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1-2. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 2. bis 12. Januar 2024
Zum Jahresauftakt 2024 setzte an den Finanzmärkten etwas Ernüchterung ein. Der ein oder andere Akteur sprach sogar von einem verpatzten Jahresauftakt. Zumindest war nach dem Kursfeuerwerk des Vorjahres erst einmal eine Konsolidierung angesagt. Der DAX 40 etwa versuchte am 2. Januar in der ersten Börsensitzung des neuen Jahres seinen Rekordstand von Mitte Dezember zu überbieten, blieb aber dabei erfolglos und begab sich wie auch weitere Indizes in eine Konsolidierungsbewegung. Hierzu trugen auch die ansteigenden Renditen an den Staatsanleihemärkten bei. Denn am Markt setzte sich zuletzt die Ansicht durch, das hinsichtlich der Zinssenkungserwartungen mittlerweile vielleicht doch etwas zu viel des Guten in den Anleihenotierungen eingepreist wurde. Schwächere Aktien- und Anleihekurse bestimmten somit seit Jahresbeginn das Geschehen. In Erwartung der US-Verbraucherpreise für Dezember, die letztlich in der Gesamtrate leicht höher als erwartet ausfielen, und der nun anstehenden Berichtssaison zum 4. Quartal nahmen die Anleger eine abwartende Haltung ein. Dennoch gab es auch Lichtblick. So wurden in den beiden ersten Berichtswochen 2024 rekordverdächtig hohe Volumina an Anleihen aus verschiedenen Segmenten bei starker Nachfrage sehr erfolgreich am Markt platziert.
US-Inflation im Dezember leicht über Erwartung
Die US-Inflationsdaten für Dezember lagen etwas über den Erwartungen der Anleger. Der Anstieg betrug im Jahresvergleich 3,4 Prozent (Konsens 3,2 Prozent). Gegenüber dem Vormonat war dies ein Zuwachs von 0,3 Prozent. Die um Lebensmittel und Energiepreise bereinigte Kernrate stieg um 3,9 Prozent gegenüber Vorjahr und ebenfalls 0,3 Prozent gegenüber Vormonat an. Der Markt reagierte sehr verhalten, wenngleich die Zinshoffnungen auf eine schnelle Senkung durch die US-Fed etwas zusammengeschmolzen sein dürften. Die am Markt gepreiste Zinssenkung im März ist unserer Meinung nach angesichts der jüngsten Entwicklung verfrüht, wir gehen in unserem Basisszenario weiterhin von einem ersten Schritt im Juni aus. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bereits im Mai aufgrund der aktuellen Fed-Kommunikation etwas gestiegen.
Der amerikanische ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg im Dezember an, blieb aber mit 47,2 Punkten weiter im kontraktiven Bereich. Der ISM bestätigt damit die konjunkturelle Schwächephase in der Industrie. Wir gehen aber davon aus, dass der Tiefpunkt durchschritten wird und erwarten in den kommenden Monaten eine allmähliche Belebung.
Normalisierung am US-Arbeitsmarkt schreitet fort
Vom US-Arbeitsmarkt gab es ermutigende Signale. Die Zahl der außerhalb der Landwirtschaft neu geschaffenen Stellen lag im Dezember mit 216.00 deutlich über dem Konsens (175.000) und passt in unser Bild eines „Soft Landing“ der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert, die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen etwas schneller als erwartet an. Die Entwicklung, auch unter Berücksichtigung des Rückgangs der offenen Stellen, spricht mit dem fortschreitenden Abbau des Ungleichgewichts ohne Einbruch am Arbeitsmarkt weiterhin für eine erste Zinssenkung der US-Fed erst im zweiten Quartal 2024.
Das Protokoll der US-Fed aus der letzten Sitzung zeigte sich, verglichen mit den jüngsten Ausführungen seines Vorsitzenden Jerome Powell, eher leicht restriktiv. Die Fed lehnte sich darin gegen den Eindruck unmittelbar bevorstehender Zinssenkungen, hält sich aber weiterhin alle Optionen offen.
