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Startseite Blog Die begehrten Rohstoffe der Gegenwart: Seltene Erden
Seltene Erden sind gar nicht selten, aber dafür bedeutend: Sie halten unsere digitale Welt am Laufen.
Dienstag, 23.09.2025
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Seltene Erden bleiben für die meisten Menschen unsichtbar – dabei wäre unser vernetztes Leben ohne sie undenkbar. Denn seltene Erden stecken in Alltagsgegenständen wie Smartphones und E-Autos. Aber auch in Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind sie verbaut, und sie werden benötigt, um grünen Wasserstoff herzustellen. Manche bezeichnen seltene Erden sogar als Gold des 21. Jahrhunderts. „Seltene Erden sind entgegen ihres Namens gar nicht selten“, erklärt Marco Weber, Volkswirt bei Union Investment, „sondern lediglich sehr aufwendig zu fördern.“
Zu den seltenen Erden zählt eine Gruppe von 17 chemischen Elementen mit Namen wie Scandium, Dysprosium und Yttrium. Sie befinden sich in Mineralien und Erzen und werden oftmals im Bergbau als Nebenprodukt gewonnen. Der Begriff geht zurück ins 18. und 19. Jahrhundert, als Forscher die Elemente in bestimmten Mineralien entdeckten, die zu dieser Zeit als selten galten. Sie wurden zunächst in Form von Oxiden – also chemisch verbunden mit Sauerstoff – isoliert. Als Ergebnis erhielt man ein braun-schwarzes Pulver, das an Erde erinnert.2
„Viele Länder haben sich bis dato auf China als Lieferanten verlassen“, erläutert Weber weiter. Obwohl es seltene Erden auch woanders gibt, dominiert das Reich der Mitte derzeit nach Angaben der offiziellen amerikanischen Behörde für geologische Untersuchungen (USGS) die Weltproduktion mit einem Anteil von siebzig Prozent.1 Das liegt zum einen an einem hohen Rohstoffvorkommen im Land, zum anderen subventioniert China das Exportgeschäft und verkauft die seltenen Erden so günstig, dass sich eine Produktion im Westen kaum lohnt. Die westlichen Länder haben sich daran gewöhnt. Immerhin bringt die Produktion von seltenen Erden hohe Kosten und Emissionen mit sich. Denn um die Metalle vom Ausgangsmaterial zu trennen, sind aufwendige Verfahren notwendig. Viele Lagerstätten enthalten außerdem radioaktives Material.3
Das Quasi-Monopol Chinas, das gerade bei aus seltenen Erden gefertigten Metallen besteht, bringt jedoch erhebliche Abhängigkeiten und Risiken mit sich, wie Weber bestätigt: „Der erschwerte Zugang zu seltenen Erden ist ein riesiges Problem. Sie werden vor allem in der Verteidigungsindustrie sowie im Auto-, Energie- und Tech-Sektor gebraucht.“ Obwohl seltene Erden nur in geringen Mengen verwendet werden, geht ohne sie zunächst einmal gar nichts mehr. Die europäische Industrie importierte nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Jahr 2024 12.900 Tonnen seltene Erden, hinzu kommen daraus gefertigte Produkte. Zu letzteren zählen unter anderem Dauermagnete, die insbesondere in Autos verbaut werden.4
Die 17 Elemente der seltenen Erden Im Gegensatz zu Edelmetallen wie Gold und Silber kommen seltene Erden in der Natur nicht in Reinform vor. Sie sind in Mineralien und Erzen gebunden und werden im Bergbau gewonnen.2
Essenziell für die Energie- und Elektronikbranche Seltene Erden stecken in Computerchips und Handys. Sie kommen dazu in Zukunftstechnologien wie Windkraftanlagen, Photovoltaik und Elektromobilität zum Einsatz.2
Wo seltene Erden vorkommen Das wichtigste Erzeugerland ist China mit einem fast 70-prozentigen Anteil. Danach kommen die USA und Myanmar. Auch in Australien, Indien, Thailand, Nigeria und Russland gibt es seltene Erden.1
„Wenn China kein zuverlässiger Partner ist, werden sich die Abnehmerländer nach Alternativen umschauen“, gibt Weber zu bedenken. Eine bereits praktizierte Taktik sei Lagerhaltung. Langfristig brauche es aber neue Produktionsstätten, Partnerschaften. „Länder wie Australien, Brasilien oder Indien verfügen ebenfalls über nennenswerte Vorkommen“, ergänzt Weber.
