Source: https://www.union-investment.de/blog/megatrend_ernaehrung
[...]
Startseite Blog Megatrend Ernährung
Die Lebensmittelbranche wird sich verändern. Das birgt Möglichkeiten für innovative Unternehmenskonzepte.
Montag, 27.05.2024
Diesen Beitrag teilen
In der Not können wir auf so manches verzichten: auf eine Reise, neue Schuhe oder ein Auto. Aber auf Nahrung? Das geht nicht! Essen ist für Menschen lebenswichtig und problematisch zugleich. Warum? Schon heute hungern laut der Welthungerhilfe rund 750 Millionen Menschen. Zudem wächst die Weltbevölkerung und es ist fraglich, ob die Menschheit zukünftig satt werden kann. Müssen also mehr Lebensmittel hergestellt werden, damit genug für alle da ist? Genau hier liegt das Problem: Die bisherige Art und Weise wie und welche Lebensmittel hergestellt und konsumiert werden, ist nicht effektiv genug und schadet zudem der Umwelt, dem Wasser, dem Klima und der Gesundheit. Hinzu kommen die wachsende Erdbevölkerung und der Klimawandel. Was ist also zu tun?
Experten sind sich einig: Nur durch einen kompletten Umbau des jetzigen Ernährungssystems kann die Ernährungssicherheit für alle Menschen der Erde möglich gemacht und gleichzeitig die Umwelt und das Klima geschont werden. Es wird eine Transformation geben müssen – vom Anbau und der Produktion über die Verarbeitung und den Vertrieb bis zum Konsum. In den Industrieländern machen sich erste Anzeichen eines veränderten Ernährungsbewusstseins schon bemerkbar: Die Verbraucher achten verstärkt auf gesunde und klimafreundliche Ernährung. Bio und fleischlose Produkte sind gefragt. Viele Firmen, die auf diesen Trend setzen, befinden sich bereits auf Wachstumskurs. Und auch zukünftig werden in der Nahrungsmittelbranche Wachstumschancen für Unternehmen erwartet, die nachhaltige Lösungen auf den Tisch bringen.
Welche Probleme verursacht das bisherige Ernährungssystem konkret? Wie werden sich der Konsum und die Herstellung von Nahrungsmitteln in den kommenden Jahren verändern? Was bedeutet das für die Lebensmittelbranche und welche Unternehmen werden zu den Gewinnern von morgen gehören? Diese Fragen beantwortet wir in diesem Blogbeitrag.
Die Kapitalmarktexperten von Union Investment haben 7 nachhaltige Trends identifiziert, die in den kommenden Jahrzehnten für die Wirtschaft auschlaggebend sein werden. Ernährung ist einer dieser Megatrends.
Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen (UN) insgesamt 17 Ziele für die nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) formuliert. Die SDGs sollen das Leben aller Menschen auf der Erde verbessern. Was hat das mit unserer Ernährung zu tun? Gegenwärtig stellt unser Ernährungssystem eine Gefahr für die Ernährungssicherheit und die Umwelt dar – es muss sich also grundlegend etwas ändern, um die Ziele zu erreichen. Die Vermeidung von Hunger ist ein Ziel, dazu gehört auch die Forderung nach gesunder Ernährung und nachhaltiger Landwirtschaft. Aber auch einige andere Ziele haben direkt oder indirekt mit der Nahrungsmittelproduktion zu tun: Gesundheit und Wohlergehen, sauberes Wasser, menschenwürdige Arbeit, nachhaltiger Konsum und Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz, Unterziele sind hier der Schutz von Tier- und Pflanzenvielfalt. Der Megatrend Ernährung wird daher von mehreren Nachhaltigkeitszielen gleichzeitig angeschoben. Bevor wir zu den Lösungsmöglichkeiten und Wachstumschancen kommen, klären wir: Welche konkreten Mängel hat das bisherige Ernährungssystem im Sinne der nachhaltigen Ziele der UN?
Interessieren Sie sich für die Finanzwelt? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie einmal im Monat alle Neuigkeiten rund ums Geld.
