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Juni
Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Juni 2024
Im Juni fiel die Mehrheit der präsentierten Konjunkturdaten schwächer als erwartet aus. Doch im Mittelpunkt des Marktgeschehens standen weniger die Wirtschaftsdaten, sondern vielmehr die Wahlergebnisse. Den Urnengängen in wichtigen Schwellenländern folgte die Europa-Wahl. Hierbei kam es vor allem in Frankreich zu einem unerwartet starken Rechtsruck, der letztlich Neuwahlen auslöste. Zum Monatsende warf auch der US-Wahlkampf bereits erste Schatten voraus.
US-Wirtschaft weiter robust – Euroraum mit leichtem Dämpfer
Die US-Wirtschaft kann zweifelsfrei noch immer als sehr solide beschrieben werden. Hier und da zeigt sich zwar, dass die hohen Leitzinsen in den USA eine Bremswirkung entfalten. Dabei werden aber in erster Linie Ungleichgewichte, etwa am Arbeitsmarkt, abgebaut. Als stützend erweist sich weiterhin der US-Konsument. Zwar hat sich die Konsumlaune in den Umfragen weiter eingetrübt, die Erhebung scheint aber schon länger keine hohe Korrelation mehr mit den tatsächlichen Einzelhandelsumsätzen zu haben. Diese konnten erneut leicht zulegen, fielen diesmal jedoch schwächer als erwartet aus. Der feste US-Arbeitsmarkt und hohe Lohnabschlüsse sorgen indes für weitere Einkommenszuwächse. Gemischte Daten gab es aus der Industrie. Während die Zahl der Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter enttäuschte, blickten die Einkaufsmanager wieder etwas optimistischer in die Zukunft.
Im Euroraum erhielt die Aufbruchstimmung aus dem Vormonat einen kleinen Dämpfer. Gerade in Deutschland trübten sich die Daten wieder etwas ein. Beim vielbeachtete ifo-Geschäftsklimaindex ging die Erwartungskomponente auf niedrigem Niveau zurück. Auch die Exporterwartungen nahmen ab, nachdem die Europäische Union nun mit China Verhandlungen über Einfuhrzölle aufgenommen hat. Insgesamt dürfte sich die konjunkturelle Belebung zwar weiter fortsetzen, die Dynamik dabei sollte aber etwas abnehmen.
Mit Blick auf die Preisentwicklung zog die Inflation im Euroraum leicht an. Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation erhöhten sich im Mai jeweils um 0,2 Prozentpunkte auf 2,6 beziehungsweise 2,9 Prozent. Der Hauptanteil des Preisanstiegs war wieder auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen. Die Preisentwicklung bleibt hinsichtlich der Zinspolitik der EZB weiter im Blickpunkt der Anleger.
EZB senkt Leitzins, US-Fed wartet noch ab
Angesichts des seit Monaten anhaltend erhöhtem Leitzinsniveau in den großen Industrienationen war die Sorge seit Jahresbeginn groß, dass die restriktive Geldpolitik das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte. Die Marktteilnehmer setzten daher auf Leitzinssenkungen. Im Juni war es dann soweit: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Der Einlagensatz der EZB liegt damit bei nun 3,75 Prozent. Dies war jedoch keineswegs der Auftakt für einen klassischen Senkungszyklus, der in einer Art Automatismus abläuft und in regelmäßigen Abständen weitere Zinsschritte vorsieht. Trotz des restriktiven Kurses der Notenbanken erweist sich die konjunkturelle Entwicklung in Europa und auch in Nordamerika als erstaunlich robust. Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck über die letzten Monate zwar deutlich abgenommen hat, der Disinflationstrend nun aber auslaufen könnte. Es bleibt also fraglich, ob und wie schnell die Teuerungsraten überhaupt die Zielmarken der Notenbanken erreichen werden. Wir rechnen im Euroraum mit zwei weiteren Zinssenkungen im Umfang von jeweils 25 Basispunkten. Allerdings haben zuletzt die Risiken etwas zugenommen, dass die EZB möglicherweise weniger Zinssenkungen durchführt.
