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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Dezember 2024
EZB-Zinssenkung im Rahmen der Erwartungen
Zum Jahresende senkten sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) ein weiteres Mal die Leitzinsen. Zunächst war die EZB zur Monatsmitte an der Reihe. Zum vierten Mal im Jahr 2024 wurde mit Blick auf den nachlassenden Inflationsdruck und das Inflationsziel der EZB der Einlagensatz um 25 Basispunkte auf nunmehr 3,0 Prozent gesenkt. Hauptrefinanzierungs- und auch Spitzenrefinanzierungssatz fielen entsprechend. Hinsichtlich des weiteren Zinspfads hielt sich die EZB mit Hinweisen zurück und verwies auf die Datenabhängigkeit und den Ansatz, von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden.
US-Notenbank mit bearisher Tonlage
Die US-Notenbank (Federal Reserve) folgte kurz vor Weihnachten mit einer ebenfalls erwarteten Senkung der Fed Funds Rate um 25 Basispunkte auf 4,25 bis 4,5 Prozent. Der Umfang der Zinssenkungen beläuft sich damit seit dem Start im September auf mittlerweile 100 Basispunkte. Mit dem Entscheid war allerdings eine restriktive (falkenhafte) Botschaft verknüpft, mit der sich die Fed die Tür zu einer Verlangsamung des bisherigen Zinssenkungstempos offenhalten wird. So halten die FOMC-Mitglieder im kommenden Jahr im Schnitt nur noch zwei statt zuvor vier Zinssenkungen (gerechnet in Standardschritten von 25 Basispunkten) für angemessen. Zudem herrschte auf der folgenden Pressekonferenz eine klar falkenhafte Tonalität, die mit dem Hinweis auf das nunmehr bereits um 100 Basispunkte gesenkte Leitzinsniveau untermauert wurde.
Die restriktive Botschaft der Fed führte an den Finanzmärkten zu den entsprechenden Reaktionen: Die Renditen von US-Treasuries stiegen deutlich an und der US-Dollar wertete deutlich gegenüber dem Euro auf. An den Aktienmärkten kam nach einem sehr freundlichen Auftakt zu Monatsbeginn in der Folge zu Abschlägen.
Bank of Japan verzichtet (vorerst) auf Zinserhöhung
Die japanische Nationalbank (BoJ) hat auf ihrer Dezember-Sitzung eher etwas überraschend keine geldpolitische Änderung vorgenommen. Das Leitzinsniveau von 25 Basispunkten wurde beibehalten. Mit der Entscheidung will sich die BoJ noch etwas Zeit verschaffen, um vor einer möglichen Leitzinserhöhung weitere Daten und Entwicklungen abwarten zu können. Wir tendieren im Basisszenario zu einer Leitzinsanhebung im Frühjahr, halten aber auch einen Zinsschritt bereits im Januar für möglich. Es ist zudem davon auszugehen, dass die von uns erwartet Ziel-Rate von 1,25 Prozent zur Jahresmitte oder sogar erst zum Jahresende 2026 erreicht werden wird.
Die gute Stimmung an den Aktienmärkten hielt zunächst an. Viele Indizes stiegen dabei wieder auf neue Rekordstände. So kletterte der DAX 40 erstmals über die Marke von 20.000 Punkten, obwohl sich die derzeitige Lage der deutschen Wirtschaft als schwierig darstellt. Dabei waren wenige Aktien wie etwa SAP mit seiner hohen Gewichtung im DAX 40 für den Anstieg des deutschen Leitindexes verantwortlich. Im US-Technologiesektor sorgten gute Daten auf Unternehmensseite für anhaltende Kurszuwächse. Zudem hat die Marktbreite der Bewegung in den USA deutlich zugenommen. Die Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung entwickelten sich im Rückblick seit Anfang November besser als die Standardwerte. Der hierfür repräsentative Russell 2000-Index für gering kapitalisierte US-Unternehmen erreichte ebenfalls zuletzt Rekordmarken.
