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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat August 2025
Den anhaltenden Unsicherheiten zum Trotz verzeichneten die US-Aktienbörsen im August neue Höchststände. Dies traf ebenfalls auf den japanischen Aktienmarkt zu. Für viele Anleger scheint die Entwicklung überraschend, denn das Marktumfeld bleibt wie etwa beim Krieg zwischen der Ukraine und Russland sowie der US-Zollthematik weiterhin ungewiss. Zudem setzt US-Präsident Trump mit seinen Verbalattacken gegen Fed-Chef Powell (und der versuchten Entlassung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook) den Eingriff in die Unabhängigkeit der US-Notenbank weiter fort. Die Zölle treiben die Preise in den USA, wenngleich die zollbedingte Preisentwicklung dort geringer ausfällt als zunächst vom Markt erwartet.
Dennoch konnten sowohl die US-Aktien als auch der US-Rentenmarkt im August mit positiven Vorzeichen aufwarten. Dies dürfte im Wesentlichen auf die US-Geld- bzw. Zinspolitik zurückzuführen sein. Denn zuletzt haben verschiedene Faktoren bei den Anlegern die Erwartung hinsichtlich baldiger US-Leitzinssenkungen geschürt. Neben der zollbedingten Inflationsentwicklung, die unter den Schätzungen lag, hat der jüngste US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht und zusätzlich für Zinssenkungspotenzial gesorgt.
Jackson Hole: Powells Rede gab deutlichen Impuls
Als wesentlicher Impuls ist aber die Rede von Fed-Chef Jerome Powell beim jüngst abgehaltenen Notenbank-Symposium in Jackson Hole einzuordnen. Powell hat dort eine mögliche Leitzinssenkung in Aussicht gestellt. Er signalisierte sehr deutlich, dass sich die Fed darauf vorbereitet, die Geldpolitik zu rekalibrieren, um ein neutraleres Niveau zu erreichen. Powell wies auf wachsende Risiken für den Arbeitsmarkt hin und stellte fest, dass der Beschäftigungsaufbau viel langsamer erfolgt, als man das noch vor den Juli-Revisionen eingeschätzt hatte. Auch erwähnte er die Gefahr einer hartnäckigen Inflation: Die zollbedingten Preiseffekte würden sich bemerkbar machen und dürften sich in den kommenden Monaten noch vergrößern. Die US-Notenbank sieht aber weiterhin keine Notwendigkeit, überhastet vorzugehen, unter anderem auch aufgrund der stabilen Arbeitslosenquote.
Dies wurde am Markt zum Anlass genommen, auf einen Zinsschritt der Fed bereits im September zu spekulieren. Auch wir haben unsere Einschätzung zur US-Zinspolitik entsprechend angepasst. Wir rechnen nun im September mit einer Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte, gefolgt von einem zweiten Zinsschritt im kommenden Dezember. Die früher als bislang von uns erwarteten Zinssenkungen verstehen sich als „Risikomanagement“ der Fed und sind nicht als Zeichen eines Abrutschens des amerikanischen Arbeitsmarkts zu werten. Genau dies will die US-Notenbank damit vermeiden.
Vor diesem Hintergrund tendierten die US-Finanzmärkte im August freundlich. US-Staatsanleihen verzeichneten Kursgewinne und damit leicht rückläufige Renditen. US-Aktien konnten, angeführt von Tech-Titeln, hinzugewinnen. Einige Indizes erreichten neue Höchststände.
