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32. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 07 bis 11. August 2023
Nach dem jüngsten Rücksetzer aus der Vorwoche tendierten die Aktienmärkte in der Berichtswoche weitgehend seitwärts. Die mit Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise – das Highlight in einer insgesamt datenarmen Woche – haben sich im Juli gegenüber dem Vormonat erwartungsgemäß leicht erhöht. Die Anleger erwarten trotz des leichten Inflationsanstiegs ein Ende der Zinserhöhungen durch die Federal Reserve. US-Staatsanleihen tendierten im Verlauf der Woche um die Vier-Prozent-Marke. Nach zunächst erfreulichen Zugewinnen zogen die Staatsanleiherenditen in Deutschland zum Wochenschluss wieder etwas an. Eine schwache US-Staatsanleihe-Auktion am Donnerstagabend hatte etwas verstimmt. Insgesamt war der Handel in der Berichtswoche aber auch deutlich von der Sommerpause geprägt.
US-Verbraucherpreise steigen im Juli leicht an
Die Inflation in den Vereinigten Staaten hat zuletzt wieder etwas zugelegt. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise sowohl in der Gesamtrate (Headline) als auch in der Kernrate gegenüber dem Vormonat um jeweils 0,2 Prozent an. Dies war wenig überraschend und entsprach in der Kernrate unseren Erwartungen. Bei der Gesamtrate gingen wir sogar von plus 0,3 Prozent aus. Der Anstieg bei den Energiepreisen fiel allerdings etwas geringer als von uns erwartet aus. Mit Blick auf die Jahresentwicklung lag die Kernrate mit 4,7 Prozent gegenüber Juli des Vorjahres leicht unter den Erwartungen (4,8 Prozent). Zum Vergleich: Im September 2022 lag die Kernrate noch bei 6,6 Prozent. Auch die Gesamtrate blieb mit 3,2 Prozent leicht unter dem Konsens (3,3 Prozent).
Mit dem erwartet leichten Anstieg (auf Monatsbasis) nimmt die Erwartung hinsichtlich des Endes der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank zu. Der Zinsgipfel in den USA sollte mit dem aktuellen Satz von 5,25 bis 5,5 Prozent erreicht sein. Wir sind zuversichtlich, dass die noch kommenden Daten in einer kumulierten Betrachtung die US-Notenbank Fed davon überzeugen können, dass die geldpolitische Ausrichtung mit dem nunmehr erreichten Zinsniveau als ausreichend restriktiv angesehen wird. Der nächste Zinsschritt der US-Fed dürfte demzufolge dann eine Senkung sein.
Eine Entspannung zeigte sich auch am US-Arbeitsmarkt. Die am Freitagnachmittag der Vorwoche veröffentlichen Arbeitsmarktdaten lagen mit 187.000 neu geschaffen Stellen außerhalb der Landwirtschaft am unteren Ende der Erwartungen. Die Arbeitslosenquote fiel auf 3,5 Prozent. Die Stundenlöhne stiegen etwas an, aber nicht in der Breite, denn der Anstieg umfasste nur einige wenige Sektoren. Somit baut sich am US-Arbeitsmarkt das Ungleichgewicht mehr und mehr ab. Die Anzahl der offenen Stellen reduziert sich bei gleichzeitig zunehmender Beschäftigung und lässt ein „Soft-Landing“ des Arbeitsmarktes erwarten.
Chinas Außenhandel deutlich rückläufig
In der von nur wenigen Konjunkturdaten geprägten Berichtswoche enttäuschten die chinesischen Außenhandelszahlen. Die Juli-Importe fielen im Jahresvergleich um 12,4 Prozent, allerdings wurde im Juli 2022 ein Rekordwert erzielt und somit eine sehr hohe Basis geschaffen. Die Exporte fielen um 14,5 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet.
Die chinesischen Verbraucherpreise bewegten sich im Juli gegenüber Vorjahr im negativen Bereich. Wir rechnen allerdings nicht mit einer lange anhaltenden Deflation. Die Produzentenpreise lagen bei minus 4,4 Prozent, scheinen aber nunmehr ihren Tiefpunkt durchschritten zu haben.
Deutsche Industrieproduktion unter Erwartung
Die deutsche Industrieproduktion war im Juni schlechter als vom Konsens erwartet und lag damit im zweiten Quartal unter dem Niveau des ersten Quartals. Der Rückgang um 1,5 Prozent war vor allem auf die schwächere Entwicklung im Automobilsektor und in der Bauwirtschaft zurückzuführen. Die deutsche Industrie lebt derzeit in erster Linie von der Abarbeitung der Auftragsbücher, was sich zunehmend belastend auf die weitere Konjunkturentwicklung auswirken sollte.
Die Anleger an den Aktienbörsen blieben in der Berichtswoche eher vorsichtig gestimmt. Mit den am Donnerstag veröffentlichten US-Inflationsdaten ging zwar etwas Zuversicht einher, die Konjunktursorgen blieben jedoch bestehen. Die großen Börsen tendierten uneinheitlich und lagen per Freitagvormittag mit Ausnahme des chinesischen Marktes, der HSCEI-Index verlor 2,9 Prozent, nur geringfügig verändert. Der amerikanische Nasdaq 100-Index wies mit plus einem Prozent vor dem Handelsbeginn am Freitagmittag noch die deutlichste Wertveränderung auf. Der DAX 40 lag bei rund 15.900 Punkten mit 0,4 Prozent im Minus.
