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3. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 15. bis 19. Januar 2024
Nach einem schwachen Wochenstart holten Aktien in der zweiten Wochenhälfte einen Großteil der Kursverluste wieder auf. Am Rentenmarkt setzte sich der Trend der letzten Wochen zu steigenden Renditen weiter fort. Darüber hinaus ebbte die Neuemissionswelle ab.
Der Nahost-Konflikt bleibt ein Pulverfass
Die Geschehnisse der vergangenen Tage im Nahen Osten klingen besorgniserregend. Nachdem die Huthi-Rebellen aus dem Jemen zunächst mehrere Frachtschiffe und später dann auch ein US-Kriegsschiff attackiert hatten, ließ die Reaktion der USA nicht lange auf sich warten. Zusammen mit Verbündeten griff die weltweit größte Militärmacht knapp 30 Stellungen der Miliz im Jemen an. Die Huthi-Rebellen werden vom Iran unterstützt. Entsprechend sah sich auch das Regime in Teheran zu einer Reaktion genötigt und beschoss unter anderem das US-Konsulat im Nordirak mit Raketen. Eine größere Marktreaktion zu Wochenbeginn blieb jedoch aus. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass Israel zwar nach außen mit einer aggressiven Rhetorik aufwartet, im Hintergrund aber aktiv Friedensverhandlungen vorantreibt und an einer Beruhigung des Konflikts in der Region interessiert ist. Nichtsdestotrotz bleibt die Lage angespannt und könnte jederzeit weiter eskalieren.
Sehr moderat fällt bislang auch die Reaktion am Rohstoffmarkt aus. Der Ölpreis der Sorte Brent betrug per Freitagmittag knapp 80 US-Dollar je Barrel und lag damit etwa sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Die gute Versorgungslage bei zugleich schwacher Nachfrage wiegt offenbar momentan schwerer als eine mögliche weitere Eskalation im Nahost-Konflikt.
Fortschrittspartei gewinnt die Wahl in Taiwan
Zumindest in Taiwan haben sich die geopolitischen Risiken nicht weiter erhöht. Der Kandidat der regierenden demokratischen Fortschrittspartei, welche für die taiwanesische Eigenständigkeit eintritt, konnte 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Mit 33 Prozent der Stimmen landete Hou Yu-ih von der chinafreundlichen Kuomintang auf dem zweiten Rang. Ko Wen-je von der taiwanesischen Volkspartei erreichte einen Stimmenanteil von 26 Prozent und somit Platz drei. Es wird erwartet, dass sich im nächsten Parlament Kuomintang und taiwanesische Volkspartei zusammentun und eine Mehrheit gegen die demokratische Fortschrittspartei bilden werden.
Der unmittelbare Wahlausgang wird keine substanzielle Verschlechterung der Beziehungen nach sich ziehen. Einerseits besteht mit dem von der chinafreundlichen Kuomintang beherrschten Parlament ein legislatives Gegengewicht zum Präsidenten, was vor allem für die Verabschiedung des Verteidigungsetats von Relevanz sein wird. Andererseits haben beide Seiten mit gemäßigten Kommentaren auf den Wahlausgang reagiert. Lai bekräftigte, den Kurs seiner Amtsvorgängerin Tsai Ing-wen fortsetzen und für Frieden und Sicherheit eintreten zu wollen. Peking machte seinerseits klar, dass der Wahlausgang am grundsätzlichen Muster der Beziehungen und an der künftigen Ausrichtung des Verhältnisses zwischen China und Taiwan nichts geändert habe. Dass eine Eskalation im direkten Nachgang der Wahl ausblieb, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spannungen zwischen China und Taiwan in den nächsten Monaten zunehmen werden. Mit der Stärkung der taiwanesischen Identität, welche der künftige Präsident Lai vertritt, und der Vereinigung Festlandchinas mit Taiwan, die von Peking angestrebt wird, treffen zwei miteinander unvereinbare Haltungen aufeinander.
