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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat April 2026
Der Krieg im Nahen Osten bestimmt weiter die Schlagzeilen. Die Marktteilnehmer scheinen sich zwischen Eskalation und Erleichterung aber auf die positiven Meldungen zu konzentrieren. Seit der beschlossenen Waffenruhe am 8. April kam es zu einem Kursfeuerwerk an den Börsen. Mehrere Aktienindizes erreichten im Berichtsmonat neue Allzeithochs. Der Ölpreis fiel zunächst kräftig, bewegte sich zum Monatsende hin aber wieder in Richtung des alten Höchststands. So stieg der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent Ende April zwischenzeitlich auf ein Hoch von 126,- US-Dollar. Selbst die nach der Öffnung erfolgte erneute Schließung der für Energierohstoffe so wichtigen Straße von Hormus, die den Ölpreis wieder in die Höhe schickte, steckten die Börsen gut weg. Die Rentenmärkte schlossen nach einigen Schwankungen wenig verändert bzw. leicht im Plus. Der Euro wertete zum US-Dollar um 1,5 Prozent auf.
Neben der Nahost-Thematik beschäftigen im April auch die Zentralbanken die Anleger. Die vier großen Notenbanken hielten im April ihre regulären Sitzungen ab, dabei blieben die Leitzinsen wenig überraschend unverändert. Die Notenbanken warten vorerst ab. Vereinzelt gab es aber hier und dort einige interessante Details.
US-Notenbank steht vor dem Führungswechsel
Die US-Notenbank Fed behielt auf ihrer Sitzung Ende April wie von den Analysten weitestgehend erwartet den Leitzins (Fed Funds Rate) mit 3,5 bis 3,75 Prozent bei. Die Entscheidung fiel im Federal Open Market Committee (FOMC) aber nicht ganz einstimmig aus. Der scheidende Fed-Vorsitzende Powell schlug in der Pressekonferenz im Nachgang angesichts einer anziehenden Inflation und einer anhaltend soliden wirtschaftlichen Entwicklung moderat restriktive Töne an. Die Einschätzung der Fed zur US-Wirtschaft bleibt insgesamt konstruktiv. Hinsichtlich der erwarteten Inflationsentwicklung war, den steigenden Energiepreisen geschuldet, eine verschärfte Formulierung zu vernehmen. Der Markt preiste im Anschluss an das Fed-Meeting als Reaktion einen unveränderten Leitzins bis Ende 2026 ein.
Nun steht in der Fed ein Führungswechsel bevor. Jerome Powell wird von Kevin Warsh abgelöst, der Ende April die Bestätigung des Bankenausschusses des Senats erhielt und Mitte Mai als neuer Fed-Chef vereidigt werden dürfte. Powell wird nach seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender aber weiter sein Mandat als reguläres Mitglied des Fed-Boards ausüben.
EZB bleibt bei 2,0 Prozent
Die EZB behielt mit einer einstimmigen Entscheidung ebenfalls die Leitzinsen (Einlagensatz 2,0 Prozent) bei. Die Kommunikation zeigte sich eher restriktiv, vermied es aber, sich vorab in die eine oder andere Richtung festzulegen. Solange die erhöhten Preise keine Zweitrundeneffekte auslösen, dürfte die EZB keinen Grund sehen, die Zinsen anzuheben. Dennoch haben die (Aufwärts-)Risiken bei der Inflationsentwicklung aus Sicht der EZB weiter zugenommen. In der Diskussion wurden „verschiedene Optionen einschließlich einer Zinserhöhung" erörtert. Entscheidend für die weitere zinspolitische Vorgehensweise wird die Entwicklung der Datenlage im Rahmen des Nahost-Konflikts bleiben. Ein bis zwei Zinsanhebungen im weiteren Verlauf des Jahres wären, sollte die Straße von Hormus weiterhin geschlossen bleiben, durchaus möglich. In diesem Falle gehen wir aber nicht von einem Zinserhöhungszyklus aus.
Bank of England (BoE)/Bank of Japan (BoJ)
Darüber hinaus tagten im Berichtsmonat auch die Bank von England und die japanische Notenbank. Auch dort blieben die jeweiligen Leitzinssätze unverändert. Die BoE rechnet im Rahmen neuer Projektionen mit höheren Inflationsdaten, aber nicht mit einer Rezession. Die Kommunikation der britischen Zentralbank lässt derzeit nicht darauf schließen, dass dort mit zeitnahen Zinsanhebungen zu rechnen ist. Eine Zinssenkung scheint de facto vom Tisch zu sein, eine Anhebung ist aber keine ausgemachte Sache.