Newsletter abonnieren
Nach Prognosen der UN könnten in 60 Jahren bereits 10,4 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Heute müssen 8 Milliarden Menschen satt werden und die Landwirtschaftsflächen reichen schon heute nicht aus, um genug Nahrungsmittel für alle zu produzieren. Dabei ist nicht nur der Bevölkerungszuwachs der alleinige Grund für den höheren Bedarf. Auch der steigende Wohlstand wie beispielsweise in China und Indien trägt dazu bei: Die Nachfrage nach Fleisch, Eiern und Milchprodukten schießt hier in die Höhe. Dadurch werden immer größere Landflächen genutzt, um Tierfuttermittel für Hühner, Schweine und Rinder anzubauen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden wir im Jahr 2050 ungefähr doppelt so viel Ackerflächen bewirtschaften müssen als heute. Doch die Flächen sind begrenzt.
Dazu kommt, dass wertvolle Ressourcen verschwendet werden: Ein Drittel aller Nahrungsmittel werden laut Bundesumweltamt auf dem Weg vom Feld auf den Teller einfach weggeworfen. Sind Lebensmittel zu klein, zu groß oder haben nicht die richtige Form, werden sie sofort nach der Ernte aussortiert. Und die Lebensmittel, die es in den Supermarkt oder gar in die Haushalte geschafft haben, werden zu häufig weggeworfen, weil sie Druckstellen haben, vergessen wurden, schlecht geworden sind oder weil das Verfallsdatum überschritten ist. Die Hungerhilfe spricht von einem Skandal. Während fast 750 Millionen Menschen hungern, werden in anderen Teilen der Welt (laut aktuellem Food Waste Index Report) jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel einfach weggeworfen. Allein in der Bundesrepublik landen jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.
Darüber hinaus ernähren sich die Menschen, die genug zu essen haben, teilweise ungesund oder essen zu viel: zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Salz, zu viele Kalorien. Und genau die finden sich vor allem in Fertiggerichten und Süßgetränken wieder, deren Umsatz gemäß Statista von Jahr zu Jahr weltweit steigt. 80 bis 90 Prozent der in Deutschland konsumierten Lebensmittel sind Fertigprodukte, so der Situationsbericht 2023 der Deutschen Bauernverbandes (DBV). Zeitmangel, Freizeitorientierung und Ein-Personen-Haushalte werden als Gründe für die Vorliebe für schnelle Gerichte genannt. In Bezug auf ungesunde Fertiggerichte ist bis heute vor allem die Eigenverantwortung der Verbraucher gefragt, denn in der Lebensmittelindustrie sind die Reduzierungsbemühungen – im Besonderen von Zucker – noch nicht besonders erfolgreich. Im Gegenteil: Laut des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist beispielsweise der Zuckergehalt für zuckerhaltige Getränke von 2019 bis heute sogar von 7,4 Gramm pro 100 Milliliter auf 8,4 Gramm gestiegen. Das sind insgesamt fast sechs Zuckerwürfel in einem 200-Milliliter-Trinkglas.
Ein weiteres soziales Problem, das unsere Ernährung verursacht, sind die miserablen Arbeitsbedingungen, unter denen Lebensmittel produziert werden. Vor allem auf der Südhalbkugel. Kaffee, Kakao, Haselnüsse oder Schokolade sind nur einige der Nahrungsmittel, bei deren Produktion Arbeitsstandards oftmals nicht eingehalten werden und die zum Teil unter schlechten Bedingungen und durch Kinderarbeit erzeugt werden.
Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der globalen Treibhausgase gehen auf das Konto der Nahrungsmittelindustrie. Selbst der Verkehr trägt mit 21,8 Prozent weniger zu den weltweiten Emissionen bei. Die Agrarwirtschaft nimmt laut Weltagrarbericht mehr als ein Drittel aller Landflächen ein, wobei mehr als zwei Drittel der weltweiten Agrarflächen Weideland sind oder für Tierfutter verwendet werden. In Deutschland dienen um die 60 Prozent der Gesamtnutzungsfläche allein dem Anbau von Tierfutter. Zudem verbraucht der Agrarsektor weltweit 70 Prozent des Frischwassers. Dazu belasten Kunstdünger und Gülle die Böden, Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere. Und laut World Wide Fund verschwinden jährlich 13 Millionen Hektar Wald durch Abholzung. Die wertvollen Kohlenstoffspeicher werden vernichtet, um neue Flächen für die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln zu schaffen. Dazu kommt, dass 70 Prozent der Verluste an biologischer Vielfalt der Agrarwirtschaft zugerechnet werden können – unter anderem, weil Tiere aus ihren Lebensräumen verdrängt werden oder den Monokulturen sowie Pestiziden zum Opfer fallen.
Ein weiterer Punkt, der nicht mit der Agrarwirtschaft aber mit unserer Ernährung zu tun hat, ist die Überfischung der Meere. Hoch technisierte Fischfangflotten gelten als größte Bedrohung für die Gesundheit der Meere und das Überleben unter Wasser. 35,4 Prozent der globalen Fischbestände gelten schon heute als überfischt.
Das sind aber nur die Schäden, die durch die Herstellung von Lebensmitteln verursacht werden. Auch der Transport – teilweise um die halbe Erdkugel – und der weltweit zunehmende Plastik- und Verpackungsmüll sind Probleme, die zu lösen sind.
In der Summe ist die bisherige Agrarwirtschaft eine große Belastung für Klima und Umwelt. Sie ist aber nicht nur Verursacher des Klimawandels, sondern hat auch unter ihm zu leiden: Brände, Stürme und Dürren vernichten die Ernten ganzer Landstriche. Das bedeutet unterm Strich: Zukünftig kann mit noch weniger Nahrung für eine wachsende Bevölkerung gerechnet werden.
Ein „Weiter so“ ist also keine Option. Wie kann nun aber der steigende Bedarf an Lebensmitteln gestillt werden, ohne dabei dem Klima und der Umwelt zu schaden? Die gute Nachricht ist, dass es bereits einen Plan gibt: Weniger Fleisch, weniger Milchprodukte und mehr ökologischer und digitalisierter Anbau sind die wichtigsten Stellschrauben für eine nachhaltige Ernährungswende.
Die Fachzeitschrift National Geographic schreibt, dass im Jahr 2050 alle Menschen ernährt werden könnten, wenn pflanzliche Produkte nicht im Futtertrog der Tiere landen, sondern auf den Tisch der Menschen kommen würden. Heute werden nämlich nur die Hälfte der weltweit produzierten pflanzlichen Kalorien direkt vom Menschen gegessen. Wenn wir alle also weniger Fleisch essen würden, wäre genug Nahrung für alle da – auch zukünftig. Dazu hat die EAT-Lancet Kommission eine Planetary Health Diet (Planetarische Gesundheitsdiät) definiert, die nicht nur gesund, sondern auch über 10 Milliarden Menschen ernähren und 27 Prozent der ernährungsbedingten CO2-Emissionen reduzieren könnte. Es handelt sich um eine „flexitarische Ernährung“, bei der nur in Maßen Fleisch verzehrt wird. Durch eine vegetarische Ernährung wären übrigens Einsparungen der klimaschädlichen Gase von 46 Prozent und bei veganer Ernährung sogar von knapp 50 Prozent möglich.
Apropos Einsparungen: Mit einer Umstellung der Ernährung kann auch viel Geld gespart werden. Das Environmental Change Institute der Universität Oxford hat berechnet, dass eine flexitarische Ernährung 6 Prozent Kosten der Privathaushalte einsparen kann, mit einer vegetarischen Ernährung lassen sich 21 – 25 Prozent und mit einer veganen Ernährung bis zu 28 Prozent Kosten im Supermarkt oder auf dem Markt sparen.
