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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat November 2024
Mit großer Spannung wurde Anfang des Monats die US-Präsidentschaftswahl erwartet. Demoskopen hatten im Vorfeld ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt, während die Wettquoten schon Wochen zuvor recht deutlich in Richtung Trump ausgefallen waren. Letztlich sollten die Wettanbieter Recht behalten. Doch Donald Trump gewann nicht nur das Rennen ums Weiße Haus, seine republikanische Partei errang auch etwas überraschend die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses. Die Trump-Administration wird also zumindest bis zu den Zwischenwahlen in zwei Jahren ihre Agenda umsetzen können. Der Wahlsieg und die spätere Vergabe von ersten Regierungsposten prägte die Kapitalmarktentwicklung. Die Aktienmärkte reagierten freundlich, vor allem in den USA. Dort erzielten die Indizes zum Monatsende teils neue Höchststände. An den Rentenmärkten kam es zum Monatsauftakt zunächst zu leichten Kursverlusten, dann setzte aber auch dort ein freundlicher Trend mit Zugewinnen und entsprechenden Renditerückgängen ein.
US-Notenbank senkt wie erwartet Leitzins
Die November-Sitzung der US-Notenbank (Federal Reserve) erfolgte nur einen Tag nachdem Donald Trump als Sieger der US-Präsidentschaftswahl feststand. Das Notenbanktreffen brachte den Anlegern insgesamt wenig Überraschendes. Wie erwartet hat die Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. Das Zielband für die Fed Funds-Rate liegt nunmehr bei 4,5 bis 4,75 Prozent. Im Unterschied zum letzten Zinsentscheid fiel die Entscheidung im November einstimmig aus. Die Fed verknüpfte diese mit einer aus unserer Sicht allenfalls leicht restriktiven, oder auch als „falkenhaft“ bezeichnete Botschaft. An den Finanzmärkten hatte der mittlerweile eingepreiste Zinsentscheid kaum Einfluss auf die Renditen von US-Staatsanleihen und auch den Dollarkurs gegenüber dem Euro.
EZB uneins hinsichtlich Ausrichtung der Geldpolitik?
Gegen Ende des Monats deuteten die jüngsten veröffentlichten Inflationsdaten im Euroraum auf einen weiter abnehmenden Preisdruck hin, was die freundliche Tendenz an den Rentenmärkten noch verstärkte. Innerhalb der Europäischen Zentralbank schien sich ein Streit über die Ausrichtung der zukünftigen Geldpolitik zu entwickeln. Die deutsche Vertreterin Isabel Schnabel hielt eine weiterhin eher restriktive Geldpolitik für angemessen. Ihr französischer Kollege Villeroy sieht hingegen die Gefahr, dass die EZB im kommenden Jahr sogar das Inflationsziel nach unten unterschießen könnte und ließ damit die Tür für umfangreiche Zinssenkungen weiter offen.
Der Ausgang der US-Wahl wurde gleich an mehreren Stellen des Aktienmarktes sichtbar. In Erwartung von Steuererleichterungen legten US-Werte deutlich zu. Donald Trump hatte schon in seiner ersten Amtszeit die Unternehmenssteuern deutlich gesenkt. Darüber hinaus ist bekannt, dass der Aktienmarkt für ihn ein wichtiger Gradmesser seiner Politik ist. Im November legte daher der breite US-Markt, gemessen am S&P 500-Index, um 5,7 Prozent zu. Dabei erzielten US-Indizes wie der S&P-500 und der Dow Jones Industrial Average zum Monatsende neue historische Höchststände. Der Nasdaq-Technologie-Index war bereits zu Monatsbeginn gleich nach den US-Wahlen auf einen neuen Höchststand gestiegen. Dieser konnte nach einer kurzen, aber merklichen Korrektur zur Monatsmitte dann nicht mehr erreicht werden. Dennoch verblieb für US-Technologiewerte im November ein ansehnliches Plus in Höhe von 6,2 Prozent.
In der Regel erweist sich der US-Markt als Zugpferd für andere Regionen. Diesmal war das allerdings nicht der Fall. In Japan verlor der Nikkei 225-Index im Berichtsmonat 2,2 Prozent. Aus Sorge vor möglichen Handelsbeschränkungen und der Einführung von neuen Zöllen blieben die Anleger auch gegenüber Titeln aus Europa eher zurückhaltend. Gemessen am STOXX 600 Europe-Index kam es zu lediglich zu einem Kurszuwachs von knapp einem Prozent. Der EURO STOXX 50-Index verlor gar ein halbes Prozent. In Deutschland konnte der DAX 40 um 2,9 Prozent zulegen. Siemens Energy war klarer Gewinner unter den führenden 40 DAX-Werten. Auch SAP konnte mit weiteren Kurszuwächsen dank der hohen Gewichtung im Index zur positiven Entwicklung beitragen. Automobilwerte sowie vor allem die Bayer-Aktie gerieten hingegen teils sehr deutlich unter Druck. Insgesamt ergab sich im Vergleich eine recht deutlich divergente Entwicklung zwischen US- und europäischen Werten.
