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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Januar 2025
Das geldpolitische Umfeld für die internationalen Kapitalmärkte wird etwas heterogener: Zum Jahresauftakt haben die großen Zentralbanken wie erwartet unterschiedliche Zinsentscheidungen getroffen. An den Aktienbörsen setzte sich der Aufschwung überwiegend fort, der DAX 40-Index deutscher Standardwerte etwa ging mit einem neuen historischen Höchststand aus dem Handelsmonat. Allerdings verunsicherte eine neue chinesische Anwendung aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) namens „DeepSeek“ vorübergehend die Märkte. Vor allem der US-amerikanische Tech-Sektor notierte angesichts der neuen Konkurrenz aus dem Rech der Mitte zeitweise schwächer. An den Rentenmärkten setzte sich der Renditeanstieg bei den Staatsanleihen zunächst fort, ehe dort zum Monatsende eine Konsolidierung einsetzte.
EZB senkt wie erwartet erneut um 25 Basispunkte
Wenig überraschend hat die Europäische Zentralbank (EZB) zum Jahresauftakt ihr Zinsband um weitere 25 Basispunkte gesenkt. Der Einlagenzins liegt damit nun bei 2,75 Prozent. Darüber hinaus hat die Januar-Sitzung gegenüber dem Treffen im vergangenen Dezember aus geld- bzw. zinspolitischer Sicht keine neuen Informationen gebracht. Der intakte Trend der Inflationsbewegung in Richtung des EZB-Ziels von zwei Prozent sowie die zurückhaltende Einschätzung zur Wachstumsentwicklung waren wesentliche Kernpunkte der EZB-Statements. Die Konjunktur dürfte sich nach Ansicht der EZB auf Basis steigender Einkommen und sinkender Zinsen im Jahresverlauf beleben. Bezüglich des künftigen Zinspfads gab sich die EZB erwartungsgemäß weiter zurückhaltend. Letztlich blieb angesichts des unsicheren Umfelds eine weitere Forward Guidance aus, die Geldpolitik wurde auch nach der erneuten Zinssenkung von Präsidentin Christine Lagarde als restriktiv bezeichnet. Mit einem weitestgehend neutralen Statement wurde somit vermieden, den Markt in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Eine wichtige Rolle in Bezug auf ein Ende des Zinssenkungszyklus könnten die nächsten EZB-Projektionen im März spielen.
Die Januar-Sitzung hat uns darin bestärkt, dass auch weitere Zinssenkungen der EZB auf den nächsten Sitzungen zu erwarten sind. Aktueller Konsens im EZB-Rat scheint ein Absenken des Leitzinses auf die neutrale Rate (oder sogar etwas darunter) zu sein. Dass im EZB-Statement die Geldpolitik weiterhin als restriktiv bezeichnet wurde spricht dafür, dass der Weg bis zum neutralen Zins für die Mehrheit im Rat noch mehrere Zinssenkungen bedeutet. Bei einem Niveau von dann 2,0 Prozent im Juni bewegt sich die EZB aber nach den meisten Definitionen auf neutral oder liegt bereits knapp darunter. Daher dürfte nach Einschätzung unserer Volkswirte spätestens ab Juni das Senkungstempo gedrosselt werden und der letzte Schritt nach einer Pause im Juli schlussendlich im September erfolgen.
US-Leitzins unverändert, Fed bleibt abwartend
Einhergehend mit der Übernahme der Amtsgeschäfte durch die neue US-Administration unter Präsident Trump hat die amerikanische Notenbank keine Änderungen am Leitzins vorgenommen. Im Rahmen einer einstimmigen Entscheidung des Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee, FOMC) liegt die Fed Funds Rate weiterhin bei 4,25 bis 4,5 Prozent. Wir interpretierten aus den Statements der Fed eine leicht restriktive Haltung der US-Notenbanker, die sich aus einer etwas veränderten Einschätzung zur Inflationsentwicklung ergab. Fed-Chef Jerome Powell zufolge wolle die Fed damit aber kein zinspolitisches Signal an die Märkte senden. Darüber hinaus dürfte die mit „solide“ erfolgte Einschätzung des US-Arbeitsmarktes eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Denn die Zahl der im Dezember neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) lag mit einem Plus von 256.000 deutlich über den Erwartungen, wenngleich hierbei ein Teil als Gegenbewegung zu den sehr schwachen Oktober-Daten zu erwarten war. Die Arbeitslosenquote fiel zudem entgegen der Erwartung von 4,2 auf 4,1 Prozent.