US-Dollar wertet weiter ab
Auch wenn der US-Dollar Ende Juli aufgrund überraschend robuster amerikanischer Konjunkturdaten kurzfristig bis auf 1,14 Euro aufwerten konnte, gab er seitdem wieder nach. Ende August waren wieder knapp 1,17 US-Dollar je Euro und damit fast drei Cents mehr zu zahlen. Darüber hinaus tendierte der Dollar auch gegen den Japanischen Yen, das Britische Pfund und die lateinamerikanischen Währungen schwächer.Nach der Erholung im Vormonat setzte der US-Dollar damit seine Schwächephase fort, auch wenn er sein mehrjähriges Tief von 1,18 Euro Ende Juni noch nicht wieder erreichte. Hintergrund der Entwicklung sind auch hier die für die USA zuletzt deutlich gestiegenen Zinssenkungserwartungen. Der Zinsschritt im September gilt für die meisten Marktteilnehmer als so gut wie sicher. Hinzu kommt, dass die jüngsten Arbeitsmarktdaten enttäuschten, während die Inflationszahlen im Rahmen blieben. Die Gelder der Anleger flossen daher in Märkte, die höhere Renditen boten, insbesondere in die Schwellenländer.
Abwertung dürfte sich fortsetzen
Wir gehen davon aus, dass sich die Dollar-Abwertung strukturell fortsetzt. Dieser Prozess verläuft langsam, aber stetig. Nach unseren Schätzungen sollte der Euro-Kurs Ende 2025 bei 1,18 US-Dollar liegen. Für Ende September 2026 erwarten wir sogar 1,25 US-Dollar. Für internationale Investoren ist die Anlage in US-Staatsanleihen als sicherer Hafen zwar derzeit meist immer noch die erste Wahl, doch werden geopolitische Veränderungen die Dominanz der US-Währung weiter zurückdrängen und zu mehr internationaler Diversifikation führen. Besonders schwer wiegt, dass unter Trump das Vertrauen in die US-Institutionen stark gelitten hat. Die negativen Effekte von Trumps Politik auf die US-Konjunktur und auf den Reserve-Status der amerikanischen Währung zeichnen sich immer deutlicher ab.
Die globalen Aktienmärkte konnten in den vergangenen Wochen weiter zulegen, zuletzt dank Powells Rede in Jackson Hole. Die US-Börsen gaben erneut den Ton an, Indizes wie der S&P 500 (plus 1,9 Prozent) und Nasdaq Composite (plus 1,6 Prozent) erreichten im Berichtsmonat neue Höchststände. Der Rest des US-Markts tendierte zunächst seitwärts, bis die Zinshoffnungen der Anleger dann auch die Nebenwerte mit nach oben zogen. Dabei erwiesen sich einmal mehr die US-Technologie-Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) als die wichtigsten Treiber. So haben etwa Unternehmen wie Meta oder Microsoft hervorragende Zahlen berichtet und gezeigt, dass der durch den chinesischen Konkurrenten DeepSeek vor einiger Zeit ins Stocken geratene amerikanische KI-Bereich wieder auf der Erfolgsspur ist.
Berichtssaison zum 2. Quartal erfreulich
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2025 fiel insgesamt positiv aus. Über 80 Prozent der Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen, die KI-nahen Firmen wiesen dabei ein besonders kräftiges Wachstum auf. Dagegen kamen traditionelle Softwareanbieter und -berater wie etwa SAP oder ServiceNow unter Druck. Es wurde befürchtet, dass neue KI-Anwendungen deren Geschäft obsolet machen könnten. Obwohl nach wie vor viele Belastungsfaktoren bestehen, scheinen sich die Anleger auf die erhofften baldigen Zins-senkungen der Fed und die positive Entwicklung des KI-Sektors zu konzentrieren. Somit hat sich das Umfeld für Investoren aufgehellt.
Börsenbilanz im August uneinheitlich
Die Börsenbilanz im August zeigte sich insgesamt aber uneinheitlich, denn die europäischen Börsen blieben hinter ihren US-Pendants zurück. Die Gewinnaussichten in Europa sind verhalten, nicht zuletzt aufgrund des schwachen US-Dollar. Auf Indexebene legten der STOXX Europe 600-Index mit 0,7 Prozent und der EURO STOXX 50-Index mit 0,6 Prozent nur leicht zu. Der DAX 40-Index schloss hingegen mit 0,7 Prozent im Minus.
