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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Mai 2025
Die erratische Zoll- und Wirtschaftspolitik der US-Administration hielt die Finanzmärkte auch im Mai auf Trab. Der jüngst bekanntgegebene Aufschub zuvor angekündigter Zoll-Maßnahmen sorgte für Erleichterung unter den Anlegern. Auch unterstützte die Annäherung zwischen den USA und China. Im Ergebnis haben die Aktienbörsen nunmehr im Rahmen der fortgesetzten Erholungsbewegung die jüngsten Kurseinbrüche mehr als aufgeholt. In den USA setzte sich die Tech-Rally fort, im Euroraum konnte der DAX 40 gegen Ende Mai ein neues Rekordhoch erzielen. Stark gefragt war unvermindert der Rüstungssektor. Die Rheinmetall-Aktie stieg im Mai um rund 25 Prozent weiter deutlich an.
Am Anleihemarkt waren Papiere aus den sogenannten Kernmärkten wie US-Treasuries oder Deutsche Bundesanleihen weniger gefragt. Die Renditen stiegen dort mehr oder minder an. Von der steigenden Risikoaffinität konnten vereinzelt Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie profitieren, wie etwa Papiere aus Griechenland. Auch der Markt für Euro-Unternehmensanleihen war gefragt, die Risikoprämien (Spreads) engten sich dort auf Indexebene deutlich ein.
US-Notenbank Fed wartet weiter ab
Die Fed machte bei ihrer Sitzung Anfang Mai erneut deutlich, dass sie zunächst weiter abwarten will. Erst wenn sie die Auswirkungen der Zollpolitik auf beiden Seiten ihres dualen Mandats – Arbeitsmarkt und Inflation – mittels verlässlicher Daten einschätzen kann, wird sie über eine mögliche Änderung ihrer geldpolitischen Ausrichtung entscheiden. Wir rechnen daher weiter mit unveränderten US-Leitzinsen (4,25 bis 4,5 Prozent) bis Ende 2025.
Die EZB wird weiter senken
Im Gegensatz zur Fed hat es die Europäische Zentralbank (EZB) leichter, die Leitzinsen weiter zu senken, da die Euro-Inflation im ersten Halbjahr das Zwei-Prozent-Ziel unterschreiten sollte. Darüber hinaus stehen die negativen Folgen der US-Handelspolitik einer deutlichen wirtschaftlichen Expansion entgegen. Folglich dürfte die EZB im Juni und September unserer Einschätzung nach weitere Leitzinssenkungen vornehmen. Im Herbst wird demnach das Niveau von 1,75 Prozent (Einlagesatz) erreicht. Sollte sich in der Folge das Wachstum und/oder die Inflation schwächer als erwartet entwickeln, ist eine weitere Zinssenkung im Dezember nicht auszuschließen.
Im Mai setzte sich an den Aktienbörsen die positive Entwicklung fort. Die Verschiebung der US-Zolldrohungen und damit rückläufige Handelsspannungen zwischen den USA und Europa, sorgten für gute Stimmung unter den Anlegern. Darüber hinaus stiegen die Erwartungen gegenüber der US-Notenbank, doch in naher Zukunft eine Leitzinssenkung in Betracht zu ziehen.
US-Tech-Werte sind angesagt
Der US-Aktienmarkt erlebte eine deutliche Erholung. Der S&P 500-Index legte rund 6,2 Prozent zu, während der technologielastige Nasdaq-Composite-Index sogar um 9,6 Prozent anstieg. Beide Indizes verzeichneten damit den größten Monatsgewinn seit November 2023. Die wichtigsten Haupttreiber dieser Entwicklung waren die großen Tech-Werte, die von positiven Unternehmensberichten wie etwa NVIDIA aus dem Chip- bzw. KI-Sektor profitierten. Der IT-Sektor lag somit im Mai an der Spitze. Auch die Tesla-Aktie konnte trotz eher schlechter Pressemeldungen deutlich zulegen. Weniger erfreulich zeigte sich die Entwicklung des US-Gesundheitssektors aufgrund schlechter Nachrichten bezüglich regulatorischer Risiken oder auch enttäuschenden Ausblicken. So erlitten die Aktien von Unternehmen wie der UnitedHealth Group oder Eli Lilly im Mai größere Einbußen und belasteten die Branche. Zudem zählte der Energiesektor zu den schwächeren US-Sektoren im Berichtsmonat.
DAX 40: Siemens Energy und Rheinmetall mit deutlichen Kursanstiegen
Im Euroraum war ebenfalls eine insgesamt erfreuliche Aufwärtsbewegung zu beobachten. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index legte um rund vier Prozent zu. Der DAX 40 erzielte gegen Ende Mai mit 24.326 Punkten einen neuen Rekordstand, konnte diesem bis zum Monatsschluss aber nicht ganz gehalten. Dennoch legte das deutsche Kursbarometer im Berichtsmonat um beachtliche 6,7 Prozent zu. Spitzenreiter waren auf Einzeltitelebene hierbei Siemens Energy (plus 26 Prozent) sowie Rheinmetall mit plus 25 Prozent Kursgewinn.
