Source: https://www.union-investment.de/unsere-services/news-abonnements/marktticker/marktrueckblick-04-2024
[...]
Startseite Abonnements Marktrückblick und -ausblick Marktrückblick und -ausblick April
April
Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat April 2024
Im April hat die Marktteilnehmer vor allem die Frage beschäftigt, wann denn die großen Notenbanken mit ihren Leitzinssenkungen beginnen werden. Brauchte man zu Jahresbeginn noch zwei Hände, um die Anzahl an erwarteten Zinsschritten abzuzählen, reichten zuletzt noch zwei Finger aus. Gute Konjunkturdaten aus den USA, in Kombination mit höher als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten haben Zweifel aufkommen lassen, ob die US-Notenbank womöglich überhaupt an der Zinsschraube wird drehen können. Die Rentenmärkte reagierten mit steigenden Renditen und an den Aktienmärkten war nach der Rekordjagd im Vormonat eine Konsolidierung zu beobachten.
US-Konjunktur erweist sich als sehr robust
Die US-Wirtschaft erweist sich weiterhin als ausgesprochen robust, trotz Leitzinsen von mehr als fünf Prozent. Zwar fiel das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal mit annualisierten 1,6 Prozent merklich schwächer als im Schlussquartal 2023 aus. Ein genauer Blick in das Zahlenwerk zeigt aber, dass der so wichtige US-Verbraucher sich als weiterhin ausgabefreudig erweist. Die Konsumentenausgaben sind zuletzt über den Erwartungen gestiegen. Auch die Einkommen legten stärker als angenommen zu. Zinserträge erhöhen in diesen Zeiten zudem zusätzlich das verfügbare Einkommen. Als wichtige Stütze scheint sich aber mehr und mehr die Industrie zu etablieren. Hohe Fördersummen der Biden-Regierung in den Standort USA zeigen inzwischen Wirkung. Immer mehr ausländische Firmen lassen sich aufgrund der guten Rahmenbedingungen (sowohl steuerlich als auch von bürokratischer Seite betrachtet) in den Vereinigten Staaten nieder. Manche Analysten sprechen bereits von einem beginnenden Superzyklus im Verarbeitenden Gewerbe der USA.
Wenig Dynamik in Europa, aber eine Belebung zeichnet sich ab
Europa kann von solch einer Dynamik derzeit nur träumen. Die Wachstumszahlen auf dem alten Kontinent fallen wesentlich schwächer aus. Schlusslicht ist hier vor allem Deutschland. Die deutsche Wirtschaft stagniert im Wesentlichen seit zwei Jahren. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat ihr mehr zugesetzt als anderen Volkswirtschaften. Deutschland hat seit Anfang 2022 nichts zum Wachstum in Europa beigetragen. Andere Länder haben sich da deutlich mehr hervorgetan wie beispielsweise Spanien und Italien. Im ersten Quartal sind die Ausgaben der Verbraucher hierzulande sogar noch einmal geschrumpft. Doch die veröffentlichten BIP-Zahlen fürs erste Quartal nähren die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft ihren Tiefpunkt durchschritten haben sollte. Nach einem noch schlechter als ursprünglich angenommenen Schlussquartal hat die Wirtschaftsleistung bis Ende März leicht zugelegt. Dies liegt an den guten Exporten und ordentlichen Bauinvestitionen. China fällt zwar weiterhin als Wachstumstreiber aus. Allerdings erhält die deutsche Industrie etwas Rückenwind vom Aufschwung der US-Industrie. Die erwarteten Zinssenkungen lockern bereits jetzt die Finanzierungsbedingungen etwas und erleichtern somit Investitionen im Bausektor. Und auch die Rahmenbedingungen für den Konsum hellen sich auf. Die geringere Inflation bei gleichzeitig steigenden Löhnen lässt die Realeinkommen der Haushalte steigen. Bleibt ein unerwarteter Schock aus, findet die deutsche Wirtschaft damit langsam ihren Weg aus der Stagnation.
