungsmaßnahmen auf die Turbulenzen der vergangenen Woche. Diverse Konjunkturdaten (Einzelhandelsumsätze, Kreditwachstum, Jugendarbeitslosigkeit) blieben hinter den Erwartungen zurück und der seit längerem schwächelnde Immobiliensektor hatte wieder für Schlagzeilen gesorgt. Daraufhin dürfen nun die Lokalregierungen Spezialanleihen in Höhe von 1,5 Billionen Yuan (206 Milliarden US-Dollar) begeben, um ihre Schulden zu begleichen. Zudem beschloss die China Securities Regulatory Commission (CSRC) Erleichterungen zur Unterstützung des taumelnden Aktienmarkts. So stellte Chinas Wertpapieraufsicht in Aussicht, die Handelskosten zu senken und Aktienrückkäufe zu unterstützen. Zudem prüfen die Aufseher die Handelszeiten zu verlängern. Die Attraktivität börsennotierter Unternehmen soll dadurch erhöht werden. Doch diese Unterstützungsmaßnahmen reichen nicht aus. Nötig wären strukturelle Reformen und tiefgreifende Stimuli. Ohne diese bestehen deutliche Abwärtsrisiken für die chinesische Wirtschaft.
BRICS sorgen für Aufsehen
Jedes Jahr treffen sich die Regierungschefs der fünf BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika). In dieser Woche fand die Zusammenkunft in Johannesburg statt. Dort wurde entschieden, dass die BRICS-Gruppe Anfang 2024 um sechs neue Mitglieder erweitert wird. Neu aufgenommen in die BRICS-Gruppe wurden die Länder Saudi-Arabien, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Argentinien, Ägypten und Äthiopien. Der Verbund „BRICS plus“ umfasst dann fast die Hälfte der Weltbevölkerung und fast ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung. Zudem will man die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern, sogar eine gemeinsame Währung steht im Raum. Die Idee einer gemeinsamen BRICS-Währung scheint allerdings illusorisch. Nicht nur geografisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich liegen die BRICS-Länder weit auseinander. Die Notenbanken wollen auch nicht ihre Autonomie aufgeben. Daher wird der US-Dollar auch weiterhin den internationalen Zahlungsverkehr dominieren und auch seine Rolle als Welt-Reservewährung nicht verlieren.
Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich in dieser Woche überwiegend seitwärts. Der MSCI-World-Index verzeichnete zum Wochenschluss ein leichtes Plus in Höhe von 0,3 Pro-zent. Zu Beginn der Woche war die Stimmung an den Aktienmärkten durch fallende Renditen am Rentenmarkt ebenfalls positiv geprägt. Gegen Ende der Woche drehte das Sentiment dann aber, da sich Verunsicherung angesichts der Rede von Fed-Chef Jerome Powell auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole breit machte. Der marktbreite S&P 500-Index konnte in dieser Woche nur um 0,2 Prozent in Lokalwährung zulegen. Der industrielastige Dow Jones Industrial Average nahm um 1,2 Prozent ab. Die Technologiewerte konnten durch den Auftrieb des KI-Chipproduzenten Nvidia ein Plus verzeichnen. Der Technologieindex Nasdaq 100 war am Freitagmittag 1,3 Prozent im Plus. Auch an den europäischen Märkten war die Stimmung ähnlich. Der europaweite STOXX Europe 600-Index konnte um 1,4 Prozent zulegen. In Deutschland verzeichnete der DAX40 ein Plus von 1,1 Prozent. (Stand Freitagmittag)
Nvidia schlägt Markterwartungen
Nachdem der Chipproduzent Nvidia seine Quartalszahlen bekannt gegeben hatte, stieg die Aktie um 8,9 Prozent im Lauf der Woche an und beflügelte die Tech-Aktien weltweit. Die Erwartungen der Analysten wurden dabei deutlich übertroffen: Das Unternehmen berichtete einen Umsatzanstieg und hob den Ausblick für das Geschäftsjahr deutlich an. Besonders das Datacenter-Segment konnte ein außerordentlich gutes Wachstum vorweisen: Innerhalb der letzten sechs Monate wurde der Umsatz dort verdreifacht. Zusätzlich kündigte Nvidia ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 25 Milliarden US-Dollar an. Dies führte jedoch zu gemischten Gefühlen bei den Marktteilnehmern, bei denen dieses - für ein Wachstumsunternehmen untypische - Verhalten Unbehagen verbreitete.
Einzelhandel zeigt Schwäche
In den USA bewies sich der Einzelhandelssektor als nicht so robust, wie zuvor angenommen. Das Bild trübte sich ein, nachdem mehrere Einzelhändler aus der Bekleidungsbranche schlechtere Zahlen veröffentlicht hatten. So verlor Foot Locker am Mittwoch über dreißig Prozent an Marktwert, da die Nachfrage im Sportsegment weiter abnimmt. Das Unternehmen prognostiziert auch für die nächsten Quartale eine schwache Konsumentennachfrage durch eine weiterhin hoch anhaltende Inflation. Nordstrom, eine Kaufhaus- und Versandhauskette, schlug dieselben Töne im Ausblick für das zweite Halbjahr an. Das Unternehmen warnte vor höheren Kreditverlusten, da zunehmend mehr Verbraucher mit ihren Zahlungen in Verzug geraten. Die Aktien verlor in dieser Woche circa zwölf Prozent. Ganz anders sieht es bei Abercrombie & Fitch aus. Die Modemarke erhöhte ihre Umsatzprognose, da neue Kleidungsstile viele Kunden anziehen würden, wodurch der Aktienkurs um fast 17 Prozent stieg.
