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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat April 2025
Mit der Ankündigung einer Vielzahl von Importzöllen am 2. April, dem sogenannten Liberation Day, übertraf US-Präsident Donald Trump die zumeist negativen Erwartungen. Entsprechend heftig reagierten die Kapitalmärkte: Die globalen Aktienbörsen brachen deutlich ein, am US-Rentenmarkt stiegen die Renditen vor allem bei den langen Laufzeiten stark an. Am Devisenmarkt wertete der US-Dollar gegenüber dem Euro deutlich ab und tendierte auch gegenüber weiteren Währungen schwächer. Gold war als sicherer Hafen gefragt, die Feinunze wurde im April mit 3.500 US-Dollar in der Spitze zu einem Rekordpreis gehandelt. Doch die Kapitalmärkte blieben aber auch inmitten der schweren Turbulenzen voll funktionsfähig – zweifelsohne eine gute Nachricht für die Finanzmarktstabilität. Die spätere Aussetzung der neuen Zölle um 90 Tage durch die US-Regierung führte schließlich zu einer breit angelegten Erholung an den Märkten. Vereinzelt konnten dabei große Indizes wie der japanische Nikkei 225-Index, der DAX 40 oder auch der US-Nasdaq-Index zum Monatsende sogar leicht im Plus schließen.
Dennoch dürfte ein erheblicher Schaden entstanden sein. Denn schon jetzt ist die Berechenbarkeit der USA Infrage gestellt. Was wir gerade erleben, bringt die Weltwirtschaftsordnung der vergangenen Jahrzehnte ins Wanken. Der damit verbundene Vertrauensverlust in die US-Politik und in US-Anlagen dürfte künftige Investitionsentscheidungen erheblich beeinflussen.
Was also tun, denn Investoren kommen an den USA nicht gänzlich vorbei. Das Land dominiert die Weltwirtschaft, ist Technologieführer, stellt die Welt-Reservewährung und ist eine der bedeutendsten Militärmächte. Dies zu erhalten und mehr Wohlstand zu generieren ist Ziel der US-Regierung, wobei vor allem China als großer Störfaktor von den USA wahrgenommen wird und somit im Fokus steht. Die US-Zollpolitik zielt daher auf eine Abkopplung von China und die Schaffung einer „Festung Nordamerika“ als große, teilweise abgekapselte Wirtschaftsregion ab. An diesen langfristigen Zielen wird die US-Regierung festhalten, auch wenn die – derzeit noch ausgesetzten – Zölle unserer Einschätzung nach nicht in der ursprünglich avisierten Höhe in Kraft treten dürften.
EZB bleibt auf Zinssenkungskurs
Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt mit ihrer jüngsten Zinsentscheidung im April auf ihrem Zinssenkungskurs. Das Zinsband wurde um 25 Basispunkte abgesenkt. Der Einlagesatz liegt somit bei 2,25 Prozent. Anders als in den USA schränkt die Euro-Inflation den Handlungsspielraum der EZB nicht ein. An dieser Zinssenkung hatten vor der Sitzung nur wenige wirkliche Zweifel. Bezüglich der Auswirkungen der Zollthematik gab sich die EZB schmallippig. Im Statement findet sich der Hinweis auf einen eingetrübten Wachstumsausblick aufgrund der Handelsthematik. Sofern sich das Umfeld bis Juni nicht deutlich ändert, dürften die neuen Wachstumsprojektionen der EZB daher niedriger ausfallen. Nach vorne gerichtet erwarten wir zwei weitere Senkungsschritte im Juni und September. Der Einlagesatz läge dann bei 1,75 Prozent. Zwar besteht, abhängig von den weiteren globalen Entwicklungen, das Risiko weiterer Zinssenkungen auch über September hinaus. Da mit dem September-Schritt aber das untere Ende des neutralen Bereichs in der Geldpolitik erreicht sein dürfte, halten wir hierüber hinausgehende Zinssenkungen derzeit für wenig wahrscheinlich.
Wir sahen im Berichtsmonat eine insgesamt sehr volatile Marktentwicklung. Nach den Zoll-Ankündigungen des US-Präsidenten Anfang April brachen die Aktienmärkte zunächst weltweit ein. Trotz scharfer Kritik an der fragwürdigen Berechnungsmethode und Warnungen vor einem Einbruch der heimischen Wirtschaft hielt die US-Regierung zunächst an ihrer Entscheidung fest. Die dann aber erfolgte Kehrtwende mit der Aussetzung der Zölle gegen viele Länder und Branchen für 90 Tage sorgte für eine Erholung an den Börsen, die sich bis Monatsende durchgehend fortsetzte.