Die Grafik zeigt, dass eine pflanzenbasierte im Vergleich zu einer fleischhaltigen Ernährung erhebliche Ressourcen einsparen und klimaschädliche Treibhausgase reduzieren kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen Verzehr von ungefähr 15 bis 30 Kilo Fleisch pro Person und Jahr. Laut Statista liegt der durchschnittliche Verbrauch mit 52 Kilo (2022) deutlich höher. Allerdings ist der Fleischkonsum seit 2019 gesunken (-14 Prozent) und das Angebot pflanzlicher Alternativen gewachsen. Und der Umsatz mit Fleischalternativen ist im Lebensmitteleinzelhandel von 266 Millionen Euro (2019) auf 611 Millionen (2021) gestiegen. Auch der Absatz von Milchersatzwaren hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Laut Statista dürfte der Umsatz bis 2029 weltweit auf 34,6 Milliarden US-Dollar steigen. Schon heute ernähren sich 11 Prozent der Schweizer, 7 Prozent der Menschen aus dem Vereinigten Königreich und 6 Prozent der Deutschen vegetarisch (fleischlos). Allein in Deutschland leben derzeit bereits 1,52 Millionen Menschen vegan – Tendenz steigend. Veganer verzichten komplett auf den Konsum tierischer Produkte – also beispielsweise auch auf Käse, Milch, Quark und Honig.
Fleisch soll zukünftig klimafreundlicher hergestellt werden. Zudem soll das Tierfutter nicht mit Menschennahrung um Ackerfläche konkurrieren. Wie könnte das gelingen? Rotalgen beispielsweise, die dem Futter beigemischt werden, können den Ausstoß von Methan bei Kühen um 80 Prozent reduzieren. Und Futtermittel wie Soja, Getreide (Kraftfutter) oder Stroh, die viel Ackerfläche brauchen und zum Teil um die halbe Welt geschifft werden, könnten durch Insekten ersetzt werden. Es gibt bereits einige Insektenfarmen, die Soldatenfliegen im Vertical-Farming-Prinzip – platzsparend in aufgestapelten Schiffscontainern – züchten. Einer der Vorteile von nahrhaften Insekten ist, dass sie regional gezüchtet werden können und dadurch einen bis zu 40 Prozent kleineren CO2-Fußabdruck als die bisherigen Tierfuttermittel haben. Zudem sind Soldatenfliegen Müllverwerter: Es wird kein Ackerboden benötigt, sondern sie ernähren sich von Lebensmittelabfällen, wodurch die nicht verwerteten Lebensmittel in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Darüber hinaus werden die chitinhaltigen Häute zu Verpackungen (Folien und Schaumstoffe) verarbeitet und die Exkremente der Insekten können als Biodünger eingesetzt werden. Auch den Menschen könnten Insekten als Nahrungsmittel dienen – obwohl die Akzeptanz gerade in unseren Breitengraden noch sehr gering ist. Dennoch ernähren sich schon heute weltweit zwei Milliarden Menschen von Insekten und in der EU sind sie seit 2018 immerhin schon als Lebensmittel zugelassen.
Neben den Essgewohnheiten werden auch die Anbauarten modernisiert und nachhaltiger werden. Bio- und Ökoanbau sind das Gebot der Stunde. Bio-Bauern verbrauchen bei der Produktion von Nahrungsmitteln nur ein Drittel an fossiler Energie im Vergleich zu konventionellen Landwirtschaftsbetrieben, weil im Bioanbau auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, die in der Regel nur mit einem hohen Energieaufwand erzeugt werden können. Auf diese Weise schonen Bio-Produkte das Klima und enthalten gegenüber konventionellen Lebensmitteln auch deutlich weniger Giftstoffe, die uns krank machen. Zudem wurde festgestellt, dass auf ökologisch bewirtschafteten Landflächen 23 Prozent mehr Insektenarten vorkommen.
Und wie verhält es sich mit Bio-Fleisch? Trotz kontroverser Diskussionen ist Tierhaltung unter Umweltaspekten grundsätzlich schädlich – ob biologisch oder traditionell. Doch immerhin haben Nutztiere auf einem Biohof in der Regel regelmäßigen Auslauf, leben in ausreichend großen Ställen oder auf Weiden (Stichwort: Tierwohl) und bekommen ökologisch hochwertigeres Futter. Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung den Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen auf 30 Prozent erhöhen. Damit setzt auch die Bundesregierung Impulse für mehr Wachstum des Ökolandbaus.
