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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Oktober 2025
Im Oktober standen die Zentralbanken einmal mehr im Blickpunkt der Märkte. Überraschungen blieben aber aus. Während die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitsätze unverändert ließ, senkte die US-Notenbank Fed wie erwartet ein weiteres Mal die Fed Funds Rate. Die Entwicklung an den Märkten unterlang im Berichtsmonat mit dem Handelskonflikt USA-China, der fortbestehenden US-Haushaltssperre, der Regierungskrise in Frankreich sowie Belastungen im US-Regionalbanksektor einer Reihe eher weniger erfreulicher Faktoren. Darüber hinaus läuft aktuell die Berichtssaison der Unternehmen zum 3. Quartal. Dennoch führte der von den USA ausgehende KI-Boom und der Kompromiss im Handelsstreit letztlich für einen insgesamt positiven Monatsausklang, bei dem vor allem die US-Börsen weitere Rekordstände verbuchen konnten. An den Rentenmärkten bestärkten aufkommende Wachstumssorgen weitere Zinssenkungsfantasien und führen zu Kursgewinnen bzw. rückläufigen Renditen.
US-Fed senkt ein weiteres Mal den Leitzins
Die Fed hat auf ihrer FOMC-Sitzung den Leitzins um weitere 25 Basispunkte gesenkt. Mit der zweiten Zinssenkung in Folge liegt das Zielband für die Fed Funds Rate nunmehr bei 3,75 bis 4,0 Prozent. Diese Entscheidung war am Markt weitgehend erwartet worden, allerdings ließ der Fed-Vorsitzende Jerome Powell in der Pressekonferenz offen, ob die Fed wie vom Markt erwartet im Dezember 2025 erneut ihre Leitzinsen senken wird. Die Finanzmärkte nahmen dies negativ auf, im Verlauf der Pressekonferenz zogen die Renditen der US-Treasuries deutlich an. Eine Zinssenkung im Dezember, die zuvor weitgehend eingepreist war, wurde nunmehr zumindest teils wieder ausgepreist. Aus fundamentaler Sicht betrachten gilt mit der jüngsten Zinssenkung von 3,75 bis 4 Prozent unser anvisiertes Leitzinsniveau nunmehr als erreicht. Einhergehend mit einem im kommenden Jahr erwartet neuen Fed-Vorsitz rechnen wir künftig mit einer etwas expansiveren Fed-Geldpolitik und erwarten dabei für Ende 2026 ein in zwei Zinsschritten zu je 25 Basispunkten verringertes Leitzinsniveau von 3,25 bis 3,5 Prozent.
Einhergehend mit der andauernden US-Haushaltssperre hatten die dortigen Bundesbehörden den Großteil ihrer Tätigkeit eingestellt. Somit blieben in den vergangenen Wochen relevante volkswirtschaftliche US-Konjunkturdaten mangels Veröffentlichung zweitrangig.
EZB wartet ab – länger als bislang von uns erwartet
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Oktober den Leitzins zum dritten Mal in Folge unverändert belassen. Der Einlagesatz liegt somit weiterhin bei 2,00 Prozent. Die Kommunikation der EZB zeigte sich insgesamt unaufgeregt und war bezüglich des Wachstumsausblicks etwas optimistischer als zuletzt. Das inhaltlich nahezu unveränderte Statement verdeutlichte bereits, dass die EZB wenig Notwendigkeit verspürt, ihre geldpolitische Ausrichtung zu verändern. Unverändert wird die Inflation nahe dem zwei Prozent-Ziel gesehen. Die Einschätzung zum Inflationsausblick hat sich seit dem letzten Meeting insgesamt nicht geändert und auch die Forward Guidance zum weiteren geldpolitischen Pfad fiel unverändert aus. Anzeichen für neuerliche Zinssenkungen waren somit nicht zu erkennen. Wir haben vielmehr auf der Pressekonferenz den Eindruck gewonnen, dass die Hürden für weitere Zinssenkungen noch etwas höher gelegt wurden, was unsere bisherige Einschätzung bestätigt. Wir gehen unverändert davon aus, dass das Zinstief erreicht ist und die EZB in diesem Zyklus den Leitzins nicht weiter senken wird. Die Makrodaten entwickeln sich in etwa so wie von der EZB erwartet und so legt die Datenabhängigkeit derzeit keine Handlungsnotwendigkeit nahe.
