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33. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 14 bis 18. August 2023
In der abgelaufenen Woche zeigten sich widersprüchliche Trends in der Wirtschaftsentwicklung. Während frische Daten aus China ein ernüchterndes Bild gaben, zeigte sich die US-Wirtschaft robuster als erwartet, so dass die Aufwärtsrisiken sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite zunehmen – und damit verbunden auch das Risiko höherer Zinsen.
Gesenkte Wachstumsprognose für China
Nachdem die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen auf einen Rekordwert geklettert ist, stellt die chinesische Regierung die Veröffentlichung ein. Schwach entwickelte sich auch das Kreditwachstum, und die Einzelhandelsumsätze blieben mit einem Plus von 2,5 Prozent im Jahresvergleich deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Als Folge senkte die chinesische Zentralbank ihre Leitzinsen um 10 bzw. 15 Basispunkte (BP), allerdings verpuffte dies am Markt. Insgesamt setzte sich verstärkt die Erwartung durch, dass die chinesische Regierung wenig tun dürfte, um das Wachstum wieder zu beleben, und sich zugleich einer Reihe an wirtschaftlichen Herausforderungen gegenübersieht. Unsere Volkswirte haben die Wachstumsprognose für China auf 4,9 Prozent (von zuvor 5,3 Prozent) gesenkt und sehen ein anhaltendes Abwärtsrisiko, wenn nicht mehr getan wird, um den privaten Konsum zu stützen und den Immobilienmarkt zu stabilisieren.
In der zweiten Wochenhälfte machten Nachrichten aus dem Schattenbankensystem in China auf sich aufmerksam, wonach dort eine Restrukturierung der Zhonghzhi Enterprises mit dem Beratungsunternehmen KPMG angestrebt wird. Das Unternehmen ist einer der größten Vermögensverwalter im Reich der Mitte und wurde hart von der Krise im Immobiliensektor und bei Immobilienentwicklern getroffen. Die chinesische Bankenaufsicht hat eine Taskforce aufgesetzt, mit der die Risiken des Konzerns unter die Lupe genommen werden sollen. Am Freitag meldete dann der seit langem angeschlagene Immobilienentwickler Evergrande in den USA Insolvenz an, um sich vor Gläubigerforderungen zu schützen. Sorgen vor einer Ausweitung der Krise innerhalb des chinesischen Finanzsektors haben in der zurückliegenden Woche auch die chinesische Währung (Renminbi) und den chinesischen Aktienmarkt belastet.
In der Region Asien-Pazifik machten zudem Daten aus Japan auf sich aufmerksam. So zog die Kernrate der Inflation (ohne Energie und Nahrungsmittelpreise) im Juli leicht von 2,6 auf 2,7 Prozent an, vor allem aufgrund steigender Preise bei Dienstleistungen, die mit zwei Prozent so viel wie seit dreißig Jahren nicht mehr zulegten. Damit nimmt nach Ansicht unserer Experten der Druck auf die japanische Notenbank zu, den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik voranzutreiben.
Solide US-Einzelhandelsdaten
Aus den USA kamen in der zurückliegenden Woche etliche Konjunkturdaten, die am Markt auch Beachtung fanden, allerdings ein besseres Bild zeichneten. So hat sich der Häusermarkt erstmals im laufenden Jahr schwächer entwickelt, zumindest gemessen am NAHB Housing Market Index, der im August von 56 auf 50 Punkte gefallen ist. Die Talsohle liegt hinter uns, aber aus Sicht unseres Experten-Teams besteht kein Grund für Euphorie.
Überraschend stark hat sich dagegen der US-Einzelhandelsumsatz entwickelt, der im Juli um 0,7 Prozent (ohne volatile Komponenten um ein Prozent) gestiegen ist. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass die „sanfte Landung“ der US-Konjunktur womöglich ohne Landung von statten gehen könnte. Dies würde aber wiederum bedeuten, dass die Zinsen länger hoch bleiben müssten, um die Inflation einzudämmen. Unsere Volkswirte wiesen aber darauf hin, dass das kräftige Plus auch eine Folge des Amazon Prime Day (11. bis 12. Juli) gewesen sein könnte. Auch die Industrieproduktion stieg im Monatsvergleich um ein Prozent und damit stärker als erwartet, wobei sich allerdings auch das heiße Wetter in erhöhtem Stromverbrauch niederschlug. Im Jahresvergleich entspricht dies aber einem Minus von 0,2 Prozent. Zudem wurden die Daten für Mai und Juni nach unten revidiert.