Mit den jüngsten Fed-Statements ist unserer Einschätzung nach eine für März erwartete Zinssenkung unwahrscheinlicher geworden. Zumal Powell betonte, dass man sich Zeit lassen wolle, um weitere Daten zu bewerten. Wir halten daher den Juni für den zurzeit aussichtsreichsten Datenpunkt, eine weitere Zinssenkung vorzunehmen.
Bank of Japan erhöht Leitzins auf 0,5 Prozent
Mit einer Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent setzte die Bank of Japan (BoJ) im Januar ihre geldpolitische Normalisierung fort. Das Direktorium der japanischen Notenbank stimmte mit 8 zu 1 für die Anhebung, der Leitsatz befindet sich damit nun auf dem höchsten Niveau seit 17 Jahren. Die Entscheidung war am Kapitalmarkt bereits eingepreist. Die Zuversicht der Währungshüter steigt offenbar, dass vor dem Hintergrund eines konstruktiven volkswirtschaftlichen Umfelds das Inflationsziel von zwei Prozent in der langen Frist erreicht werden kann. Die Konjunkturprognosen blieben im Wesentlichen unverändert und zeigen bis in das Fiskaljahr 2026 hinein eine solide Entwicklung an. Dabei ist vor allem der positive Ausblick der Notenbank hinsichtlich der Lohnentwicklung mit entsprechenden Auswirkungen auf die Inflation anzumerken. Den nächste Leitzinsschritt erwarten unsere Experten voraussichtlich auf der Sitzung im kommenden Juli. 2026 gehen wir von zwei weiteren Leitzinsanhebungen aus. Die von uns erwartete Zielrate der BoJ von 1,25 Prozent dürfte dann zum Jahresende 2026 erreicht werden.
Deutsche Inflationsdaten überraschen positiv
Mit einem Preisanstieg von 2,3 Prozent im Januar (1. Schätzung) überraschten die jüngsten deutschen Inflationsdaten positiv. Im Dezember 2024 lag die Preissteigerung noch bei 2,6 Prozent. Die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation fiel zudem von 3,3 auf 2,9 Prozent. Nach der europäischen Berechnungsmethode (HVPI), die für die EZB bei der Inflationsbetrachtung maßgebend ist, war die Preissteigerung (der Gesamtrate) im Januar mit 2,8 Prozent hingegen unverändert. Trotz der für Jahresbeginn aufgrund vieler Preisänderungen etwas schwierigen Interpretation deuten die Daten unserer Einschätzung nach darauf hin, dass sich der unterliegende Preisdruck tendenziell abmildert. Dies wird auch von leicht ansteigenden Arbeitslosenzahlen im Januar flankiert. Damit sollten der Lohndruck und damit die Dienstleistungsinflation künftig eher sinken.
Zum Jahresstart zeigten sich die Aktienmärkte fortgesetzt von ihrer freundlichen Seite. Mit Ausnahme von Japan fielen im Januar weltweit ansehnliche Kursgewinne an. Der MSCI World-Index verzeichnete ein Plus in Höhe von 3,4 Prozent. Unterstützt wurden die Märkte auch von einem erfreulichen Auftakt in die Berichtssaison zum vierten Quartal 2024, bei dem die US-Großbanken überraschend gute Ergebnisse und solide Ausblicke präsentierten.
DeepSeek erscheint plötzlich auf der Bildfläche
Allerdings erhielt die freundliche Stimmung zum Ende des Berichtsmonats einen Dämpfer, denn es kam zu einem Kurseinbruch bei Aktien von Unternehmen sowohl aus dem Bereich KI-Infrastruktur als auch der Energieinfrastruktur für Rechenzentren. Auslöser war der Markteintritt von DeepSeek, einem neuen chinesischen KI-Modell. Hierbei handelt es sich um ein Open-Source-Projekt, das nach Einschätzung von Branchenexperten qualitativ und bei der Performance mit den (bisher) führenden US-Modellen mithalten kann. Nach eigenen Angaben wurde die aktuelle Version von DeepSeek innerhalb von nur zwei Monaten entwickelt. Die Trainingskosten für das Modell hätten zudem lediglich bei sechs Millionen US-Dollar gelegen. Denn DeepSeek konnte aufgrund der US-Sanktionen nicht die leistungsfähigsten Computerchips des Marktführers Nvidia nutzen, sondern nur eine abgespeckte, ältere Chip-Generation aus dem Jahr 2020.