Neben der EZB tagte im Juni auch die US-Notenbank Fed. Diese beließ, wie erwartet, den Leitzins unverändert. Deutlich interessanter als der eigentliche Zinsentscheid war einmal mehr die Bewertung der Inflationsentwicklung durch die Fed und welche Signale diese daraus für ihren weiteren geldpolitischen Kurs senden würde. Dabei wurde festgestellt, dass es zuletzt wieder Fortschritte in Richtung des Inflationsziels von zwei Prozent gegeben habe. Der bisherige „Konfidenz-Aufbau“ reicht für die Fed-Mitglieder aber noch nicht aus, um in naher Zukunft die Zinsen zu senken. Die US-Notenbank gibt somit ihrer Geldpolitik, die sie unverändert als restriktiv betrachtet, weiter Zeit, um zu wirken. Die neuen Projektionen weisen aber eine wesentliche Änderung zu denen von März auf. Im Median halten die Notenbank-Mitglieder nunmehr nur noch eine statt der bislang erwarteten drei Zinssenkungen in diesem Jahr für angemessen. Bewegung gab es erneut auch beim „neutralen Zins“, der Marke also, bei der die Geldpolitik weder expansiv noch restriktiv ist und der Zinssenkungszyklus somit enden könnte. Hier stieg die Einschätzung zur langfristigen Fed Funds Rate um fast 20 Basispunkte auf 2,75 Prozent an. Die US-Notenbank befindet sich aktuell in der komfortablen Lage, vorerst weiter abwarten zu können. Am Arbeitsmarkt bauen sich die Ungleichgewichte ab, der US-Konsument ist weiterhin ausgabefreudig und der Inflationsdruck nahm zuletzt wieder etwas ab. Fed-Chef Jerome Powell begrüßte die jüngste Inflationsentwicklung, machte aber gleichzeitig deutlich, dass es noch weitere derartige Rückgänge braucht, bevor die Notenbank bereit sei, die Zinsen zu senken. Unsere Analysten gehen davon aus, dass sich der Teuerungsdruck in den kommenden Monaten weiter abschwächen wird und der US-Notenbank somit ab September Raum für zwei Zinsschritte in diesem Jahr geben wird.
Europawahl löst Neuwahlen in Frankreich aus
Bei der Europawahl schnitten die rechten Parteien erwartungsgemäß stark ab. In Summe fiel ihr Zuwachs leicht schwächer als befürchtet aus, doch gerade in Deutschland und Frankreich verzeichneten die Rechtspopulisten große Zuwächse. Während das Wahlergebnis in Berlin ohne Konsequenz blieb, sorgte der französische Präsident Emmanuel Macron für einen Paukenschlag: Er löste überraschend das Parlament auf und kündigte gleichzeitig Neuwahlen an, weil das Lager um Marine Le Pen (Rassemblement National) über 31 Prozent der Stimmen erhielt, und somit mehr als doppelt so viele wie Macrons Partei Ensemble, die 14,6 Prozent erreichte. Die Nachricht kam für die Kapitalmärkte überraschend und sorgte dementsprechend für Wirbel.
Im ersten Wahlgang Ende Juni erhielt Le Penn 29,3 Prozent der Stimmen (inkl. alliierter Gruppierungen 33,2 Prozent) und damit etwas weniger als vorab von den meisten Wahlforschern prognostiziert. Das Linksbündnis UG kam auf knapp 28,0 Prozent und lag damit nur leicht dahinter. Ensemble erreichte mit einigem Abstand rund 20,0 Prozent. Wichtig: Macron selbst stand nicht zur Wahl, es wurde also nicht über das Amt des Präsidenten abgestimmt. Turnusmäßig dauert die Amtszeit Macrons noch bis 2027. In Frankreich existiert das Mehrheitswahlrecht. Es handelt sich also zunächst nur um einen Zwischenstand. In knapp einer Woche folgt der zwei Wahlgang. Fraglich ist, ob es überhaupt eine Partei schafft, eine absolute Mehrheit auf sich zu vereinen. Doch selbst wenn es eine klare Regierungsmehrheit geben sollte: Da Präsidentenamt und Regierung (inkl. dem dieser vorstehende Ministerpräsident) in jedem Fall vermutlich aus unterschiedlichen Lagern kommen werden, dürften politische Vorhaben stärker als bislang Kompromisse verlangen. Diese Konstellation der „Cohabitation“ ist in Frankreich eher selten und war zuletzt unter Präsident Chirac und Premier Jospin um die Jahrtausendwende zu beobachten. Große Reformvorhaben lassen sich aller Voraussicht bzw. Erfahrung nach unter diesen Umständen nur schwer umsetzen. Politischer Stillstand ist daher aus aktueller Sicht das wahrscheinlichste Szenario. Damit wird aber auch ein radikaler Kurswechsel in der französischen Politik unwahrscheinlich.