Fed-Protokolle deuten auf Zinsgipfel hin
Neel Kashkari, der Präsident der Minneapolis Federal Reserve, erklärte am Dienstag, es habe Verbesserungen gegeben, aber es sei nicht gesetzt, dass der Zinsgipfel schon erreicht ist. Es müssten erst weitere Daten abgewartet werden. Unsere Volkswirte gehen aber weiterhin davon aus, dass dem so ist. Denn solange sich Löhne und Inflation zurückbilden, seien solide Wachstumszahlen kein Anlass für weitere Zinserhöhungen. Am Mittwoch zeigten die Protokolle (Minutes) der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), dass die Zinserhöhung um weitere 25 Basispunkte auf der vergangenen Sitzung im Juli von allen Stimmberechtigten im Entscheidungsgremiums (dem so genannten Offenmarktausschuss, FOMC) getragen wurde, aber sich im erweiterten Kreis der Notenbanker auch andere Meinungen fanden, die eine Beibehaltung des Zinssatzes vorgeschlagen hätten. Eine steigende Zahl der für die Zinsentscheidungen verantwortlichen FOMC-Mitglieder war zudem der Ansicht, dass die Geldpolitik bereits restriktiver wirkt, allerdings sahen weiterhin auch viele Fed-Mitglieder Aufwärtsrisiken für die Inflation. Unsere geldpolitischen Experten gehen weiterhin davon aus, dass der Zinsgipfel in den USA bereits erreicht ist, aber dass die Zinsen noch einige Zeit auf dem erhöhten Niveau bleiben werden.
ZEW-Index: Erwartungen aufgehellt
In Deutschland hat der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) das Bild eines anhaltend schwierigen Umfelds für die deutsche Wirtschaft bestätigt. Zwar stieg die Konjunkturerwartung für die nächsten sechs Monate im August leicht um 2,4 Punkte auf minus 12,3 Punkte und hellte sich damit überraschend etwas auf. Allerdings hat sich Beurteilung der aktuellen Lage stärker als erwartetet um 11,8 Punkte auf minus 71,3 Punkte und damit den tiefsten Stand seit Oktober 2022 eingetrübt. Das ZEW erklärte dazu, es sei bemerkenswert, dass die Befragten mehrheitlich mit keinen weiteren Zinserhöhungen im Euroraum sowie den USA rechnen und die Konjunkturerwartungen für die USA stark gestiegen seien. Daraus resultierten denn auch die verbesserten Erwartungen für Deutschland.
Die globalen Märkte waren diese Woche von Zinssorgen in den USA nach überraschend guten Konjunkturdaten sowie Konjunktursorgen aus China geprägt. Mit dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll des Juli-Meetings der Federal Reserve sowie robusten US-Einzelhandelsdaten nahm die Erwartung eines möglichen weiteren Zinsschrittes der US-Notenbank am Markt wieder etwas zu. Dies drückte auf die Bewertungen an den Aktienmärkten. Der MSCI Welt-Index in US-Dollar sank um 2,4 Prozent (Stand Freitagmittag). Gleichzeitig gaben der marktbreite S&P 500-Index und der industrielastige Dow Jones Industrial Average jeweils in Lokalwährung um 2,1 und 2,3 Prozent nach.
An den europäischen Börsen war die Stimmung nicht besser. Der europaweite STOXX 600-Index nahm um 2,5 Prozent ab und erreichte ein Einmonatstief. Insbesondere Luxusunternehmen belasteten den Index, die aufgrund einer abgeschwächten Nachfrage aus China unter Druck standen. Der US-Online-Modehändler Farfetch hatte zuvor die Prognose reduziert, daraufhin brachen die Aktien im nachbörslichen Handel über ein Drittel ein. In Deutschland verlor der Leitindex DAX bis zum Freitagmittag 1,6 Prozent im Wochenvergleich.