Euroraum/Deutschland: Inflationsrate im Dezember ebenfalls leicht erhöht
Die Inflationsrate in Deutschland war im Dezember aufgrund von Basiseffekten – durch die Einführung der Energiepreisbremse im Dezember 2022 – im vergangenen Dezember im Jahresvergleich von 2,3 auf 3,8 Prozent angestiegen. Die vom Energieeffekt nicht betroffene Kernrate ist hingegen rückläufig, liegt aber deutlich über dem Inflationsziel. Insgesamt sehen wir aber den Disinflationstrend intakt und im Jahresverlauf einen Rückgang der Kernrate in Richtung 2,5 Prozent.
Gleichzeitig erhöhte sich wie erwartet auch die Inflation im Euroraum im Dezember von 2,4 auf 2,9 Prozent (im Jahresvergleich). Das Inflationsniveau dürfte in den kommenden Monaten aufgrund von Sondereffekten erhöht bleiben. Die Kernrate fiel hingegen wie auch in Deutschland weiter zurück, damit bleibt auch im Euroraum der rückläufige Trend intakt.
Schwach zeigte sich die deutsche Industrieproduktion im November, der Rückgang lag bei 0,7 Prozent, dies war der sechste Rückgang in Folge. Wir erwarten Rückwirkungen auf das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2023 und das erste Quartal 2024, bei dem die Industrie als Haupttreiber für schwächere BIP-Daten fungieren wird.
An den Aktienmärkten machte sich in den ersten beiden Wochen Ernüchterung breit. Der DAX 40 versuchte zwar am ersten Handelstag, die alte Höchstmarke bei rund 17.000 Punkten in Angriff zu nehmen, was aber nicht gelang. Gewinnmitnahmen nach erfreulichen Zuwächsen, die anstehenden Verbraucherpreisdaten aus dem Euroraum und vor allem den USA und die nun startende Berichtssaison zum 4. Quartal waren Faktoren, die die Anleger zur Zurückhaltung veranlassten. Und natürlich der Rentenmarkt, dessen Renditeanstieg im Rahmen von etwas ausgepreisten Zinssenkungserwartungen nicht gerade für steigende Aktienkurse sprach. Denn die bislang abwärts gerichtete Renditeentwicklung war auch ein wichtiger Treiber für die Aktienmärkte. Mit den leicht steigenden Renditen einhergehend setzte auch an den Aktienbörsen eine Konsolidierung ein. Am heutigen Freitagvormittag konnten die europäischen Aktien aber wieder einen Teil der Verluste aus den Vortagen gutmachen. Der DAX 40 und der EURO STOXX 50-Index lagen mit 0,4 bzw. 0,7 Prozent seit Jahresbeginn nur noch leicht im Minus. Vor dem heutigen Freitagsstart liegen die US-Börsen nahezu unverändert. Deutlich schwankungsreicher zeigten sich die Aktienmärkte in Asien. In China liegt der HSCEI-Index seit Jahresbeginn mit rund fünf Prozent im Minus. In Japan hingegen hat der Nikkei 225 einen raketenartigen Start hingelegt, die bisherige Jahresentwicklung beläuft sich auf plus 6,3 Prozent. Neben der Aussicht auf eine Aufwertung des Japanischen Yen vor dem Hintergrund der Beendigung der ultraexpansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank dürften steuerfreie Aktienanlagen japanischer Anleger im Rahmen der dortigen Altersvorsorge zum jüngsten Anstieg des Nikkei-Index geführt haben.
An den Euro-Staatsanleihemärkten zeigte sich in den vergangenen Handelstagen ein eher paradoxes Anlageverhalten. Einerseits kam es nach freundlichen Vorwochen im Rahmen der Konsolidierung – es wurden hierbei vor allem zuvor hoch gesteckte Zinssenkungserwartungen etwas ausgepreist – zu rückläufigen Anleihekursen und damit einhergehend zu steigenden Renditen. Auch dürfte die im Dezember auf 2,9 Prozent gestiegene Inflation im Euroraum eher dämpfend auf die Stimmung gewirkt haben. Die am Donnerstag veröffentlichten etwas höheren US-Verbraucherpreise für Dezember hatten hingegen so gut wie keine Auswirkungen auf das Handelsgeschehen.