Modi verpasst absolute Mehrheit bei Wahlen in Indien
Doch nicht nur die Wahlen in Europa beschäftigten die Anleger. Auch der Ausgang der monatelangen Parlamentswahlen in Indien hatte zu einer heftigen Kursreaktion geführt. Zunächst galt es als gesetzt, dass der regierende wirtschaftsfreundliche Premierminister Narendra Modi die dritte Amtszeit antreten kann. Der überraschende, in Umfragen nicht prognostizierte Verlust der absoluten Mehrheit seiner Bharatiya Janata Party (BJP) sorgte aber für Ernüchterung am 4. Juni: Die Renditen indischer Staatspapiere stiegen deutlich an, während in Mumbai der Aktienmarkt gemessen am Sensex-Index im Tagesverlauf zeitweise um über acht Prozent einbrach. In den Folgetagen hellte sich das Bild aber wieder deutlich auf. Denn: Die notwendige Koalitionsbildung mit zwei Partner-Parteien der BJP ging rasch über die Bühne. Mit dieser Koalition kann Modi nun in seine dritte Amtszeit gehen. Modi dürfte seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs weiterverfolgen. Für das Umsetzen einiger Wahlversprechen der Koalitionspartner dürfte die neue Regierung wohl etwas höhere Ausgaben tätigen. Dies steht aber nicht im Widerspruch zur Fiskalkonsolidierung, welche die Regierung Modi erfolgreich vorangetrieben hat. Das Tempo dürfte nur etwas langsamer vorangehen. In der zweiten Junihälfte hatten sich die Kurse dann schnell wieder erholt.
Ein vergleichbares Bild zeigte sich auch in Mexiko nach den Wahlen am 2. Juni. Der S&P BMV-Index brach nach dem Sieg von Präsidentschaftskandidatin Claudia Sheinbaum zeitweise fast sieben Prozent ein, erholte sich aber in den Folgetagen wieder. Zeitweise wertete auch der Mexikanische Peso gegenüber dem US-Dollar deutlich ab und die Risikoaufschläge mexikanischer Staatspapiere stiegen an. Die linksstehende Ex-Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt galt im Wahlkampf als Favoritin und war die Wunschkandidatin des scheidenden Präsidenten Lopez Obrador. Sie dürfte die eher linkspopulistische Politik ihres Amtsvorgängers weiterführen. Zu den Kursabgaben am Aktienmarkt trug bei, dass Anleger sich vor möglichen negativen Folgen eines politischen Kurswechsels fürchten. So könnte die Verlagerung von Produktionsstätten westlicher Länder nach Mexiko durch veränderte regulatorische oder politische Rahmenbedingungen ins Stocken geraten und damit das Wachstumspotenzial des Landes schmälern.
Die Börsen zeigten im Berichtsmonat ein zweigeteiltes Bild. An den US-Märkten treibt neben dem positiven Wachstumsumfeld vor allem das Thema Künstliche Intelligenz (KI) die Kurse. Allerdings mehren sich die Anzeichen für eine leichte konjunkturelle Abkühlung, wenngleich die Wachstumsaussichten positiv bleiben sollten. In Europa belasteten hingegen die politischen Rahmenbedingungen. Nach der Europawahl zogen international agierende Investoren massiv Anlagegelder Gelder aus Europa ab.
Erfreuliche Zugewinne in den USA
Mit Zugewinnen in Höhe von 1,1 Prozent beim Dow Jones Industrial Average, 3,5 Prozent beim S&P 500-Index sowie rund sechs Prozent beim Technologieindex der Nasdaq tendierten die US-Börsen erfreulich. Das – trotz befürchteter leichter Abkühlung - fundamental insgesamt positive Umfeld und der im Rahmen des KI-Hype zu beobachtende Investitions-Superzyklus hielten die Märkte am Laufen. Nicht zuletzt die Quartalszahlen des Chipherstellers NVIDIA und auch die Ankündigung von Apple, in dessen Produkte künftig stärker KI-Anwendungen zu integrieren, gab den Märkten einen weiteren Schub. Sowohl der marktbreite S&P 500-Index als auch der technologielastige Nasdaq-Index erreichten im Juni mit etwas mehr als 5.500 Punkten bzw. knapp 20.000 Punkten neue Höchststände. In Asien konnte der Nikkei 225-Index 2,9 Prozent hinzugewinnen, auch die asiatischen Schwellenländer (MSCI-Asien) tendierten mit plus 3,4 Prozent freundlich. Aus globaler Aktiensicht gewann der MSCI World-Index im Juni 2,2 Prozent hinzu.