In Japan stieg der Nikkei 225-Index nach den Oberhauswahlen und der Zoll-Einigung mit den USA zwischenzeitlich auf ein neues Jahreshoch (43.876 Punkte) und ging mit einem Plus von 4,0 Prozent aus dem Handel. Unterstützung gab es zudem von fundamentaler Seite, denn das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal 2025 um 0,3 Prozent und damit zum fünften Mal in Folge an.
An den Rentenmärkten waren bei den US-Staatsanleihen rückläufige Renditen zu beobachten. Auch Staatspapiere aus den Schwellenländern (Emerging Markets) verbuchten auf Gesamtmarktebene im August ein Plus. Wichtigster Treiber waren die Zinssenkungserwartungen für September, die sich durch Powells Rede in Jackson Hole verstärkten. Aktuell sind am Markt bis Ende 2026 fünf bis sechs Zinsschritte eingepreist, woraus sich aber auch einiges an Enttäuschungspotenzial aufgebaut hat. Unterstützend kommt hinzu, dass sich das US-Wachstum mittlerweile zwar sichtlich abschwächt, aber nicht einbricht. Die Inflationsdaten im Juli fielen ebenfalls gemäßigt aus, worauf der Markt erleichtert reagierte. Mit Blick auf die US-Zinskurve verzeichneten vor allem die kürzeren Laufzeiten nennenswerte Renditerückgänge. Fälligkeiten ab 10 Jahren aufwärts zeigten sich hingegen nahezu unverändert. US-Schatzanweisungen gewannen auf Indexebene (J.P. Morgan Global Bond US-Index) im August 1,0 Prozent hinzu.
Renditedifferenz USA-Bundesanleihen weiter rückläufig
Im Euroraum waren hingegen leichte Kursverluste und damit steigende Renditen zu beobachten. Der iBoxx Euro Sovereign-Index gab um 0,4 Prozent nach. Vom Renditeanstieg waren Kern- und Peripherieländer des Euroraums gleichermaßen betroffen. Unterstützung von Zentralbankseite gab es hier nicht, da die EZB vorerst die Stopp-Taste bei den Leitzinssenkungen gedrückt hat. Auf der deutschen Zinskurve waren insbesondere die längeren Laufzeiten von einem leichten Renditeanstieg betroffen. Die Zinskurve tendierte somit etwas steiler, die zehnjährige Bund-Rendite lag zuletzt bei etwas über 2,7 Prozent. Damit hat sich auch der Trend zur rückläufigen Renditedifferenz bei zehnjährigen US- und deutschen Staatsanleihen, dem so genannten Transatlantik-Spread, fortgesetzt.
Frankreich im Schuldenstrudel
Im Blickpunkt stand zudem Frankreich. Premierminister François Bayrou hat einen Haushaltsentwurf mit drastischen Einsparungen vorgelegt, doch die Zustimmung der Opposition bleibt aus. Mit einer Vertrauensfrage will er neue Weichen stellen, während die wirtschaftlichen Unsicherheiten wachsen. Die Vertrauensfrage ist ein geschickter Schachzug für eine frühzeitige Neubesetzung des Amts. Ein neuer Premierminister könnte dann ab Mitte September einen neuen Haushaltsentwurf zur Abstimmung stellen. Unabhängig davon, wer in Zukunft das Amt übernimmt, es wird voraussichtlich ein Haushalt mit verringertem Sparprogramm vorgelegt. Somit steigen die Chancen auf eine Einigung mit den Oppositionsparteien. Frankreich bekäme im Idealfall noch in diesem Jahr einen regulären Haushalt und wäre somit handlungsfähig. Der Vorteil eines solchen neuen Haushalts wäre Klarheit über den weiteren Ausgabenpfad, allerdings um den Preis dringend notwendiger Sparmaßnahmen. Die Neuverschuldung könnte im kommenden Jahr dann auf rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ansteigen. Damit stünde Frankreich sogar schlechter da als Italien. Die absolute Verschuldung Italiens ist zwar höher, aber die Regierung in Rom leidet vor allem unter einer hohen Zinslast aus der Vergangenheit und spart zudem. In Frankreich kommt zu den Zinszahlungen verschärfend hinzu, dass auch die laufenden Ausgaben nicht aus den Einnahmen gedeckt werden können. Gleichzeitig lahmt die Wirtschaft. Die Investitionen sind im laufenden Jahr zurückgegangen und auch die relativ hohe Sparquote spricht nicht für Vertrauen bei den Konsumenten.