Andererseits war in den vergangenen Tagen eine unerwartet rekordverdächtige Nachfrage nach neuen Staatspapieren, vor allem aus der Euro-Peripherie, zu beobachten. In jüngster Vergangenheit zeigten sich die Anleger mit Blick auf den kommenden umfangreichen italienischen Emissionsbedarf eher zurückhaltend und fürchteten ansteigende Risikoprämien. Dann kam Italien an den Markt und platzierte zwei neue Bonds (7 und 30 Jahre Laufzeit) über insgesamt 15 Milliarden Euro. Zur Überraschung aller lagen zuletzt Zeichnungsaufträge über insgesamt 155 Milliarden Euro im Orderbuch. Dem schloss sich Spanien an, dessen ebenfalls 15 Milliarden Euro schwere Emission eine Nachfrage in Höhe von 138 Milliarden Euro hervorrief. Am Donnerstag trat hierüber hinaus Irland mit einer Staatsanleihe im Gegenwert von drei Milliarden Euro an den Markt. Die Zeichnungsaufträge lagen zuletzt bei 44 Milliarden Euro. Letztlich sahen wir eine sehr erfolgreiche und angesichts der enormen Nachfrage etwas überraschende Neuemissionswoche, die recht beeindruckend war.
Die starke Neuemissionstätigkeit beschränkte sich nicht nur auf den Staatsanleihesektor. Auch im Bereich der Covered Bonds, bei Sonderinstituten und nicht zuletzt auch in den Schwellenländern wurden zahlreiche neue Anleihen emittiert. Dabei setzt auch am Euro-Unternehmensanleihemarkt eine massive Neuemissionswelle ein, die das bisherige Rekordjahr 2022 in den Schatten stellen dürfte. Das Angebot dort war hoch, aber reichte nicht aus, um mit der höheren Nachfrage Schritt zu halten. Die Zeichnungsprämien waren entsprechend der Nachfrage rückläufig und nicht mehr so üppig wie teils im Dezember.
Erhöhte Staatsanleiherenditen
Mit Blick auf den Sekundärmarkt für Euro-Staatsanleihen ergaben sich seit Jahresbeginn mit dem leichten Auspreisen der zuvor sehr hochgesteckten Zinssenkungserwartungen auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereign-Index) Verluste in Höhe von 1,2 Prozent. Auf der deutschen Zinsstrukturkurve legten die Laufzeiten von einem bis einschließlich zehn Jahren renditeseitig etwas stärker zu als die ganz langen Laufzeiten. Die richtungsweisende Zehnjahresrendite stieg von 2,02 auf 2,18 Prozent per Freitagmorgen an.
Am US-Staatsanleihemarkt stiegen die Renditen auf der Kurve mit zunehmender Laufzeit auch kontinuierlich stärker an. Zehnjährige Schatzanweisungen waren zwischenzeitlich wieder über die Vier-Prozentmarke geklettert und rentierten am Freitagmorgen mit 3,97 Prozent neun Basispunkte über Jahresschluss 2023. Die höher als erwartet veröffentlichten US-Verbraucherpreisdaten hatten nur kurz verunsichert. Nach kurzzeitig leicht rückläufigen Anleihekursen hat sich der Treasury-Markt im Rahmen einer sehr gut gelaufenen Auktion neuer 30-jähriger US-Staatsanleihen schnell gefangen.
In der neuen Handelswoche kommen aus den USA als auch aus China zahlreiche neue Wirtschaftsdaten. Im Blickpunkt dürften dabei die US-Einzelhandelsumsätze stehen, die dem Konsens zufolge leicht gestiegen sein dürften und sich damit fortgesetzt als maßgebliche Stütze der US-Wirtschaft erweisen. Darüber hinaus startet am heutigen Freitag in den USA die Berichtssaison zum 4. Quartal. Die US-Banken geben dabei wieder den Auftakt. Darüber hinaus dürften am Wochenende aus geopolitischer Sicht die Wahlen in Taiwan von erhöhtem Interesse sein.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 12. Januar 2024, soweit nicht anders angegeben.
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