In Asien konnte der Nikkei 225-Index 5,3 Prozent hinzugewinnen. Der MSCI-World-Index stieg um 5,7 Prozent an.
Fazit zur Q1-Berichtssaison
Hinsichtlich der Berichtssaison für das erste Quartal 2025 wurden die Erwartungen der Analysten oftmals übertroffen. Positive Überraschungen wurden aber meist mit eher geringen Kursaufschlägen honoriert, während es bei Enttäuschungen oft zu Abverkäufen kam. Zuletzt konnten wachstumsstarke und hoch kapitalisierte Unternehmen ihre Erträge besonders deutlich ausbauen. Unter den großen Technologie-Werten legten beispielsweise Microsoft, Alphabet und Netflix sehr gute Zahlen vor. Schwach fiel die Entwicklung hingegen in den Sektoren Einzelhandel, langlebige Wirtschaftsgüter sowie Energie aus. Unter besonderer Beobachtung standen die Ausblicke der Unternehmen. Die Firmen gehen sehr unterschiedlich mit der zollbedingten Unsicherheit um. Während einige zurückhaltend agieren und ihre Erwartungen beispielsweise unter eine Art „Zoll-Vorbehalt“ stellen, kommunizieren andere Unternehmen verschiedene Szenarien. Aus Anlegersicht erschwert dies die Meinungsbildung und dämpft somit die Perspektiven am Aktienmarkt.
US-Treasuries: Kursverluste im Mai
US-Staatsanleihen standen im Mai über weite Strecken unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Treasuries erhöhte sich zunächst im Rahmen der Verkäufe von rund 4,2 Prozent auf 4,6 Prozent, ehe zum Monatsende eine leichte Erholung einsetzte. Das marktbestimmende Thema war abermals die Zollpolitik der US-Regierung und die sich daraus ergebenden Marktimplikationen. Mitunter wurden Handelsbeschränkungen taggleich verkündet und wieder zurückgenommen, auch weil sich inzwischen die US-Gerichte mit der Frage nach deren Rechtmäßigkeit beschäftigen. In diesem Zusammenhang wurde immer deutlicher, dass die zukünftigen Zolleinnahmen für die USA wohl geringer ausfallen dürften als zunächst angenommen. Eine Gegenfinanzierung von höheren Ausgaben – bei denen es sich vor allem um Wahlgeschenke der Trump-Administration handelt – erscheint daher schwierig.
US-Staatsverschuldung gerät ins Blickfeld
Der Blick der Marktteilnehmer richtete sich daher auch zunehmend auf die Haushaltslage und die hohen Verbindlichkeiten der USA. Allein seit 2010 hat sich der Schuldenberg der Vereinigten Staaten verdreifacht. Andere Länder sind zwar noch höher verschuldet, doch die zunehmenden Zweifel an der Verlässlichkeit der Regierung könnten Auswirkungen auf die Stellung als wichtiger Investitionsort haben und auch Fragen zur Zahlungsfähigkeit aufkommen lassen. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moodys kam daher zur Unzeit, auch wenn die Bonitätswächter nur nachvollzogen, was andere Agenturen längst umgesetzt hatten. Dennoch stieg vor allem die Rendite der 30-jährigen Anleihe deutlich an und übersprang dabei zwischenzeitlich die Marke von fünf Prozent.
Zum Monatsende beruhigte sich das Marktumfeld einhergehend mit schwächeren Konjunkturdaten wieder etwas. Die Zinssenkungserwartungen nahmen wieder zu und sorgten für einen leichten Renditerückgang. Von Seiten der Inflationserwartungen gab es jedoch noch keine Entwarnung, sodass die US-Notenbank Fed die Marktentwicklungen weiter beobachten möchte. Die US-Notenbank dürfte daher vorerst an ihrer Geldpolitik festhalten.
Die US-Zinskurve hat sich renditeseitig im Berichtsmonat nach oben verschoben. Gemessen am J.P. Morgan Global Bond US-Index verzeichneten US-Schatzanweisungen im Mai einen Verlust von 1,0 Prozent.
Euro-Staatsanleihen: Wenig Eigendynamik
Das Marktgeschehen am europäischen Rentenmarkt war im Mai zweigeteilt. Einem anfänglichen Renditeanstieg folgte in der zweiten Monatshälfte dann wieder ein Renditerückgang. Auffällig dabei war das eher geringe Eigenleben des Marktes. Wichtige Implikationen gingen vielmehr von anderen Märkten, insbesondere den USA, aus. Vor allem sorgte die US-Zollthematik erneut für Verunsicherung. Aussetzungen, Neuandrohungen und Gerichtsurteile wechselten sich ab, mitunter sogar täglich. Eine erste Annäherung im Zollstreit zwischen China und den USA sorgte zur Monatsmitte für eine Wende. Auch trugen schwache Konjunkturdaten zu einer wieder freundlicheren Entwicklung bei. Der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex für den Euroraum blieb hinter den Erwartungen zurück und unterschritt zudem die Expansionsschwelle von 50 Zählern. In einigen Ländern fiel die Umfrage zwar besser aus, mögliche Vorzieheffekte vor Einführung der Zölle verzerrten jedoch den Datenpunkt. Aufgrund der geringen konjunkturellen Dynamik nimmt der Teuerungsdruck weiter leicht ab. In Italien und Spanien liegt die Jahresveränderungsrate inzwischen unterhalb von zwei Prozent. Für Deutschland war eine Inflationsrate von 2,1 Prozent (nach 2,2 Prozent) zu verzeichnen. Auch wenn die Inflationserwartungen auf Sicht von einem Jahr etwas zulegten, herrscht weiterhin ein Umfeld, in dem Leitzinssenkungen möglich sind. Anfang Juni ist daher mit einer erneuten Absenkung der Leitsätze um 25 Basispunkte durch die Europäische Zentralbank zu rechnen.
