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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Februar 2026
Der am 28. Februar begonnene koordinierte Angriff der USA und Israels auf den Iran bestimmt derzeit das Geschehen an den Finanzmärkten. Zum Start in den neuen Monat vorab ein paar Anmerkungen zur Lage an den Märkten. Im Anschluss werden wir wie gewohnt den vorherigen Handelsmonat Revue passieren lassen.
Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Kampfhandlungen wirkte sich zunächst auf den Rohstoffsektor, dabei in erster Linie auf den Ölpreis und auch die Gasnotierungen, aus. Die Notierung für das Barrel Brent stieg zwischenzeitlich auf bis zu 82 US-Dollar an. Auch der Goldpreis bewegte sich nach einem zwischenzeitlichen Absturz wieder in Richtung historischer Höchststände. Die europäischen Aktienbörsen starteten aufgrund der Ereignisse mit Verlusten in den neuen Monat, der DAX 40 verlor rund 2,5 Prozent. Die US-Aktienmärkte hielten sich am Montag zum Handelsende überwiegend stabil. An den Staatsanleihemärkten drehten die Renditen im Tagesverlauf und stiegen letztlich an.
Schnelle Beruhigung der Lage eher unwahrscheinlich
Mit einer schnellen Beruhigung der Lage in Nahost dürfte nicht zu rechnen sein. Das strategische Ziel Irans dürfte darin bestehen, durch die fortgesetzten Raketenangriffe in der gesamten Region vor allem die wirtschaftlichen Kosten zu erhöhen und dadurch gegebenenfalls ausreichend Druck zu erzeugen, um ein Ende der Kampfhandlungen herbeizuführen. Auch wenn der Iran bislang offenbar nicht in der Lage ist, massiven materiellen Schaden anzurichten, führen die Raketenangriffe faktisch zu einem Stillstand im Luft- und Schiffsverkehr. Dadurch entstehen selbst ohne direkte Zerstörungen erhebliche Kosten, die perspektivisch die Entscheidungslogik von US-Präsident Trump, aber auch die der Anrainerstaaten, beeinflussen dürften.
Sollte trotz einer fortgesetzten Intervention der USA keine Schwächung der iranischen militärischen Fähigkeiten erfolgen, dürften die wirtschaftlichen Kosten durch die Unterbrechungen im Flug- und Schiffsverkehr zunehmend an Bedeutung gewinnen**.** In diesem Fall wären Verhandlungen mit den verbleibenden Kräften des iranischen Regimes wahrscheinlich. Relativ klar ist zudem, dass Präsident Trump keinen offenen, zeitlich unbegrenzten Einsatz vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress (midterm elections) im November plant.
Auch wenn der genaue Fortgang der Entwicklung nur sehr schwer zu prognostizieren ist, lässt sich daher unserer Einschätzung nach erkennen: Je länger der Konflikt dauert, umso mehr dürfte auf beiden Seiten das Interesse für eine Beendigung wachsen.
„Echter“ Regimewechsel derzeit nicht absehbar
Ein „echter“ Regimewechsel in Teheran ist derzeit nicht absehbar, aber auch nicht vollkommen ausgeschlossen. Dafür wäre vermutlich ein „Überlaufen“ eines Teils des Sicherheitsapparates zur Opposition notwendig – ein schwer vorstellbares Szenario nach den Protesten im Januar. Sollte es aber zu einem Wechsel kommen, würde auch das vermutlich den Konflikt schnell beenden. Wir halten jedoch einen „Regime Change light“ für die wahrscheinlichste Option, also einen Wechsel an der Führungsspitze bei gleichzeitiger Beibehaltung der grundsätzlichen Machtstrukturen der Islamischen Republik.
Straße von Hormus zentraler Punkt
Die Störung von Ölexporten in der Straße von Hormus ist und bleibt wichtigste Drohung des Iran. Eine direkte Selbstschädigung der Exportbasis halten wir für eher unwahrscheinlich. Sowohl für das aktuelle aber auch für jedes zukünftige Regime ist der Ölsektor der zentrale Hebel zum Überleben.
Lage bleibt dynamisch
In Anbetracht dieser Erwartung schätzen wir die mittel- bis langfristigen Risiken für die weltweiten Kapitalmärkte als überschaubar ein. Die stärkste Auswirkung erwarten wir mit einem zeitlich begrenzten Anstieg beim Öl- und Gaspreis. Fundamental ist der Ölmarkt nach wie vor überversorgt. Solange die Straße von Hormus nicht langfristig geschlossen bleibt, sollten die Folgen für Konjunktur und Kapitalmärkte begrenzt sein. Für die globalen Aktien- und Rentenmärkte dürfte somit der negative Einfluss der Ereignisse erstens von nur geringer Stärke und zweitens überschaubarer Dauer sein. Allerdings bleibt die Lage dynamisch, kann sich jederzeit ändern und damit Anpassungen in der Ausrichtung der Anlagestrategie erfordern.