Bank of Japan lässt geldpolitische Ausrichtung unverändert
Wie vom Kapitalmarkt und den meisten Volkswirten erwartet, hat die Bank of Japan (BoJ) ihre geldpolitische Ausrichtung auf der Oktober-Sitzung unverändert gelassen. Der Leitzins verharrt somit bei 0,5 Prozent. In Bezug auf den volkswirtschaftlichen Ausblick hat die japanische Notenbank ihre Wachstums- und Inflationsprognosen im Wesentlichen unverändert gelassen. Nach wie vor geht die BoJ davon aus, dass die Wirrungen rund um die US-Handelspolitik in der kurzen Frist auf Konjunktur und Inflation lasten werden. Gespeist von der anschließend eintretenden konjunkturellen Erholung und der stärker zu Tage tretenden Arbeitskräfteknappheit werde der unterliegende Inflationsdruck allerdings perspektivisch zunehmen. Die Pressekonferenz war insgesamt von einer neutralen Tonalität gekennzeichnet. Aufbauend auf dem fundamentalen volkswirtschaftlichen Umfeld wird die BoJ die geldpolitische Ausrichtung weiter normalisieren. Mit der nächsten Leitzinsanhebung auf 0,75 Prozent rechnen wir auf der Sitzung im Dezember oder Januar. Nach diesem Schritt erwarten wir noch zwei weitere Leitzinsschritte im dritten Quartal 2026 sowie Mitte 2027. Unsere Prognose für die Zielrate (Terminal Rate) in Höhe von 1,25 Prozent behalten wir bei.
KI-Branche sorgt weiterhin für Zuversicht
Trotz zahlreicher Störfaktoren gingen die Aktienbörsen mit positiven Vorzeichen aus dem Handelsmonat Oktober. Zunächst flammte in der zweiten Oktoberwoche wieder einmal die Zollthematik zwischen den USA und China auf. Die Unstimmigkeiten konnten, mit dem Fokus auf den Seltenen Erden und weiteren Punkten, zum Monatsende bei einem persönlichen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping nach kurzer Verhandlungszeit mit einer Reihe von Kompromissen ausgeräumt werden. So verzichtet China unter anderem nun doch auf die geplante Einführung von deutlich verschärften Exportkontrollen bei den Seltenen Erden. Die getroffenen Übereinkünfte signalisieren zumindest eine Annäherung der beiden Großmächte. Die fortgesetzte US-Haushaltssperre verhinderte hingegen eine Veröffentlichung wichtiger US-Konjunkturdaten. Zudem sorgten Kreditausfälle im US-Regionalbankensektor dort für Druck auf die Aktienkurse der betroffenen Institute. Bei den großen US-Bankhäusern waren aber im Rahmen der Berichtssaison zum 3. Quartal weitgehend solide Zahlen zu verzeichnen.
Die Kompromisse im Handelsstreit sorgten zum Monatsende hin für freundliche US-Aktienmärkte. Indizes wie der Dow Jones Industrial Average (plus 2,5 Prozent), der S&P 500-Index (plus 2,3 Prozent) und auch der Nasdaq-Index (plus 4,7) erzielten zwischenzeitlich neue Rekordstände, die zum Monatsschluss aber nicht ganz gehalten werden konnten. Letztlich sorgte alles im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz für weitere Zuversicht am Markt. Auffallend dabei waren die mittlerweile bestehenden zahlreichen Allianzen und Beteiligungen der in diesem Bereich angesiedelten Unternehmen. In Japan stieg der Nikkei 25-Index deutlich um 16,7 Prozent auf 52.411 Zähler und übersprang damit erstmals die Marke von 50.000 Punkten.