Europas Börsen von Unsicherheit geprägt
In Europa zeigte sich die Marktentwicklung hingegen weniger erfreulich. Die von Präsident Macron ausgerufenen französischen Neuwahlen infolge des Wahlergebnisses der Europawahl sorgten für große Verunsicherung im Euroraum, mit der der Abzug umfangreicher Anlagegelder international agierender Investoren einherging. Aus Marktsicht belastete vor dem Hintergrund ambitionierter Steuer- bzw. Ausgabenpläne der französischen Randparteien vor allem die relevante Frage um eine künftige Tragfähigkeit der Staatsverschuldung. Der französische CAC 40-Index verlor im Juni mit 6,4 Prozent recht deutlich. Weitere europäische Indizes lagen ebenfalls im Minus, wenngleich auch deutlich geringer als der französische Markt. Der marktbreite STOXX Europe 600 verlor 1,3 Prozent. Der EURO STOXX 50-Index und der DAX 40 gaben 1,8 bzw. 1,4 Prozent ab.
NVIDIA ist weltweit teuerstes Unternehmen
Das Unternehmen NVIDIA war im Juni begünstigt durch den globalen KI-Boom zum weltweit größten Unternehmen aufgestiegen. Mit mehr als 3.300 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung lag NVIDIA Mitte Juni knapp vor den US-Firmen Apple sowie Microsoft. Zum Vergleich: Noch Ende 2022 umfasste die Marktkapitalisierung des Chip-Produzenten vergleichsweise geringe 360 Milliarden US-Dollar. Auch andere Technologieunternehmen wie Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet haben in den vergangenen eineinhalb Jahren ebenfalls enorm an Marktkapitalisierung hinzugewonnen und deren Höhenflug die Märkte nach oben gezogen. Die Relevanz großer Erdölunternehmen ließ im Gegenzug erheblich nach.
Fußball EM: Sportartikelhersteller im Blickpunkt
Afrika-Cup, Europameisterschaft, Copa América und die Olympischen Sommerspiele – 2024 ist das Jahr des Sportes. Aktuell zieht „König Fußball“ Deutschland in seinen Bann. Im Vorfeld erhitzte das von vielen kritisierte – aber auch von vielen geliebte – pinke Auswärtstrikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Gemüter. Trotz der Kritik beschert es dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Ausrüster Adidas beste Verkaufszahlen: Nie war ein Auswärtstrikot begehrter. Neben dem pinken Auswärtstrikot sorgte auch der Ausrüsterwechsel der Deutschen Nationalmannschaft von Adidas zu Nike für großen Unmut im Vorfeld der Europameisterschaft. Dabei bot der US-amerikanische Sportartikelhersteller deutlich mehr als der Ausrüster aus Herzogenaurach. Mindestens 100 Millionen Euro werden dem DFB aus der Zusammenarbeit mit Nike zufließen, konkrete Zahlen werden nicht bekanntgegeben. Adidas konnte indes mit Mercedes in der Formel 1 einen neuen Werbepartner finden. Als zyklische Branche ist das Sportartikelsegment stark vom Konsumklima abhängig. Da kann ein Sportereignis sehr stimulierend wirken. Doch die zuletzt eher schwachen Konsumdaten belasteten die Branche im Juni deutlich. Während Adidas auf Monatssicht knapp vier Prozent an Wert verliert, büßte Nike nach einer Umsatzwarnung satte 20 Prozent ein.
Die Ereignisse rund um die Europawahl und die folgende Einberufung von Neuwahlen in Frankreich durch Präsident Macron waren die wesentlichen Kurstreiber am europäischen Bondmarkt. Die aufkommende Unsicherheit unter den Anlegern führte zu einer verstärkten Nachfrage nach den als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen. Deren richtungsweisende Zehnjahresrendite fiel im Berichtsmonat von 2,62 auf 2,45 Prozent. Zwischenzeitlich rentierten die Titel sogar mit nur noch 2,35 Prozent. Auch bei den Kurzläufern war eine rückläufige Renditeentwicklung zu beobachten, so rentierten zweijährige Bundespapiere mit zuletzt 2,82 Prozent gut 25 Basispunkte tiefer als noch Ende Mai.
Spreadausweitung in Frankreich und der Euro-Peripherie
Gleichzeitig zogen die Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen und auch in der Euro-Peripherie an. Nach der Europawahl kletterte der Renditeabstand französischer Staatspapiere mit knapp 30 Basispunkten auf den höchsten Stand seit 2017. Am Monatsende betrug die französische Zehnjahresrendite 3,25 Prozent, nach 3,10 Prozent per Ende Mai. Zuvor hatte bereits die kürzliche erfolgte Rating-Herabstufung Frankreichs um eine Stufe für wenig Freude unter den Marktteilnehmern gesorgt. In der Euro-Peripherie weiteten sich die Spreads um etwa 20 Basispunkte aus.