Die anhaltende Stärke der US-Wirtschaft führte zu Beginn der Woche zu weiter steigenden Renditen am Markt für US-Staatsanleihen. Zeitweise stiegen die Renditen für zehnjährige US-Treasuries auf 4,35 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit November 2007. Marktteilnehmer befürchteten, dass aufgrund der weiterhin robusten Verfassung der US-Wirtschaft der Rückgang der Inflation länger dauern könnte als bislang angenommen. Die Hoffnung, die US-Notenbank Federal Reserve könnte zum Jahresende den geldpolitischen Kurs lockern, gaben die Anleger auf. Am Terminmarkt wurden daher mögliche Zinssenkungen etwas ausgepreist.
Im Vorfeld des Notenbanktreffens in Jackson Hole und im Zuge der schwächeren Einkaufsmanagerindizes drehte die Stimmung im Wochenverlauf. Dann stiegen vor allem die Renditen am kurzen Ende. Unterm Strich bleibt am Ende der Woche ein Renditeanstieg bei zweijährigen US-Staatstitel in Höhe von neun Basispunkten. Die Renditen für zehnjährige US-Treasuries fielen im Wochenvergleich leicht um zwei Basispunkte. Bei deutschen Bundesanleihen fielen die Renditen sowohl für zweijährige (vier Basispunkte) als auch zehnjährige (sieben Basispunkte) Papiere.
Notenbanker in Jackson Hole
Seit Donnerstag blicken die Märkte gespannt auf Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Dort findet das jährliche Treffen aller großen und wichtigen Notenbanken statt. Drei Tage lang wird über geldpolitische Strategien und geldpolitische Ausrichtungen diskutiert. Marktteilnehmer erhoffen sich vor allem weitere Signale für den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank. Das Top-Thema dürfte die Inflation bzw. die Inflationsbekämpfung sein. In den vergangenen Monaten drehten die Notenbanken deutlich an der Zinsschraube, um die Teuerung einzudämmen. Mittlerweile befinden sich die globalen Notenbanken an verschiedenen Punkten: In den USA hat der Preisdruck deutlich nachgelassen und befindet sich auf dem Weg in Richtung Notenbankziel von zwei Prozent. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass ein „Soft Landing“ gelingt. Im Euroraum sinkt die Inflation nur langsam, zudem schwächt sich die Konjunktur deutlich ab und eine anhaltende Rezession in Deutschland wird immer wahrscheinlicher.
Darüber hinaus geht es vor allem um die Glaubwürdigkeit der Notenbanken – und die Frage, ob Anleger ihnen zutrauen, für Preisstabilität zu sorgen. Fed-Chef Jerome Powell und EZB-Chefin Christine Lagarde dürften daher noch einmal ihre Entschlossenheit betonen, aber sich auch weiterhin noch alle Optionen offenzuhalten. Ein Ende des Zinserhöhungszyklus dürfte somit offiziell noch nicht ausgerufen werden.
Primärmarkt kehrt allmählich aus der Sommerpause zurück
Nach den ruhigeren Sommermonaten läuft die Aktivität am Primärmarkt wieder an. Letzte Woche machten Covered Bonds den Auftakt – diese Woche wurden vermehrt Unternehmensanleihen begeben. Mit Continental und Volvo waren gleich zwei Firmen aus der Automobilbranche vertreten. Erstere bot sogar kleinere Stückelung an, damit auch Klein- bzw. Privatanleger an der Zeichnung teilnehmen konnten. Beide Neuemissionen wurden am Markt gut aufgenommen. Des Weiteren begab vor allem der Bankensektor neue Anleihen am Primärmarkt. So kamen die Commerzbank, die Commonwealth Bank of Australia und die Crédit Agricole mit Deals an den Markt. In den kommenden Wochen wird die Aktivität am Primärmarkt noch weiter anziehen. Bisher konnten die Neuemissionen gut platziert werden. Auch dass längere Laufzeiten (15 Jahre) am Markt gesucht waren, ist ein gutes Zeichen. Allerdings müssen die Emittenten ihre Anleihen mit einer gewissen Prämie versehen, damit die Marktteilnehmer sich an den Deals beteiligen.
In der kommenden Woche werden viele Datenpunkte veröffentlicht, doch einer der spannendsten dürften die Verbraucherpreise im Euroraum gegen Ende der Woche sein. Zuletzt betrug die Teuerung noch 5,3 Prozent. Der Konsens rechnet mit einem Rückgang im August um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und auch die Kernrate dürfte sich leicht zurückbilden. Besonders die EZB dürfte die Veröffentlichung aufmerksam verfolgen, denn sie wird ihren geldpolitischen Kurs davon abhängig machen, wie nachhaltig der Abwärtstrend aus den Vormonaten sich fortsetzt. Vielleicht lassen sich auch neue Aussagen über das weitere Vorgehen der Notenbank aus dem Sitzungsprotokoll der Juli-Sitzung, welches am Mittwoch veröffentlicht wird, entnehmen.
Überdies erwartet uns auch ein großer Datenkranz aus den USA: Unter anderem dürften das Verbrauchervertrauen und die Konsumausgaben tiefere Einblicke über den US-Konsumenten und somit auch über die US-Wirtschaft liefern. Noch mehr Aufschluss für die Federal Reserve sollten auch die Daten vom US-Arbeitsmarkt (Arbeitslosenquote & Lohnentwicklung) bereithalten, denn dieser hält sich weiterhin sehr robust.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 25. August 2023, soweit nicht anders angegeben.
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