Die US-Wirtschaft erweist sich weiterhin als robust
Die in dieser Woche präsentierten US-Konjunkturdaten fielen mehrheitlich besser als erwartet aus. Dabei erwies sich vor allem der US-Konsument als resilient, denn die Einzelhandelsumsätze stiegen im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent an. Im November waren es trotz der Vorweihnachtsaktionen rund um den Black Friday nur 0,3 Prozent gewesen. Darüber hinaus belebte der Zinsrückgang zum Jahreswechsel wieder den US-Immobilienmarkt. Sowohl Baubeginne als auch Baugenehmigungen fielen höher als erwartet aus. Zudem gab es einen Rückgang bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Alles in allem sprechen die jüngsten US-Wirtschaftsdaten gegen schnelle Zinssenkungen.
Die europäischen Märkte starteten in die neue Woche mit leichten Kurseinbußen, während die US-Börsen am Martin-Luther-King-Tag geschlossen blieben. Auslöser für die Abwärtsbewegung waren vor allem die kritischen Kommentare von EZB-Mitgliedern, die der Hoffnung auf eine schnelle Zinssenkung ein Ende setzen wollten. Die Handelsvolumina waren aufgrund des US-Feiertages sowieso gedämpft. Bis zur Wochenmitte tendierten die globalen Märkte eher schwach. Positive Nachrichten fanden kaum Beachtung. So verlangsamte sich in Großbritannien das Lohnwachstum deutlich. In Deutschland haben sich zudem laut der ZEW-Umfrage die Erwartungen der Anleger im Januar überraschend verbessert. Darüber hinaus sind die Verbrauchererwartungen für die Inflation in der Eurozone gesunken.
Die Aktienkurse kamen vielmehr unter Druck, weil die jüngsten Daten aus China auf eine Verschärfung der dortigen Immobilienkrise und auf weiteren Deflationsdruck hinweisen. Chinas Immobilienpreise sind im Dezember so stark gefallen wie seit fast neun Jahren nicht mehr, und die Einzelhandelsumsätze blieben hinter den Erwartungen zurück. Das chinesische BIP stieg im letzten Quartal 2023 um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der offizielle Plan wurde also wieder eingehalten. Nach dem Wahlsieg des demokratischen Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen in Taiwan tendierte auch der Aktienmarkt in Hongkong zum Wochenanfang schwach, andere Märkte in der Region gaben ebenfalls nach.
Erste Quartalsergebnisse sorgen im Wochenverlauf für Unterstützung
Zum Ende der Woche hin konnten sich die Aktienmärkte aber wieder erholen. Für Unterstützung sorgten die US-Börsen, die am Donnerstag deutlich zulegen konnten. Vor allem der Technologie-Index Nasdaq 100 erreichte ein Rekordhoch. Grund hierfür waren die guten Nachrichten aus dem Tech-Sektor. Der taiwanische Chipkonzern TSMC hat das schwierige Jahr 2023 unerwartet stark abgeschlossen. Diese Meldung wirkte sich positiv auf den gesamten Halbleiter-Bereich aus, sodass die Aktie des Chipkonzerns AMD beispielsweise um 3,5 Prozent nach oben kletterte. Aktien rund um das Thema Künstliche Intelligenz waren daher wieder gefragt, entsprechend konnten auch die Titel von Nvidia weiter zulegen.
Diese Woche veröffentlichten die beiden großen US-Investmentbanken JPMorgan und Morgan Stanley ihre Ergebnisse. Nachdem sie vor zwei Jahren noch gleichauf lagen, steht Morgan Stanley beim Jahresgewinn 2023 inzwischen besser da als Goldman Sachs. Grund hierfür ist die frühzeitige Expansion von Morgan Stanley in die Vermögensverwaltung. Morgan Stanley konnte den Nettogewinn für das Gesamtjahr auf 9,1 Milliarden Dollar steigern, was einer Eigenkapitalrendite von 12,8 Prozent entsprach. Der Jahresgewinn von Goldman Sachs, die sich weiter stark auf das Kapitalmarktgeschäft konzentriert, sank hingegen von 11,3 auf 8,6 Milliarden Dollar, die Eigenkapitalrendite lag bei 7,5 Prozent.