Neben biologischem Anbau gibt es mittlerweile digitalgesteuerte Techniken, die bei der Nahrungsmittelerzeugung zukünftig immer wichtiger werden. Da wäre beispielsweise die Präzisionslandwirtschaft, die mit Sensoren und Satellitennavigation arbeitet. Die Methode kann mittels digitaler Technologien einen genauen Einsatz von beispielsweise Wasser, Dünger oder Pflanzenschutzmittel planen, überwachen und ausführen. Dadurch können die Quantität und Qualität der Erträge gesteigert und gleichzeitig der Verbrauch kostbarer Ressourcen wie Wasser reduziert werden. Der Markt für Präzisionslandwirtschaft wurde im letzten Jahr auf 10,32 Milliarden US-Dollar geschätzt und könnte nach Prognosen von Mordor Intelligence bis 2028 auf 21,15 Milliarden US-Dollar wachsen.
Ein weiterer Trend ist Vertical Farming, also Landwirtschaft in der Senkrechten: Obst und Gemüse wachsen auf einem Bruchteil der sonst benötigten Anbaufläche übereinander, in mehreren Etagen. Selbst im urbanen Bereich ist dadurch Nahrungsmittelanbau möglich. Diese Art Landwirtschaft funktioniert auch Indoor (Indoor Farming), sodass die Ernte ganzjährig stattfinden kann. Zudem sind die Pflanzen so besser geschützt vor Wettereinflüssen wie zukünftigen Dürren, Stürmen oder Starkregen. Die Größe des Marktes für vertikale Landwirtschaft wird im Jahr 2023 auf 12,90 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2028 könnte er auf 21,06 Milliarden US-Dollar wachsen.
An dieser Stelle soll auch kurz Laborfleisch (In-Vitro-Fleisch) erwähnt werden. Also schlachtfreies Fleisch, das mittels tierischer Zellen im Reagenzglas gezüchtet wird. Bisher sind die Kosten noch zu hoch – 2013 hat der erste Burger-Bratling 250.000 Euro gekostet – und ein Antrag auf Zulassung bei der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) wurde noch nicht gestellt. Bis wir Europäer Laborfleisch auf den Tisch bekommen, wird es also noch dauern. Verlässliche Zahlen und Prognosen gibt es daher auch noch nicht.
Regional einkaufen ist nachhaltig. Nahrungsmittel aus dem eigenen Umfeld haben kurze Transportwege und müssen auch nicht so lange gekühlt werden – damit verursachen sie weniger klimaschädliche Emissionen. Zudem sind regionale Produkte frischer und werden zum optimalen Zeitpunkt geerntet. Das Ergebnis: Sie schmecken besser und sind durch mehr Vitamine und Mineralstoffe auch gesünder. Immerhin haben im Jahr 2023 laut Statista 37,93 Millionen Deutsche beim Einkauf regionale Produkte bereits bevorzugt.
Auch das Merkmal Bio hat sich zu einem wichtigen Kaufkriterium entwickelt. Es geht dabei um gesunde Ernährung, um Tier- und Umweltschutz. Laut Öko-Barometer ist der deutsche Bio-Markt der zweitgrößte der Welt. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln lag 2021 weltweit bei 124,8 Milliarden Euro (Quelle: Statista). In Deutschland wurden 2022 rund 15,31 Milliarden Euro mit Bio-Waren umgesetzt. Und in den letzten zehn Jahren konnte sich der Umsatz verdoppeln.
Ebenso achten die Menschen beim Einkauf mittlerweile auf das Siegel für fairen Handel, der das Einkommen und die Arbeitsbedingungen von Produzenten erhöhen und damit die Gerechtigkeit im globalen Handel fördern soll. Der Umsatz bei Fairtrade-Lebensmitteln ist seit 2008 auf knapp 2 Milliarden Euro gewachsen und hat sich somit bis 2022 mehr als verzehnfacht.
