Source: https://www.union-investment.de/blog/krypto_stablecoin
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Startseite Blog Stablecoins: Kurzlebiger Trend oder langfristige Anlagechance?
Was sie sind, wie ein US-Gesetz ihnen Auftrieb gibt, welche Vorteile sie bieten – und warum sie trotz allem weiterhin kritische Aspekte aufweisen.
Donnerstag, 09.10.2025
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In den USA könnte es schon bald so sein, dass Konsumenten statt mit US-Dollar auch mit kryptobasierten Werten wie Amazon-Dollar, Walmart-Coins oder Bank-of-America-Münzen digital bezahlen können. Diese Stablecoins genannten Kryptowerte bieten zwar Vorteile wie schnelle Transaktionen und niedrige Kosten, sie bergen aber auch erhebliche Risiken. Hier erfahren Sie mehr über die Krypto-Bezahlmethoden und was man dabei beachten sollte.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten planen zahlreiche Unternehmen und Finanzdienstleister, eigene kryptobasierte Vermögenswerte als Stablecoins aufzulegen. Ein Auslöser dafür ist der politische Rückenwind durch den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Der hat mit einem Gesetz namens „Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins“, kurz GENIUS Act, einen regulatorischen Rahmen für solche tokenisierten Vermögenswerte geschaffen.
Noch vor den USA hat die Europäische Union (EU) gehandelt: Bereits seit dem 30. Dezember 2024 verfügt die EU mit der „Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR)“ über eine Verordnung, die einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Handel, die Ausgabe und den Umgang mit Kryptowerten wie Bitcoin, Stablecoins oder Token im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum darstellt. Doch dass die USA als größte Volkswirtschaft der Welt am 18. Juli 2025 mit dem GENIUS Act nachzogen, hat natürlich noch mehr Breitenwirkung, was sich in einem allgemein wachsenden Interesse an dem Thema bemerkbar macht. Mit dem Gesetz wurde ein nationaler Rahmen für die Regulierung von Stablecoins geschaffen, also von digitalen Vermögenswerten (Token), die an Währungen oder Wertpapiere gekoppelt sind. Der GENIUS Act soll unter anderem sicherstellen, dass US-Dollar-Stablecoins eins zu eins mit liquiden Reserven wie Bargeld oder US-Staatsanleihen gedeckt sind und regelmäßig überprüft werden. Zusätzlich soll über einen „Digital Asset Clarity Act“ auch die Aufsicht über Krypto-Anlagen geklärt werden. Insgesamt verfolgt das Gesetz das Ziel, eine klare Trennung zwischen Wertpapieren und anderen digitalen Vermögenswerten zu schaffen. Damit will der US-Kongress Rechtssicherheit für die Krypto-Industrie schaffen und Innovationen fördern.1
Diese drei Gesetzesinitiativen könnten dafür sorgen, dass tokenisierte Vermögenswerte ihr Schattendasein beenden. Momentan stellen alle weltweit im Umlauf befindlichen Stablecoins zusammen ein Volumen von 250 Milliarden US-Dollar dar.2 Der US-Finanzminister Scott Bessent glaubt, dass der Wert mit der wachsenden Nutzung bis 2030 auf 3,7 Billionen Dollar wachsen könnte.3
Ähnlich wie bei bekannten Kryptowerten – wie dem Bitcoin – beruht die Technologie hinter den Stablecoins auf der Blockchain. Im Gegensatz zu den meisten Kryptowerten, die stark im Wert schwanken und oft für Spekulationen genutzt werden, sollen Stablecoins – wie der Name schon sagt – wertstabiler bleiben. Wenn ein Unternehmen einen Stablecoin herausgibt, steht es dafür ein, dass dieser jederzeit zum gleichen Wert gegen den referenzierten Vermögenswert im vordefinierten Verhältnis abgesichert ist und damit getauscht werden kann. Um dies sicherzustellen, müssen die Stablecoin-Herausgeber für jeden ausgegebenen Stablecoin einen entsprechenden Wert des referenzierten Vermögenswerts vorhalten. Dieser Referenzwert kann zum Beispiel eine echte Währung, sogenanntes Fiatgeld, wie der US-Dollar mit dem Beispiel Tether, der Euro mit dem Beispiel EURC, oder andere Währungen sein. So wird die traditionelle Währung auf die Blockchain gehoben, um günstigere und schnellere Transaktionen zu ermöglichen. Er kann jedoch auch Rohstoffe wie Gold, zum Beispiel Tether Gold, oder andere Kryptowerte wie Ether, vertreten durch das Beispiel DAI, umfassen. Außerdem gibt es Stablecoins, bei denen ein Computerprogramm automatisch neue Coins erzeugt oder bestehende Coins entfernt, um den Preis möglichst stabil zu halten.