Auf Gesamtmarktebene lagen Euro-Staatsanleihen, gemessen am repräsentative iBoxx Euro Sovereigns-Index, im Juni nahezu unverändert. Am US-Staatsanleihemarkt setzte sich der Trend zu rückläufigen Renditen fort, der Gesamtmarkt gewann ein knappes Prozent hinzu. US-Schatzanweisungen mit 10 Jahren Laufzeit fielen renditeseitig von 4,5 auf etwas mehr als 4,3 Prozent zurück. Zweijahrestitel rentierten mit rund 4,7 Prozent. Sowohl die Bund- als auch die US-Treasury-Kurve waren damit weiterhin invers.
Euro-Unternehmensanleihen leicht im Plus
Der Markt für Euro-Unternehmensanleihen zeigte sich im Juni weitgehend solide. Die Unsicherheit bezüglich Frankreichs führte zwar zu etwas höheren Risikoprämien. Dennoch konnten sowohl die Renditeentwicklung bei den Bundesanleihen als auch die hohen Kupons zu einer insgesamt positiven Wertenwicklung beitragen. Der für Euro Investment Grade-Unternehmenspapiere repräsentative ICE BofA Euro-Corp.-Bonds-Index ging mit einem leichten Plus in Höhe von 0,7 Prozent aus dem Handelsmonat. Der US-Unternehmensanleihemarkt verbuchte im Zuge rückläufiger US-Treasury-Renditen einen Zugewinn in Höhe von 0,6 Prozent. Anleihen aus den Schwellenländern konnten infolge der US-Treasury-Bewegung ebenfalls 0,6 Prozent hinzugewinnen.
Das Kapitalmarktumfeld bleibt aus globaler Sicht insgesamt positiv, auch wenn der Rückenwind etwas nachlässt und politische Faktoren wie der Großmachtwettbewerb zwischen China und den USA sowie die US-Präsidentschaftswahl für Unsicherheit sorgen können. Das Wachstum der Weltwirtschaft stellt nach wie vor einen wichtigen Unterstützungsfaktor dar. Vor allem die US-Konjunktur läuft unverändert stabil, woran sich perspektivisch wenig ändern dürfte. Anders als in den zurückliegenden Monaten erwarten wir aber zusätzlich eine Verbesserung der konjunkturellen Aussichten in anderen Regionen, allen voran im Euroraum.
Der globale Trend einer rückläufigen Inflation setzt sich fort, aber er verlangsamt sich. Aus Sicht der Notenbanken sollte damit der Boden für eine Geldpolitik mit moderaten Zinssenkungen bereitet sein. Die Fed dürfte der EZB mit der ersten Zinssenkung in diesem Zyklus im zweiten Halbjahr folgen und sich damit dem globalen Trend anschließen. Grund dafür ist die notwendige Rekalibrierung der Geldpolitik, da durch die gefallenen Inflationsraten die realen Zinsen (Nominalzins abzüglich der Inflation) deutlich angestiegen sind. Höhere Realzinsen belasten Unternehmen und Haushalte. Diesem Trend wollen die Zentralbanken entgegenwirken.
In Bezug auf die weitere Entwicklung an den Rentenmärkten dürfte die Wirkung überschaubar bleiben. Wir rechnen mit einer Seitwärtsbewegung bei den Renditen sicherer Staatsanleihen mit mittleren und längeren Laufzeiten. Bei den kürzeren Laufzeiten erwarten wir hingegen einen Renditerückgang. Die US-Zinsstrukturkurve wird folglich weniger invers, die deutsche Zinsstrukturkurve sollte zum Jahresende wieder positiv geneigt sein. Gleichzeitig gehen wir von einer hohen Schwankungsanfälligkeit aus. Mehr Potenzial sehen wir bei Unternehmensanleihen guter Bonität, auch wenn sich die Risikoaufschläge verringert haben. Kurzfristig bleibt die politische Lage in Europa aber ein Unsicherheitsfaktor. Aktien sind auf den ersten Blick teuer. Aber die Kursniveaus werden durch höhere Gewinne unterfüttert. War die Rally 2023 vor allem von den US-Technologiewerten getrieben, so werden zunehmend auch andere Sektoren interessant, da die Unternehmensgewinne auf breiter Front steigen. Das verleiht dem Aufschwung am Aktienmarkt mehr Stabilität.
In Summe überwiegen nach unserer Einschätzung die Chancen. Das Umfeld wird im zweiten Halbjahr etwas schwieriger, bleibt aber insgesamt aussichtsreich. Entscheidend bleibt eine sorgfältige Titelselektion, sowohl auf der Aktien- wie auf der Rentenseite.
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