US-Notenbank sorgt für trübe Stimmung
Die freundliche Entwicklung an den Aktienbörsen konnte sich jedoch nicht bis Jahresende fortsetzen. Die im Rahmen der Fed-Sitzung aufkommende Enttäuschung der Marktteilnehmer - Stichwort verminderte Zinssenkungserwartung - führte zu Druck auf die Märkte. Die bis dahin im Dezember aufgelaufenen Gewinne wurden wieder abgegeben. Am US-Markt schloss der Dow Jones Industrial Average mit einem deutlichen Minus in Höhe von 5,3 Prozent. Der marktbreitere S&P 500-Index gab 2,5 Prozent ab. Der technologielastige Nasdaq-Index konnte immerhin noch 0,5 Prozent hinzugewinnen. In Asien hingegen tendierte der Nikkei 225-Index mit plus 4,4 Prozent deutlich freundlicher. Dies dürfte in erster Linie der eher überraschend abwartenden zinspolitischen Haltung der japanischen Notenbank geschuldet gewesen sein.In Europa bzw. dem Euroraum setzten sich im Dezember leicht positive Vorzeichen durch. Der DAX 40 ging mit plus 1,4 Prozent aus dem Handelsmonat, der EURO STOXX 50-Index gewann 1,9 Prozent hinzu. Somit entwickelten sich die Euro-Aktienbörsen im Dezember besser als ihre US-Pendants und holten damit einen Teil ihrer schlechteren Wertentwicklung gegenüber den US-Werten aus dem Vormonat wieder auf.
US-Staatsanleihen hatten vor dem Jahresende Verluste hinzunehmen. Gegenwind kam dabei zum einen von konjunktureller Seite. Wichtige Wirtschaftsdaten fielen besser als erwartet aus, was schon zu Zweifeln hinsichtlich der Zinssenkungserwartungen führte. Für Aufsehen sorgte etwa der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor, der auf einen Wert von 58,5 Zählern anstieg und sich damit weit oberhalb der Wachstumsschwelle befindet. Der US-Verbraucher ist ganz offensichtlich weiterhin sehr ausgabebereit. Dies unterstrich auch das gestiegene Verbrauchervertrauen. Darüber hinaus zog auch die Inflation wieder leicht an. Vergleichen mit den sehr hohen Werten aus dem Jahr 2022 ist der Teuerungsdruck im Jahresvergleich recht gering, liegt aber dennoch oberhalb des Zielwertes der US-Notenbank. Die US-Wirtschaft befindet sich augenscheinlich in einer robusten Verfassung und einhergehend mit möglichen Handelsbeschränkungen im kommenden Jahr könnte die Inflation sogar wieder leicht anziehen.
US-Zinskurve etwas steiler
Die Fed senkte, wie vom Markt erwartet, dann im Dezember zwar noch einmal den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 bis 4,5 Prozent. Der von der Zentralbank auf der Sitzung erweckte Eindruck, im Zinssenkungszyklus demnächst etwas vom Gas gehen zu wollen, schlug sich dann entsprechend negativ am Markt nieder. Zudem belastete die Aussicht auf eine zunehmende US-Verschuldung und eine damit einhergehende Ausweitung der US-Staatsanleihebestände unter der Trump-Administration die Anleihenotierungen und sorgte für Verluste. Hiervon waren insbesondere langlaufende Papiere betroffen. Die US-Zinskurve tendierte im Dezember damit etwas steiler, die Zehnjahresrendite stieg gegenüber dem Vormonat von 4,17 Prozent auf 4,57 Prozent zum Jahresende an. Damit ergab sich am US-Markt auf Monatssicht, gemessen am J.P. Morgan Global Bond US Index, ein Verlust in Höhe von 1,5 Prozent. Auf Jahressicht verbleibt für US-Staatsanleihen somit nur ein magerer Zuwachs von 0,7 Prozent.
Europa der zwei Geschwindigkeiten
Euro Staatsanleihen schlossen sich der Korrektur an. Aus den Kernländern kamen weiter schwache Wirtschaftsdaten, die das Bild einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik verfestigten. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die Perspektiven für die Peripherieländer hingegen besser darstellen und die Wirtschaft in diesen Ländern wächst. Wir beobachten somit ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Dies stellt insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) vor große Herausforderungen. Während das Zinsniveau für Deutschland und Frankreich gern niedriger ausfallen dürfte, besteht diese Notwendigkeit für andere Länder weniger. Auf der jüngsten Sitzung der EZB senkten die Währungshüter somit zwar erneut die Leitzinsen um 25 Basispunkte, bewahrten sich aber zugleich völlige Flexibilität, was den weiteren Zinspfad angeht. Anleger zeigten sich etwas enttäuscht von der geringen Verbindlichkeit der Notenbanker, was für Verkaufsdruck sorgte.