Im Februar war das Geschehen an den Aktienmärkten, vor allem in den USA, fortgesetzt von der KI-Entwicklung geprägt. Software-Konzerne hatten zuletzt einen eher schweren Stand an den Börsen. Hintergrund teils historischer Kurseinbrüche war die Sorge, dass Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen auf den Kopf stellen könnte. Die Marktakteure befürchten, dass KI-Startups sowie neue Funktionalitäten der Sprachmodelle (z. B. Agentic AI) traditionelle Software-Plattformen obsolet machen könnten. Klar ist, dass der Einsatz von KI etwa in der Entwicklung und Programmierung von Softwareanwendungen sowie in der Automatisierung von Arbeitsprozessen eine bedeutende Rolle erlangen dürfte. Allerdings sehen wir an der Börse derzeit eher eine „Shoot first, ask later“-Mentalität: Erst einmal werden grundlegend alle Geschäftsmodelle, die mit Softwareanwendungen und -Plattformen zu tun haben, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Disruptionsgefahr durch neue, KI-basierte Start-Ups und Funktionalitäten in diesem Bereich ist aus unserer Sicht durchaus ernst zu nehmen, führt in einigen Fällen aber auch zu übertriebenen Kursreaktionen.
Wir sehen bislang noch keinen Befreiungsschlag für die Softwarebranche am Aktienmarkt. Die jüngsten Zahlen aus dem Sektor fielen gemischt aus. Das Wachstum entschleunigt sich und bislang fehlt den Softwarehäusern noch der Nachweis, dass sie den Einsatz von KI-Funktionalitäten in Gewinne ummünzen können. Andererseits sind die Befürchtungen bisher nicht ausgeräumt, dass bessere Sprachmodelle und KI-Agenten von Wettbewerbern Marktanteile gewinnen werden, und die von den Softwareunternehmen selbst entwickelten und eingesetzten KI-Lösungen noch zu wenig Marktreife besitzen. Zusammenfassend bestehen die größten Disruptionsrisiken durch KI im Softwaresektor weniger in der vollständigen Ablösung bestehender Systeme, sondern vor allem in der Wertverschiebung hin zu KI-nativen Plattformen. Übergreifend für den KI-Gesamtsektor bestehen aber auch anhaltende Befürchtungen, dass die Investitionen in diese Branche niemals die erwarteten Gewinne erzielen und zu enormen Kapitalabschreiben führen werden. Auch wurde ein möglicher Wegfall zahlreicher gut bezahlter Arbeitsplätze - vor allem in den USA - mit der entsprechend negativen Auswirkung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung thematisiert.
Aktienmarktentwicklung regional differenziert
Mit Blick auf die Aktienmärkte zeigte sich im Februar gerade vor dem Hintergrund der KI-Thematik ein regional differenziertes Bild. Europa schlug in der Wertentwicklung klar die USA. Nur Japan (Nikkei 225-Index) schloss mit über zehn Prozent deutlich höher. In den USA gab der Technologieindex Nasdaq 100 um 3,4 Prozent nach und wies unter den großen Indizes den größten Verlust im Berichtszeitraum aus. Der S&P-500-Index gab mit 0,9 Prozent leicht nach, während der Dow Jones Industrial Average sich knapp (0,2 Prozent) über der Nulllinie hielt.
Deutlich besser sah es hingegen in Europa aus. Der breite STOXX EUROPE 600-Index legte um 3,7 Prozent zu. Der DAX 40 ging mit einem Plus von rund drei Prozent ebenfalls erfreulich aus dem Handelsmonat Februar. Dazu dürfte auch der konstruktive Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum beitragen haben, der im Wesentlichen von steigenden Fiskalausgaben für Infrastruktur und Rüstung unterstützt wird. Die konjunkturellen Aussichten hellen sich weiter auf. Diese Impulse kommen immer stärker in der Wirtschaft an und dürften im laufenden Jahr für positive Effekte sorgen. So gab es zuletzt erfreuliche Daten aus der deutschen Wirtschaft, bei denen der Auftragseingang in der Industrie einen deutlichen Schub verzeichneten. Hier machen sich die ersten Umsetzungen der Fiskalausgaben für Infrastruktur und Rüstung bemerkbar.
Hinsichtlich der Sektorenentwicklung lagen im STOXX EUROPE 600-Index defensive Telekommunikationstitel mit plus 15 Prozent weit vorne. Es folgten Nahrungsmittel/Getränke (9,4 Prozent) sowie Energie, Grundstoffe und Versorger mit Zuwächsen von jeweils etwas mehr als acht Prozent. Aktien aus den Bereichen Medien, Banken und Technologie gingen auf Sub-Indexebene hingegen mit leichten Verlusten aus dem Handelsmonat.
Rückläufiger Renditetrend im Februar
An den Staatsanleihemärkten zeigte sich im Februar eine insgesamt leicht freundliche Tendenz. Nach kurzzeitig zum Monatsauftakt noch steigenden Renditen zeigte sich im weiteren Verlauf ein stetig rückläufiger Renditetrend. Die erneut aufflammende US-Zollthematik, der Abverkauf bei Software-Aktien sowie ein fundamental gemischtes Bild in den USA ließ die Anleger etwas vorsichtiger agieren. Hiervon konnten die als sicher geltenden Staatspapiere profitieren und ihrer Funktion als sogenannter sicherer Anlagehafen gerecht werden.