Auch aus Branchensicht kam es zu Verwerfungen. Führten in diesem Jahr vor allem Technologiewerte die Kurslisten an, schwangen sich in den USA nun Finanzwerte an die Spitze. Anleger erhoffen sich eine weniger strenge Regulierung im Sektor. Zudem halfen die zunächst steigenden Renditen. Mögliche Steuererleichterungen ließen zudem Konsumwerte in die Höhe schnellen. Zu den klaren Verlierern zählten indes Gesundheitswerte. Hier muss jedoch unterschieden werden. Klassische Pharmahersteller und Titel aus der Biotechnologie gaben stärker nach, denn Trump ernannte Robert Kennedy jr. zu seinem Gesundheitsminister. Dieser machte in der Vergangenheit als Impfgegner auf sich aufmerksam. Doch nicht alle Werte aus der Gesundheitsbranche litten unter der Personalie. Klassische Ausrüster legten sogar zu. Dies zeigt, wie wichtig in den kommenden Monaten eine gezielte Einzeltitelauswahl sein wird.
Ein weiteres Beispiel hierfür ist der Technologiesektor. Während die Tesla-Aktie mit der Aufnahme von Elon Musk ins Kabinett von Donald Trump zum Höhenflug ansetzte und auf Monatssicht mehr als 38 Prozent zulegen konnte, entwickelte sich Microsoft nur unterdurchschnittlich. Auch hier ist die Ursache in der Personalie Musk zu finden, dem die Vormachtstellung von Microsoft auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz schon länger ein Dorn im Auge ist.
Auch die Entwicklung an den Rentenmärkten wurde im November maßgeblich durch die US-Wahl geprägt. In einer ersten Reaktion kam es am US-Staatsanleihemarkt zunächst zu steigenden Renditen. Hintergrund hierzu waren Befürchtungen, dass die Einführung von möglichen Schutzzöllen die Teuerungsraten wieder ansteigen lassen dürfte. Darüber hinaus nahmen Anleger an, dass die diversen Wahlversprechen eine weitere Erhöhung der Staatsschulden zur Folge haben würden und sich damit die Bonität der USA womöglich verschlechtern könnte.
Im Laufe des Monats nahm der Druck auf die US-Staatsanleihen jedoch ab, obwohl viele Konjunkturdaten besser als zuvor angenommen ausfielen. Ursache hierfür war vor allem die Geopolitik und hier insbesondere der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, bei dem Russland erstmals größere Mittelstreckenraketen auf die Ukraine abfeuerte. In diesem Umfeld fungierten Staatsanleihen den Investoren als sicherer Anlagehafen. Die Rendite von US-Staatsanleihen fiel im Zuge einer erhöhten Nachfrage von 4,3 Prozent Ende Oktober auf zuletzt 4,17 Prozent. Die US-Zinskurve verschob sich ab der Laufzeit von drei Jahren um bis zu 12 Basispunkte nach unten. Damit ergab sich, gemessen am J.P. Morgan Global Bond US-Index, bei den US-Staatspapieren auf Monatssicht ein Kurszuwachs von 0,8 Prozent.
Transatlantikspread weitet sich stark aus
Europäische Staatsanleihen konnten sich den Entwicklungen in den USA anfänglich nicht entziehen und verzeichneten zu Monatsbeginn zunächst leicht steigende Renditen. Doch schon kurze Zeit später drehten die Märkte ihre Richtung. Unter einer seitens der USA angekündigten Einführung von Zöllen dürfte das Wachstum im Euroraum erheblich leiden. Handelsbeschränkungen im Automobilsektor beträfen vor allem die deutsche Industrie besonders stark. Schnell kamen bei den Anlegern entsprechende Ängste bezüglich der ohnehin schon fragilen konjunkturellen Entwicklung auf, die sich am Rentenmarkt in steigenden Anleihekursen bzw. fallenden Renditen widerspiegelten. Passend hierzu fielen neben dem Bruch der Ampel-Koalition in Berlin zusätzlich auch einige wichtige Wirtschaftsdaten schlechter als erwartet aus. Dazu zählen etwa die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum. Der Gesamtindex lag nun im November unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Zur schon bekannten Schwäche in der Industrie kam nun auch ein Einbruch im Dienstleistungssektor. Trotz langer nicht gesehener Reallohnzuwächse bleiben die Verbraucher zurückhaltend – die Sparquote steigt. Zum Monatsende betrug die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen 2,09 Prozent und lag damit 32 Basispunkte unterhalb des Vormonatswertes.
Die deutsche Zinsstrukturkurve hat sich im November über nahezu alle Laufzeiten hinweg um 30 bis 35 Basispunkte nach unten verschoben. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index erzielten Euro-Staatsanleihen im Rahmen dieser Bewegung ein Plus von 2,3 Prozent. Damit erhöhte sich die Renditedifferenz zwischen US-Staatsanleihen und Bundespapieren (der sogenannte Transatlantik-Spread) mit zehn Jahren Laufzeit auf zuletzt 210 Basispunkte. Zum Vergleich: Mitte September waren es noch 150 Basispunkte.