Ebenso wichtig ist bei Einkaufsentscheidungen die Verpackung geworden. Zeitgleich mit den neuen Verpackungsgesetzen, die weiter wachsende Müllberge vermeiden sollen, ist beim Verbraucher ein Trend zu erkennen: Nachhaltig verpackt, plastikfrei oder unverpackt soll die Ware sein. Laut dem Buying Green Report 2023 sind weltweit 82 Prozent der Befragten sogar bereit, mehr für nachhaltige Verpackungen zu zahlen. Trotz der unlängst stark gestiegenen Verbraucherpreise (Inflation). Klassische Verpackungsunternehmen, die sich beispielsweise auf nachwachsende Rohstoffe spezialisiert haben – wie Verpackungen aus Kartoffel- oder Maisstärke – sind im Kommen. EU-Vertreter halten das Potenzial für kompostierbare oder gar essbare Verpackungen für enorm – Produktionssteigerungen von 30 Prozent jährlich seien möglich.
Eine nachhaltige Ernährung kann erheblich dazu beitragen, Hunger zu bekämpfen, Ressourcen, Böden, Umwelt und Klima zu schützen, die Artenvielfalt zu erhalten und unsere eigene Gesundheit zu fördern. Dabei werden nicht nur die Vorreiter zum Megatrend Ernährung beitragen, denn die gesamte Lebensmittelbranche steht unter Veränderungsdruck: Immer mehr Konsumenten, die Politik und auch Investoren verlangen von den Unternehmen, dass Standards (ESG-Kriterien) eingehalten werden, um die Umwelt und die Menschen zu schützen. Stellt sich ein Unternehmen nicht schnell genug nachhaltig um, läuft es Gefahr, dass Kunden ausbleiben, Strafzahlungen fällig werden oder kein Kapital mehr für Investitionen fließt. Wirtschaftlich denkende Firmen wollen das tunlichst vermeiden, darum werden auch sie sich umstellen. Keine Frage also: Der Wandel kommt.
Anleger, die sich für eine Geldanlage mit Nachhaltigkeitsstrategie interessieren, können sich bei einer genossenschaftlichen Bank in Ihrer Nähe beraten lassen.
Bitte lesen Sie den Disclaimer.
144 von 151 Personen fanden diesen Eintrag hilfreich.
War dieser Eintrag hilfreich für Sie?
Ja
Nein
9 Beiträge
Pit 27.5.2024
Super! Super! Super!!! Ich fand Ihre fundierten Artikel immer schon sehr lesenswert. Aber mit diesem toppen Sie nun wirklich alles, was ich bisher zum Thema gelesen habe. Und ich als Ernährungsmediziner lese schon berufsbedingt viel dazu. Alle Aspekte berücksichtigt und trotzdem kompakt, konkret auf den Punkt, kritisch und dabei überaus sympathisch. Hut ab: Das hätte ich einem Geldinstitut nicht zugetraut.
Antworten
Union-Investment 28.5.2024
Antwort zu Kommentar von Pit
Hallo Pit, es freut uns, dass wir das Thema kompakt und konkret auf den Punkt bringen konnten. Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Woche. Viele Grüße Tina Weinlein
Janina 27.5.2024
Ich schließe mich an. Bin zwar keine Medizinerin, aber Veganerin. :-) Bevor ich mich dazu entschloss (denn Fleisch schmeckt mir ja) haben mich genau die Argumente, die Sie hier aufführen, überzeugt. Ich finde Ihren Text wichtig und richtig. Und nur der dezente Hinweis, dass Sie nachhaltige Fonds zum Thema haben. Ihnen geht es um Wissensvermittlung und Weltverbesserung - nicht nur um Werbung wie bei anderen Anbietern. Das überzeugt mich zutiefst! Ich werde mal bei der Volksbank einen Termin machen. Danke!