Schlechte Stimmung am chinesischen Markt
In China standen die Aktienmärkte in dieser Woche unter Abgabedruck, da Befürchtungen über die schleppende wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaft nach schwachen Konjunkturdaten aufkamen. Zudem spitzen sich die Sorgen um den Zustand des Immobiliensektors und damit verbunden des so genannten Schattenbankensektors zu, unter anderem, weil ein Vermögensverwalter Rückzahlungen von Anlageprodukten an die Kundschaft ausgesetzt hatte und der Immobilienentwickler Evergrande in den USA einen Antrag auf Gläubigerschutz stellte. Zusätzlich zeigt sich der private Konsum weiterhin geschwächt. Die Marktteilnehmer blieben zudem unbeeindruckt von bisherigen Unterstützungsmaßnahmen der chinesischen Regierung, zugleich wurden Rufe nach mehr Stimuli laut. Gemessen am MSCI China-Index fiel der Markt im Wochenvergleich um 4,9 Prozent. Die Probleme in China strahlten auch auf andere Märkte ab. Unter Druck standen beispielsweise auch die Papiere des US-Elektroautoherstellers Tesla, die die Preise ihrer E-Autos für den chinesischen Markt als Reaktion um bis zu sechs Prozent senkten. Dies, obwohl der Autobauer vor einem Monat bei einer Absprache mit anderen chinesischen Autobauern teilgenommen hatte, die vorsah, dass ein Preiskampf vermieden wird. Allerdings ist diese Absprache, die von einem staatlich unterstützten Automobilverband angeregt worden ist, wieder aufgelöst worden, da befürchtet wurde, Kartellvorgaben zu verletzen.
Einzelhandel schließt US-Berichtssaison ab
Gute Nachrichten gab es hingegen für den US-amerikanischen Einzelhandelssektor, mit dessen Quartalsberichten auch das Ende der Berichtssaison eingeläutet wurde. Hier zeigte sich die Konsumentenlaune weiterhin ungebrochen. Trotz der konstanten Bemühungen der Federal Reserve, die Inflation mit steigenden Zinsen zu bekämpfen, nahmen die Einzelhandelsumsätze im Juli um ein Prozent zu, der Analystenkonsens im Markt hatte lediglich ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. Dies trug zu einer guten Stimmung bei Einzelhandelswerten bei. Im Rückblick konnte die Supermarktkette Walmart zudem mit einem höheren Umsatz sowie Gewinn im zurückliegenden Quartal überzeugen. Das Unternehmen geht zusätzlich von einer besseren zweiten Jahreshälfte aus, allerdings wurde die Prognoseerhöhung als vorsichtig eingeschätzt und sorgte am Markt für Enttäuschung, so dass die Aktien über zwei Prozent verloren. Umgekehrt das Bild bei Wettbewerber Target, der die Gewinnschätzung pro Aktie deutlich übertreffen konnte, aber den Rest des Jahres nicht so positiv sieht. Dennoch legten die Aktien von Target deutlich zu. Verbraucher scheinen laut dem Unternehmen weniger für Elektronik, Haushalts- und Schönheitsprodukte auszugeben. Die US-Baumarktkette Home Depot konnte die Gewinnerwartungen ebenfalls schlagen, die Aktien gaben dennoch nach Veröffentlichung der Zahlen ab.
Unerfreuliche Neuigkeiten gab es dagegen aus Europa beim weltweit tätigen Zahlungsdienstleister Adyen, bei dem am Donnerstag rund 18 Milliarden Euro Marktwert vernichtet wurden. Investoren reagierten auf enttäuschende Halbjahreszahlen sowie die vom Unternehmen kommunizierten schwächeren Wachstumsaussichten sowie einen steigenden Wettbewerbsdruck mit einem harten Abverkauf der Aktie. Der Kurs brach am Donnerstag um 39 Prozent ein und konnte sich am Freitag bis zum Mittag auch nicht erholen.