DAX 40 auch im Oktober abgeschlagen
Die europäischen Börsen wiesen im Berichtsmonat ebenfalls Zugewinne auf. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index verzeichnete ein Plus von 2,5 Prozent und erzielte zum Monatsende hin ebenfalls ein Rekordhoch. Dabei stachen auf Branchenebene Unternehmen aus den Sektoren Grundstoffe, Energie sowie Konsum-Produkte mit Zugewinnen von fünf bis sieben Prozent heraus. Weniger erfreulich zeigten sich Medien- und Automobilwerte. Die Sektoren verloren drei bzw. 3,5 Prozent an Wert. Der EURO STOXX 50-Index kletterte ebenfalls auf eine neue Rekordmarke und gewann 2,4 Prozent hinzu. Der DAX 40 hingegen hatte auch im Oktober – trotz zwischenzeitlich neuem Höchststand bei 24.771 Punkten - das Nachsehen. Mit plus 0,3 Prozent blieb der deutsche Leitindex bezüglich der Wertentwicklung im Berichtszeitraum merklich zurück. Mit Blick auf die Einzeltitelebene im DAX verbuchte die Rheinmetall-Aktie einen Verlust von rund 14 Prozent. Adidas gehörte mit fast minus neun Prozent ebenfalls zu den Aktien mit den höchsten Verlusten. Trotz insgesamt solider Zahlen zum 3. Quartal verstimmten Presseberichten zufolge Kommentare hinsichtlich einer zurückhaltenden Orderentwicklung im nordamerikanischen Markt die Anleger. Die Gewinnerliste führten hingegen Continental mit fast 17 Prozent und RWE mit gut 13 Prozent an.
Die Quartalsberichte der Unternehmen enttäuschen nicht
Die laufende Berichtssaison der Unternehmen verläuft bislang im Rahmen der Erwartungen, wobei positive Überraschungen bei Umsatz und Gewinn eher am amerikanischen Aktienmarkt zu beobachten waren. So haben beispielsweise aktuell rund 75 Prozent der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen berichtet. Die Ergebnisse wurden von starken Daten aus der Big-Tech-Branche, aber auch von breiter Unterstützung aus dem gesamten Unternehmenssektor getragen. 63 Prozent der Firmen haben sowohl beim Gewinn je Aktie als auch beim Umsatz - und damit mit dem höchsten Wert seit dem Jahr 2021 - die Erwartungen der Analysten übertroffen. In Europa blieb in einzelnen Branchen die Euphorie hingegen eher verhalten.
USA: Fed-Statement lässt Anleihegewinne wieder abschmelzen
Die Notierungen der US-Staatsanleihen konnten im Oktober erneut zulegen und setzten den seit Mai bestehenden Aufwärtstrend weiter fort. Nach einem zunächst verhaltenen Beginn kamen die Renditen zur Monatsmitte erneut merklich zurück. Die Flucht in sichere Staatspapiere war neben Wachstumssorgen auf die Unsicherheit bezüglich der Kreditausfälle im US-Regionalbankensektor und die erneuten Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China zurückzuführen. Zwar fielen die Konjunkturdaten, die veröffentlicht werden konnten, eher besser als erwartet aus. Auf einige wichtige Datenpunkte musste aufgrund des Stillstands in der US-Verwaltung jedoch verzichtet werden. Das im Rahmen der US-Notenbanksitzung, Fed-Chef Powell stellte weitere erwartete Zinssenkungen in Frage, Auspreisen weiterer Leitzinssenkungen führte dann gegen Ende Oktober zu einer Gegenbewegung und ließ einen Teil der zuvor erzielten Kursgewinne wieder abschmelzen. Gemessen am J.P. Morgan Global Bond US-Index verblieb bei den US-Schatzanweisungen ein Zugewinn in Höhe von 0,6 Prozent. Mit Blick auf die US-Zinskurve waren im Bereich von drei bis einschließlich 30 Jahren leichte Renditerückgänge zu beobachten.
Euroraum: Im Fahrwasser des US-Rentenmarktes
Europäische Staatsanleihen entwickelten sich im Oktober leicht freundlich und bewegten sich im Fahrwasser der US-Vorgaben. Ein wirkliches Eigenleben war nicht zu beobachten. Hierfür dürften die mehrheitlich schwachen Konjunkturdaten im Euroraum, vor allem bei den Schwergewichten Deutschland und Frankreich, verantwortlich gewesen sein. In Frankreich setzte sich die Regierungskrise zudem weiter fort. Premierminister Lecornu trat – gerade erst gewählt – von seinem Amt zurück. Später wurde er wieder eingesetzt und legte die geplante Rentenreform vorerst aufs Eis. Die Ratingagenturen reagierten verstimmt und sehen dort vorerst keine Haushaltsverbesserung. Standard & Poors senkte daher seine Bonitätseinschätzung auf A+ und Moody´s verschlechterte den Ausblick. Zwischenzeitlich näherte sich der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen daher der Marke von 90 Basispunkten an, ehe zum Monatsende wieder eine gewisse Beruhigung einsetzte. In Summe verzeichneten Euro-Staatsanleihen, gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index, im Oktober einen Zuwachs in Höhe von 0,9 Prozent. Während Papiere aus den Peripherieländern 1,1 Prozent zulegten, gewannen Anleihen aus den Kernländern 0,8 Prozent hinzu. Die EZB-Entscheidung zur Beibehaltung des Leitzinsniveaus hatte nur wenig Einfluss. Mit Blick auf die deutsche Zinskurve waren über alle Laufzeiten hinweg leichte Renditerückgänge zu verzeichnen.
