Source: https://www.union-investment.de/blog/25-jahre-anlegerbarometer
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Startseite Blog Warum ein langer Atem bei der Geldanlage nützlich ist
Was uns 25 Jahre Anlegerbarometer über die Grundhaltung von Sparern lehren.
Donnerstag, 16.04.2026
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Die Weltlage fühlt sich momentan für viele Anlegerinnen und Anleger wieder herausfordernd an: der Irankrieg, neue Inflationssorgen und die weiterhin spürbare geopolitische Großmachtrivalität. Wer in solchen Momenten einen Blick auf die vergangenen 25 Jahre wirft, wird feststellen: Krisen waren häufig Teil der Geschichte – jedoch folgten daraufhin meistens auch Erholungen für die Märkte. Ein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen ist das trotzdem nicht.
Seit 2001 dokumentiert das Anlegerbarometer von Union Investment mehrmals im Jahr das Anlegerverhalten in Deutschland.1 In dieser Zeit ist viel passiert. Anleger erlebten zum Beispiel die Nachwirkungen des Dotcom-Crashs, die Terroranschläge in den USA, die Finanzmarktkrise, die Staatsschuldenkrise in Europa, die Coronapandemie und den Ukrainekrieg. Jede dieser Krisen löste Schockwellen an den Kapitalmärkten aus. Dennoch hat sich der DAX seit Januar 2001 auf rund 25.000 Punkte entwickelt.2 Damit hat sich das seit 2001 hier investierte Kapital in 25 Jahren mehr als vervierfacht. Die Gesamtrendite entspricht durchschnittlich 6,1 Prozent Gewinn pro Jahr. Im Vergleich dazu hat sich der DAX im Fünfjahreszeitraum von Januar 2021 bis Januar 2026 sogar mit durchschnittlich 12,8 Prozent Gewinn pro Jahr entwickelt. Wobei beachtet werden sollte, dass frühere Wertentwicklungen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind. Das sich verändernde Börsenumfeld aus Rückschlägen und Erholungen erforderte allerdings von Anlegern einen langen Atem. Wer die Schwankungen als normalen Bestandteil einer diversifizierten Aktienanlage verstand und nicht in Panik verkaufte, konnte in einzelnen Zeiträumen an den Erholungen des Marktes teilhaben.
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Aber was hat rückblickend die Anlegerinnen und Anleger in Deutschland in turbulenten Zeiten bewegt, die Ruhe zu bewahren und investiert zu bleiben? Das Anlegerbarometer zeigt über die vergangenen 25 Jahre vier bemerkenswert stabile Grundhaltungen:
Dabei war die Altersvorsorge fast über den gesamten Beobachtungszeitraum das meistgenannte Sparziel. Seit dem zweiten Quartal 2021 geben sogar mehr als 80 Prozent der Befragten die Altersvorsorge als wichtigstes Ziel an – im zweiten Quartal 2025 wurde mit 87 Prozent ein neuer Rekordwert erreicht.3
Das Bedürfnis nach Sicherheit ist tief verwurzelt – besonders in Krisenzeiten. Das ist verständlich und legitim. Für Anleger ist es wichtig, ein für das persönliche Risikoempfinden passendes Gleichgewicht von Sicherheitsorientierung und Renditeerwartungen zu finden.3
Ein faszinierendes Muster zieht sich durch die gesamten 25 Jahre: Das Gros der Anleger in Deutschland bewertet die eigene finanzielle Lage stets besser als die allgemeine Wirtschaftslage. Selbst in Krisenzeiten dominierte mit Blick auf die persönliche Finanzsituation Gelassenheit statt Pessimismus.
Selbst während der Finanzkrise 2008/2009 war die Gelassenheit der deutschen Aktienanleger bemerkenswert. Sogar im zweiten Quartal 2009, als ein Fünftel der reaktionsbereiten Besitzer verkaufen wollte, blieb die Mehrheit ihrer Strategie treu oder plante sogar Zukäufe – ein Zeichen für ein durchaus rationales Krisenverhalten.3
Neben diesen Verhaltenskonstanten hat das Anlegerbarometer aber auch einen Wandel ermittelt. Deutsche Sparerinnen und Sparer passen sich an und modernisieren sich – schrittweise, aber stetig. Das deutlichste Signal: Im zweiten Quartal 2024 gab es erstmals in der Geschichte des Anlegerbarometers mehr Tagesgeldbesitzer als Sparbuchbesitzer. Im vierten Quartal 2025 hat die Zahl der Investmentfondsbesitzer die Zahl der Sparbuchbesitzer mit 66 zu 60 Prozent überholt. Das jahrzehntelang dominierende Sparbuch hat damit endgültig seine Monopolstellung verloren.3
Gleichzeitig ist die Renditeorientierung wichtiger geworden: Chancen am Kapitalmarkt zu nutzen gewinnt bei den Befragten als Sparziel an Bedeutung. Die Digitalisierung hat außerdem dazu beigetragen, dass Finanzinformationen heute eigenständig und einfacher beschafft werden können. Zudem sind neue Anlageklassen – von Investments mit nachhaltigen Merkmalen bis hin zu Kryptowährungen – ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt.3
Aus 25 Jahren Anlegerbarometer lassen sich konkrete Lehren ziehen – die sich zumindest im vergangenen Vierteljahrhundert Börsengeschichte bewährt haben.