Damit wurde die US-Technologiebranche gehörig durchgeschüttelt. Der Ansatz von DeepSeek, so die Sorge, könnte die gesamte Wertschöpfungskette im KI-Bereich infrage stellen. Die großen Tech-Konzerne investieren zurzeit Milliarden US-Dollar in KI-Modelle und die dafür notwendige Infrastruktur.
Die Entwickler von DeepSeek haben dem ersten Anschein nach aber nun eine cleverere Lösung gefunden: Ihre Anwendung soll fünf- bis dreißigmal kostengünstiger sein und viel weniger Energie verbrauchen, da weniger Prozessoren (GPUs) für das Training der KI-Modelle notwendig sein sollen.
Die Nachricht hat unter Investoren Sorgen hervorgerufen, ob sich weitere massive KI-Investitionen überhaupt lohnen. Ein entscheidender Punkt ist dabei, ob wirklich diese Mengen an Rechenkapazität und Energie für die Weiterentwicklung der KI-Anwendungen notwendig sind, wie dies zuletzt erwartet wurde. Die Verbilligung im Bereich der KI-Modelle könnte durch die berichteten Erfolge von DeepSeek nun deutlich schneller als bisher erwartet über die Bühne gehen.
Tech-Unternehmen unter Druck
Als Folge gerieten vor allem die Aktien von Tech-Konzernen unter Druck, die KI-taugliche Chips herstellen. So verlor der US-Chipproduzent Nvidia vorübergehend 17 Prozent. Damit sank die Marktkapitalisierung innerhalb eines Tages um eine halbe Billion US-Dollar. Der niederländische Chipmaschinenhersteller ASML und der taiwanische Chip-Produzent TSMC gaben ebenfalls mehr als zehn Prozent ab. Darüber hinaus gerieten auch die Anbieter von Energie-Infrastruktur wie GE Vernova oder Siemens Energy unter erheblichen Druck.
Ob der Markteintritt von DeepSeek tatsächlich eine Zeitenwende im KI-Sektor ausgelöst hat, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher abschätzen. Die Vermutung liegt nahe, dass ohne den technologischen Fortschritt bei den leistungsfähigsten KI-Chips und -Modellen auch der Erfolg von DeepSeek nicht so einfach möglich wäre. Dennoch kann die damit verbundene Unsicherheit zu einer vorsichtigeren Gangart bei KI-Investitionen führen.
Aktienbörsen schließen teils deutlich im Plus
Trotz der Marktturbulenzen zum Monatsende war der Januar für die Aktienseite ein sehr erfreulicher Monat. In Europa konnte der marktbreite STOXX Europe 600-Index 6,3 Prozent hinzugewinnen. Der EURO STOXX 50-Index stieg um knapp 8,0 Prozent, der DAX 40-Index sogar um 9,2 Prozent an. Das führende deutsche Marktbarometer erzielte am letzten Handelstag im Januar mit 21.800 Punkten wieder einen historischen Höchststand. Auch in den USA waren trotz der Turbulenzen positive Vorzeichen zu verbuchen. S&P 500-Index und Dow Jones Industrial Average lagen mit 2,7 bzw. 4,7 Prozent im Plus. Der technologielastige NASDAQ-Index bewegte sich mit plus 1,6 Prozent ebenfalls noch im positiven Terrain. Europäische Aktien haben damit im bisherigen Jahresverlauf besser abgeschnitten als der US-Aktienmarkt. Im von Leitzinserhöhungen geprägten Japan gab der Aktienmarkt hingegen leicht nach und verlor im Januar 0,8 Prozent.