Politische Turbulenzen in Deutschland und Frankreich
Dazu gesellten sich politische Herausforderungen. In Frankreich brachte das Ringen um einen Haushalt für 2025 die dortige Regierung zu Fall. Im Nachgang hatten die politischen Turbulenzen auch Einfluss auf die Bonität des Landes. Die Ratingagentur Moodys senkte ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit auf die Note Aa3. Als Reaktion darauf erhöhte sich der Risikoaufschlag französischer Papiere zu Bundesanleihen leicht. Auch aus Deutschland kamen wenig positive Botschaften. Nach der missglückten Vertrauensfrage von Kanzler Scholz stehen im Februar Neuwahlen an. Die so wichtige Achse Paris-Berlin schwächelt damit zur Unzeit. Beide Länder haben keine Regierung, wenn Donald Trump im Januar sein Amt als US-Präsident antritt.
Auch die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte im Dezember etwas steiler. Die Zehnjahresrendite deutscher Bundesanleihen stieg von 2,09 auf 2,36 Prozent an. Der Anstieg fiel aber weniger stark aus als in den USA. Damit erhöhte sich auch die Renditedifferenz (Transatlantikspread) zu laufzeitgleichen US-Staatsanleihen. In Summe erzielten Euro-Staatsanleihen im Dezember, gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index, ein Minus von 1,4 Prozent. Auf Jahressicht verblieb damit ein Plus in Höhe von 1,8 Prozent.
Euro-Unternehmensanleihen weiterhin gesucht, aber leicht im Minus
In diesem Umfeld hielt sich der Markt für Euro-Unternehmensanleihen zum Jahresende vergleichsweise gut. Der allgemeine Zinsanstieg führte zu auf Indexebene (ICE BofA Euro Corporate Bonds, ER00) zu (nur) einem leichten Verlust von 0,4 Prozent. Untersektoren wie hochverzinsliche Papiere (High Yield) oder Nachranganleihen aus dem Industriesektor konnten sogar eine leicht positive Wertentwicklung aufweisen und im Dezember im Rahmen einer anhaltend hohen Nachfrage nach Unternehmenspapieren generell von rückläufigen Risikoaufschlägen profitieren. Hinzu kam, dass am Markt für Neuemissionen (Primärmarkt) nur eine geringfügige Platzierungstätigkeit zu beobachten war, was den sich bereits im Handel befindlichen Papieren eine gute Unterstützung bot.
US-Dollar wertet weiter auf
Im Dezember setzte sich die Aufwertung des US-Dollar zum Euro weiter fort. Die Fed-Sitzung spielte auch am Devisenmarkt eine entscheidende Rolle. Mit der bearishen Einschätzung der Sitzung konnte sich der US-Dollar – in Erwartung geringerer Zinssenkungen durch die Fed – weiter befestigen. So mussten zeitweise nur noch 1,035 US-Dollar je Euro aufgewendet werden. Ende November waren es noch 1,06 US-Dollar gewesen. Vorerst sprechen die protektionistische US-Handelspolitik und die im Vergleich höheren Renditen von langlaufenden US-Staatspapieren für einen starken US-Dollar.
Anlagejahr 2024: Zugewinne in nahezu allen Anlageklassen
Mit einem kurzen Blick auf das nun hinter uns liegende Jahr 2024 war die Entwicklung der Finanzmärkte von einer robusten Konjunktur in den USA, einem sich auf niedrigem Niveau stabilisierendes Wachstum in Europa und China sowie einer rückläufigen Inflation und Notenbanken, die im Verlauf des Sommers in den Zinssenkungszyklus einschwenkten, geprägt. Während die geopolitischen Konflikte nur wenig auf die Märkte ausstrahlten, sorgten die Ergebnisse und Folgen von Wahlen zumindest zeitweise und lokal für Verunsicherung. Die Wahl Donald Trumps zum 47. US-Präsidenten löste durch die Hoffnung auf sinkende Unternehmenssteuern ein Kursfeuerwerk am US-Aktienmarkt aus. Die Sorge um die Einführung von Zöllen belastete hingegen die Börsen in anderen Regionen. Weltweit beendeten die Aktienindizes das Jahr 2024 dennoch überwiegend mit zweistelligen Zuwächsen – mit den US-Indizes in der führenden Position. Der Start des Zinssenkungszyklus und die Hoffnung auf seine Fortsetzung 2025 führten zu positiven Ergebnissen in allen Rentensegmenten.