Kurs halten. Die Betrachtung der Entwicklung des DAX-Index in der Vergangenheit zeigt, dass krisenbedingte Kursabschwünge – zum Beispiel infolge der weltweiten Finanzkrise 2008 oder nach der Eurokrise 2011 – nach längeren Zeiträumen stets durch Erholungsphasen kompensiert wurden. So galt es in turbulenten Börsenphasen immer, Anlageziele nicht aus den Augen zu verlieren, getreu dem Motto „Die Dauer entscheidet, nicht der richtige Investitionszeitpunkt.“
Krisen können eine Einstiegsmöglichkeit sein. Der Behavioral-Finance-Experte Prof. Rüdiger von Nitzsch von der RWTH Aachen sagt: „Risiko ist nicht nur etwas Schlechtes.“ Allerdings müsse man als Gesellschaft erst lernen, dass man auch bereit sein sollte, Risiken einzugehen, um etwas dafür zu bekommen, so von Nitzsch. Ihm zufolge habe sich außerdem besonders in Krisen ein antizyklisches Denken bewährt.3 Denn in Krisenphasen kann ein antizyklisches Vorgehen Chancen eröffnen; ob und wann sich solche Möglichkeiten ergeben, ist jedoch nicht planbar und mit Risiken verbunden. Auch bei sehr pessimistischer Marktstimmung können punktuell Einstiegsmöglichkeiten auftreten, zugleich sind weitere Kursrückgänge jederzeit möglich.
Langfristigkeit kann helfen, Risiken auszugleichen. Wer auf Zeit setzt, kann typische Schwankungen an den Aktienmärkten kompensieren. Denn über längere Zeiträume können sich Risiken nivellieren. Insbesondere für junge Anleger kann ein langer Anlagehorizont interessant und sinnvoll sein.
Nicht alle Eier in einen Korb legen. Wer sein Geld breit streut, verteilt damit auch das Risiko. Das nennt man Diversifikation. Fonds sind dafür ein geeignetes Instrument, denn sie bündeln viele verschiedene Wertpapiere in einem einzigen Investment. Dabei besteht ein Risiko marktbedingter Kursschwankungen sowie ein Ertragsrisiko. Noch wirkungsvoller wird diese Strategie in Kombination mit einem Sparplan: Wer regelmäßig und in festen Raten investiert, muss sich weniger Gedanken über den richtigen Einstiegszeitpunkt machen. Denn erfahrungsgemäß kommt es beim Vermögensaufbau weniger darauf an, wann man einsteigt – sondern vor allem darauf, dass man dabeibleibt. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass am Ende der Ansparphase weniger Vermögen zur Verfügung steht, als insgesamt eingezahlt wurde, beziehungsweise dass die Sparziele nicht erreicht werden können.
25 Jahre Anlegerbarometer zeigen eine bemerkenswerte Transformation der Anlegerkultur vor dem Hintergrund sich wandelnder und teils turbulenter Kapitalmärkte. Die befragten Anleger in Deutschland haben dabei viele vorteilhafte Entwicklungen am Markt nutzen können, sind vor allem in einigen Grundhaltungen fundamental verwurzelt geblieben und haben sich schrittweise an neue Bedingungen angepasst. Die Renditeorientierung ist gewachsen und der Blick auf die eigene finanzielle Zukunft so optimistisch wie nie zuvor.3 Die Weltlage bleibt jedoch weiterhin komplex. Aber wer die Geschichte kennt, weiß: Krisen kommen und gehen. Der ruhige Blick nach vorn, ein langer Atem und eine solide aufgestellte Anlagestrategie – das sind die Zutaten, die sich im vergangenen Vierteljahrhundert bewährt haben.
Mehr über die Erkenntnisse aus 25 Jahren Anlegerbarometer erfahren Sie in einer interaktiven Webpräsentation von Union Investment .
Bitte lesen Sie den Disclaimer.
38 von 42 Personen fanden diesen Eintrag hilfreich.
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2 Beiträge
**Heike L.**19.4.2026
Dieser Artikel ist wichtig für Sparer. Es kommt nicht darauf an wann man einsteigt, sondern die Laufzeit ist entscheiden. Ich werde diesen Tipp an unseren Kindern weitergeben, da sie noch eine lange Laufzeit haben...
Antworten
Union-Investment 20.4.2026
Antwort zu Kommentar von Heike L.
Hallo Heike, vielen Dank für Ihre Rückmeldung zu unserem Artikel. Es freut uns, dass Sie den Tipp an Ihre Kinder weitergeben. Viele Grüße Tina Weinlein
Schmid Albert 25.4.2026
Hallo Heike. Vielen Dankl für Ihre Gedanken und die dargelegten Trends. Die Beschreibung des Faktors Zeit ist sehr wesentlich. LG Albert Schmid
awerwer
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