US-Inflation beharrlicher als erwartet
Die Inflation in den USA zeigt sich zäh. Zuletzt fiel sie mit 3,5 Prozent im Jahresvergleich erneut höher aus als erwartet. Auch die Kerninflation lag mit 3,8 Prozent leicht über den Prognosen. Im Monatsvergleich zog beides überraschend um 0,4 Prozentpunkte an. Hintergrund ist die robuste Wirtschaft jenseits des Atlantiks. So ist der Desinflationstrend bei Kerngütern und Kerndienstleistungen inzwischen weitgehend zum Ende gekommen. Der Weg zum Inflationsziel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gestaltet sich also wie erwartet mühsam. Dennoch lässt sich sagen, dass der Höhepunkt der US-Kerninflation inzwischen deutlich hinter uns liegt und sich der schrittweise Abstieg langsam fortsetzt. Unterstützung erfährt diese Bewegung vom Arbeitsmarkt, an dem sich das Ungleichgewicht mehr und mehr abbaut. Die Anzahl der offenen Stellen stabilisiert sich bei gleichzeitig zunehmender Beschäftigung. Von hier ist in der nächsten Zeit also mit keinem zunehmenden Preisauftrieb zu rechnen. Diese Gemengelage dürfte die Notenbanker der Fed darin bestärken, mit Blick auf die anstehenden Zinssenkungen datenabhängig zu agieren. Das unbeirrt solide Wachstum in den USA versetzt die Fed in die komfortable Lage, nicht übereilt handeln zu müssen. Sie kann entsprechend vorsichtig agieren und das erwarten inzwischen auch die Marktteilnehmer mit entsprechend nur noch ein bis zwei Zinssenkungen in diesem Jahr.
Inflation im Euroraum kaum noch ein Thema
Anders stellt es sich in Europa dar. Hier kamen die Teuerungsraten weiter zurück und hätten der Europäischen Zentralbank bereits auf der letzten Sitzung eine Zinssenkung ermöglicht. Die europäischen Währungshüter wollen aber zunächst noch mehr Sicherheit gewinnen, dass der Inflationsdruck nicht doch noch unerwartet wieder neu aufflammt. Für Juni ist ein erster Zinsschritt aber inzwischen gesetzt.
Kupfer ist gesucht
Unter den Industriemetallen gilt Kupfer als einer der größten Profiteure der Energiewende, weil das rote Metall so vielseitig einsetzbar ist, dass es nirgends fehlen darf. Es wird nicht nur für Windkraft und Photovoltaik-Anlagen gebraucht, sondern auch im Zusammenhang mit der CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage/CCS) und für Elektromobilität – auch wenn der Automobilmarkt jüngst schwächelte. Zuletzt machte der massive Kapazitätsausbau von Datenzentren und deren hoher Stromverbrauch Schlagzeilen. Dies ist ebenfalls ein Wachstumsfeld, dessen Elektrizitätsversorgung mithilfe von kupferhaltigen Materialien (Kabel, Transformatoren, etc.) sichergestellt wird. Einer unweigerlich steigenden Nachfrage steht also ein enger Markt entgegen. Dementsprechend verteuerte sich Kupfer im April um mehr als zwölf Prozent.
Im März waren die Aktienmärkte noch auf Rekordjagd. Neben dem Thema Künstliche Intelligenz stütze auch die Erwartung an bald sinkende Leitzinsen. Mit der zunehmenden Unsicherheit bezüglich des weiteren Vorgehens der Notenbanken setzte nun eine Konsolidierung ein. Alle Märkte aus den Industriestaaten büßten letztlich ein. In den USA und Japan ging es für die großen Leitzindizes zwischen vier und fünf Prozent abwärts. DAX 40- und Euro Stoxx 50-Index verloren jeweils drei Prozent an Wert. Leichte Zugewinne in Asien verhalfen Aktien aus den Schwellenländern letztlich zu einem leichten Plus von einem Prozent.