Auch Europa will seine Abhängigkeit von China reduzieren: Die EU beschloss dafür im Mai 2024 den „Critical Raw Materials Act“, mit dem kritische Rohstoffe – darunter auch seltene Erden – künftig gemeinsam nachhaltig sichergestellt werden sollen. Hoffnungen richten sich dabei auf das vermutlich größte europäische Vorkommen im Norden Schwedens, wo mehr als eine Million Tonnen an seltene Erdmetallen vermutet werden. Bis daraus lieferfähige Produkte entstehen, dürfte allerdings ein Jahrzehnt vergehen.2
Warum der Handelsstreit zwischen China und den USA seltene Erden verknappt: „Als Reaktion auf den Zollstreit mit den USA schränkte China als größter Exporteur seltener Erden deren Ausfuhren im April 2025 ein. Das Exportvolumen sank daraufhin rapide, westliche Unternehmen befürchteten Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten. Mittlerweile hat sich die Lage zwar wieder etwas entspannt. Allerdings stellen die Exportlizenzen, welche zur Ausfuhr der seltenen Erden benötigt werden, einen massiven Unsicherheitsfaktor dar, der nicht nur die USA, sondern auch den Rest der Welt trifft. Klar ist: China hat seine Stellung als zuverlässiger Anbieter seltener Erden eingebüßt.“
Marco Weber, Volkswirt bei Union Investment
Weitere Hoffnung liegt auf deutschem Boden: In Bitterfeld in Sachsen-Anhalt befindet sich Europas größte Recyclinganlage für Magnete aus seltenen Erden. Da die Recyclingquote der Metalle bislang bei nur einem Prozent liegt, ist das Potenzial immens.2 Und ein Teil der Lösung könnte auch in der deutschen Ingenieurskunst liegen: Ingenieure eines Automobilzulieferers haben es geschafft, Elektromotoren zu entwickeln, die ohne seltene Erden auskommen.3
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3 Beiträge
Andreas 25.9.2025
Interessanter Beitrag. Daß seltene Erden für die Produktion vieler Güter sehr wichtig sind und das China bisher fast ein Monopol auf den Export hatte, ist mir seit Jahren bekannt, habe mir aber nie ernsthafte Gedanken über Möglichkeiten der Investituion darin gemacht. Werde den Artikel zum Anlass nehmen (auch aus Gründen einer breiten Streuung der Anlagen) einen Termin bei der Bank zu machen. mfg Andreas
Antworten
Union-Investment 26.9.2025
Antwort zu Kommentar von Andreas
Hallo Andreas, vielen Dank für deine positive Rückmeldung. Es freut mich, dass Dir der Artikel gefällt. Viele Grüße und ein schönes Wochenende Steffi
Matthias Losert 26.9.2025
Der Artikel sieht politische Abhänigkeit mit China und physikalische Abhängigkeit mit recycelbaren Rohstoffen. Diese Unterscheidung ist nicht trivial, da sie ein geostrategisches Tiefenverständnis über Abhängigkeiten im Gütermarkt fördert. Noch grundsätzlicher ist die Einsicht, dass die Genese vom Universum zum Kapitalmarkt eine politisch gewährte axiomatische Äquivalenzumformung ohne naturwissenschaftliche Einsicht ist. Und es ist unwahrscheinlich, dass die Genese ihre Wirkmacht im Gütermarkt verliert nur weil wir an die Wirkmacht im Finanzmarkt glauben. Nach IPCC-Berichten mündet unser akkumulierter Wille im irdischen Gütermarkt wahrscheinlich im nächsten globalen Artensterben u. U. inkl. Mensch. Wenn unser volkswirtschaftlicher Willensbildungsprozess mit Wohlstand im Finanzmarkt keine Äquivalenz im Gütermarkt hat, ist die Äquivalenzumformung zu überprüfen und ggf. mit einer Währungsreform anzupassen.
Dietmar Ellwanger 17.2.2026
Gibt es UnionInvest einen Fonds der in Seltene Erden Firmen investiert?
Union-Investment 18.2.2026
Antwort zu Kommentar von Dietmar Ellwanger
Hallo Herr Ellwanger, vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Produkten. Das Anlagethema „Seltene Erden“ ist derzeit in keinem unserer Fonds ein Schwerpunkt. Im Moment gibt es dazu daher keine entsprechenden Überlegungen. Viele Grüße, Wirsawija Sailer
awerwer
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