Französische Staatsanleihen mit erhöhten Risikoprämien
Die vorgezogenen Neuwahlen, die der französische Präsident Emmanuel Macron im Sommer dieses Jahres ausgerufen hatte, hallen bis heute nach. Da es seitdem im Parlament keine Regierungsmehrheit gibt, droht der Haushaltsentwurf für 2025 und damit auch die aktuelle Regierung noch vor Weihnachten zu scheitern. Der aktuelle Entwurf von Premierminister Barnier sieht deutliche Einsparungen, Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen vor und findet daher kaum Zustimmung. Darüber hinaus stellen sich sowohl die Rechte als auch die Linke gegen die von Macron geplante Pensionsreform. Ein Scheitern der Regierung käme zur Unzeit. Die Verfassung erlaubt Neuwahlen nämlich erst ein Jahr nach den letzten Wahlen, und diese fanden ja erst im Juli 2024 statt. Eine längere politische Hängepartie wäre die Folge.
Die Kapitalmärkte haben gerade zum Monatsende hin recht nervös auf das Drama reagiert, das in Paris gerade aufgeführt wird. Das Rating Frankreichs wurde Ende November aber von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit AA- und einem stabilen Ausblick bestätigt. Marktberichten zufolge wird die Einhaltung des EU-Finanzrahmens – wenn auch mit Verzögerung – sowie eine Konsolidierung der Staatsfinanzen erwartet.
Ende November stiegen die Renditeaufschläge (Spreads) französischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber laufzeitgleichen Bundesanleihen in der Spitze bis auf 88 Basispunkte. Damit waren die französischen Papiere sogar teurer als vergleichbare Titel aus Spanien. Angesichts der politischen Turbulenzen, die Frankreich in den kommenden Wochen (und Monaten) bevorstehen, dürften die Spreads unter Druck bleiben. Im Falle eines Scheiterns der Regierung ist eine weitere Ausweitung auf über 100 Basispunkte oder sogar ein Überschießen in Richtung des Niveaus von Italien von rund 120 Basispunkten denkbar.
Euro-Unternehmensanleihen tendierten im Zuge der Staatsanleihemärkte ebenfalls freundlich. Der breite Markt für Investment Grade-Papiere ging mit Zugewinnen in Höhe von 1,6 Prozent aus dem Handelsmonat. Staatsanleihen aus den Schwellenländern konnten um 1,2 Prozent zulegen.
US-Dollar wertet auf
Nach der US-Wahl stieg der Wechselkurs des Dollar gegen fast alle Währungen deutlich. Anfang November waren noch knapp 1,09 US-Dollar je Euro aufzuwenden. Zwischenzeitlich waren es in der Spitze nur 1,03 US-Dollar, ehe sich der Euro auf zuletzt 1,06 US-Dollar je Euro erholen konnte. Die Tatsache, dass die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen kurz nach der Wahl um 25 Basispunkte senkte, tat dem Höhenflug keinen Abbruch. Die Währungen der Schwellenländer werteten gegen den US-Dollar teilweise deutlicher ab, je nachdem wie stark sich die Handelsbeziehungen zu den USA darstellen. Dies unterstreicht, wie nervös die Marktteilnehmer mit Blick auf drohende neue Importzölle sind. Insbesondere der Mexikanische Peso geriet unter Druck, da Mexiko wirtschaftlich besonders stark mit seinem Nachbarn USA verflochten ist.
Auch nach der US-Wahl bleibt das konjunkturelle Bild intakt. Das Wachstum der Weltwirtschaft hält an, wobei sich die Unterschiede zwischen den Regionen zunächst noch verstärken dürften. Insbesondere in den USA zeigt sich die Konjunktur nach wie vor robust. Mit der Wahl Donald Trumps zum 47. US-Präsidenten haben sich die Rahmenbedingungen aber deutlich verändert.
Die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve sollten in den kommenden Wochen die vom Markt erwarteten Zinssenkungen vornehmen. Perspektivisch könnte das Umfeld schließlich schwieriger werden. Denn ab Mitte 2025 dürfte sich die Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung tendenziell inflationsfördernd und eher wachstumsdämpfend auswirken.
Wir sind für Aktien aufgrund des guten US-Wachstumsumfelds, aber auch wegen saisonaler Effekte, derzeit leicht positiv gestimmt. US-Aktien dürften weiterhin etwas besser als ihre europäischen Pendants abschneiden. Insgesamt sollte das Gewinnwachstum angesichts Trumps wachstumsorientierter und deregulierender Politik über die führenden großen börsennotierten Unternehmen (Glorreiche Sieben) hinaus an Breite gewinnen. Gleichwohlrechnen wir aufgrund des unvorhersehbareren Politikstils mit einer volatileren Wertentwicklung.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. Dezember 2024, soweit nicht anders angegeben.
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