Die BoJ hat auf ihrer Sitzung die Wachstumsprognose für die japanische Wirtschaft im Rahmen der aktuellen Lage nach unten und gleichzeitig die Inflationsprognose nach oben angepasst. Der mittelfristige volkswirtschaftliche Ausblick der BoJ bleibt unserer Meinung nach positiv. Sofern sich die Lage in Nahost entspannen sollte, dürfte unserer Einschätzung nach eine Leitzinserhöhung auf der kommenden Sitzung erfolgen. Für das vierte Quartal erwarten wir eine weitere Zinsanhebung durch die BoJ.
Aktuelle politische Lage trübt Wachstumsbild kurzfristig ein
Insgesamt trübt die aktuelle politische Lage das Wachstumsbild kurzfristig ein. Der weltweit kräftige Anstieg der Energiepreise und die Energieknappheit – Stichwort Sperrung der Straße von Hormus – sorgt gleichzeitig für einen konjunkturellen Dämpfer. Die Weltwirtschaft sollte aber unter der Annahme eines zeitlich begrenzten Konflikts nicht langfristig belastet werden. Wir behalten unser konstruktives Bild bei, haben aber für unser Basisszenario, das eine baldige Öffnung der Straße von Hormus vorsieht, eine Anpassung vorgenommen. Die Wachstumsprognosen wurden leicht reduziert und gleichzeitig die Inflationserwartungen etwas erhöht. Für die USA wurden die Inflations-Schätzungen für 2026 von 2,9 auf 3,3 Prozent angehoben, für den Euroraum von 2,2 auf 2,8 Prozent und für Japan von 2,1 auf 2,7 Prozent. Beim Wirtschaftswachstum gehen wir bezüglich der USA 2026 von einem Anstieg des Bruttoinlandspro¬dukts (BIP) um 2,3 Prozent aus (zuvor 2,6 Prozent) und für den Euroraum von 0,8 Prozent (nach 1,3 Prozent). Japan dürfte um 0,4 Prozent wachsen (statt 1,0 Prozent).
Die globalen Aktienmärkte verzeichneten im April trotz aller geopolitischen Unsicherheiten einen bemerkenswert positiven Monat. Dabei schwankten die Börsen in den vergangenen Wochen deutlich zwischen Inflations- und Wachstumssorgen einerseits und der Hoffnung auf eine Lösung des Iran-Konflikts andererseits. Entsprechend hoch fielen die Kursausschläge aus. Ab Anfang April überwog der Optimismus, woraufhin eine kräftige Erholung einsetzte. Obwohl die Straße von Hormus nur für wenige Stunden geöffnet war und die globale Energieversorgung damit weiterhin erheblich eingeschränkt ist, erreichten einige Indizes im April wieder neue Allzeithochs. Dies galt für den Nikkei 225 (plus 16,1 Prozent), den Nasdaq Composite sowie den S&P 500. Insbesondere einige große Tech-Werte haben dabei die Indizes kräftig nach oben gezogen. In den USA legte der S&P 500 um knapp 10,5 Prozent zu, der Nasdaq ging mit 15,3 Prozent Zugewinn aus dem Handel, während der Dow Jones um 7,2 Prozent anstieg. Die europäischen Barometer konnten nicht ganz mithalten, legten aber auch ordentlich zu. Der STOXX Europe 600 stieg um 5,4 Prozent an. Der DAX 40 verzeichnete ein Plus in Höhe von 7,1 Prozent.
Start in die Berichtssaison: US-Unternehmen mit starken Zahlen
Neben der Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Nahost-Konflikts sorgte im April der Start in die Berichtssaison zum ersten Quartal 2026 für eine gute Unterstützung der Aktienmärkte. Denn trotz der geopolitischen Unwägbarkeiten war der Auftakt von starken Zahlen geprägt. Die US-Banken eröffneten die Berichtssaison mit überraschend hohen Gewinnen. Citigroup, JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Morgan Stanley profitierten von Marktschwankungen und einem höheren Handelsvolumen. So verzeichnete JP Morgan Handelserlöse von 11,6 Milliarden US-Dollar, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen boomte. Die Bank of America meldete hohe Zinseinnahmen, eine robuste Kundenaktivität und stabile Vermögensqualität. Der Gewinn je Aktie erreichte den höchsten Stand seit 20 Jahren.
Die Debatte um den Private Credit-Markt trübt die positive Einschätzung kaum, zumal die US-Notenbank Fed Berichten zufolge aufgrund der hohen Kreditqualität kein systemisches Risiko sieht.