Ansteckungsgefahr eher gering, aber Grundoptimismus erhält deutlichen Dämpfer
Die Lage ist derzeit als ein isoliertes Problem Frankreichs einzuordnen. Die Gefahr einer Ansteckung anderer Staatsanleihemärkte schätzen wir aktuell als eher gering ein. Doch der Grundoptimismus, der die europäischen Börsen seit Anfang des Jahres über weite Strecken getragen hat, bekommt damit einen deutlichen Dämpfer – vor allem in Frankreich. Die umfangreichen Fiskalpakete für Sicherheit und Infrastruktur, die die europäischen Regierungen auf den Weg gebracht haben, hatten die Märkte in Erwartung eines Wachstumsschubs ab dem kommenden Jahr beflügelt. Diese positive „Back to Europe“-Stimmung erhält hierdurch doch deutliche Kratzer.
Spread zu Bundesanleihen schon auf hohem Niveau
Mit Blick auf den Anleihemarkt liegen die Renditeaufschläge (Spreads) französischer Staatspapiere im Vergleich zu deutschen Bundespapieren bereits seit den überraschenden französischen Neuwahlen nach der Europawahl 2024 auf erhöhtem Niveau. Mit derzeit rund 3,5 Prozent Rendite im Zehnjahresbereich handeln diese auf dem Niveau von Peripherie-Anleihen aus Italien oder Griechenland. Weitere Spread-Anstiege sind durchaus denkbar, weshalb bei französischen Staatsanleihen derzeit Vorsicht ratsam ist. Wir agieren bezüglich dortiger Investments seit einiger Zeit zurückhaltend.
Die USA haben mit den meisten Ländern inzwischen Zollvereinbarungen geschlossen, wenngleich die US-Administration diesbezüglich seitens der amerikanischen Justiz in den kommenden Monaten noch einiges an Gegenwind zu spüren bekommen könnte. Insgesamt hat die Zollthematik betreffend die Unsicherheit an den Märkten aber spürbar nachgelassen. Der Wachstums-Inflations-Mix bleibt kompliziert. Während das Wachstum der US-Wirtschaft an Dynamik verliert, nimmt die US-Inflation – wenn auch weniger stark als zunächst befürchtet zollbedingt zu.
Im Euroraum sind die Folgen der US-Handelspolitik spürbar. China kann dies nicht kompensieren, da sich dort die Konjunktur im zweiten Halbjahr deutlich abschwächt. Zinssenkungshoffnungen gegenüber der Fed und die aufgehellte Stimmung im Tech- bzw. KI-Sektor stehen dem als positive Faktoren gegenüber. Die Märkte haben die bestehenden Risiken bislang weitgehend ausgeblendet. Dies sorgt für etwas mehr Rückenwind bei den chancenorientierten Anlagen. Wir sind etwas optimistischer für den Aktienmarkt und bevorzugen regional Europa nur noch leicht gegenüber den USA. Im Rentenbereich halten wir Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität nach wie vor für attraktiv. Währungsseitig dürfte sich der Abwertungstrend beim US-Dollar aufgrund der Zinssenkungserwartungen vorerst fortsetzen.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 2. September 2025, soweit nicht anders angegeben.
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