Papiere mit Risikoaufschlag gesucht
Der Euro-Unternehmensanleihemarkt lag Ende Oktober mit 0,7 Prozent leicht im Plus. Dort engten sich die Risikoprämien zudem etwas ein. Weitaus deutlichster profitierten Staatsanleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets) von der freundlichen Entwicklung. Der umfassende JP Morgen EMBI GD-Index gewann, mit einem deutlichen Rückgang der Risikoprämien gegenüber US-Staatsanleihen, in den vergangenen vier Wochen 2,1 Prozent hinzu. Ohne die Länder mit schlechterem Rating (ex CCC) wurde ein Zugewinn von knapp 1,3 Prozent erzielt.
Goldpreis im Höhenflug
Der Goldpreis entwickelte sich im Oktober in ungeahnte Höhen. Einer Torschlusspanik ähnlich schoss der Preis per Unze des Edelmetalls von 3.858 US-Dollar Anfang Oktober bis in der Spitze auf knapp 4.400 US-Dollar zur Monatsmitte. Dieses Rekord-Kursniveau hielt sich aber nur kurzzeitig. Die Notiz schloss mit 4.002 US-Dollar je Unze, somit verblieb letztlich ein Kursgewinn von 3,7 Prozent für den Berichtsmonat. Ein Konglomerat aus sinkenden Zinsen, einem schwindenden Vertrauen in die US-Institutionen und die Regierungskrise in Frankreich zählen zu den Hauptursachen. Zudem dürfte die Kursrally durch den anhaltenden US-Shutdown, das Aufflammen des Zollstreits und der Probleme bei den US-Regionalbanken Unterstützung erfahren haben. Der Euro wertete mit zuletzt 1,15 US-Dollar je Euro um rund zwei Cents im Monatsvergleich ab.
Der langfristige KI-Wachstumstrend ist intakt, das US-Bankensystem zeigt mit Blick auf das Bankenmonitoring keine größeren Auffälligkeiten oder gar Stress. Die Berichtssaison zum 3. Quartal ergab bislang - vor allem in den USA – gute bis sehr gute Unternehmensergebnisse. Auf mittlere Sicht bleiben somit die Aussichten an den Finanzmärkten unserer Einschätzung zufolge überwiegend positiv. Aufgrund zahlreicher Störfaktoren, vor allem mit Blick auf die Handelspolitik zwischen den USA und China, ist aber immer wieder mit Rücksetzern an den Märkten zu rechnen. Die aktuell eher komplizierte Gemengelage von Wirtschaftswachstum und Inflation sollte sich unserer Erwartung nach in den kommenden Monaten verbessern.
Mit Blick auf die Volkswirtschaften erwarten wir bezüglich der USA für das laufende Jahr eine verhaltene Wachstumsrate und rechnen für 2026 mit einer Konjunkturbelebung. Unsere Wachstumsprognose wurde leicht von 1,9 auf 2,1 Prozent angehoben. In Deutschland erwarten wir ab Ende 2025 erste wirtschaftliche Effekte seitens der Infrastrukturprogramme. Auch gegenüber Japan sind wir leicht positiv ausgerichtet, während China weiter unter der merklich abgekühlten Konjunkturdynamik leiden dürfte und nur mittels Strukturreformen wieder auf einen besseren Weg gebracht werden kann.
Am Rentenmarkt bleiben wir weitgehend neutral und setzen dort weiterhin auf Euro-Unternehmensanleihen mit Rating Investment Grade. Darüber hinaus erachten wir US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz für interessant. Im Euroraum bevorzugen wir italienische Staatspapiere und bleiben gegenüber Frankreich eher zurückhaltend. Beim US-Dollar gehen wir davon aus, dass dieser seinen strukturellen Abwertungstrend wieder aufnehmen wird, wobei dieser Prozess langsam, aber stetig verlaufen dürfte.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 5. November 2025, soweit nicht anders angegeben.
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