In der Theorie bieten die Stablecoins viele Vorteile. Die herausgebenden Unternehmen erhoffen sich vor allem Einsparungen von Transaktionskosten und Effizienzgewinne, wenn Kunden in Zukunft mit Stablecoins statt mit Kreditkarten bezahlen. Die Unternehmen müssen dann keine Kreditkartengebühren mehr zahlen und nicht mehr die sonst üblichen langen Gutschrift-Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch bei internationalen Überweisungen und E-Commerce-Geschäften bieten sich Stablecoins als kostengünstige Alternative an. Gleichzeitig ermöglichen Stablecoins Anlegern, ihr Kapital im Kryptomarkt zu parken, ohne es zurück in klassische Währungen tauschen zu müssen. Die Befürworter von Stablecoins sehen darin einen wichtigen Baustein für die Digitalisierung des Finanzsystems und eine Möglichkeit, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Risikolos sind die Stablecoins jedoch nicht. Das zeigt ein Blick auf fünf kritische Aspekte dieser tokenisierten Vermögenswerte.
Stablecoins werden in der Regel von privaten Unternehmen herausgegeben. Doch verfügt das emittierende Unternehmen tatsächlich über die versprochenen Reserven, um die Liquidität des herausgegebenen Stablecoins zu gewährleisten? Werden die Reserven auch korrekt verwaltet? Eine mangelhafte Transparenz oder Insolvenz des Emittenten könnte letztlich dazu führen, dass der Stablecoin wertlos wird. Dieses Risiko besteht insbesondere in nicht regulierten Märkten außerhalb der EU und den USA.
Unabhängig davon, ob die Stablecoins in den USA und der EU reguliert werden, stehen sie natürlich auch weltweit im Fokus von Aufsichtsbehörden. Regulatorische Eingriffe oder Verbote auf nationaler Ebene können in einem oder mehreren Staaten die Gültigkeit der Stablecoins einschränken, ihre Nutzung illegal machen oder auch zu abrupten Marktverwerfungen führen. Insofern sind Nutzer und Anbieter von gesetzlicher Seite stets einem Unsicherheitsfaktor ausgesetzt.
Stablecoins basieren auf der Blockchain-Technologie und Smart Contracts. Das sind digitale Verträge, die automatisch ausgeführt werden, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Die zugrunde liegende Technologie gilt durch die Kombination aus Dezentralisierung, Kryptografie und Unveränderbarkeit als besonders fälschungssicher. Dennoch warnen Experten von Union Investment auch vor technologischen Restrisiken. Mögliche Fehler im Code, Cyberangriffe oder technische Pannen können zum Verlust von Geldern führen. Außerdem besteht auch das Risiko, dass Stablecoins von unbefugter Seite durch Hacks manipuliert werden.
In Stresssituationen kann der Stablecoin seine Bindung an den zugrunde liegenden Wert verlieren, sprich der Wert des Stablecoins erheblich von seinem gekoppelten Wert abweichen. Das wird „De-Pegging“ genannt und kann mitunter zu hohen Verlusten führen. So etwas kann beispielsweise passieren, wenn die Reserven des Stablecoins nicht ausreichen, die Nachfrage nach dem Stablecoin plötzlich massiv ansteigt oder fällt, ungünstige Marktbedingungen vorliegen, es technische Probleme oder regulatorische Veränderungen gibt.
Wie andere Kryptowerte können auch privat ausgegebene Stablecoins für illegale Aktivitäten wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder Steuerhinterziehung genutzt werden. Dies erhöht das Risiko regulatorischer Eingriffe und könnte das Image sowie die Akzeptanz von Stablecoins nachhaltig schädigen.
Kurz gesagt, in den Stablecoins stecken viele Vorteile, aber auch Risiken. Ein starkes Wachstum von diesen tokenisierten Vermögenswerten könnte nicht zuletzt für ein heilloses Durcheinander an den Finanzmärkten sorgen. Zweifel an der Solvenz dieses oder jenes privaten Coin-Ausgebers könnte den gesamten Stablecoin-Markt in eine Vertrauenskrise stürzen. Trotz dieser Bedenken betrachten die hauseigenen Experten von Union Investment die Entwicklungen des Stablecoin-Sektors mit großer Aufmerksamkeit. Denn nicht zuletzt könnte ein international geklärter Regulierungsrahmen auch weitere Chancen bieten, aus dem sich neue, tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln könnten. Damit könnten Stablecoins einen Weg darstellen, das Finanzsystem zu modernisieren. Welche neuen Möglichkeiten die Tokenisierung und die Blockchain-Technologie für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bieten, untersuchen seit September 2024 insgesamt 41 internationale Privatbanken und Finanzdienstleister mit dem Agora-Projekt.4 Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.
Ein Token ist eine Art digitaler Wert, der auf einer Blockchain gespeichert wird. Man kann sich einen Token wie einen Chip in einem Spielcasino vorstellen: Er steht für einen bestimmten Wert oder eine bestimmte Funktion. Im Bereich der Kryptowerte gibt es unterschiedliche Token – manche können wie der Stablecoin zur Bezahlung genutzt werden, andere stehen für einen Anteil an einem Projekt, für eine Dienstleistung oder für einen bestimmten Vermögenswert. Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) der EU unterscheidet dabei drei Hauptkategorien von Token: wertreferenzierte Token (ARTs), E-Geld-Token (EMTs) und sonstige Krypto-Assets. ARTs sind an einen Korb von Vermögenswerten gekoppelt, EMTs an eine einzelne Währung wie den Euro. Alle anderen digitalen Token, wie etwa Bitcoin oder Utility Token, fallen unter die Kategorie der sonstigen Krypto-Assets.
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