In den USA fiel die richtungsweisende Zehnjahresrendite von 4,24 auf 3,96 Prozent und damit seit November 2025 wieder unter die Marke von vier Prozent. Der Renditerückgang erstreckte sich ab der Laufzeit von zwei Jahren an über die gesamte US-Zinskurve. Am deutlichsten zeigte sich der Rückgang im Bereich von sieben bis zehn Jahren. Der US-Gesamtmarkt (J.P. Morgan Global Bond US-Index) erzielte im Februar ein Plus von knapp 1,8 Prozent.
Im Euroraum zeigte sich ebenfalls eine freundliche Tendenz, die in allen Kern- und Peripherieländern zu beobachten war. Auf der Bundkurve umfasste der Renditerückgang nahezu alle Laufzeiten und lag bei 15-20 Basispunkten. Der Zehnjahresbereich rentierte zuletzt mit 2,7 Prozent. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index gewannen Euro-Staatsanleihen im Berichtsmonat 1,4 Prozent hinzu.
Risikoprämien im Unternehmensanleihesektor steigen an
Der Euro-Unternehmensanleihesektor blieb mit plus 0,5 Prozent (ICE BofA Euro Corp.-Index, ER00) wertentwicklungsseitig etwas hinter den Staatsanleihemärkten zurück. Aufgrund der Unsicherheit unter den Anlegern stiegen dort die Risikoprämien (Spreads) um zehn auf zuletzt 70 Basispunkte an, was die positive Wertentwicklung etwas minderte.
US-Dollar wertet leicht auf
Nach Notierungen von zeitweise etwas mehr als 1,20 US-Dollar je Euro per Ende Januar wertete die US-Währung im Verlauf des Berichtsmonats etwas auf. Zuletzt waren 1,18 US-Dollar für einen Euro aufzuwenden. Mit der Lage in Nahost nahm die Dollar-Stärke weiter zu, per 2. März wertete der Greenback um einen weiteren Cent auf 1,17 per Euro weiter auf.
Hohe Volatilität am Rohstoffmarkt
Am Rohstoffmarkt hielt die extreme Volatilität weiter an. Beim Gold folgte nach dem exorbitanten Anstieg Ende Januar bis auf 5.600 US-Dollar je Feinunze zu Beginn des Februar ein ebenso massiver Abstieg, der innerhalb zweier Handelstage auf 4.400 US-Dollar führte. Unter deutlichen Schwankungen geht es derzeit wieder in Richtung des alten Höchststandes. Ähnlich extreme Preissprünge vollzog parallel der Preis für Silber. Der Ölpreis der Sorte Brent tendierte im Februar zunächst seitwärts und sprang dann zum Monatswechsel im Rahmen des Nahostkonflikts deutlich an. Die Handelsspanne lag am Montag bei 76-82 US-Dollar je Barrel.
Bitcoin weiter unter Druck
Stark abwärts ging es hingegen bei der Kryptowährung Bitcoin. Nachdem die Marke von 60.000 US-Dollar gehalten hat bewegt sich die Notierung in einer Spanne zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar. Der verstärkte Fokus der Anleger auf den Rohstoff- und weniger auf den Kryptomarkt und Befürchtungen hinsichtlich einer geringeren Liquidität im Rahmen einer zukünftig geldpolitisch weniger expansiv ausgerichteten US-Notenbank hatte zuletzt zu einem deutlichen Abverkauf umfangreicher Long-Positionen am Kryptomarkt geführt.
Unzweifelhaft stellt sich die Lage in Nahost derzeit sehr unübersichtlich dar. Die mittlerweile zu beobachtende Ausweitung des Konflikts mit dem Angriff auf weitere Länder in der Region durch den Iran macht eine Einschätzung nicht einfacher. Wie oben aufgeführt, dürfte nicht mit einer schnellen Beruhigung zu rechnen sein. Daher ist es schwerlich abzuschätzen, welche ökonomischen Folgen mit dem Konflikt einhergehen werden und wie sich die Lage letztendlich entwickeln wird.
Dem Ölpreis dürfte sicherlich eine entscheidende Rolle zukommen. Hierbei stellt sich die Straße von Hormus als zentraler Engpassfaktor dar, denn gut 20 Prozent des weltweiten Öltransports erfolgen über diese Meeresenge. Die Inflationsentwicklung durch einen deutlichen Ölpreisanstieg, der Verbraucher und Unternehmen belasten würde, aber auch die Befürchtung möglicher rezessiver Tendenzen im Falle einer anhaltenden Auseinandersetzung stehen derzeit zur Diskussion. Die Situation ist dynamisch und kann sich jederzeit ändern. Wir beobachten die Entwicklung daher fortlaufend und sind vorbereitet, entsprechende Anpassungen in unseren Anlagestrategien vorzunehmen.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. März 2026, soweit nicht anders angegeben.
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