Haupttreiber der positiven Stimmung war jedoch der Technologiesektor, insbesondere die Halbleiterhersteller. Analysten erwarten gerade für diesen Sektor ein hohes Umsatzwachstum. Erste Berichte, etwa von Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC), zeigen, dass die starke Nachfrage nach KI-Prozessoren erhebliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen bewirkte. TSMC meldete einen Gewinnanstieg von 58 Prozent, Samsung Electronics erzielte einen achtfachen Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Hauptkunden sind Cloud-Service-Anbieter, die ihre Bestellungen für Hochgeschwindigkeits-Speicherchips erhöhten. TSMC korrigierte die Umsatzprognose für 2026 deutlich nach oben und erwartet nun über 30 Prozent Wachstum. Neben dem Technologiesektor werden im S&P 500-Index auch in der Finanzbranche und im Grundstoff-Sektor steigende Umsätze erwartet. Die Gewinnlage verbesserte sich trotz Inflation und geopolitischer Risiken. Selbst nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs erhöhten Analysten ihre Prognosen und setzten den seit Februar anhaltenden Aufwärtstrend fort. Die optimistische Sicht wird durch robuste US-Wirtschaftsdaten gestützt, etwa durch stabile Konsumentenausgaben, wie von der Bank of America berichtet. Zudem tragen solide Unternehmensausblicke zur positiven Stimmung bei. Einzig im Gesundheitsbereich wird ein Gewinnrückgang von rund acht Prozent erwartet, vor allem wegen politischem Preisdruck und einer Normalisierung im Pharmasektor.
Die Rentenmärkte standen im Berichtsmonat im Spannungsfeld zwischen einem deutlich gestiegenen Inflationsdruck und durch den Nahost-Konflikt bedingten konjunkturellen Bremsspuren. Beim Blick auf die Zinskurven zeigte sich am Markt für US-Staatsanleihen per saldo ein leichter Renditeanstieg über alle Laufzeiten hinweg. Die US-Kurve stieg renditeseitig parallel um einige Basispunkte an. Die Zehnjahresrendite der US-Treasuries lag Ende April bei 4,39 Prozent. Im Gesamtergebnis war der US-Staatsanleihemarkt (J.P. Morgan Global Bond US-Index) im April unverändert.
Im Euroraum war ein ähnliches Bild zu beobachten. Hier kam es auf der Bundkurve im kurzen und mittleren Laufzeitbereich zu einem geringen Renditeanstieg von bis zu drei Basispunkten, während bei den längeren Laufzeiten die Verzinsung mit bis zu zehn Basispunkten etwas stärker ausfiel. Die Bundkurve tendierte im April über die langen Laufzeiten somit leicht steiler. Die zehnjährige Bundrendite schwankte zwischen 2,9 und 3,1 Prozent und schloss bei rund 3,0 Prozent. In der Euro-Peripherie kam es vereinzelt zu leichten Spread-Ausweitungen gegenüber Bundesanleihen. Im Gesamtertrag (Total Return) ergab sich im April unter Berücksichtigung der Kuponzahlungen bei Euro-Staatsanleihen auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereign-Index) ein leichtes Plus in Höhe von knapp 0,4 Prozent.
Etwas freundlicher zeigte sich der Markt für Euro-Unternehmensanleihen. Auf Indexebene (ICE BofA Euro Corp.-Index) ging der Markt für Investment Grade-Papiere mit einem Plus in Höhe von 0,9 Prozent aus dem Handelsmonat. In einem volatilen Handel haben sich die Risikoaufschläge (Spreads) im April um 14 auf 66 Basispunkte gegenüber dem Vormonatsende verringert.
Der Entwicklung der Lage an der Straße von Hormus und damit im Energiesektor kommt fortgesetzt eine zentrale Bedeutung zu. Die großen Notenbanken verhalten sich derzeit abwartend und halten sich alle Optionen offen. Mit großer Spannung wird zudem der „Machtwechsel“ in der US-Notenbank Fed erwartet. Mit Kevin Warsh wird ein Vertrauter des US-Präsidenten dort das Steuer übernehmen. An unserer Einschätzung, dass die Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden eine zumindest etwas expansivere Geldpolitik verfolgen wird, als dies auf der Basis der makroökonomischen Daten angemessen wäre, halten wir fest. Wir gehen davon aus, dass die Fed, obwohl fundamental nicht angebracht, den Leitzins im zweiten Halbjahr zweimal um jeweils 25 Basispunkte senken wird. Eine im Rahmen zur Jahresmitte erwartete Entspannung bei den Spritpreisen sowie auslaufende Zolleffekte bei den Güterpreisen könnten allerdings etwas mit Verzögerung eintreten und somit die Zinsschritte zeitlich nach hinten verschieben. Diese dürften aber in ihrem Ausmaß beibehalten werden. Man darf gespannt sein, wie Kevin Warsh die Mehrheit im FOMC von Zinssenkungen trotz anhaltend erhöhter Inflation überzeugen will. Darüber hinaus stehen im Rahmen der Berichtssaison in den kommenden Wochen weitere Unternehmensberichte zum ersten Quartal 2026 zur Veröffentlichung an.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 5. Mai 2026, soweit nicht anders angegeben.
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