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Startseite Aktuelle Nachrichten Irankonflikt: Dauer ist entscheidend
11.03.2026
Der militärische Konflikt im Iran hält an. Union Investment erwartet derzeit keine langfristige Auseinandersetzung und rechnet daher auch nur mit vorübergehenden Auswirkungen auf Konjunktur und Kapitalmärkte. Eine aktuelle Einschätzung.
Der Irankonflikt hält unvermindert an. Seit dem vergangenen Wochenende sind von beiden Seiten vermehrt auch Ölanlagen attackiert worden – eine Entwicklung, die Union Investment in dieser Form nicht erwartet hatte. In der Folge stieg der Ölpreis zum Wochenbeginn stark an.
Die internationalen Kapitalmärkte reagierten am Montag, dem 9. März 2026, auf diese Entwicklung mit Abschlägen bei Aktien und einem Anstieg der Anleiherenditen. Ursache waren Befürchtungen, dass es zu stagflationären Impulsen für die Weltwirtschaft kommen könnte – also weniger Wachstum bei gleichzeitig höherer Inflation.
Zum Dienstag setzte dann allerdings bereits eine gewisse Beruhigung ein. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor in der Nacht zum 10. März 2026 ein baldiges Ende des Konflikts in Aussicht gestellt. Daraufhin beruhigte sich die Lage an den Finanzmärkten. Der Ölpreis sank deutlich, Risikoanlagen wie Aktien konnten einen Teil ihrer Verluste wettmachen.
Union Investment rechnet nach wie vor mit einem zeitlich eng begrenzten Konflikt und geht von einem Ende der Kampfhandlungen in absehbarer Zeit aus. Die aktuellen Entwicklungen unterstützen bislang diese Annahme. Die jüngste Äußerung von Donald Trump zeigt nach Einschätzung der hauseigenen Experten, dass vor allem die US-amerikanische Führung kein Interesse an den hohen wirtschaftlichen Kosten des Krieges haben sollte, zum Beispiel in Form hoher Energiepreise. In Anbetracht der im Herbst anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress dürften stark steigende Benzinkosten in den Vereinigten Staaten kein gutes Wahlkampfargument sein.
Mit dem Ölpreissprung vom 9. März sind diese Kosten erstmals entscheidungsrelevant geworden. Vor diesem Hintergrund ist nach Meinung von Union Investment auch der Versuch einer verbalen „Beruhigung“ von Öffentlichkeit und Finanzmärkten durch den US-Präsidenten zu verstehen. Die Entscheidung für ein Ende des Krieges dürfte dabei nicht in Teheran fallen, sondern in Washington. Kommen die Vereinigten Staaten zu dem Ergebnis, dass das militärische Potenzial des Iran – also die Verfügbarkeit von ballistischen Raketen und das Atomprogramm – hinreichend reduziert wurde, dürften die USA nach Einschätzung der hauseigenen Experten die Kampfhandlungen zeitnah einstellen.
Unklar bleibt dabei, ob der Iran und seine Stellvertreter ihrerseits die Angriffe beenden. Union Investment hält dies jedoch für wahrscheinlich, da das Regime in Teheran ein Einstellen der Angriffe durch die USA und Israel als „Sieg“ darstellen könnte und zugleich das militärische Potenzial des Iran nun extrem geschwächt sein dürfte.
Aus Kapitalmarktsicht entscheidend ist die Frage, wie lange die Straße von Hormus gesperrt bleibt. Aktuell ist der Schiffsverkehr praktisch zum Erliegen gekommen, was einem Stopp der Energielieferungen aus dieser wichtigen Förderregion in den Rest der Welt gleichkommt. Die Golfstaaten reagieren darauf mit einer Lageraufstockung vor Ort und leiten einen Teil der Lieferungen um, etwa durch die „East-West-Pipeline“ in Saudi-Arabien. Die tatsächlichen Produktionsausfälle summieren sich allerdings aktuell bereits auf etwa fünf Millionen Fässer Öl pro Tag. Das sind rund fünf Prozent des globalen Angebots.
Für die Beurteilung der Lage am Ölmarkt durch die hauseigenen Experten sind außer der Bewegung in der Straße von Hormus auch die Entwicklung der Lagersituation beziehungsweise die Höhe der erzwungenen Produktionskürzungen in der Golfregion entscheidend. Darüber hinaus spielt die mögliche Freigabe strategischer Reserven durch Länder der International Energy Agency (IEA) eine große Rolle.
Vor Ausbruch des Krieges war der weltweite Ölmarkt von einer Überversorgung gekennzeichnet, sodass in den Abnehmerländern sowie auf Öltankern noch erhebliche Reserven zur Deckung des Bedarfs vorhanden sind. Eine physische Knappheit dürfte daher zunächst nicht zu erwarten sein, wohl aber ein anhaltend hohes Preisniveau bei Energie. Auf dem derzeitigen Level bewertet Union Investment die aktuellen geopolitischen Risiken als hinreichend in den Energiepreisen reflektiert.
Allerdings sind die örtlich verfügbaren Reserven endlich und die Möglichkeiten zur Umgehung der Straße von Hormus nicht ausreichend, um den Wegfall des Transportwegs vollständig auszugleichen. Damit spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle: Bliebe der Seeweg über mehrere Wochen oder gar Monate gesperrt, dürfte die Situation sich nach und nach verschärfen. Anzeichen für eine langanhaltende Sperrung der Straße von Hormus, etwa wegen einer regionalen Ausdehnung des Konflikts, des Einsatzes von Bodentruppen oder Ähnlichem, würden daher eine Neubewertung der Lage erfordern. Von einer solchen Entwicklung geht Union Investment derzeit aber nicht aus.
Solange die Straße von Hormus nicht langfristig geschlossen bleibt oder Produktionskapazitäten nicht wegen physischer Schäden längerfristig ausfallen, sollten die Folgen für Konjunktur und Kapitalmärkte begrenzt sein. Für die globalen Aktien- und Rentenmärkte dürfte somit der negative Einfluss der Ereignisse erstens von geringer Stärke und zweitens von überschaubarer Dauer sein. Aktuell sehen die hauseigenen Experten daher nicht die Notwendigkeit von plattformübergreifenden, für das gesamte Portfoliomanagement gültigen Veränderungen an ihrer Ausrichtung. Allerdings ist die Situation dynamisch und kann sich jederzeit ändern. Union Investment beobachtet die Lage daher fortlaufend und ist jederzeit bereit, Anpassungen an den Portfolios vorzunehmen.
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