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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Juni 2025
Anleger im Monatsverlauf risikofreudigerDie noch bis 9. Juli ausgesetzte US-Zollpolitik (für China gilt August) trat in den vergangenen Wochen eher in den Hintergrund. Im Juni wurde die Marktentwicklung in erster Linie vom Konflikt zwischen Israel/den USA und dem Iran getrieben. Insbesondere am Ölmarkt wurde während der Eskalation im Nahen Osten eine kräftige Risikoprämie eingepreist. So stieg der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent kurzzeitig in Richtung 82 US-Dollar. Zum Monatsende lag die Notierung im Rahmen der Beruhigung der Lage in Nahost dann wieder bei 67,50 US-Dollar. Gold war ebenfalls gesucht, erreichte mit 3.451 US-Dollar je Feinunze aber nicht mehr das Rekordhoch vom vergangenen April. Auch dort gab die Notierung aufgrund der risikofreudigeren Ausrichtung der Anleger bis Ende Juni wieder nach.
Die Aktien- und Rentenmärkte reagierten nur geringfügig auf die politischen Ereignisse. Der zwischenzeitlich moderate Anstieg der Risikoaversion unter den Anlegern flaute im Rahmen der ausgerufenen Waffenruhe in Nahost recht schnell wieder ab. Dabei ergab sich im Juni auf der Aktienseite eine regional sehr differenzierte Entwicklung. Während die US-Börsen im Rahmen einer Spekulation auf politisch motivierte frühzeitige Leitzinssenkungen (mittels Drucks auf die Fed) sowie einem soliden Wirtschaftswachstum unterstützt wurden, hatte der europäische Markt eher mit der Unsicherheit hinsichtlich der geopolitischen Lage zu kämpfen. Während die US-Börsen deutlich im Plus schlossen, gab es in Europa bei den großen Leitindizes leichte Verluste. Die US-Börsen hängten ihre europäischen Pendants deutlich ab, die Anleger fanden vor allem wieder verstärkt Gefallen an US-Tech-Aktien. Ähnlich zeigte sich die Entwicklung auf der Rentenseite. US-Staatsanleihen wiesen im Rahmen erhöhter Anleihekurse entsprechend deutliche Renditerückgänge auf. Im Euroraum prägten hingegen leicht ansteigende Renditen aufgrund von Kursverlusten das Bild. Der US-Dollar zeigte sich insgesamt weiterhin schwach. Darüber hinaus tagten im Juni die großen Zentralbanken.
EZB mit weiterem Zinsschritt
Der Juni war auch ein Monat der Notenbanken. Auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 2,0 Prozent (Einlagensatz) beschlossen. Dies war weitgehend am Markt eingepreist. Für die kommende Sitzung im Juli wird hingegen mit einer Zinspause gerechnet. Erst für den September preist der Markt einen weiteren und damit finalen Zinsschritt auf dann 1,75 Prozent für den Einlagesatz ein. Für eine fortgesetzt lockere Geldpolitik der EZB spricht, dass, im Gegensatz zu den USA, die Inflationsrate im Euroraum in diesem Jahr wohl das Zwei-Prozent-Ziel knapp unterschreiten wird. Zudem lasten im Euroraum auch die negativen Folgen der US-Zollpolitik auf dem Wachstumsausblick.
US-Notenbank fortgesetzt abwartend
Die US-Notenbank Fed hat hingegen auf ihrer Juni-Sitzung den Leitzins zum nunmehr vierten Mal in Folge unverändert gelassen. Das Zielband für die Fed Funds Rate liegt damit weiterhin bei 4,25 bis 4,5 Prozent. Die Zinsentscheidung im Gremium fiel einstimmig aus. Die Fed verknüpfte die Entscheidung mit dem Signal, es mit Zinssenkungen weiterhin nicht eilig zu haben. Dabei steckt die Fed im Gegensatz zur EZB eher im Dilemma: Der Disinflationstrend war bereits vor den Zollankündigungen ausgelaufen. Zudem ist das Wirtschaftswachstum nach wie vor recht solide. Allerdings ist die Unsicherheit über die Wirkung der US-Wirtschaftspolitik groß. Zudem übt Präsident Trump politischen Druck auf die Fed aus, den Leitzins weiter zu senken. Wir halten nach der jüngsten Sitzung an unserer Einschätzung fest, dass die Fed im laufenden Jahr den Leitzins unverändert beibehalten wird. Zentral hierfür ist die Annahme, dass sich das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft zwar abschwächen, aber nicht einbrechen wird. Sollte der Zoll-Effekt auf die US-Inflation allerdings geringer ausfallen als bislang erwartet, könnte die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis Jahresende steigen.