Mit Blick auf die großen Indizes verlor etwa der DAX 40 zwischenzeitlich in der Spitze 16,5 Prozent gegenüber dem Schlussstand März. Die dann folgende markante Erholungsbewegung führte das deutsche Aktienbarometer, vor allem mit Unterstützung der im DAX hoch gewichteten SAP-Aktie, letztlich zu einem leichten Plus in Höhe von 1,5 Prozent. Weitere große Indizes wie der japanische Nikkei 225-Index oder der US-Nasdaq-Composite schlossen mit 1,2 bzw. 0,9 Prozent ebenfalls leicht im Plus. Der Dow Jones Industrial Average und der S&P 500-Index verloren knapp 3,2 bzw. 0,8 Prozent. Der MSCI-World-Index gab Im Handelsmonat um 0,5 Prozent nach.
Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Trump hat bereits neue Zölle gegen die Pharma- und die Halbleiterindustrie angekündigt, mit dem Ziel, die Produktion in diesen Sektoren in die USA zu verlagern. Gegenüber China zeigt sich die US-Regierung bisher weitgehend unnachgiebig. Bei vielen Ländern dürften die Verhandlungen über reziproke Zölle am Ende zu niedrigeren effektiven Zollsätzen führen. Bei China erwarten wir dies hingegen nicht, zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Die derzeit laufende Berichtssaison zum ersten Quartal fand ebenfalls Beachtung unter den Anlegern, nahm angesichts der im Blickpunkt stehenden US-Zoll-Thematik und deren möglichen Folgen aber eher eine nachgeordnete Stellung ein. Die Unternehmensergebnisse boten bislang insgesamt mehr Licht als Schatten. So war der Überraschungseffekt im S&P 500-Index bei knapp 350 von 500 per Ende April berichtenden Unternehmen bezüglich Umsatzes und Gewinn durchaus positiv. Mit starken Zahlen warteten unter anderem die US-Banken auf: So meldete JP Morgan für das Auftaktquartal eine Gewinnsteigerung von neun Prozent auf knapp 15 Milliarden US-Dollar. Wells Fargo konnte den Gewinn um sechs Prozent im Jahresvergleich verbessern, Goldman Sachs berichtete einen Ergebnissprung von 15 Prozent. Allerdings bleiben die Ausblicke der Unternehmen aufgrund des wirtschaftspolitisch erratischen Umfelds eher vage. Immerhin konnte Microsoft Anfang Mai mit erfreulichen Nachrichten und einem Kurssprung den IT-Sektor unterstützen.
US-Schatzanweisungen schwanken stark
Im Vergleich zu Ende März hat sich am US-Rentenmarkt auf den ersten Blick wenig getan. Gemessen am J.P. Morgan Global Bond US-Index verzeichneten US-Schatzanweisungen einen Zuwachs von 0,6 Prozent im Monatsvergleich. Die vergangenen Wochen waren aber durchaus ereignisreich und turbulent. Zunächst verbuchten US-Staatsanleihen noch größere Kursgewinne. Die Ankündigung umfangreicher Strafzölle seitens der Trump-Regierung gegenüber nahezu jedem Land der Welt führte zu einer hohen Risikoaversion der Anleger und somit zu einer hohen Nachfrage nach US-Schatzanweisungen. Doch schnell wendete sich das Blatt. Das drastische Vorgehen der US-Regierung, trotz der damit verbundenen negativen Auswirkungen für die Vereinigten Staaten selbst, löste einen schnellen Renditeanstieg von 3,9 auf 4,6 Prozent für zehnjährige US-Treasuries aus. An der Spitze der Bewegung wurde sogar ein möglicher Vertrauensverlust diskutiert, der, wenn er denn eingetreten wäre, schwerwiegende Folgen für die USA hätte haben können. Mit dem Aussetzen der Zölle für zunächst 90 Tage beruhigte sich das allgemeine Marktgeschehen aber wieder. Debatten darüber, ob ausländische Käufer wie etwa China zukünftig wohl noch US-Staatsanleihen kaufen würden, blieben zwar erhalten, rückten aber etwas in den Hintergrund. Schweren wogen stattdessen die aufkommenden Konjunktursorgen, die sich aus dem Handelskrieg auch für die USA ergeben. An den harten Daten war dies bislang wenig abzulesen, einige Stimmungsindikatoren trübten sich jedoch ein und führten US-Anleihen somit wieder in die Gewinnzone.