Peripherie gesucht
Im Mai zeigten sich Anleger allgemein risikoaffiner und fragten Papiere aus den Peripherieländern wieder stärker nach. Die Risikoaufschläge im Vergleich zu Bundesanleihen waren teilweise (Portugal, Griechenland) rückläufig. Bei der Emission einer neuen spanischen Staatsanleihe war zum Monatsende eine hohe Nachfrage zu beobachten. Die zehnjährige Anleihe im Umfang von 13 Milliarden Euro stieß im Orderbuch auf Zeichnungsbeträge im Gegenwert von 120 Milliarden Euro. So verwundert es nicht, dass Peripherieanleihen den Monat mit einem leichten Plus beendeten, während Kernanleihen ins Minus tendierten. So haben sich damit einhergehend auch die Renditen der Bund-Kurve im Mai leicht nach oben verschoben. In Summe verzeichneten Euro-Staatsanleihen, gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index, im Mai ein Plus von 0,1 Prozent.
Euro-Unternehmensanleihen leicht im Plus
Von der Risikofreude der Investoren konnte auch der Euro-Unternehmensanleihemarkt profitieren. Der für Investment Grade-Unternehmenspapiere repräsentative ICE BofA Euro Corporate Index legte im Mai rund 0,5 Prozent zu und profitierte in erster Linie von rückläufigen Risikoprämien (Spreads).
Euro/Dollar im Mai seitwärts
Der Euro/Dollarhandel endete im nach leichten Schwankungen nahezu unverändert gegenüber Ende April. Infolge der Zoll-Turbulenzen an den Kapitalmärkten war der Wechselkurs des US-Dollar gegen fast alle wichtigen Währungen zunächst deutlich gefallen. Gegen den Euro hatte er seinen Tiefpunkt am 21. April mit 1,15 US-Dollar erreicht. Danach konnte er wieder etwas aufwerten. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Greenback gegen den Euro dennoch einen Rückgang von 9,6 Prozent.
Ist die jüngste Rallye an den Finanzmärkten nachhaltig oder eine Übertreibung? Für die weitere Entwicklung sind die Verhandlungsergebnisse der US-Zollthematik entscheidend. Die alten Zoll-Höchststände sind wohl passé, die kommenden Verhandlungen dürften aber schwierig werden. Problematisch ist, dass die USA viele Güter aus strategischen Gründen nicht mehr nach China exportieren wollen. Die Entkopplung dürfte sich also fortsetzen.
Und mit der EU steht eine Zoll-Vereinbarung noch aus, die Fronten sind verhärtet. Auch wenn Trump von den avisierten Höchstständen abrücken sollte, dürfte es für die meisten Staaten mindestens 10 Prozent an zusätzlichen Zöllen geben. Dieses höhere Niveau wirkt sich negativ auf den Wachstums-Inflations-Mix aus. Das Wachstum verliert an Kraft, die Inflation bleibt, insbesondere in den USA mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent, hartnäckig.
Zudem ist die hohe Verschuldung der Vereinigten Staaten zuletzt stärker ins Blickfeld der Märkte gerückt und stellt ein Risiko für die weitere Entwicklung dar. Erschwerend kommt hinzu, dass erratische Entscheidungen des US-Präsidenten jederzeit zu neuen Marktverwerfungen führen können. Auch wenn die Erholung noch etwas tragen könnte, gibt es zurzeit kaum Rückenwind für chancenorientierte Anlagen. Anleger sollten daher weiterhin auf Sicht fahren. Wir bevorzugen derzeit unverändert Anlagen in Europa.
Auf kurze Sicht ist nunmehr Anfang Juni die geldpolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank von erhöhtem Interesse. Eine weitere Zinssenkung (25 Basispunkte) gilt als sicher. Die Inflationsraten im Euroraum liegen weitgehend am Inflationsziel und dürften einem entsprechenden Zinsentscheid nicht im Wege stehen. Für den September rechnen wir zudem mit einer weiteren Zinssenkung. Darüber hinaus liegt am 6. Juni die Aufmerksamkeit der Anleger auf den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 4. Juni 2025, soweit nicht anders angegeben.
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