Bank of England lässt Zins ebenfalls unverändert
Die Bank of England (BoE) hat ebenfalls wie erwartet auf ihrer Sitzung den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Allerdings gab es drei Stimmen, die für eine Zinssenkung plädierten. Die Entscheidung den Leitzins vorerst konstant zu halten, passt weiterhin in unser Bild, dass die BoE unverändert vorsichtig agieren und im Basisszenario den Leitzins einmal pro Quartal absenken wird. Die nächste Zinssenkung um 25 Basispunkte sollte auf der Sitzung im August (auf der Basis von neuen Projektionen) folgen. Auch danach erwarten wir mit Blick auf die anhaltende Unsicherheit und der dann weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel liegenden Inflation in Großbritannien nur vierteljährliche Zinssenkungen.
Bank of Japan bestätigt aktuelles Leitzinsniveau
Die Bank of Japan (BoJ) bestätigte auf Ihrer Juni-Sitzung ebenfalls den Leitzins auf dem aktuellen Niveau von 0,5 Prozent. Die Notenbank betonte die zahlreichen Risiken, mit denen der dortige weitere volkswirtschaftliche Fortgang behaftet sei. Einmal mehr wurde auf die hohe Unsicherheit hinsichtlich der weltweiten Handelspolitik und den damit einhergehenden ökonomischen Effekten verwiesen. Unser Bild bezüglich Japan bleibt weiter intakt, die BoJ wird mit ihrer schrittweisen geldpolitischen Normalisierung fortfahren. Wir rechnen mit einer nächsten Leitzinsanhebung im Oktober, gefolgt von zwei weiteren Zinsschritten im kommenden Jahr. Die Zielrate von 1,25 Prozent für den Leitzins dürfte zum Jahresende 2026 erreicht werden.
US-Dollar unter Druck
Der US-Dollar hat im Berichtsmonat gegenüber dem Euro und vielen anderen G10-Währungen weiter Federn gelassen. Gegen Monatsende ging es bis knapp an die 1,18 US-Dollarmarke (je Euro). Anfang Juni waren es noch 1,13 US-Dollar, die je Euro aufzuwenden waren. Die Euro-Aufwertung umfasste somit im Juni rund 3,9 Prozent. Eine von uns erwartete zwischenzeitliche Stabilisierung des Dollar ist somit ausgeblieben. Am Markt zunehmende Zinssenkungserwartungen seitens der Fed und die Unsicherheit bzw. der Vertrauensverlust gegenüber den USA angesichts der US-Fiskal- und Schuldenpolitik haben zu einer fortgesetzten Schwäche des Greenbacks beitragen. Darüber hinaus dürfte auch die wieder gestiegene Risikoneigung der Anleger den Dollar als „Sicherer Anlagehafen“ zuletzt wieder uninteressanter gemacht haben.
Im Juni zeigte sich an den Aktienbörsen aus regionaler Sicht eine differente Entwicklung. Während die Märkte im Euroraum mit leichten Verlusten aus dem Handelsmonat gingen, verbuchten die US-Börsen deutliche Kursgewinne. Die Anleger setzten auf globaler Ebene wieder verstärkt auf US-Aktien. Neben der Entspannung auf geopolitischer Ebene (Naher Osten) sowie den Hoffnungen auf eine gütliche Einigungen im Zollstreit dürften hierbei auch die Erwartungen der Anleger hinsichtlich kommender Zinssenkungen durch die US-Notenbank zu den unterstützenden Faktoren gezählt haben.
US-Tech-Werte weiter gefragt, Nasdaq sowie S&P 500 schließen mit Rekordstand
Dabei stand in erster Linie der Technologiesektor im Blickpunkt, der deutlich zulegen konnte. Darüber hinaus konnten Kommunikationsdienste deutlich punkten. Die Apple-Aktie war Ende Juni gefragt. Pressemeldungen zufolge erwägt das Unternehmen, mittels Kooperationen mit Unternehmen aus dem Bereich der Künstliche Intelligenz die Integration von KI-Technologie in Apple-Produkte (Siri) vorzunehmen. Der Nasdaq-Composite-Index setzte Ende Juni zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung an, erzielte dabei mit zwischenzeitlich 20.418 Punkten einen historischen Höchststand und schloss mit einem Plus in Höhe von 6,6 Prozent. Der marktbreite S&P 500-Index erzielte ebenfalls ein neues Hoch und stieg um rund fünf Prozent auf 6.205 Punkte an, während der Dow Jones Industrial Average mit einem Plus in Höhe von 4,3 Prozent aus dem Handel ging.