Ein großes Gesprächsthema war auch die US-Notenbank, ohne dass dort eine Sitzung stattgefunden hätte. US-Präsident Trump machte sich für eine Absetzung von Fed-Chef Powell stark, weil dieser den Leitzinssatz aufgrund möglicher Inflationsrisiken nicht senken will. Als jedoch eine Gefährdung der Unabhängigkeit der Notenbank zunehmend diskutiert wurde, ruderte Trump zurück. Zum Monatsende hatten US-Schatzanweisungen dann die zwischenzeitlichen Verluste wieder vollständig aufgeholt.
Euro-Staatsanleihen legen zu
Im April setzten sich die Kursgewinne bei Euro-Staatsanleihen fort. Die hohe Nachfrage resultierte dabei vor allem aus den aufkommenden Konjunktursorgen in Folge der angekündigten US-Strafzölle. Am Euro-Rentenmarkt verblieb aber eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Marktbewegungen und den veröffentlichten Makrodaten. Denn die konjunkturelle Entwicklung war weiterhin ernüchternd. Wichtige Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes in Frankreich oder Deutschland fielen schlechter als erwartet aus. Nach zwei Jahren mit einer leichten Rezession in Deutschland gehen in diesem Jahr sowohl die Bundesregierung als auch der Internationale Währungsfonds von einem Nullwachstum aus, also einer Stagnation. Ein schwacher Trost bei diesen trüben Aussichten ist, dass bei einer so schwachen konjunkturellen Entwicklung wohl kaum Inflationsdruck aufkommen dürfte, auch nicht mit höheren Zöllen. Dieser weiterhin schwache Ausblick ermöglichte es der Europäischen Zentralbank erneut, die Leitzinsen zu senken.
In der Vergangenheit hatten sich Peripherieanleihen in solchen Phasen oft schlechter entwickelt als Papiere aus den Kernländern. Diesmal waren aber kaum Unterschiede auszumachen. Die Zehnjahresrendite deutscher Bundesanleihen fiel von 2,73 auf 2,44 Prozent. In Summe, verzeichneten Euro-Staatsanleihen, gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index, im April ein Plus von 2,0 Prozent.
Die als Transatlantikspread bezeichnete Renditedifferenz zwischen zehnjährigen US-Treasuries und deutschen Bundesanleihen erhöhte sich per Ende April aufgrund der Marktbewegungen von 152 auf 174 Basispunkte.
Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen waren ebenfalls Zugewinne zu beobachten, der ICE BofA Euro Corp.-Index, ER00) gewann 0,9 Prozent hinzu. Die Risikoprämien (Spreads) weiteten sich dort zunächst um 20 Basispunkte aus, zum Monatsende lag der Renditeaufschlag dann letztlich noch bei 12 Basispunkten.
US-Dollar wertet kräftig ab
Als Folge der Zoll-Turbulenzen wertete der US-Dollar gegenüber fast allen wichtigen Währungen deutlich ab. Gegenüber dem Euro verlor der Greenback im Berichtsmonat knapp fünf Prozent. Der Schlusstand per 30. April lag bei 1,13 US-Dollar je Euro. Zeitweise mussten in der zweiten Monatshälfte sogar 1,16 US-Dollar je Euro gezahlt werden. Ein Treiber hinter der jüngsten Eurostärke sind Rückflüsse von Anlagegeldern aus US-Aktien nach Europa, verstärkt durch Währungsabsicherungsaktivitäten. Auch gegenüber dem Japanischen Yen büßte der US-Dollar weiter ein. Das Muster der Vormonate bleibt intakt: Die Märkte mögen keine Unsicherheit, und seit Anfang April ist das Vertrauen in die USA als verlässlicher Handelspartner spürbar gesunken. Die Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen US- und Euro-Staatsanleihen spielte in diesem Umfeld kaum eine Rolle. Höhere Renditen für langlaufende US-Staatsanleihen wurden eher als Hinweis auf Stress am Markt, denn als Investmentgelegenheit wahrgenommen.
Das zwischenzeitliche Durchatmen an den Risikomärkten verringerte Mitte April den Druck auf den US-Dollar, da die Abflüsse aus dem US-Aktienmarkt nachließen und der Zinsabstand bei den Staatsanleihen ebenfalls etwas nachließ. Daher sehen wir kurzfristig Erholungspotenzial für den Greenback. Auf mittlere Sicht sollte der Euro aber unterstützt bleiben. Das Thema Vertrauensverlust in die US-Politik und in US-Anlagen dürfte künftige Investitionsentscheidungen beeinflussen. Eine graduelle Umschichtung hin zu einer ausgewogeneren regionalen Diversifizierung bei den internationalen Anlegern dürfte den Euro mittelfristig unterstützen.