Das Kapitalmarktumfeld bleibt aus globaler Sicht insgesamt aussichtsreich, wird aber stärker zum Spagat zwischen positiven Fundamentaldaten und politischen Unsicherheiten. Das Wachstum der Weltwirtschaft stellt nach wie vor einen wichtigen Unterstützungsfaktor dar. Die USA bleiben dank der staatlichen Förderprogramme der vergangenen Jahre die Konjunkturlokomotive. Das positive Wachstumsumfeld, vor allem in den USA, sowie saisonale Faktoren sollten die Aktienmärkte weiter unterstützen.
Kerneuropa schwächelt, während die Euro-Peripherie aufholt. In China dürften weitere staatliche Stimulierungspakete geschnürt werden. Es gibt erste Anzeichen, dass diese Maßnahmen leicht wachstumsfördernd wirken. Im weiteren Verlauf sollten sich die Kurszuwächse allerdings verflachen. Der Mix aus robuster Konjunktur, Leitzinssenkungen und saisonalen Faktoren spricht kurzfristig für gute Bedingungen für chancenorientierte Anlagen. Wir bleiben für Aktienanlagen vorsichtig optimistisch. Dabei rückt die Selektion als zentraler Erfolgsfaktor auf der Aktienseite unter einer erneuten Trump-Legislatur noch mehr in den Fokus als bisher. Mittelfristig dürften jedoch die von der Trump-Administration geplanten Maßnahmen die US-Konjunktur etwas belasten, die Inflation erhöhen und die US-Staatsverschuldung erhöhen. Perspektivisch sollte das Umfeld damit schwieriger werden.
Die globale Inflation sollte 2025 nicht weiter sinken, aber auch nicht auf breiter Front erneut anspringen. In den USA wird mit einer Teuerung im kommenden Jahr in Höhe von 2,6 Prozent gerechnet und damit über dem Inflationsziel der Federal Reserve verharren. Höhere Importzölle und eine restriktivere Einwanderungspolitik durch die neue US-Regierung dürften ab der zweiten Jahreshälfte nach und nach inflationstreibend wirken. Im Euroraum sollte sich die Inflation hingegen bereits im ersten Quartal 2025 an die Schwelle von zwei Prozent bewegen. Mit der eingetretenen Beruhigung bei der Inflationsentwicklung können die Zentralbanken dem eingeschlagenen Zinssenkungspfad weiter folgen. Die Fed dürfte die Leitzinsen bis in das Frühjahr um insgesamt 50 Basispunkte reduzieren und danach erst einmal eine Pause einlegen. Vor allem um abzuwägen, ob die wachstumsdämpfenden Effekte der neuen Wirtschaftspolitik die inflationsfördernden übertreffen - oder umgekehrt. Im Euroraum dominiert hingegen die Wachstumsschwäche, sodass die EZB fünf weitere Leitzinssenkungen im Jahr 2025 beschließen dürfte.
Im Rentenbereich, der zuletzt mit merklichen Renditeanstiegen im Staatsanleihesektor im Fokus stand, bevorzugen wir unverändert Unternehmensanleihen von Firmen mit guter Bonität. Die Verschiebungen der (wirtschafts-)politischen Rahmenbedingungen verändern auch die Perspektiven für einzelne Anlageklassen. Bei Staatsanleihen dürfte vor allem die steigende Staatsverschuldung in den USA auf längere Sicht renditetreibend wirken, im Wesentlichen bei den längeren Laufzeiten. Auch das Ende des Inflationsrückgangs sollte in diese Richtung wirken. Gleichzeitig unterstützt die nachlassende Wachstumsdynamik den Rentenmarkt. Daher dürften die Zinsstrukturkurven durch leicht steigende Renditen am langen und Rückgängen am kurzen Ende steiler werden. Es lohnt auch 2025 der Blick auf Papiere mit Renditeaufschlag wie Unternehmensanleihen guter Bonität.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. Januar 2025, soweit nicht anders angegeben.
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