DAX 40-Index zunächst mit Rekordhoch, schließt dann aber leicht im Minus
In Europa waren auf Indexebene hingegen negative Vorzeichen zu beobachten. Die für den Euroraum bzw. Europa repräsentativen EURO STOXX 50- bzw. STOXX Europe 600-Indizes schlossen mit minus 1,2 und 1,3 Prozent leicht negativ. Dies spiegelte sich auch auf Branchenebene entsprechend wider. Beispielsweise im STOXX Europe 600-Index kam es hinter der moderaten Indexbewegung zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Branchenrotation, die vor allem durch die Ereignisse in Nahost getrieben wurde. Nach der zunächst zu beobachteten Flucht in defensive Sektoren erfolgte mit dem Stimmungsumschwung eine Umschichtung in riskantere Anlagen. Die Sektoren Energie sowie Informationstechnologie waren gefragt, während sich Konsumgüter deutlich abgeschlagen geben mussten. Am deutschen Aktienmarkt kletterte der DAX 40-Index in der ersten Juniwoche mit 24.480 Punkten noch auf ein neues Rekordhoch, schloss mit minus 0,4 Prozent aber knapp unterhalb der Nulllinie.
In Asien legte der Nikkei 225-Index mit 6,6 Prozent ebenfalls deutlich zu. Für den MSCI-World-Index ergab sich im Berichtszeitraum ein Plus von 5,7 Prozent.
Die US-Berichtssaison wird ab dem 11. Juli starten. Rund drei Viertel der Unternehmen dürften dann bis zum 1. August ihre Unternehmensergebnisse veröffentlicht haben. Erwartet wird ein moderater Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal, der aber unter den Daten des ersten Quartals liegen dürfte.
US-Treasuries: Renditerückgang über die gesamte Zinskurve
Am US-Staatsanleihemarkt setzte sich in der zweiten Junihälfte eine freundliche Tendenz durch. Der für US-Staatspapiere repräsentative J.P. Morgan Global Bond US-Index gewann im Juni 1,2 Prozent hinzu. Dabei verschob sich die gesamte US-Zinskurve im Rahmen des Renditerückgangs etwas nach unten. Die richtungsweisenden zehnjährigen Treasuries verzinsten sich mit 4,2 Prozent rund 20 Basispunkte geringer als zum Vormonatsschluss. Geringere Inflationserwartungen sowie Spekulationen über eine mögliche frühe Nominierung des Nachfolgers von Jerome Powell als Fed- Vorsitzender haben die US-Renditen am kurzen mehr als am langen Ende gedrückt. Bei der Spekulation um den Powell-Nachfolger geht der Markt von einer künftig weniger restriktiven Geld- bzw. Zinspolitik aus.
Euro-Staatsanleihen schließen leicht im Minus
Am Markt für Euro-Staatsanleihen war ein eher ruhiger Handelsverlauf zu beobachten. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereign-Index) gab vor allem angesichts eines leichten Renditeanstiegs bei den Bundesanleihen 0,2 Prozent ab. Die deutsche Zinskurve verschob sich mit einem Renditeanstieg bei den Laufzeiten von zwei bis 30 Jahren nach oben. Zudem tendierte die Kurve über die ultralangen Laufzeiten (25/30 Jahre Fälligkeit) leicht steiler. Die zehnjährige Bundrendite lag Ende Juni bei 2,6 Prozent. Der Renditeanstieg am langen Ende dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Finanzierung der kommenden hohen Staatsausgaben gerade über die nächsten Jahre noch etwas umfangreicher als erwartet ausfallen könnte.