Bankensektor nach italienischen Steuerplänen unter Druck
Neben der noch laufenden Berichtssaison waren Nachrichten aus Italien zu einer geplanten Übergewinnbesteuerung im Bankensektor eines der zentralen Themen. Die italienische Regierung kündigte in der Berichtswoche überraschend kurzfristig vor der Sommerpause die Einführung einer rückwirkenden Sondersteuer auf „Übergewinne“ italienischer Kreditinstitute an. Presseberichten zufolge soll die einmalige Steuer in Höhe von 40 Prozent auf die aus höheren Zinsen resultierenden Gewinne der Banken einen Großteil deren Erlöse kosten. Die Einnahmen, zu denen wenig verlässliche Schätzungen vorlagen, sollen sich im Milliardenbereich bewegen und zum Teil Kreditnehmern zugutekommen, die infolge des Zinsanstiegs im Euroraum durch variable Zinsen in Schwierigkeiten geraten sind. In einer ersten Reaktion kam der europäische Bankensektor unter Druck. Hinzu kam, dass die Ratingagentur Moody’s vor steigenden Refinanzierungskosten für den US-Bankensektor warnte und die Bonitätsnoten einiger mittelgroßer und kleiner Regionalbanken senkte. Der STOXX Europe 600-Bankenindex gab in der Berichtswoche zunächst deutlich nach, konnte sich aber zum Freitagmittag hin wieder vom Großteil seiner Verluste erholen.
Versicherer mit soliden Zahlen
In der sich langsam dem Ende zuneigenden Berichtssaison kamen in der Berichtswoche noch ein paar Schwergewichte an den Markt. So konnten die großen Versicherungsunternehmen Allianz, Münchener Rück und auch Hannover Re solide Daten vorlegen und in einer ersten Marktreaktion Zugewinne verbuchen. Weniger erfreulich fiel die Berichterstattung für die Siemens Aktionäre aus. Bremsspuren bei den lukrativen Digital-Industries-Aktivitäten verstimmten die Anleger. Dort hat im dritten Quartal (Geschäftsjahr zum 30. September) ein Auftragseinbruch für die Absenkung der erst im Mai angehobenen Prognose gesorgt. Die Aktie gab im Wochenvergleich um rund sieben Prozent nach. Den größten Verlust verbuchte zudem die Siemens Energy-Aktie, die in der Berichtswoche knapp 14 Prozent verlor.
Inflationsumfrage der EZB drückt zunächst Bund-Renditen
Trotz der laufenden Sommerpause zeigte sich der Markt für deutsche Bundesanleihen in der Berichtswoche recht volatil. Am Dienstag war zunächst eine deutliche Abwärtsbewegung bei den Renditen zu beobachten. Dabei ging es im Zehnjahresbereich in Richtung 2,4 Prozent. Hintergrund war eine Umfrage der Europäischen Zentralbank zu den Inflationserwartungen im Euroraum. Es wird ein Abflauen des Inflationsschubs erwartet. Die Teuerung wird Stand Juni in den nächsten 12 Monaten im Mittel bei 3,4 Prozent erwartet (nach 3,9 Prozent im Mai). In drei Jahren wird mit einem Anstieg von 2,3 Prozent gerechnet, zuvor waren es noch 2,5 Prozent gewesen. Die Teuerung würde damit etwas über der Zielrate der EZB von zwei Prozent liegen. Darüber hinaus führten Wachstumssorgen bezüglich China im Rahmen der veröffentlichen Außenhandelsdaten für Unterstützung der Bund-Renditen.
Schwache US-Auktion lässt Markt dann drehen
Der Renditeabschwung konnte sich jedoch nicht lange halten. Der Anstieg des Rohöl- und des Gaspreises bremste die Bewegung zunächst etwas aus. Zum Wochenschluss drehte dann der Markt. Eine schwache Auktion US-amerikanischer Staatsanleihen verunsicherte die Anleger. Am Freitag wurde dann die Renditemarke von 2,6 Prozent im Zehnjahresbereich erreicht, per Saldo war in der Berichtswoche nicht allzu viel passiert. Mit auf die Zinskurve war die Entwicklung uneinheitlich. Kurze Laufzeiten gaben ein paar Renditestellen nach, Fälligkeiten ab 10 Jahre aufwärts verzeichneten einen leichten Renditeanstieg. Der Spread zwischen deutschen Bundesanleihen und italienischen Staatspapieren engte sich im Zehnjahresbereich leicht auf 161 Basispunkt ein. Am Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereign-Index) war per Donnerstagabend ein leichter Zugewinn zu beobachten. Dies war auch bei den Euro-Unternehmensanleihen der Fall. Dieser lag in der Berichtswoche sehr stabil, am Neuemissionsmarkt gab es nur sporadisch die eine oder andere Platzierung. Die Orderbücher waren aufgrund solider Nachfrage gut gefüllt. Zahlreicher waren in der Berichtswoche hingegen auf US-Dollar lautende Unternehmenspapiere. Dort war die Neuemissionspipeline vergleichsweise gut gefüllt.
Der US-Staatsanleihemarkt zeigte sich weniger volatil. Die komplette US-Zinskurve verschob sich, vor allem die mittleren Laufzeiten, ein paar Basispunkte nach oben.
In der neuen Handelswoche stehen wieder zahlreiche Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Im Blickpunkt stehen am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze für den Monat Juli. Der Markt geht dabei von einem leichten Anstieg aus. Der robuste private Verbrauch konnte bislang ein Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession verhindern. Allerdings dürfte die Unterstützung durch die privaten Haushalte etwas an Schwung verlieren. Darüber hinaus stehen einige Daten zum US-Immobilienmarkt auf der Agenda. Von übergeordnetem Interesse dürften zudem die chinesische Industrieproduktion und die dortigen Einzelhandelsumsätze im Juli sein. Zuletzt hat die Sorge um die chinesische Konjunktur die Märkte weltweit beschäftigt.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 11. August 2023, soweit nicht anders angegeben.
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