Im Januar erfolgte ein volatiler Jahresauftakt an den Zinsmärkten. So stiegen die Renditen deutscher Staatsanleihen in der ersten Monatshälfte zunächst um bis zu 30 Basispunkte (zehn Jahre Laufzeit) unter entsprechenden Verlusten bei den Anleihekursen an. In der Spitze lag die zehnjährige Bundrendite bei 2,6 Prozent. Zum Vergleich: Noch im vergangenen Dezember war die Verzinsung bis auf knapp 2,0 Prozent gefallen. In der zweiten Monatshälfte kam es dann im Zuge einer Erholungsbewegung zu einem Renditerückgang um bis zu 20 Basispunkte. Der Markt schwankte deutlich in seiner Einschätzung über die Wirkung der Ankündigungen der neuen US-Regierung im Hinblick auf Wachstum und Inflation. Gerade in den USA verfestigt sich der Eindruck, dass sich die amerikanische Notenbank Federal Reserve hinsichtlich möglicher weiterer Zinssenkungen zurückhaltender als bislang erwartet zeigen könnte. Dies dürfte – wie schon einmal zu beobachten war - für den weiteren Jahresverlauf einiges an Konfliktpotential mit Präsident Trump bergen. Kaum Einfluss auf das Marktgeschehen hatten die ersten Sitzungen der beiden Zentralbanken Fed und EZB, diese lieferten hinsichtlich ihrer Zinsentscheidungen wie vom Markt eingepreist.
Indexseitig nur geringe Monatsveränderungen
Im Euroraum ging der Staatsanleihesektor (iBoxx Euro Sovereign Index) zum Monatsende mit einem leichten Minus in Höhe von 0,1 Prozent aus dem Handel. Während sich die Euro-Peripherie gut gehalten zeigte, schloss die zehnjährige Bundrendite etwas höher, blieb aber knapp unter der 2,5 Prozent-Marke. Laufzeitgleiche US-Treasuries schlossen unverändert, der gesamte US-Staatsanleihesektor (JP Morgan GBI All Traded Maturities) verzeichnete ein leichtes Plus in Höhe von 0,5 Prozent.
Seit Mitte Dezember sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen, vor allem infolge unerwartet fester US-Makrodaten, deutlich gestiegen. Da kurzlaufende Anleihen recht gut verankert blieben, verlaufen die Renditekurven steiler. Die Rentenmärkte des Euroraums konnten sich den US-Vorgaben nicht entziehen, obwohl Wachstum und Inflation viel niedriger sind. Die Renditeanstiege fielen so kräftig aus, dass in den USA und im Euroraum der Großteil der erwarteten Zinssenkungen wieder ausgepreist wurde.
Risikoanleihen profitieren von rückläufigen Prämienaufschlägen
Bei den mit höheren Risiken behafteten Anleihen stachen vor allem Papiere aus den Schwellenländern heraus. Diese konnten im Berichtsmonat auf Indexebene (JP Morgan EMBI GD-Index) rund 1,4 Prozent zulegen. Euro-Unternehmensanleihen (ICE BofA Euro Corporate Bonds, ER00) legten indexseitig um knapp 0,5 Prozent zu. Beide Segmente konnten vor allem von rückläufigen Risikoprämien (Spreads) profitieren. Im Unternehmensanleihesektor fielen diese Spreadeinengungen im hochverzinslichen bzw. im Nachrangbereich besonders deutlich aus. Seit Jahresanfang war eine rege Emissionstätigkeit von Unternehmensanleihen zu beobachten, die neuen Papiere wurden vom Markt sehr gut aufgenommen. Wir sind für Euro- Unternehmenspapiere aus dem Investment Grade-Segment positiv gestimmt.
Wir gehen weiterhin davon aus, dass das Kapitalmarktumfeld zunehmend reflationär wird. Aktien bleiben dabei strategisch grundsätzlich unterstützt, wir sind somit diesen gegenüber leicht positiv eingestellt. Die von den Turbulenzen im Tech-Sektor ausgehende Volatilität könnte vorerst anhalten. Angesichts der Bedeutung der Branche rechnen wir allerdings eher mit einer Bremswirkung und nicht mit einem Richtungswechsel an den Aktienmärkten. Ein Risikofaktor bleibt die US-Administration. Es wird sich erst künftig herausstellen, wie die Zoll-Thematik, die geopolitische Agenda sowie die Fiskalsituation konkret ausgestaltet sein werden. Die Einzeltitelauswahl wird im Anlageprozess als zentraler Erfolgsfaktor auf der Aktienseite daher noch wichtiger.
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen waren nach starken US-Konjunkturdaten spürbar gestiegen zuletzt aber wieder etwas rückläufig. Wir gehen von einer Fortsetzung des Renditerückgangs aus und bevorzugen im Rentensektor vor allem Unternehmensanleihen mit guter Bonität.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 4. Februar 2025, soweit nicht anders angegeben.
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