Die leicht rückläufige Inflation in Deutschland, die nach einer ersten bzw. vorläufigen Einschätzung im Juni bei 2,0 lag und am Monatsende veröffentlicht wurde, hatte wenig Einfluss auf das Marktgeschehen. Zumindest dürfte dies der europäischen Zentralbank hinsichtlich einer weiteren Zinssenkung aber in die Hände spielen. In der Euro-Peripherie waren ebenfalls leicht erhöhte Renditen zu beobachten. Dort scheint sich angesichts des ruhigen Handelsverlaufs bereits die Sommerpause abzuzeichnen.
Leicht im Plus (0,25 Prozent) schloss der Euro-Unternehmensanleihemarkt. Die zunehmende Risikobereitschaft unterstützte das Anleihesegment. Es wurden am Primärmarkt wieder zahlreiche Neuemissionen platziert, die gut nachgefragt waren. Dabei war zu beobachten, dass US-Unternehmen im Juni verstärkt Euro-Papiere emittierten.
Insgesamt ist die weitere Entwicklung an den Staatsanleihemärkten eher vorsichtig einzuschätzen. Die hohe Staatsverschuldung in den USA und die höheren Verteidigungsausgaben der Euro-Staaten in den nächsten Jahren dürften die Rentenmärkte weiterhin belasten.
Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China, der über den Zollkonflikt auch Europa voll erfasst hat, wird die Kapitalmärkte im zweiten Halbjahr weiter in Atem halten. Donald Trump wird an seinem strategischen Ziel einer US-Entkopplung von der chinesischen Wirtschaft und – in etwas abgemilderter Form auch von der Europäischen Union – festhalten. Die Unsicherheit über eine Verschärfung des Zollkonflikts dürfte zu einem schwankungsreichen zweiten Halbjahr an den Kapitalmärkten führen. Dazu beitragen sollte auch das anstehende Gesetzesvorhaben der Trump-Regierung mit der Verlängerung der Steuersenkungen aus dem Jahr 2017 sowie der Anhebung der Schuldenobergrenze. Die Kapitalmarktakteure werden deshalb wohl verstärkt auf die Verschuldungslage der USA blicken.
Anders als in den USA dürfte im Euroraum aufgrund des schwachen Wachstums die Teuerung gegen Jahresende hin unter dem Notenbankziel von rund zwei Prozent liegen. Das gibt der EZB den Spielraum für mindestens einen weiteren Zinssenkungsschritt um 25 Basispunkte bis September. Da die Kerninflation durch die höheren Importzölle in den USA bis zum Jahresende in Richtung von vier Prozent steigen dürfte, sind der Fed hingegen die Hände für weitere Zinssenkungen gebunden.
Die schwierigen Verhandlungen um den US-Haushalt und die Sorgen vor einem Reißen der Obergrenze für die US-Verschuldung dürften die Chancen für steigende Kurse an den US-Anleihemärkten über den Sommer begrenzen. Eine weitere Erosion des Vertrauens in die Rahmenbedingungen des größten Wirtschafts- und Finanzplatz der Welt bergen einerseits Risiken für US-Anlagen, andererseits aber auch Chancen für Anlagen etwa in Europa oder in den Schwellenländern. Die Aussicht auf eine noch dynamischere Zunahme der US-Verschuldung dürfte Anleger dazu bringen, höhere Risikoprämien für länger laufende US-Staatspapiere zu verlangen. Diesem Trend werden sich europäische und deutsche Staatsanleihen nicht völlig entziehen können, gerade angesichts der auch hierzulande steigenden Staatsverschuldung. Sinkende EZB-Leitzinsen sollten die Kurse von Anleihen aus dem Euroraum aber in der zweiten Jahreshälfte noch etwas stützen. Hingegen dürften europäische Unternehmensanleihen guter und sehr guter Bonität in einem Umfeld sehr solider fundamentaler Trends ihre Rolle als Ruhepol in einem Portfolio weiter ausspielen können.
Für die Aktienmärkte sind wir auf Sicht der kommenden Monate vorsichtig gestimmt, da die Kurse bereits positive Ergebnisse im Handelskonflikt und anhaltendes Gewinnwachstum der Unternehmen vorweggenommen haben. Das Umfeld wird unsicher bleiben, aber wir rechnen mit einem gewissen Gewöhnungseffekt. Gerade US-Unternehmen sind sehr anpassungsfähig und lernen immer besser, die anfänglich belastenden Effekte aus der Zollpolitik in den Griff zu bekommen. Damit dürfte sich das Gewinnwachstum dies- und jenseits des Atlantiks fortsetzen.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. Juli 2025, soweit nicht anders angegeben.
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