Antwort zu Kommentar von Janina
Hallo Janina, wir freuen uns sehr, dass Ihnen unser Beitrag gefällt. Viele Grüße Tina
Matz 27.5.2024
Eine Kollege schickte mir den Link zu Ihrem Artikel. Großartig. Sehr informativ und zu lesen, als trotz des schweren Themas zu lesen wie eine Serenade. Großes Lob!
Stefan 27.5.2024
Wichtig. Wichtig. Wichtig. Teilen. Teilen. Teilen. Zusammen bekommen wir die Krisen in den Griff. Trotz der schlimmen Probleme gibt der Text Hoffnung. Gerne investiere ich den Wandel des Ernährungssystems - aus Überzeugung, Ideslismus und auch weil ich daran glaube, das das boomt
H. Forst 27.5.2024
Hallo. Hier ist ja richtig was los. Das Thema scheint zu berühren. Ich lebe seit 16 Jahren vegetarisch. Bisher stand bei mir das tierwohl im Vordergrund. Ich überlege nun vegan zu essen und einen Fonds zu kaufen. Haben Sie einen Foodfonds im Programm?
Antwort zu Kommentar von H. Forst
Gute Tag Herr Forst, einen einen speziellen Foodfonds bieten wir nicht an. Eventuell sind unsere nachhaltigen Fonds etwas für Sie. Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.union-investment.de/anlegen/geld-nachhaltig-anlegen Eine persönliche Beratung erhalten Sie in Ihrer Nähe bei unseren Partnerbanken der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Unter www.union-investment.de/bankensuche finden Sie Ihren Ansprechpartner. Oder rufen Sie uns an. Viele Grüße Tina Weinlein
Kai 28.5.2024
Klasse 👍! bin veganer - fühlt sich besser an - auch fürs gewissen!
Magrit 28.5.2024
Ich muss gestehen, dass ich bio und vegetarisch bisher als Nahrungsmittel für eitle Gesundheitsapostel bewertet habe. Dass wir durch eine bewusste Ernährung auch zig soziale und klimatische Probleme lösen können, war mir so noch gar nicht klar. Ich bin beschämt und werde meine Einstellung ändern. Danke für den Impuls! Und noch was: mir war auch nicht bewusst, dass Geldanlagen helfen, die Welt auf den richtigen Weg zu bringen. Ich dachte, dass es stets nur um Profit geht. Oh Mann, ich komme mir gerade ganz dumm und naiv vor. Ich bin froh Ihren Text gelesen zu haben!
Korni 28.5.2024
Prima Artikel 👍🏻
Buetzler Andre 29.5.2024
"Während fast 750 Millionen Menschen hungern, werden in anderen Teilen der Welt jährlich 921 Tonnen Nahrungsmittel einfach weggeworfen. " Wenn wir nur 921 Tonnen weltweit wegwerfen würden, wäre das wohl ein guter Wert. Leider stimmt dieser Wert nicht: Laut der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) werden derzeit 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel unnötigerweise weggeworfen. Damit einher geht eine Ressourcenverschwendung von ungeheurem Ausmaß. Dies betrifft auch Deutschland.
Union-Investment 31.5.2024
Antwort zu Kommentar von Buetzler Andre
Guten Tag Herr Buetzler, vielen Dank für Ihren Hinweis - wir haben den Beitrag gleich angepasst. Viele Grüße Niklas Zgraja
awerwer
Name E-Mail
Nachricht
Ich möchte über neue Kommentare zu diesem Artikel per E-Mail informiert werden.
Netiquette
Kommentar senden
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Nach dem Absenden Ihres Kommentars erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Ihr Kommentar wird erst nach Ihrer Bestätigung veröffentlicht.
* Alle mit einem Sternchen versehenen Felder sind Pflichtfelder, ohne die Sie Ihren Kommentar nicht absenden können.
Finanzwissen
Diese Schlüsselthemen werden uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen
ESG-Kriterien erklärt
Ratgeber
Schule, Ausbildung, Führerschein? Früh mit dem Geldanlegen für den Nachwuchs zu beginnen.
Drucken Nach oben