Bayer gibt Sparprogramm bekannt, Gewinnmitnahmen bei Birkenstock
Der deutsche Agrarchemie- und Pharma-Konzern Bayer gab am Mittwochabend bekannt, dass eine Umstrukturierung eingeleitet werden soll, die auch einen massiven Stellenabbau in Deutschland mit sich bringt. Das neue Organisationsmodell soll sämtliche Konzernbereiche auf mögliche Einsparungen durchleuchten. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt. Zunächst konnte die Bayer-Aktie leicht zulegen. Später verlor sie in einem freundlichen Markt aber mehr als zwei Prozent. Hintergrund waren Gerüchte, wonach nun doch keine Aufspaltung des Konzerns geplant sei. Am Donnerstag gab dann der deutsche Chemiekonzern BASF sein Jahresergebnis bekannt, das unter den Erwartungen des Marktes lag. Das Unternehmen gab als Begründung einen umsatzbedingten Margenrückgang an. Die Aktie gab daraufhin spürbar nach.
Die Titel des krisengeschüttelten US-Flugzeugbauers Boeing verbuchten Kurszuwächse, denn trotz der Sicherheitsprobleme mit der Max-Baureihe erhielt das Unternehmen einen Großauftrag aus Indien. Die junge Airline Akasa Air orderte einige Maschinen aus den Baureihen 737-Max 8 und Max 10. Die Aktien des US-Krankenversicherers Humana gaben hingegen deutlich ab, als der Gewinnausblick spürbar zurückgenommen wurde. Daraufhin kamen auch die Titel von Konkurrenten wie UnitedHealth unter Druck. Trotz dieser Meldungen konnten Aktien aus dem Medizintechnik-Sektor gegen Ende der Woche zulegen. Ausgelatscht? Der deutsche Sandalen-Hersteller Birkenstock, der seit Kurzem in New York börsennotiert ist, erwartet für das laufende Geschäftsjahr erneut erfreuliche Umsatzsteigerungen. Nachdem die Aktie zuletzt einen guten Lauf hatte, nahmen viele Anleger nun Gewinne mit, woraufhin der Kurs deutlich absackte.
DAX 40-Index und EURO STOXX 50-Index verloren in dieser Handelswoche mit 0,5 bzw. 0,3 Prozent leicht an Wert. Vor dem heutigen Freitagsstart liegen die US-Börsen nahezu unverändert. Deutlich schwankungsreicher zeigten sich die Aktienmärkte in Asien. In China liegt der HSCEI-Index im Vergleich zur Vorwoche mehr als sechs Prozent im Minus. In Japan hingegen konnte der Nikkei 225 seinen Aufwärtstrend fortsetzen und liegt seit Jahresbeginn bereits 7,5 Prozent im Plus. Neben der Aussicht auf eine Aufwertung des Japanischen Yen vor dem Hintergrund der Beendigung der ultraexpansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank dürften steuerfreie Aktieninvestments japanischer Anleger im Rahmen der dortigen Altersvorsorge zum jüngsten Anstieg des Nikkei-Index geführt haben.
In der kommenden Woche steht die erste Zusammenkunft des EZB-Rates in diesem Jahr an. Wenige Tage vor der Sitzung beginnt die sogenannte Schweigeperiode, in der man keine Wortmeldung der Mitglieder mehr hört. Doch in den Tagen zuvor versuchen die Mitglieder den Marktteilnehmern noch einmal einen Hinweis zu geben, was sie derzeit so umtreibt. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos machte EZB-Präsidentin Lagarde deutlich, dass die Erwartungen der Marktteilnehmer an frühere Zinssenkungen übertrieben seien. Dies war wenig verwunderlich, dennoch tat sich hier etwas. Bislang scheuten sich die Währungshüter, über Zinssenkungen überhaupt nachzudenken. Nun zeigte man sich aber offen für einen ersten Zinsschritt im Juni. Lagarde deutete an, dass eine Zinssenkung zur Jahresmitte möglich sei, wenn man mehr Klarheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur, der Inflation und auch der Löhne hat. Auch die Beeinträchtigung der Lieferketten durch die Huthi-Rebellen im Roten Meer dürfte man bis dahin besser abschätzen können. Am europäischen Rentenmarkt setzte sich der Trend zu höheren Renditen aufgrund der Absage schneller Zinssenkungen zunächst fort. Dabei kletterten die zehnjährigen Renditen für Bundesanleihen auf ein Niveau von 2,33 Prozent. Vom Tief Ende Dezember bei rund 1,9 Prozent haben wir uns seitdem wieder deutlich nach oben bewegt. Zum Jahresende schienen die Markterwartungen mit teilweise bis zu sieben Zinssenkungen seitens der EZB für 2024 jedoch auch deutlich überzogen.