Aus Branchensicht hielten sich Versorger, die schon im März zu den Gewinnern gehörten, noch vergleichsweise gut. Aktuell ist die Nachfrage hoch. Nicht etwa weil die Werte zu den weniger zyklischen Titeln gehören, sondern vielmehr aufgrund des Booms um das Thema Künstliche Intelligenz. Wie das? KI-Anwendungen benötigen mitunter größere Mengen an Strom. Man darf also davon ausgehen, dass die strukturelle Nachfrage weiter wächst. Schlusslicht waren zinssensitive Branchen wie etwa der Immobiliensektor.
Geopolitik belastet nur kurz
Zwischenzeitlich entfernten sich die Aktienmärkte etwas deutlicher von ihren im März erreichten Rekordhochs. Hierfür waren aber weniger die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern vielmehr die Geopolitik verantwortlich. Dabei sorgten zwei kurz hintereinander stattfindende Militärschläge im Nahen Osten für Verunsicherung. Zunächst erfolgte eine Vergeltungsmaßnahme des Iran in Form eines umfangreichen Raketenbeschusses auf Israel. Im Anschluss griff Israel seinerseits eine iranische Militärbasis an. Die Art und Weise, wie diese Angriffe jedoch durchgeführt wurden, sprachen dafür, dass sich zwar beide Länder zu den jeweiligen Schritten verpflichtet sahen, offenbar aber kein Interesse daran haben, dass daraus eine Eskalationsspirale entsteht. Auch wenn die Spannungen zwischen beiden Ländern noch weiter anhalten dürften, scheinen die kurzfristigen Risiken begrenzt. Die Aktienmärkte glichen einen Großteil der Verluste daher schnell wieder aus. Sorgen hatte zuvor ein steigender Ölpreis gemacht, der die Inflation wieder hätte anfachen können. Doch auch hier entspannte sich die Lage schnell wieder.
Berichtssaison läuft solide an
Die Berichtssaison zum ersten Quartal erwies sich als solide. Der Großteil der Unternehmen konnte bei Umsatz und Gewinn überzeugen. Vielfach hätten sich Anleger aber optimistischere Ausblicke erhofft, sodass größere Kurszuwächse ausblieben. Enttäuschende Zahlen wurden mitunter mit Kursverlusten abgestraft. Ein besonderes Augenmerk richteten die Anleger auf die Bilanzen der großen Technologiefirmen. Auch dort scheint sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht alle der Glorreichen Sieben konnten überzeugen. Nvidia, der Hersteller von KI-Chips glänzte, Tesla hingegen enttäuschte mit seinem Quartalsergebnis. Auch Apple blieb hinter den Erwartungen zurück. Doch sowohl der Smartphonehersteller als auch Tesla konnten dieses Manko mit einem optimistischen Ausblick wettmachen. Amazon hingegen verdreifachte seinen Gewinn, war beim Blick nach vorn aber etwas weniger euphorisch.
An den Rentenmärkten setzte sich der seit Januar bestehende Trend zu höheren Renditen weiter fort. Mit jeder besseren Konjunkturzahl wuchsen die Wachstumserwartungen. Gleichzeitig zogen die Renditen weiter an. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht die parallele Entwicklung. Abgetragen sind hier die Hochrechnungen für das Wirtschaftswachstum und die Rendite für zweijährige US-Staatsanleihen. Diese sind in der Spitze bis auf fünf Prozent gestiegen. Zehnjährige Papiere rentierten zwischenzeitlich bei mehr als rund 4,7 Prozent. Damit blieb die US-Zinsstrukturkurve nach wie vor leicht invers. In Summe verloren US-Staatsanleihen im April, gemessen am JPM Global Bond US-Index, 2,3 Prozent an Wert.
Trotz der eher schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung konnten sich die europäischen Rentenmärkte den Vorgaben aus den USA nicht gänzlich entziehen. Auch hier kam es zu steigenden Renditen. Die Kursverluste fielen jedoch etwas geringer aus und beliefen sich, gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index, auf 1,4 Prozent.