Goldpreis auf neuen Höhen
Gold machte im jüngsten Abverkauf seinem Ruf als sicherer Hafen wieder alle Ehre. Mit 3.500 US-Dollar je Feinunze wurde am 22. April innerhalb der Tagesbewegung ein Rekordstand erreicht. Per Monatsende verblieb nach dem Rücksetzer im Rahmen wieder zunehmender Risikoneigung ein Zugewinn von 5,3 Prozent auf 3.288 Euro.
An unserer Einschätzung, dass sich die Wirtschaftspolitik der US-Regierung inflationserhöhend und wachstumsdämpfend auswirken dürfte, halten wir fest. Wir erwarten aber, dass die zunächst für 90 Tage ausgesetzten reziproken Zölle – mit Ausnahme von China – letztlich erheblich geringer ausfallen werden als angekündigt. Dennoch wird der effektive Zollsatz für US-Importe über unserer ursprünglichen Erwartung liegen und dürfte die annualisierte US-Kerninflation bis Ende 2025 auf knapp 4 Prozent heben. Die Wachstumseffekte sind schwerer zu prognostizieren. Zwar wachsen die USA trotz Trump noch moderat, doch das Wachstum verliert an Kraft. Nach wie vor rechnen unsere Experten aber nicht mit einer US-Rezession.
Für den Euroraum haben unsere Prognosen Bestand. Wir erwarten für 2025 ein moderates Wachstum und einen verbesserten Ausblick für 2026, auch wegen der deutschen Infrastrukturinvestitionen. Die Konjunkturabschwächung in den USA und China lastet begrenzt auf der Wirtschaft.
Der Handelskonflikt dürfte sich auf die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auswirken. Ob die Fed dieses Jahr ihre Zinsen senkt, wird auf der Wachstumsseite entschieden. Nach unserer Einschätzung dürfte die Wachstumsverlangsamung und die damit einhergehende Eintrübung am US-Arbeitsmarkt zu gering ausfallen, um Zinssenkungen zu rechtfertigen. Daher gehen wir von unveränderten US-Leitzinsen bis Ende 2025 aus (4,25 bis 4,5 Prozent). Sollte sich der Arbeitsmarkt wider Erwarten jedoch deutlich abschwächen, dürfte die Fed rasch und entschieden reagieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt dagegen auf ihrem Zinssenkungskurs und wird die Lage weiter aufmerksam beobachten. Anders als in den USA schränkt die Euro-Inflation den Handlungsspielraum der EZB nicht ein. Wir erwarten zwei weitere Senkungsschritte im Juni und September.
Die Aussicht auf eine weiter zunehmende Verschuldung der Vereinigten Staaten dürfte dafür sorgen, dass die Investoren höhere Laufzeitprämien für US-Staatsanleihen verlangen. Zudem dürften Kapitalabflüsse aus US-Anleihen (neben Aktien) zu einem Aufwärtsdruck bei den Renditen führen. Da die USA wesentlich von ausländischen Investoren (etwa Japan, China und Großbritannien) abhängig sind, spielt das Vertrauen dieser Investoren in die Berechenbarkeit der US-Politik eine wichtige Rolle. Wir erwarten in den USA zunächst aber eine Seitwärtsbewegung bei den Renditen langlaufender US-Papiere. Auch in Europa rechnen wir damit, dass sich die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen erst einmal seitwärts entwickeln dürften. In diesem Marktumfeld erscheint uns in den meisten Renten-marktsegmenten zurzeit eine neutrale Positionierung ratsam. Wir setzen weiterhin auf Euro-Unternehmensanleihen aus dem Investment Grade-Segment und auf Euro-Pfandbriefe. Diese betrachten wir als sichere Häfen im Falle erneuter Marktturbulenzen. Die Fundamentaldaten auf Unternehmensseite sind stabil und die Nachfrage im Markt bleibt gut.
Vor dem Hintergrund der hohen politischen Unsicherheit und des angekratzten Vertrauens in die Wirtschaftsmacht USA hat sich das Kapitalmarktumfeld eingetrübt. Darum nehmen wir eine neutrale Haltung gegenüber Aktien ein. Aus regionaler Sicht bevorzugen wir unverändert Anlagen in Europa gegenüber den USA.In Summe dürfte die Volatilität an den Börsen daher vorerst erhöht bleiben. Ohne einen klaren Markttrend sollten Anleger zurzeit auf Sicht fahren.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. Mai 2025, soweit nicht anders angegeben.
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