Fed-Mitglied drückt auf die Euphoriebremse
Auch von Seiten der Mitglieder der US-Notenbank gab es Wortmeldungen. Mitte der Woche hatte die Rede von Christopher Waller Gewicht. Waller gilt als schärfster Verfechter einer restriktiven Geldpolitik unter den Fed-Mitgliedern und machte deutlich, dass es seiner Ansicht nach keine Notwendigkeit gäbe, die Leitzinsen schnell zu senken. Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen reagierte darauf mit einem Anstieg um knapp zwölf Basispunkte. Gleichzeitig sprach Waller aber auch davon, dass Leitzinssenkungen in diesem Jahr möglich seien, sofern die Inflation nicht wieder anziehen sollte. Auf Wochensicht stiegen die US-Renditen weiter an. Zweijährige Schatzanweisungen rentierten bei 4,36 Prozent und damit 22 Basispunkte höher als zum Ende der Vorwoche. Zehnjährige Titel legten 20 Basispunkte zu auf 4,14 Prozent.
Auch britische Staatsanleihen mussten Kursverluste hinnehmen. Für Druck auf die Notierungen sorgten dabei vor allem die veröffentlichten Inflationszahlen. Nicht nur, dass die Inflation im Dezember nochmals anzog. Der unterliegende Preisdruck, gemessen an der Kerninflation, lag zuletzt noch immer bei mehr als fünf Prozent. Sonderfaktoren wie der Brexit sorgen im Vereinigten Königreich für höhere Preise. Der übergeordnete Trend ist aber dennoch abwärtsgerichtet. Es dürfte nur länger als im Euroraum dauern, bis das Inflationsziel der Bank of England erreicht ist. Dementsprechend ist auch erst zu einem späteren Zeitpunkt mit Zinssenkungen zu rechnen.
Neuemissionswelle ebbt ab
Zu Jahresbeginn wurde eine Rekordzahl an neuen Papieren am Markt platziert. In den vergangenen Tagen ebbte die Welle nun merklich ab. Aufgrund eines Feiertags in den USA waren die Handelsaktivitäten zu Wochenbeginn ohnehin gering. Im weiteren Verlauf folgten noch einige Platzierungen, das Volumen pendelte sich dabei aber wieder auf einem normalen Niveau ein. In einigen Anlageklassen wurde dies wohlwollend aufgenommen, so etwa bei Covered Bonds. Hier hatten die Neuemissionen den Sekundärmarkt belastet. Das Ausbleiben weiterer neuer Papiere könnte nun marktstützend wirken.
Der Datenkalender der kommenden Woche ist gut gefüllt. Highlight ist sicherlich die Ratssitzung der EZB am Donnerstag. Die Währungshüter waren zuletzt nicht gerade glücklich mit der Erwartungshaltung der Marktteilnehmer, die schon bald mit Zinssenkungen rechnen. EZB-Chefin Lagarde dürfte daher noch einmal den Fokus auf die Inflation legen und das man hier noch nicht das gewünschte Ziel erreicht hat.
Spannend wird auch sein, wie sich das ifo Geschäftsklima weiterentwickelt hat. Im Vormonat bremste die Haushaltskrise eine mögliche Erholung aus. Hatten Bahnstreikt und Bauernproteste zuletzt eine ähnliche Wirkung?
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 19. Januar 2024, soweit nicht anders angegeben.
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