Nachfrage nach risikobehafteten Papieren war ungebrochen hoch
Anleihen mit einem Risikoaufschlag hielten sich aufgrund der hohen Nachfrage etwas besser. Rückläufige Risikoaufschläge konnten einen Teil der Zinsbewegung kompensieren. So büßten Unternehmensanleihen, gemessen am ICE BofA Euro Corporate-Index, nur 0,8 Prozent an Wert ein. Viele Emittenten nutzten die gute Nachfrage für Neuemissionen. Bei hochverzinslichen Papieren (High Yield) waren die Käufer dabei sogar in der Lage, die Bedingungen und Klauseln der neuen Papiere mitzubestimmen.
Wir beobachten eine solide Wachstumsdynamik in den USA, die weiter anhalten dürfte. Gute Nachrichten gab es auch aus China. Die jüngsten Datenpunkte aus dem Reich der Mitte lassen auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung hoffen. Darüber hinaus gab es auch positive Signale aus dem Euroraum. In diesem Umfeld könnte der Trend zu sinkenden Inflationsdaten auslaufen. Dies gilt vor allem für die USA. Dort dürfte das zyklische Tief der Kerninflation bereits zur Jahresmitte erreicht werden. Die US-Notenbank wird die Leitzinsen daher vorerst weiter auf erhöhtem Niveau belassen und im zweiten Halbjahr noch zwei Zinssenkungen beschließen. Die Europäische Zentralbank dürfte hingegen bereits im Juni mit dem Zinssenkungszyklus beginnen und den Einlagesatz bis zum Jahresende um 75 Basispunkte verringern.
Störfeuer kann es immer wieder von Seiten der Geopolitik geben – gerade im Nahen Osten. Eine Eskalation ist derzeit zwar nicht unser Basisszenario, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Als Absicherung bieten sich Energierohstoffe an, zumal sie durch ein für den Sommer erwartetes Defizit auf dem Ölmarkt auch fundamental attraktiv sind. Wir gehen aber derzeit davon aus, dass es den USA gelingen wird, eine große Eskalation im Nahen Osten zu verhindern.
Die vor Kurzem begonnene Unternehmensberichtssaison für das erste Quartal 2024 hat bislang vor allem unauffällige Berichte von den US-Banken gebracht – die Marktteilnehmer hatten aber auf ambitioniertere Ausblicke gehofft. Einige negative Kursreaktionen waren daher die Folge. Insgesamt rechnen wir mit einer Bestätigung der hohen Profitabilität der Unternehmen durch die Berichtssaison. Für europäische Aktien hellen sich die Aussichten angesichts der Hoffnungen auf eine konjunkturelle Verbesserung und günstige Bewertungen derweil etwas auf.
Am Rentenmarkt erwarten wir bis zum Jahresende bei zwei- und zehnjährigen US-Papieren jeweils nur einen Rückgang der Renditen auf 4,5 Prozent. Bundesanleihen haben den Renditeanstieg in den USA nur in abgeschwächter Form nachvollzogen und rentierten zuletzt auf dem gleichen Niveau wie Ende Februar. Die EZB dürfte in Anbetracht des schwächeren Wachstums im Euroraum eher den Kurs halten und schon im Juni die Leitzinsen senken. Daher sehen wir die Rentenmärkte hierzulande zurzeit als fair gepreist an und erwarten bis zum Jahresende sinkende Renditen bei zweijährigen Papieren (auf 2,3 Prozent) und eine volatile Seitwärtsbewegung um die Marke von 2,5 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen. Nach den starken Einengungen der Risikoaufschläge (Spreads) seit Jahresbeginn hat zuletzt eine Konsolidierung – ausgehend von Hochzins- und Peripherieanleihen – zu Ausweitungen in allen Spread-Segmenten geführt. In der historischen Betrachtung sind die Spreads weiterhin eng. Wir erwarten aber, dass sie aufgrund des positiven Konjunkturbilds vereinnahmt werden können.
Ihr Portfoliomanagement
Union Investment Privatkunden
Disclaimer
Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.
Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.
Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.
Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.
Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. Mai 2024, soweit nicht anders angegeben.
Ihre Kontaktmöglichkeiten
Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main
Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de
Drucken Nach oben