Auf die US-Staatsanleiheseite hielt der Abgabedruck an. Mit ein Grund waren Sorgen, dass sich die US-Wirtschaft stärker als erwartet entwickelt und sich die Inflation darum hartnäckiger halten könnte. Der Markt preiste deshalb die Erwartung, dass nicht mehr weiter an der Zinsschraube gedreht wird, etwas aus und nahm zudem die Erwartungen von deutlichen Zinssenkungen im kommenden Jahr leicht zurück. Die Rendite für zehnjährige US-Staatspapiere erreichte am Donnerstag zeitweise den höchsten Stand seit Oktober 2022. Durch den weiteren Renditeanstieg bei den US-Staatspapieren sind die Realrenditen – also die Renditen nach Abzug der Inflation – weiter angestiegen, was sich als Belastung für risikoreiche Anlageklassen wie Aktien erwies. Insgesamt blieb der Renditeanstieg bei den zehnjährigen US-Treasuries im Wochenvergleich aber mit acht BP gering, die Renditen zweijähriger US-Staatstitel blieben sogar unverändert.
Am deutschen Staatsanleihemarkt näherten sich die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen zwischenzeitlich dem oberen Ende ihrer Handelsspanne der vergangenen Monate an, doch beruhigte sich das Geschehen zum Ende der Woche hin wieder und es zeigten sich kaum Veränderungen. Allerdings wurden am Markt die Erwartungen für EZB-Leitzinssenkung im nächsten Jahr in geringem Maße etwas ausgepreist, nun geht der Markt insgesamt noch von rund 60 BP Zinssenkungen im Jahr 2024 aus. Unsere Volkswirte erwarten weiterhin, dass im September dieses Jahres der EZB-Hauptrefinanzierungssatz bei 4,5 Prozent erreicht wird und im nächsten Jahr erst in der zweiten Jahreshälfte Zinssenkungen über 50 BP kommen. Die Anleger waren in der zurückliegenden Woche im Bundesanleihe-Markt zudem verstärkt mit Verkaufspositionen (Shorts) positioniert, so dass von dieser Seite der Verkaufsdruck etwas abnehmen könnte.
Covered-Bonds-Markt öffnet nach Sommerpause
Am Covered-Bonds-Markt hat erstmals seit der Sommerpause – und damit etwas früher als üblich – wieder eine Emission stattgefunden, die gut aufgenommen wurde, und in den nächsten Wochen dürften weitere Platzierungen kommen. Europäische Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Bewertung gerieten leicht unter Druck, so dass die Rendite gemessen am ICE BofA Euro Corporate Index wieder auf über 4,3 Prozent stieg. Allerdings hielten sich die Bewegungen in engen Bahnen.
Auf der Seite der Schwellenländer (Emerging Markets) gab es eine deutlichere Korrektur verbunden mit steigenden Risikoaufschlägen. Gemessen am JPMorgan EMBI stiegen sie von anfangs unter 340 BP zuletzt auf rund 356 BP. Für Unruhe sorgte die deutliche Abschwächung des Renminbi angesichts der schwachen Konjunkturdaten, doch erholte sich die chinesische Währung gegenüber dem US-Dollar leicht. Es hieß, dass zur Stützung chinesische Banken angewiesen worden sind, Dollar gegen Renminbi zu verkaufen.
In der nächsten Woche werden sich die Marktbeteiligten mit zahlreichen Konjunkturindikatoren beschäftigen können. So werden unter anderem am Mittwoch (23.08.) für den Euroraum und die USA die Einkaufsmanagerindizes aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor für August vorgelegt. Am Donnerstag (24.08.) folgen dann der US-Auftragseingang für langlebige Güter für Juli sowie die US-Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung, vom Stimmungsindikator für den US-Konsum der Uni Michigan gefolgt am Freitag (25.08.). In Deutschland stehen unter anderem am Mittwoch ebenfalls die Einkaufsmanager-Indizes für August sowie am Freitag die Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex auf der Agenda. Abgesehen davon beginnt am Donnerstag auch das jährliche Treffen der weltweiten Notenbanker im Bergkurort Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming in den USA, das drei Tage dauert.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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